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“Echte” Dialoge schreiben

Zur Zeit lese ich das sehr empfehlenswerte Buch „Writing Dialogue“ von Tom Chiarella. Unter anderem empfiehlt er, so zur Übung mal einen Tag lang aufzuschreiben, was man den ganzen Tag so sagt. Und zwar nur, was man selbst sagt – und genau so, wie man es sagt. Wir alle reden nämlich den lieben langen Tag oft ziemlichen Unsinn.

Gestern bin ich also beim Arzt, einer Gemeinschaftspraxis, bei der ich vor einigen Jahren schonmal war. Damals gab es ein Vater- und Sohn-Team gleichen Namens, heute steht nur noch ein Name davon auf dem Praxisschild … und ein völlig anderer. Da ich nicht weiß, wer der junge Arzt ist, der mich untersucht, frage ich also nach:

- „Sind Sie der Sohn von dem Vater oder sind Sie ein anderer?“
- „Ich bin ein anderer.“

:mrgreen:

Übrigens: Dialoge zu schreiben ist nicht nur interessant für Sie, wenn Sie Roman- oder Drehbuchambitionen haben. Auch im Businesskontext – also beim Schreiben von Tipps, Selbstlernkursen, Seminarunterlagen oder Büchern – ist es sehr wichtig, echtklingende und damit glaubwürdige Dialoge zu schreiben. Dialoge, die zwar sprachlich korrekt sind, aber nur zum Zweck eines ausgeklügelten Beispiels konstruiert werden, klingen nicht echt. Und alles, was nicht echt klingt, lässt den Leser stutzen oder schlimmstenfalls aussteigen.

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4 Kommentare

  1. Sabine Schlimm sagt:

    Hallo Frau Härter,

    ich gehe übrigens auch gerne den umgekehrten Weg und lese mir Dialoge laut vor, die ich geschrieben (bzw. übersetzt) habe. Und am häufigsten korrigiere ich dann am Tempus herum – besonders bei Belletristik; besonders bei Übersetzungen aus dem Englischen mit seinem ganz anderen Tempussystem. Da habe ich dann im Erzähltext seitenlang “Lieschen Müller ging hierhin, tat jenes und sagte –”, tja, und bei dem, was sie sagt, fange ich dann zu grübeln an. Sagt sie: “Mein Onkel Otto wuchs auf dem Land auf”? Oder “… ist auf dem Land aufgewachsen”? Präteritum oder Perfekt? Manchmal passiert es mir, dass ich alles in das “mündlichere” Perfekt umschreibe, nur um mich dann selbst dabei zu erwischen, wie ich im Gespräch das Präteritum benutze.

    Irgendwann bin ich vollends verwirrt, und dann hilft wirklich nur noch laut lesen.

    Herzliche Grüße,

    Sabine Schlimm

  2. Gitte Härter sagt:

    Hallo Frau Schlimm,

    oh ja! Besonders die umgangssprachlichen Teile sind da schwierig, das glaube ich, dass Sie da teilweise ganz verwirrt sind! Als Leser stolpert man über sowas mitunter ja enorm, wenn es nicht mehr “echt” klingt.

    Ähnlich ging’s mir bei einigen “O-Tönen”, was die korrekte Grammatik anging: die Lektoren haben es korrigiert, woraufhin ich sagte “Ja, das stimmt schon, dass es jetzt korrekt ist. Aber so redet kein Mensch!”. Zum Beispiel hatte ich in einem Buch die Frage “Du meinst, ich solle die Selbstständigkeit aufgeben?” Ich habe in meinem Leben nur eine einzige Person getroffen, die so spricht und die ziehe ich deswegen immer auf. ;-)

    Das laute Lesen ist eh das Beste! Da fallen einem auch alle krumm oder holprig formulierten Sätze erst so richtig auf. Ist auch merkwürdig, dass das IM eigenen Kopf leise nicht so auffällt wie laut, wenn’s über die Ohren geht …

    Einen schönen Tag
    Gitte Härter

  3. Maria Sartori-Plebani sagt:

    Hallo Gitte, da fällt mir ein: Es besteht auch ein Unterschied zwischen “Text am Bildschirm” und “gedrucktem Text”.
    Am Bildschirm übersehen wir oft Fehler, die wir aber bemerken, wenn wir den Text ausdrucken (oft auch bei eigenen Texten!).
    Mit freundlichen Grüßen
    Maria

  4. Gitte Härter sagt:

    Das stimmt Maria. Genauso wie es ein weiterer Unterschied zwischen laut und leise lesen ist.

    Schöne Grüße
    Gitte

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