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Selbstgespräche!

Gestern haben sich meine Schreibwerkstattler amüsiert, weil ich erzählt habe, dass ich zu allen Gelegenheiten rund um’s Schreiben gerne mal mit mir selbst rede.
Laut, versteht sich.

Und tatsächlich sind Selbstgespräche ein universelles Schreibwerkzeug:

:arrow: Sie können sich Ihr Thema erzählen.
Das nützt, wenn Sie nicht recht wissen, wo anfangen, was wichtig ist, was eigentlich Ihr Standpunkt dazu ist … kurz: Sie wehren damit erfolgreich die Gefahr Nr. 1: Blabla ab!

:arrow: Sie können sich ins Thema reinsteigern und damit gleichzeitig für’s Schreiben motivieren.
Manchmal ist das Thema wichtig, aber Sie sind gerade jetzt nicht in Stimmung dafür. Oder Sie schreiben einen Auftragstext für einen Kunden mit einer nicht sooo spannenden Branche. Sich so richtig reinzusteigern ist ein kraftvoller Motor für’s Schreibenwollen: Sagen Sie sich laut vor, warum das Thema für die Zielgruppe (oder Ihren Kunden) so bedeutend ist. Versetzen Sie sich in Leute, die das Produkt oder die Leistung dringend brauchen und nutzen. Oder die die Sache, um die es geht, total toll finden. – Wer über eine Hifi-Messe schreibt, aber das ganze Zeug überteuert und unnötig findet, der wird natürlich einen viel besseren Zugang finden, wenn er sich in einen Hifi-Fan versetzt. Und zwar nicht nur pseudomäßig, sondern so richtig.

Das ist übrigens wieder so eine klassische Wissen- und Tun-Schere. Jaja, in die Zielgruppe versetzen, weiß ich doch. Das zu wissen heißt noch lange nichts.
Ehrliches Hineinsteigern ist gefragt!

:arrow: Sie können Blockaden lösen.
Durch die Selbstgespräche lösen Sie inhaltliche Blockaden, weil Sie das Thema laut ausbreiten. Sie können aber auch das Ärgern oder Hadern darüber, dass Sie nicht weiterkommen, stoppen: Hallo?! Sie brabbeln gerade laut vor sich hin! – Wenn Sie da nicht über sich selbst lachen müssen!

:arrow: Sie können sich total wichtig vorkommen.
Ich treibe es sogar oft auf die Spitze, indem ich während ich Geschirr abspüle und Kaffee mache, so tue, als würde ich über das Thema interviewt. Oft mache ich das auf Englisch, denn das ist nicht nur amüsanter für mich (und ich übe mein Englisch), sondern ich komme mir dann total wichtig vor. Und sich wichtig vorzukommen und „gschaftig“ über das zu reden, worüber man jetzt dann gleich schreibt, ist extrem förderlich. Außerdem ist der Lachanfall garantiert! Wie wunderlich kann man sich noch verhalten?

:arrow: Sie schreiben „normaler“, wenn Sie vorher darüber gesprochen haben.
Ganz viele Leute reden flüssig und spannend, aber schreiben total gestelzt und umständlich. Diese Schreib-Veränderungs-Schranke muss weg. Und das geht am besten, wenn man vom Reden direkt zum Schreiben übergeht. Einen direkteren Weg als sich den Inhalt vorzusagen, gibt es kaum … außer Sie diktieren es sich, wie wir zum Thema Spracherkennung hier in den Kommentaren schon mal kurz hatten.

Na, reden Sie auch schonmal laut mit sich selbst? :-)

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7 Kommentare

  1. Doris sagt:

    Hallo Gitte,
    dem stimme ich absolut zu! Ich rede sehr oft mit mir selber, wenn ich schreibe oder erst mal eine Sache durchdenken muss, über die ich dann schreibe. Als technische Redakteurin verfasse ich Gebrauchsanweisungen und es ist oft nicht leicht, die Fachsprache der Ingenieure so zu umzusetzen, dass es der einfache Anwender auch versteht. ;-) Da ist es gut, sich den Zusammenhang erst mal selbst mündlich zu vergegenwärtigen. Ich lese mir meine Texte meistens auch laut vor. Dabei stolpert man ganz gut über holprige Stellen, die man dann umformulieren und polieren kann.

    Viele Grüße!
    Doris

  2. Gitte Härter sagt:

    Hallo Doris, Selbstgespräch-Kollegin ;-) ,

    ist es nicht faszinierend, wie wir selbst auch mehr davon haben, mehr sehen, mehr verstehen, Zusammenhänge besser verstehen, wenn wir es nochmal “über die Ohren bekommen” … ich meine: wir denken’s ja eh schon im Hirn, und dennoch ist es nochmal GANZ ANDERS, wenn’s laut rauskommt und über die Ohren wieder reinkommt.

    Ich merke das auch bei Selbstgesprächen, wenn ich mich wo festfahre oder mal mit etwas hadere. Wenn ich mir laut sage, dass das so gar nichts bringt, dann reißt es mich sofort raus. Wenn ich es nur denke, hat es eine “Jaja, aber”-Qualität.

