Kürzlich habe ich ja ein neues Buch vereinbart und möchte Sie ein wenig teilhaben lassen, wie ich an’s Buchschreiben so rangehe.
Immer wenn ein Buch fest vereinbart ist, beginne ich mit einem Anfangsritual:
Das Klemmbrett:
Auf das Klemmbrett kommt ein Übersichtsplan für das Buch. Da im Konzept, das mit dem Verlag vereinbart wurde, das Inhaltsverzeichnis zumindest im Groben festgelegt ist, übertrage ich diese Struktur in Tabellenform auf ein A4-Blatt. Ich teile es nach den einzelnen Kapiteln auf und habe rechts drei Spalten: die Zeichenanzahl, den 1. Entwurf und „fertig“. Da Abgabetermin meist bereits in wenigen Monaten ist und das normale Alltagsgeschäft ja auch stattfindet, ist es wichtig, den Fortschritt genau im Blick zu haben. Was ist schon komplett fertig? Stimmt das Verhältnis der einzelnen Kapitel zueinander in puncto Umfang? etc. – So ein Ablaufplan motiviert außerdem, weil man sieht, was schon da ist und was „nur noch“ fehlt.
Der Ablagekorb:
Jedes Buch bekommt einen farbigen Ablagekorb, wo nicht nur das Klemmbrett und das verabschiedete Konzept drin liegt, sondern ich auch alle möglichen Ideen, die mir während des Schreibens noch einfallen, landen. So ist alles auf einem „Haufen“.
Der Ordner:
Ich präpariere für mein Manuskript auch immer von vornherein einen leeren Ordner: Da kommt dann gleich ein Trennregister rein, das ich mit den einzelnen Kapiteln beschrifte. Da ich paranoid bin und mich trotz Sicherheitskopien nicht nur auf Dateien verlasse, drucke ich alles, was ich jeweils fertig habe, aus und hefte es in meinen Ordner. So ist am Ende der erste Entwurf schön abgeheftet und ich kann bequem überarbeiten (was ich immer auf Papier mache und nie direkt am PC, weil man da mehr sieht).
Der letzte Teil meines Anfangsrituals ist das Erstellen der Dateien im Computer: Jedes Buch bekommt seinen eigenen Ordner und die einzelnen Kapitel als Unterordner. In die jeweiligen Ordner stelle ich jeweils schon eine Datei pro Kapitel und übertrage die Details, die bereits im Konzept stehen. Manchmal ist das schon fast ein richtiges Inhaltsverzeichnis, manchmal sind es Kapitelbeschreibungen.
Wenn alle Dateien stehen, erstelle ich – bevor ich so richtig ans Schreiben gehe – eine genaue Unterstruktur pro Kapitel. Und erst dann geht es los.
Übrigens starte ich bei jedem Buch das Schreiben mit dem Anhang. Den hasse ich nämlich wie die Pest, weil es so eine blöde Fleißarbeit ist, die ganzen Buchdaten zu recherchieren und in die richtige Form zu bringen.
Dieses Anfangsritual ist sozusagen mein persönlicher Startblock. Jetzt ist alles präpariert und es kann losgehen …




Hallo Gitte,
dankeschön für diesen Einblick.
Ich schreibe ja technische Handbücher und erarbeite mir zuerst immer ein Konzept, das immer weiter verfeinert wird und dann schon fast ein Inhaltsverzeichnis darstellt. Daran kann man sich wunderbar entlang hangeln und die Kapitel und Unterkapitel nach und nach mit Leben füllen. Das würde ich bei einem anders gearteten Sachbuch auch so machen, weil es am einfachsten und logischsten ist.
Arbeitest Du immer streng Kapitel nach Kapitel ab oder auch mal durcheinander?
Übrigens habe ich gestern in einem Magazin vom Buchhandel eine Werbung für “Nerv nicht!” gesehen.
Viele Grüße von Doris
Hallo Doris,
“… weil es am einfachsten und logischsten ist. ” – Stimmt! Und wenn man schon viel Erfahrung hat oder es aus der Praxis gewöhnt ist, dann kommt man gar nicht auf die Idee das anders zu machen.
