Kennen Sie noch die „So flicke ich mein Fahrrad“-Aufsätze aus der Schule? Wo man ganz genau erzählt hat, was man nacheinander so alles gemacht hat?
Manchmal lesen sich Texte wie solche Schulaufsätze. Da wird einfach beschrieben und aufgezählt. Als Leser ist das nicht sonderlich spannend. Es packt einen nicht.
Ich hatte schon in einigen anderen Beiträgen erwähnt, dass Ihre Texte gewinnen, wenn man Sie als AutorIn „greifen“ kann.
Das wiederum passiert ganz besonders durch:
- Ihren ganz eigenen Stil
- Ihre natürliche („normale“) Sprache
- das Beziehen eines Standpunktes
Wenn Sie also nur wie ein Beobachter neben Ihrem Thema stehen, dann ist die Gefahr groß, dass Ihr Text blutleer ist.
Ein weiterer, ganz wichtiger Faktor sind natürlich die Formulierungen. Wenn Sie unspannend schreiben, wird es sich unspannend lesen.
In der Schreibwerkstatt Artikel und Tipps ist die allererste Aufgabe, die ich meinen Teilnehmern gebe: „Beschreibe eine total unspektakuläre Alltagssituation, zum Beispiel das morgendliche Aufstehen, so, dass man sie als Leser wirklich miterleben kann.“
Ich betone, dass es total wichtig ist, dass der Inhalt lahmarschig ist. Denn Sie können sich viel leichter selbst täuschen, wenn Sie über etwas sehr Interessantes schreiben. Der tolle Inhalt funktioniert dann wie eine Krücke: auch wenn Sie ihn noch so blutleer erzählen, kann er einen Text dennoch retten, weil es eben um etwas Spannendes geht.
Probieren Sie es mal aus!
Ist der Inhalt völlig unspektakulär oder sogar regelrecht langweilig, dann konzentrieren Sie sich mehr auf das Schreiben: Wie kann ich das jetzt so ausdrücken, dass es erlebbar wird? Wie kann sowas Banales wie Kaffeekochen sich spannend lesen?
Ein Clou dabei sind kraftvolle Wörter. Also genau das Wort zu finden, dass das, was Sie ausdrücken möchten, am BESTEN ausdrückt. Hilfreich dabei sind Synonymwörterbücher wie beispielsweise die Wortschatz-Seite der Uni Leipzig.



