Kerstin Hoffmann vom lesenswerten Blog PR-Doktor (“Erfolgreich mit Public Relations und guten Texten”) hat ein Interview mit dem Verleger Christian Hoffmann von Business Village geführt.
Wenn Sie damit liebäugeln ein Buch zu schreiben, um damit Ihr Business zu pushen, lesen Sie das mal: Das eigene Buch als Erfolgsrezept?
Zur Zeit lese ich das sehr empfehlenswerte Buch „Writing Dialogue“ von Tom Chiarella. Unter anderem empfiehlt er, so zur Übung mal einen Tag lang aufzuschreiben, was man den ganzen Tag so sagt. Und zwar nur, was man selbst sagt – und genau so, wie man es sagt. Wir alle reden nämlich den lieben langen Tag oft ziemlichen Unsinn.
Gestern bin ich also beim Arzt, einer Gemeinschaftspraxis, bei der ich vor einigen Jahren schonmal war. Damals gab es ein Vater- und Sohn-Team gleichen Namens, heute steht nur noch ein Name davon auf dem Praxisschild … und ein völlig anderer. Da ich nicht weiß, wer der junge Arzt ist, der mich untersucht, frage ich also nach:
- „Sind Sie der Sohn von dem Vater oder sind Sie ein anderer?“
- „Ich bin ein anderer.“
Übrigens: Dialoge zu schreiben ist nicht nur interessant für Sie, wenn Sie Roman- oder Drehbuchambitionen haben. Auch im Businesskontext – also beim Schreiben von Tipps, Selbstlernkursen, Seminarunterlagen oder Büchern – ist es sehr wichtig, echtklingende und damit glaubwürdige Dialoge zu schreiben. Dialoge, die zwar sprachlich korrekt sind, aber nur zum Zweck eines ausgeklügelten Beispiels konstruiert werden, klingen nicht echt. Und alles, was nicht echt klingt, lässt den Leser stutzen oder schlimmstenfalls aussteigen.
Die letzte ganz grundsätzliche Gefahr für Ihre Texte ist das Abkommen von der „Fahrbahn“, und damit ist viel mehr gemeint als nur das Wegkippen des Themas, von dem schon bei Gefahr Nr. 2: vergaloppieren die Rede war.
Wenn Sie ein guter Autofahrer sind, dann werden Sie vorausschauend fahren, das heißt:
- Sie wissen, wo Sie hin möchten,
- Sie beachten die Verkehrsregeln und fahren so, dass andere Verkehrsteilnehmer rechtzeitig erkennen, was Sie tun werden,
- Sie schauen, dass Sie auf Ihrer eigenen „Seite“ bleiben
- und vor allen Dingen: Sie denken für andere Autofahrer mit: Was könnte der jetzt tun? Bleibt er stehen oder gibt er Gas? Biegt der trotzdem ab, obwohl er den Blinker nicht setzt?
Und so absurd das klingt: Genau darum geht es beim Schreiben von Texten auch!
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Kennen Sie noch die „So flicke ich mein Fahrrad“-Aufsätze aus der Schule? Wo man ganz genau erzählt hat, was man nacheinander so alles gemacht hat?
Manchmal lesen sich Texte wie solche Schulaufsätze. Da wird einfach beschrieben und aufgezählt. Als Leser ist das nicht sonderlich spannend. Es packt einen nicht.
Ich hatte schon in einigen anderen Beiträgen erwähnt, dass Ihre Texte gewinnen, wenn man Sie als AutorIn „greifen“ kann.
Das wiederum passiert ganz besonders durch:
- Ihren ganz eigenen Stil
- Ihre natürliche („normale“) Sprache
- das Beziehen eines Standpunktes
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Hier ist ein weiterer Selbstlernkurs von Tania Konnerth von zeitzuleben.de, den ich mir für Sie näher angesehen habe: Autobiografisches Schreiben. Also das Schreiben über sich selbst, über die eigene Geschichte, Erfahrungen, Empfindungen und Erlebnisse.
Dieses Schreiben über sich selbst hat ja verschiedene Qualitäten: sich näher zu entdecken, mit Erlebnissen oder Schicksalsschlägen umzugehen, Zusammenhänge zu entdecken, das Leben oder Abschnitte davon Revue passieren zu lassen, sich und sein Leben bewusster zu erleben (und damit auch aktiver zu steuern) oder auch einfach diesen „eigenen Stoff“ als Futter für alle Arten von Texten zu verwenden.
Wie ich meinen Teilnehmern im Schreibkurs immer gleich am Anfang sage: „Bloß keine Hemmungen!“ Legen Sie los! Machen Sie sich nicht selbst verrückt, dass Sie etwas nicht können oder es vielleicht auf den ersten Wurf nicht perfekt wird. Ist doch egal!
Das Autobiografische Schreiben hat hierbei meiner Meinung nach einen besonderen Vorteil: Sie schreiben über etwas, das Sie genau kennen und bleiben nah bei sich selbst. Das macht das Schreiben meistens automatisch natürlicher und vor allen Dingen persönlicher. Sie zeigen sich als AutorIn. Und da Sie sich und Ihr Leben besser kennen als sonst jemand, wird es sicherlich nur so aus Ihnen herausfließen!
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Das harte Los vieler Blogger sind die stillen Leser. Das ist nicht nur manchmal ziemlich blöd, weil man so ins Nichts schreibt … es schränkt auch ein.
Ich hätte jedenfalls ein paar sehr coole interaktive Ideen. Immerhin ist das ja ein Schreibtipp-Blog, da könnten wir ziemlich gute Sachen zusammen machen. Aber ehrlich gesagt hab ich keine Lust, eine Aktion zu starten und dann sagt keiner was.
