Oft werde ich gefragt: Wenn ich regelmäßig schreiben möchte, sollte ich mir dann ein festes Pensum setzen? Oder muss ich mich, wie das manche tun, um eine feste Zeit für eine bestimmte Dauer einfach an den Computer setzen?
Die einzig gute Antwort darauf ist: Sie müssen gar nichts!
Schreiben, besonders wenn es Ihnen Spaß machen soll, ist ganz und gar Ihre Sache. Sie sind „der Bestimmer“ über das, was Sie schreiben und wie Sie schreiben und für wen Sie schreiben. Vielleicht wollen Sie nicht einmal Leser erreichen, sondern ganz für sich bleiben. Auch gut!
Entsprechend ist es gut, das zu tun, was einem nützt. Meistens weiß man das schon recht gut.
Ich beispielsweise habe schon in der Schule abends zu lauter Musik meine Hausaufgaben gemacht. Darum schreibe ich total gerne mit Musik.
Vielleicht brauchen Sie absolute Stille. Oder es hilft Ihnen, wenn Sie sich in eine Bibliothek setzen, wo Konzentration in der Luft liegt und andere Leute auch gerade etwas (er)denken.
Gleiches gilt für die Art zu schreiben: die meisten Büromenschen sind es gewohnt, mit dem Computer zu arbeiten. Vielleicht sind Sie auch so richtig schnell im Tippen. Dennoch lohnt es sich, wieder zu Papier und Bleistift zu greifen und mal zu sehen, wie sich das auf das Schreiben auswirkt. Meiner Erfahrung nach ist das hilfreich, weil wir gewohnt sind, am PC „businessmäßiger“ und „korrekter“ zu schreiben. Die Schreibe wird, wenn man sich in anderen Stilen probieren möchte, auf Papier gleich natürlicher und ungehemmter. Probieren Sie es einfach mal für sich aus!
Gleiches gilt für Schreibzeiten: Wenn Sie eine bestimmte Tageszeit wählen, wo Sie richtig Ruhe haben und das Schreiben Ihnen Freude macht, dann machen Sie ein zeitliches Ritual draus. Ein Schriftsteller hat mir vor zwanzig Jahren mal erzählt, dass er mit einer gigantischen Sanduhr arbeitet: jeden Abend setzt er sich für eineinhalb Stunden hin (so lange läuft die Sanduhr durch) und in dieser Zeit schreibt er.
Ich hatte Ihnen ja schon empfohlen, erstmal ein Skelett für Ihren Text zu schaffen. Das mache ich beispielsweise vornehmlich im Café. Aus irgendeinem Grund – vielleicht durch den Trubel der Menschen drumherum – kommen Ideen und ein Konzept leichter in mein Hirnkasterl, wenn ich nicht alleine vor dem PC sitze.
Vielleicht ist es bei Ihnen ein Spaziergang oder energisches Bügeln.
Finden Sie heraus, was Ihnen gut tut und womit Sie sich wohlfühlen beim Schreiben. Probieren Sie Anregungen, die Sie hier und anderswo lesen und hören aus, aber glauben Sie bitte nicht, dass das fixe Regeln sind und man „das so machen muss“.
Was aber auf jeden Fall eine gute Angewohnheit ist: immer Zettel und Stift mit sich rumtragen, damit Sie Textideen notieren oder auch zwischendurch Wartezeiten oder U-Bahnfahrten zum Schreiben nutzen können. Wer weiß: Vielleicht schreiben Sie ja am allerbesten im Bus.
Was sind Ihre bevorzugten Schreib-Rahmenbedingungen?
… bzw.: Was geht gar nicht?




Hallo, Gitte!
„Sie müssen gar nichts!“ Das ist doch mal eine erfrischend klare Ansage. Ich finde gut, dass Du das hier schon mal klarstellst. Das entkrampft das Ganze.
Ein Bekannter (Trainer) hat sich selbst (oder in Absprache mit dem Verlag?) als Vorgabe gesetzt, jeden Tag 1.000 Wörter zu digitalem Papier zu bringen. Aber diese Vorgabe bedeutet ja nicht, dass diese 1.000 Wörter damit schon das fertige Produkt darstellen. Es sind zunächst einmal „nur“ 1.000 Wörter auf rund vier digitalen Seiten.
