Gute Texte sind immer facettenreich: sie gehen über “das Übliche” hinaus, sie bringen verschiedene Sichtweisen ein und sie sind abwechslungsreich formuliert. Damit das überhaupt gelingen kann, sind zwei wichtige Fähigkeiten als AutorIn, “mit dem Gehirn” hin- und herspringen zu können und differenziert hinzusehen.
Das können Sie in Ihrem Alltag wunderbar zwischendurch trainieren.
Denn wer im Alltag genau hinschaut, bereichert seine Texte. Dann geht es weg vom üblichen Einerlei hin zu wichtigen oder überraschenden Details. Ihre Leser haben mehr Freude, Ihre Texte werden nutzbringender und Ihre eigene Schreibfreude steigt.
Eine gute Übung dafür ist es, ganz banale Situationen mit verschiedenen Augen zu sehen … und sie ernsthaft weiterzuspinnen:
Sie stehen in einer Warteschlange?
Legen Sie den Leuten, die mit Ihnen warten, gedanklich Wörter in den Mund. Betrachten Sie den Blick, die Körperhaltung: Denkt der erste “So ein Scheiß! Immer diese Beamten!”, der zweite “Nachher mach ich Schweinebraten!”, der dritte: “Lalalalalaaaaaaaaaaaaaaaaa”?
Der Kellner im Restaurant schaut so mies?
Warum ist das wohl so? Hat er vorhin die Kündigung bekommen? Hat ihm sein Zahnarzt den Kiefer verdrahtet, darum bekommt er den Mund kaum auf? Hat er im Lotto gewonnen, aber sein Los verloren? Oder ist er in Wirklichkeit Schauspielstudent und testet gerade seine Reaktion auf Sie? Und was ist mit den anderen Gästen? Könnte es sein, dass die dieses miese Gesicht gut finden, weil sie sich diebisch freuen, dass es dem anderen noch schlechter geht? Weil sie allergisch gegen glückliche Leute sind?
Sie verlesen sich?
Das kennen Sie auch: Man läuft an einem Firmenschild vorbei und verliest sich oder Sie blättern in einer Zeitschrift und lesen völlig Unsinn.
- Wie? Da bietet jemand Schaftherapie an? Interessant! Was Schafe wohl so traumatisieren kann, dass sie in Therapie müssen? Ist die Wollproduktion zurückgegangen? Hat das Schaf Angst vor dem psychotischen Hirtenhund? Fühlt es sich zu gewöhnlich im Meer der anderen Schafe? …
- 11 schwachsinnige (statt scharfsinnige) Tipps, sein Gegenüber einzuschätzen? Das verspricht spannend zu werden … welche schwachsinnigen Tipps gibt es dazu? An den Haaren reißen und schauen, ob der andere ausgeglichen bleibt? Die Augen zusammenzwicken und zwei Stunden fokussiert anstarren? …
Diese Übungen sind lustig. Sie vertreiben die Zeit und heben die Stimmung enorm. Aber sie schulen eben auch den differenzierten Blick und Ihren Einfallsreichtum – und zwar ohne Ihre Ideen sofort abzutun oder zu bewerten.
Das alles tut Ihrem Schreiben, ganz egal welcher Art von Texten, gut. Ihr Gehirn wird beweglicher, sie verlassen ausgetretene Pfade und Sie erlauben sich, Themen auf den Kopf zu stellen.




Na da isser ja. Ach is der süß! Ach ne, so geht das aber nicht. Mich schon am morgen mit Ideen füttern.
Gut das ich noch den unternehmenskick. de habe, der mich dann irgendwie darauf hinweist, es gibt Wichigeres als jetzt nur die Schreibtipps auszuprobieren.
Aber der erste Termin war ein Arzttermin und das Wartezimmer ist ein guter Platz gewesen, mir den schreibtipp mal so vor Augen zu führen.
Da bin ich dann aber froh, das Gedanken lesen noch nicht angeboten wird, so in der VHS oder so. Da hätte ich heute morgen im Wartezimmer mit meinen Gedanken zu den jeweiligen Personen da, bei und mit denen sicher einige Diskussionen ausgelöst.
Das ist ja superspannend!
Da hat man eine Faehigkeit, die bisher eher als persoenlicher Fehler empfunden wurde und bekommt sie als Tipp zur schreibvorbereitenden Gehirngymnastik im NL praesentiert!
Jetzt kann ich ganz positiv und spielerisch so viel ich mag in Menschen meiner Umgebung hineindenken
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Danke, Gitte und herzlichen Glueckwunsch zur Nr.1 des NL
P.S.: Hab ich doch echt an mir runtergeschaut, als Du auf zum Anlass passende Kleidung gehofft hast *lol
…ich gehe heute Abend zu einer Vortrags- und Net(t)work-Veranstaltung, bei der so um die 30 Trainer, Berater und Coaches zusammen sein werden. Werde hier mal das Gedankentraining ausprobieren…
Guten Abend zusammen!
Ihr macht mir Freude: süß finden, sich bestätigt fühlen, an sich runterschauen ob die Kleidung auch stimmt (haha!) und vor allen Dingen gleich ausprobieren … YAY!
… und ja, Amos: das wäre lustig, wenn die Leute hören könnten, was man so denkt!
Hallo Gitte,
Es gibt aber auch die umgekehrte Seite. Man ahnt es kaum, wie viele Menschen Angst haben, was der andere denken könnte…..
Und diese Übung nehmen sicher viele unbewusst wahr.
@Amos hast du registriert, wie so mancher dich gemustert hat und sich dachte…..
Trotzdem, ich finde diese Übung auch supergut. Und mir ist es wurscht, was wer über mich und um mich denkt.
Liebe Grüße und weiter so!
Edeltraud
Hey Edeltraut, ja habe ich.
Das ist hier in Deutschland so und das ist im Ausland, ich bin ab und zu in Afrika und Asien noch mehr.
Da gibt es eine ganz einfache Erklärung, meine äußere Erscheinung!
Der Beruf Märchenerzähler bringt eine gewisse “Dienstkleidung”mit sich, wenigstens bei mir.
Oft werde ich von Kindern angesprochen, zum Beispiel beim einkaufen, die fragen dann ob ich der Weihnachtsmann sei. oder bei der Einreise in die USA wurde ich von Zöllner gefragt, was der St. Claus im Sommer in Florida zu tuen hat.
Die Menschen mustern mich nicht nur, sondern reden glücklicherweise auch mit mir über ihre Gedanken oder Annahmen, Eindrücke.
Ist immer eine fröhliche Kommunikation.
Mir ist heute bei der Arbeit eingefallen, dass man nicht nur in Menschen hineindenken kann, sondern auch in Tiere.
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Mit unseren Haustieren machen wir das ja meist eh schon
Auch kann man sich ausmalen, was und wie ein Ausserirdischer uns, unser Handeln und unsere Umwelt wahrnimmt.
Hallo zusammen,
ja: ein sehr vielschichtiges Thema. Und dass es mal nützlich, mal amüsant, mal informativ, mal überraschend oder belastend und und und sein kann.
Viele Grüße
Gitte
@Bettina. Stimmt! Man kann sich auch, wie ich, manchmal denken, wie es wohl wäre, wenn man heimkommt und schon zu Hause ist.