Also frag ich vorher mal: Haben Sie Lust auf ein wenig Dialog, die eine oder andere praktische Schreibübung oder das mysteriöse Wir-ärgern-Gitte-das-schafft-die-nie!-Spiel?
Wenn ja, bitte kurz „Laut geben“ hier in den Kommentaren. Übrigens: Sie können jederzeit auch anonym bleiben: dann geben Sie einfach nicht Ihren echten Vor- und Zunamen ein und auch nicht Ihre Webadresse.
Viele Grüße
Gitte Härter
PS: Übernächsten Montag startet die Online-Schreibwerkstatt „Mit wirkungsvollen Seminarausschreibungen überzeugen“. Wenn Sie Seminare veranstalten, ist das was für Sie!
Das mit der Verwirrung ist ziemlich gemein: In den meisten Fällen merkt man das als Autor nämlich nicht. Hier einige typische Verwirrgründe und wie Sie gegensteuern können:
zu abrupte Gedankensprünge
In unseren eigenen Köpfen befindet sich unser gesamtes Know-how. Darum schließt unser Hirn Lücken im Text automatisch. Und deswegen kommen Ihnen Ihre eigenen Texte oft „klar wie Kloßbrühe“ oder „wirklich einfach ausgedrückt“ vor, auch wenn das gar nicht zutrifft.
Damit Sie das merken, können Sie in der Überarbeitungsphase zwei Dinge tun: Wenn es Ihnen gelingt, die Perspektive zu wechseln, sich also in Ihre Zielgruppe zu versetzen (mit deren Wissensstand), dann machen Sie beim Überarbeiten einen Lese-Durchgang, wo Sie NUR darauf achten, ob es aus Lesersicht klar genug ist.
Wenn Ihnen das nicht gelingt, dann suchen Sie sich einen Testleser. Achtung: Der Testleser soll nicht sagen „gut“, „schlecht“, „geht schon“, das bringt nichts! Stellen Sie Ihrem Testleser drei oder vier konkrete Fragen – entweder schriftlich oder mündlich. Zum Beispiel: „Erkläre mir den ersten Absatz in eigenen Worten.“ Oder: „Bei der Übung: Was genau hast Du verstanden, was Du tun sollst?“ Oder: „Was ist Deiner Ansicht meine ‚Message‘? Was will ich mit dem Text sagen?“ Auf diese Weise können Sie mit dem Feedback wirklich etwas anfangen.
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Auch so eine Frage, die mir oft gestellt wird. Wenn Sie planen, regelmäßig zu schreiben, lohnt es sich auf alle Fälle!
Es ist ein wahnsinniger Zeitgewinn, von dem Sie auch sonst profitieren, weil Ihnen sämtliche Schreibarbeiten schneller von der Hand gehen.
Es gibt aber noch einen weiteren Schreibaspekt, der positiv durch das Tippen beeinflusst wird: Sie kommen mit dem “Mitschreiben“ Ihrer Gedanken hinterher.
Ich bin fest der Überzeugung, dass das Schreiben manchmal deshalb so holprig und quälend wird, weil man buchstäblich nicht in Fluss kommt. Sie merken das besonders, wenn Sie von sich sagen: „Sprechen kann ich! Kein Problem! Aber sobald es ans Schreiben geht …“
Wer einigermaßen geordnet erzählen und argumentieren kann, kann immer auch schreiben!
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Sich zu vergaloppieren passiert ganz schnell mal: man schreibt so dahin und irgendwann kippt entweder das Thema weg oder man merkt, dass man bei einer Aussage ganz besonders viel und ausgiebig geschrieben hat. Im Extremfall hat der Text überhaupt nichts mehr mit der Überschrift zu tun.
Wenn Sie nicht gerade einen Text mit einem fixen Thema schreiben, können Sie einfach die Überschrift ändern und praktisch aus der Not eine Tugend machen. Möchten oder müssen Sie aber zu einem bestimmten Thema etwas schreiben, geht das nicht so einfach. Da heißt es dann “zurück auf Los”.
Sie vermuten es schon: Meistens passiert dieses Vergaloppieren, wenn man vor dem Schreiben noch nicht klar genug für sich hat, was man genau mit dem Text sagen möchte.
Ein weiterer Grund ist, dass einem das gewählte Thema gar nicht so liegt oder einfach nicht so richtig interessiert. Vielleicht möchten Sie Ihren Kunden einen guten Tipp zu einem Thema geben, von dem Sie wissen, dass es diesen superwichtig ist – aber Sie selbst lockt das Thema einfach nicht so sonderlich hinter dem Ofen vor.
Die gute Nachricht: Bei fertiggeschriebenen Texten, bei denen man merkt, dass man sich vergaloppiert hat, stecken meistens mindestens zwei Texte drin: das ursprüngliche und das, das sich reingemogelt hat. Vielleicht können Sie also Ihren ersten Entwurf mehrfachverwenden.
Oft werde ich gefragt: Wenn ich regelmäßig schreiben möchte, sollte ich mir dann ein festes Pensum setzen? Oder muss ich mich, wie das manche tun, um eine feste Zeit für eine bestimmte Dauer einfach an den Computer setzen?
Die einzig gute Antwort darauf ist: Sie müssen gar nichts!
Schreiben, besonders wenn es Ihnen Spaß machen soll, ist ganz und gar Ihre Sache. Sie sind „der Bestimmer“ über das, was Sie schreiben und wie Sie schreiben und für wen Sie schreiben. Vielleicht wollen Sie nicht einmal Leser erreichen, sondern ganz für sich bleiben. Auch gut!
Entsprechend ist es gut, das zu tun, was einem nützt. Meistens weiß man das schon recht gut.
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