    Erstaunlich! Aber wie vielfältig unsere Ohren sind, hatten wir ja eh gerade …

    Ein schönes Wochenende
    Gitte

  3. Norbert aus Hamburg sagt:

    Hallo, Gitte,

    ja, klar, auch ich rede mit mir selbst, wenn ich gerade dazu Lust habe, ich irgendwie festhänge oder meine Gedanken sich gerade auf einen Schlitten, der die Negativspirale herunterrutschen soll, zu setzen drohen… Aber auch, wenn ich etwas aus meiner Sicht gut gemacht habe. Selbst-Lob :-) Und nicht zuletzt dann, wenn ich einen Text schon im ersten Entwurf erstellt habe, lese ich ihn mir laut vor, um zu hören, ob ich verstehe, was ich da geschrieben habe.

    Selbstgespräche helfen auch, wenn ich mich gedanklich festfahre oder im Kreise denke. Heute habe ich auf dem Weg vom Terminal zum Shuttle mit mir selbst gesprochen, weil ich in meinen Überlegungen einfach nicht über einen bestimmten inhaltlichen Punkt hinauskam. Beim lauten Sprechen kam mir dann eine Graphik in den Sinn (IST-Weg-Hindernisse-ZIEL), die mich zu lauten Selbstfragen veranlaßte. Und Schwupp! – siehe da: Das Haupthindernis zu diesem speziellen Ziel bin ich selbst. Konkret: Meine eingefahrenen Gedankenwege, die mit der Zielvorstellung und den bisher wahrgenommenen, aktivierbaren Ressourcen zu tun haben. Wow! Der Knoten ist “geplatzt”.

    Bewegung durch Gehen. Bewegung in den Gedanken durch lautes Sprechen. Bewegung in der Sache und hin zum Ziel durch Erkenntnis aus der aktiven und bewußten Bewegung heraus. (Diese Erkenntnis ist nicht neu, aber immer wieder interessant.)

    Ein schönes Wochenende
    Norbert

  4. Doris sagt:

    Nochmal hallo in die Runde,

    stimmt, wenn man sich festgefahren hat, helfen Selbstgespräche auch ungemein, mir jedenfalls. Die Hirnströme laufen da irgendwie anders ;-) . Ich denke, es ist der “Dialog”, der einem hilft, eine andere Sichtweise einzunehmen und plötzlich macht es “Pling!” und die Lösung präsentiert sich von selbst. Die Lösung, die schon die ganze Zeit da war, wohlgemerkt, aber die man vor Hirnwindungsachterbahn nicht sehen konnte. Dabei ist Bewegung sehr hilfreich, das merke ich auch oft. Man kommt einfach besser in Fluss, als wenn man nur da sitzt und denkt.

    Eine junge Kollegin hat die gleichen Selbstgesprächstendenzen wie ich, sie aber (noch), wenn sie allein im Zimmer ist. Neulich hat unser Chef sie leicht amüsiert beobachtet, als sie mit sich selbst über ein Problem in einem Handbuch sprach. Sie hatte ihn nicht bemerkt, was ihr sehr peinlich war. Unser Chef fands lustig und meinte, na, hoffentlich liegts nicht Arbeitsüberlastung. Tja, wahrscheinlich hätten wir diese Sorge mehr ausschlachten sollen. ;-)

    Ein schönes Wochenende!
    Doris

  5. Gitte Härter sagt:

    … ich stelle mir das mit der Bewegung im Hirn immer so vor wie bei diesen Sandbildern, die in den 80ern so populär waren: einfach den Kopf hin- und herbewegen und alles schwappt an eine andere Stelle … :-)

    Die arme Kollegin! Es ist ja schon amüsant genug, wenn man sich selbst zusieht, aber wenn andere hingucken … und dann auch noch der Chef. Hihi.

    Euch auch ein schönes Wochenende
    Gitte

  6. Wir reden immer mit uns selbst, auch dann, wenn andere zuhören. Wenn all die wichtigen Menschen mit ihren noch wichtigeren Botschaften in den Takshows reden, dann sind das fast immer laute Selbstgespräche. Was andere sagen, interessiert sie eigentlich nicht. Ich vermute, dass das Selbstgespräch eine große Zukunft hat. Schon die alten Griechen …..

  7. Gitte Härter sagt:

    Hallo Herr List, ja, da wird’s dann fast schon philosophisch – und fächert das Thema weiter auf: Wie sehr ist man am anderen interessiert, hört wirklich zu und und und.

    Selbstgespräche als bewusstes Selbstmanagement, zum Beispiel zum Schreiben, sind dann nochmal die andere Schiene.

    PS: Ihren Hinweis auf Ihr Buch und den link habe ich entfernt, da ich das Blog frei von reiner Fremdwerbung halte. Buchtipps, die unmittelbar zum Thema gehören, sind jederzeit gerne gesehen.
    Ansonsten haben Sie immer die Möglichkeit, beim Namen Ihre Website zu verlinken, und davon haben sie ja Gebrauch gemacht.

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