Du empfiehlst, die Gedanken mit der Hand niederzuschreiben. So richtig mit echtem Papier und Schreiber. Keine digitale Verarbeitung. Es ist wahr: Gedanken entwickeln sich ganz anders, wenn sie vom Gehirn direkt über die Hand mit dem Schreibgerät auf Paper festgehalten werden. Schreiben über die Tastatur ist doch recht technisch. Allerdings sind schon viele dicke Romane von Schriftstellern nur mit der Schreibmaschine oder mit dem Computer geschrieben worden.
Beim Schreiben mit dem Computer fällt das Überarbeiten aber irgendwie leichter, wenn einem keine Sekretärin zur Verfügung steht, die das handschriftlich erstellte Manuskript immer wieder mit dem „Schreibcomputer“ abtippt.
Ein Schriftsteller, dessen Namen mir gerade nicht einfällt, hat die handschriftlichen Texte von seiner Sekretärin immer wieder abschreiben lassen. Danach hat er diese Schreibmaschinentexte Absatz für Absatz zerschnitten und wieder auf Papier aufgeklebt, nachdem er neue Verknüpfungen, Ergänzungen, Variationen oder Anmerkungen handschriftlich vermerkt hatte. Auf diese Weise veränderte sich das bereits wiederholt abgeschriebene Manuskript immer mehr zu dem, was er sich bei diesem aktiven Prozess für seinen Romanhelden vorgestellt hat.
Heute macht man dies mit „Ausschneiden“, „Kopieren“, „Einfügen“ am Computer.
Wahrscheinlich könnte man jetzt darüber streiten, welcher Bearbeitungsprozess am Ende der kreativere ist.
Wie Du schon so gut schreibst, ist es für kreative Momente förderlich, immer Papier und Schreiber unterwegs dabei zu haben. Dem kann ich aus eigener Erfahrung zustimmen. Ich trage so gut wie immer ein kleines Notizbuch (Moleskin) oder viele kleine Notizzettel und Schreiber bei mir. Oftmals fallen mir wundervolle Gedanken und Ideen just in den Momenten ein, in denen ich am wenigsten daran gedacht habe. Hervorgerufen teilweise durch Alltagssituationen und Assoziationen aus der Wirklichkeit.
Herzliche Grüße
Norbert
Hallo Norbert,
genau das ist ein gutes Beispiel: das Ziel, 1000 Wörter pro Tag. Für die einen funktioniert das gut: das ist ein klares Ziel, sie kommen damit klar, und so entsteht in Kürze eine ganze Menge Inhalt (auch wenn es natürlich nicht auf Anhieb die Endversion ist). – Jetzt gibt es aber Leute, die setzen sich so ein Ziel und finden es total erdrückend, blockieren sich damit total selbst.
Darum ging’s mir: Was für den einen guten ist, ist nicht unbedingt was für mich. Was den einen motiviert, kann mich lähmen oder mir jede Freude vergällen.
Gleiches mit “tippen” und “handschriftlich” (ich habe übrigens keineswegs gemeint, ganze Bücher mit der Hand zu schreiben, auch wenn manche das auch tun und besser damit klar kommen – hey, und wenn das der Fall ist, dann hab ich doch lieber ein Buch fertig und kauf mir einen Studenten zum Abtippen – wieder andere kommen gut mit Spracherkennungssoftware klar und diktieren sich ihre Texte).
Der Hinweis mit “probier’s mal mit Papier” kommt vor allen Dingen daher, dass ich beobachte, dass viele Leute zu gestelt und distanziert schreiben, wenn sie damit anfangen. Und ein Aspekt davon KANN der Computer sein, der von Haus aus mehr Korrektheit oder mehr gewohnten Businessstil einbringt. Auch die gefürchtete “Angst vor dem weißen Papier bzw. Bildschirm” ist für manche Leute schlimmer am PC als auf einem kleinen Notizblock.
Der Punkt ist also: jeder sollte verschiedene Sachen ausprobieren. Manchmal sind es solche Kleinigkeiten, die den Unterschied zwischen leicht/schwer, spaßig/quälend, “normale Ideen”/außergewöhnliche Ideen machen.
Viele Grüße
Gitte