Eins vorab: Wir reden hier über Texte, bei denen Recherche nicht zwingend notwendig ist. Sie wollen also einen Tipp-Text oder einen Artikel über etwas schreiben, das Sie gut kennen. Nun kommt die Frage ins Spiel, ob es gut ist, sich erstmal zu informieren, was andere darüber schreiben oder nicht.
Und das ist wieder ein etwas komplexeres Thema:
Glauben Sie, Sie müssten recherchieren, weil …
… „man das so macht?“ Besonders AkademikerInnen haben das wissenschaftliche Arbeiten eingehämmert bekommen und tun sich oft extrem schwer damit, sich einfach auf sich selbst zu verlassen.
… Sie, wenn Sie ehrlich sind, nicht einfach eine eigene Meinung oder Zusammenfassung eines Themas liefern möchten, sondern Sie sich wohler damit fühlen, wenn Sie sich auf andere Quellen stützen können?
… Sie zu wenig über das Thema wissen? Wenn dem so ist, prüfen Sie, ob das überhaupt stimmt. Wenn ja, suchen Sie sich lieber ein neues Thema!
Die andere Frage ist, ob die Recherche stimulierend für Sie als AutorIn ist und Ihren Text bereichert – oder ob sie eher stört.
Recherche stört, wenn …
… Sie glauben, dass Ihr eigener Artikel überflüssig ist, weil andere schon darüber geschrieben haben und “alles gesagt ist”.
… Sie sich zu sehr von Inhalten, Stil und Standpunkt anderer Autoren beeinflussen lassen, dass Sie unbewusst imitieren oder gar abschreiben würden.
… Sie sich so sehr in der Recherche verlieren, dass Sie viel zu lange brauchen und einen unnötig hohen Aufwand für Ihren kleinen Artikel betreiben. Viele freie Journalisten tun das übrigens. Ich merke das immer, wenn Journalisten stundenlange Telefoninterviews für einen zwei-Absätze-langen Artikel führen und dann ein klitzekleines, total naheliegendes Zitat nutzen.
Ich selbst beispielsweise lese niemals vorher, was andere schon geschrieben haben. Erst recht nicht, wenn ich ein neues Buch plane oder schreibe. Der Grund ist, dass ich mich zu sehr beeinflussen lassen würde. Das Einzige, was ich gezielt nachschlage, ist, wenn ich auf einen Tipp oder ein Zitat eines anderen Autoren verweise – und ich lese, wenn ich fertig bin, manchmal noch gezielt andere Bücher, um meinen Lesern im Anhang weiterführende Literatur empfehlen zu können.



