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Sagen Sie’s einfach(er)!

Den Spruch “Keep it simple” kennen Sie. Und genau dieses Motto sollten Sie sich auch für’s Schreiben ins Hirnkasterl einbrennen.

Jeder Text wird besser, wenn Sie sich einfach ausdrücken.

  • besser lesbar
  • verständlicher
  • “näher” am Leser
  • glaubwürdiger

Außerdem: Sie überhöhen sich als AutorIn nicht.

Das ist ganz wichtig – besonders bei Tipp-Texten, also wenn Sie Anregungen für eine bestimmte Verhaltensweise, Denke oder Handlung geben. Man nimmt nicht gerne Tipps an, wenn man sich geschulmeistert fühlt oder das Gefühl hat, der Autor hält sich für den Klügsten.

Ich hatte Ihnen bereits empfohlen, dass Sie sich als Autor greifbar machen. Dazu gehört in erster Linie Ihre Sprache.

Was heißt “einfach”?

  • kurze Sätze: keine Satzungetüme mit mehreren eingeschobenen Nebensätzen
  • klare Aussagen: keine unnötigen Aneinanderreihungen oder beziehungsweise-Konstruktionen
  • verständliche Ausdrucksweise: keine unnötigen Fremdwörter (und wenn diese nötig sind: mit kurzer Erklärung, dann können Ihre Leser folgen und lernen sogar noch etwas)
  • verstärkt Verben nutzen: keine Hauptwörterballung
  • durchaus immer mal mit Gliederungen arbeiten: anstatt kurze Aussagen mit Gewalt in Fließtext zu pressen
  • kraftvolle Wörter: das beste Wort finden für das, was Sie ausdrücken möchten (dann können Sie auch auf viele Adjektive verzichten)
  • die Kernaussage nutzen: unnötiges Beiwerk und Gelaber streichen
  • und der alte Grundsatz, den Sie schon aus der Schule kennen: Aktiv statt Passiv!
    “Die Anmeldung muss uns bis zum … zugeschickt werden.”
    = Passiv
    “Schicken Sie die Anmeldung bis zum …”
    = Aktiv

Geschmackssache ist die direkte Anrede Ihrer Leser. Bei Tipp-Texten ist sie empfehlenswert, denn Sie haben mehr Möglichkeiten, wirklich mit Ihren Leser zu sprechen. Auch vereinfacht es Formulierungen, weil Sie die Anrede nicht krampfthaft umgehen müssen.

Und hier drei Beispiele:

Jeder Mensch hat mit der Schule eine erste wichtige Bildungsphase durchlaufen. Doch auch danach sollte der Grundsatz “lebenslanges Lernen” lauten!
Denn auch für Selbstständige ist es essenziell, sich kontinuierlich weiter zu qualifizieren.

wird zu: Für Selbstständige ist es essenziell, sich kontinuierlich weiter zu qualifizieren.

Hier sind die beiden einleitenden Sätze “Blabla”. Die eigentliche Aussage ist, dass Selbstständige sich weiter qualifizieren sollten. Jetzt kommt hoffentlich die Begründung. Doch alles, was davor ist, ist unnötig.

Ich habe meinen Augen kaum getraut! Steht doch meine Nachbarin im Hof und spricht mit der anderen Nachbarin zu meiner linken über die nicht geputzte Treppe. An der keifenden Stimme und den bösen Blicken konnte ich erkennen, dass sie über mich hetzten.

wird zu: Unfassbar! Da stehen doch meine beiden Nachbarinnen im Hof und keifen wegen der nicht geputzten Treppe. Zwischendurch werfen sie mir giftige Blicke zu.

Es geht nicht darum, immer zu kürzen. Hier sehen Sie, dass ich “da stehen doch” dringelassen habe, weil das erzählerisch schön funktioniert. Ich habe Nebensächlichkeiten rausgenommen, etwa, dass es die Nachbarin “zur linken” ist und die Erklärung, über wen da gekeift wird, weil das offensichtlich ist.

Kundenservice ist das höchste Gut. Darum ist unser festes Bestreben unseren Kunden exzellenten Service zu bieten.

wird zu: Wir bieten Ihnen exzellenten Service! Das heißt …

Vereinfachen heißt nicht, es einfach bei Schlagworten zu belassen! Darum ist es gut, hier einige ganz konkrete Aussagen zu machen, was “exzellenter Service” bedeutet.


Gar nicht so schwer, gell?!

Fragen Sie sich immer: Wie kann ich diesen Satz – oder diese Passage – einfacher ausdrücken?



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2 Kommentare

  1. Horst R. sagt:

    Es ist nicht so einfach, einfach zu formulieren.
    Beim Sprechen klappt es sicher gut, nur beim Schreiben wollen oft viel mehr Buchstaben auf die Zeilen fliessen, als es für die geneigten Leser gut ist.

    Ich wähle oft die Worte ohne …ung, dann klingt es einfach besser.
    Statt “Anmeldung” einfach “anmelden”, statt “Verlautbarung” einfach “informieren” oder “bekanntgeben”.

    Es ist doch einfach – wenn drauf geachtet und so gemacht wird.
    …und ich lese vieles, so auch lieber.

  2. Gitte Härter sagt:

    Hallo Horst,

    ganz genau: beim Sprechen klappt’s … nur bei der Umsetzung ins Schreiben kommt oft der Verkomplizierungdistanzierungsbusinesslikeschreiben-Filter dazwischen ;-)

    Da hilft das gezielte drauf achten, besonders auf persönliche Eigenheiten – etwa das erwähnte zum “ung” neigen – wunderbar. Das Schöne: wenn man bewusst darauf achtet und dann einige Male ausmerzt, gehen solche Gewohnheiten schnell in Fleisch und Blut über.

    Viele Grüße
    Gitte

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