Erstautoren denken so oft noch gar nicht, sondern fangen bei Seite 1 an ohne zu wissen, was danach kommen könnte. Das führt nicht nur schnell in den Wald, sondern hat oft zur Folge, dass man enorm Zeit braucht oder es im Überarbeiten “richten” muss, weil das Gesamtkonzept am Ende nicht passt.
>>Arbeitest Du immer streng Kapitel nach Kapitel ab oder auch mal durcheinander?
Ich arbeite meistens durcheinander – und gleichzeitig aber kapitelweise. Selbst bin ich ein Sturzgeburtschreiber bin, das heißt, dass ich mir vorher richtig intensiv Gedanken über die Struktur etc. mache, aber dann beim Schreiben sehr geballt, praktisch in einem Rutsch schreibe. Damit das möglich ist, muss ich gedanklich immer genau da drin sein, was ich schon geschrieben habe. Insofern bleibe ich prinzipiell an einem Kapitel dran. Das muss aber nicht das erste Kapitel sein, sondern ich mache das nach Lust und Laune (was nur geht, wenn der Aufbau stimmt und festgelegt ist).
Einzelne Sachen oder Elemente schreibe ich aber auch durcheinander durch das Buch. Das ist auch der Grund, warum ich mir beim Einrichten der Dateien auch schon das Kapitel richtig durchstrukturiere mit Unter-Überschriften. Dann weiß ich “in Kapitel 5 brauche ich eine Checkliste zu” oder “bei Kapitel 3 möchte ich eine Übung zu xy machen” oder “in Kapitel 1 gibt es eine Extra-Doppelseite zum Thema Z”.
Solche Dinge, die ja in Ratgebern zuhauf enthalten sind, schreibe ich total durcheinander, wie ich gerade Lust habe und je nachdem, wieviel Zeit ich habe. Manchmal hat man ein halbes Stündchen, so dass es sich nicht lohnt, so richtig mit dem Schreiben zu beginnen – aber in der Zeit kann ich zwei oder drei Elemente schonmal vorschreiben. So wächst das Buch auch, wenn nur kleine Zeitinseln da sind und es geht einfacher von der Hand, weil man genau das schreiben kann, wo man gerade Lust drauf hat.
>>Übrigens habe ich gestern in einem Magazin vom Buchhandel eine Werbung für ‘Nerv nicht!’ gesehen.
Sehr schön.
Wir, der Verlag und ich parallel, haben gerade jetzt mit der Pressearbeit begonnen … das läuft jetzt dann an. Bin gespannt, weil das Thema gut ziehen sollte.
Viele Grüße
und einen schönen Nachmittag
Gitte
Hallo Gitte,
auch von mir vielen Dank für diesen Einblick. Für besonders wichtig halte ich übrigens inzwischen die Sache mit dem Ausdruck fertig geschriebener Kapitel.
Bei meinem im Sommer erscheinenden Erstling hatte ich nämlich ein “wunderbares” Erlebnis. Bei der Erstellung des Registers wurde offenbar die Datei beschädigt und ließ sich anschließend nicht wieder öffnen. Da half auch die mehrfache Sicherung nichts, denn auch hier steckte überall der gleiche Fehler drin. Zum Glück habe ich dann aus einem Netzwerk den Tipp bekommen, alles mit OpenOffice zu öffnen. Und so musste ich schließlich nur die Formatierungen neu einfügen. Ansonsten wäre Neuschreiben angesagt gewesen.
Herzliche Grüße und einen sonnigen Nachmittag
Martina
Hallo Martina,
aaaaah: Da ist Dir ja DER Alptraum passiert!
Und sehr gut, dass es dann über diesen Umweg doch noch geklappt hat. Alles neu zu schreiben ist ja schon bei kleineren Artikeln ein Grauen, aber ein ganzes Buch. Unvorstellbar!
So toll Computer sind, so kann immer mal was schiefgehen. Es lebe das Papier!
Gratuliere zum Erstlingswerk! Wie heißt es denn?
Viele Grüße
und ein schönes Wochenende
Gitte
Hallo Gitte,
danke für die Gratulation. Ich freue mich auch schon sehr, wenn mein Werk erscheint. Mein Erstling wird “Das schlagfertige Unternehmen” heißen.
Herzliche Grüße und noch einen schönen restlichen Sonntag
Martina