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April, 2010:

Überarbeiten längerer Texte

Das ist vielleicht allgemein interessant: Wenn ich umfassendere Texte überarbeite, also lange Artikel, einzelne Kapitel oder ein fertiges Buch oder Selbstlernkurs, mache ich immer drei Durchgänge beim Überarbeiten. Also das gleiche Prinzip, das ich Ihnen auch schon für kleinere Texte vorgeschlagen habe, nur sieht es bei großen Texten etwas anders aus:

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Fundstück: Schrot und Korn

In der neuen „Schrot und Korn“ habe ich gestern einen total lustigen kleinen Text gelesen, den ich Ihnen unbedingt zeigen möchte. Es ist eine Intro zu einem Artikel für gesunde Pausensnacks zum Mitnehmen. Die Autorin Sabine Kumm hat mich schon im ersten Satz schallend zum Lachen gebracht (was auf dem U-Bahnsteig besonders laut ist):

Unser Vorschlag für alle Hungerkünstler, Kantinenflüchtlinge und Jäger des verlorenen Schnitzels: die Rückkehr zur heimischen Stulle.

Der ganze Artikel ist zum Glück online. Lesen Sie den Text auf dieser ersten Seite mal durch und schauen Sie, wieviel langweiliger solche Texte normalerweise ausfallen und was man alles draus machen kann!

Leser-Ansprache (Teil 2): Ihre Leser abholen

Das ist ein schönes Ziel: Ihre Leser dort abholen, wo sie stehen. Doch Tatsache ist: Die stehen alle ganz woanders!

Auch wenn Sie einen Text für lauter Fachleute in einem bestimmten Gebiet schreiben, sind diese lange nicht genau auf dem selben Stand. Stopfen wir doch mal einen Raum voller Informatiker: Glauben Sie, dass die alle dasselbe wissen und können, einen ähnlichen Erfahrungsschatz haben oder von ihrer Persönlichkeit so gestrickt sind, dass sie beispielsweise gut abstrahieren können? Weit gefehlt.

Hier einige wichtige Aspekte, auf die es sich zu achten lohnt:

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Artikel-Formen: Interview

Sehr lebendig ist ein Artikel im Interview-Stil: einerseits können Sie ein „richtiges“ Interview führen oder aber Sie können das „Prinzip Interview“ nutzen und

- sich selbst interviewen,
- einen Artikel in Frage-Antwort-Stil schreiben, ähnlich der „häufen Fragen“ (FAQ) auf Websites.

Interviews sind also sehr vielseitig einsetzbar.

Beachten Sie unbedingt auch, welche Fragen Sie stellen – und wie Sie das tun. Denn ein Interview ist nur dann gut und interessant, wenn die Fragen gut und spannend sind.
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Welche Ihrer Eigenschaften nützen Ihnen besonders für’s Schreiben?

Ist es die Ausdauer, mit der Sie an den Dingen dranbleiben?
Ist es die Genauigkeit, mit der Sie sorgsam formulieren und Fehler finden?
Ist es Ihr Humor, der Texte lockerflockig und unterhaltsam werden lässt?
Ist es Ihre Sprachgewandtheit, mit der Sie gekonnt und pointiert formulieren?
Ist es Ihre Logik, mit der Sie Texte schnell konzeptionieren können?
Ist es Ihre Empathie, mit der Sie Ihre Leser besonders gut an die Hand nehmen?

Sie haben eine ganze Menge an persönlichen Eigenschaften, von denen Ihre Schreibfähigkeiten enorm profitieren. Welche sind es bei Ihnen?

interaktiv: Sagen Sie’s anders … kürzer!

Mein Beitrag über den Telegramm-Stil und Heikes Kommentar dazu haben mich eben daran erinnert, wie sehr ich Lektoren bewundere. Bei meinen zahlreichen Büchern habe ich mit verschiedenen Lektoren gearbeitet und bin immer wieder beeindruckt, wie versiert gute Lektoren mit der Sprache umgehen. Jaja, das gehört zwar eigentlich dazu, aber wie in jedem Beruf ist das nicht automatisch der Fall.

Jedenfalls habe ich sehr viel über die Jahre gelernt, wie man Sachverhalte kürzer, pointierter und auch eleganter ausdrücken kann. Das ist nicht nur schöner und dient der Verständlichkeit, sondern es ist oft auch wichtig, wenn gekürzt werden muss. Denn dann kann ich Nebensächliches zusammenfassen, ohne Inhalte zu verlieren.

Die neue interaktive Aktion lautet daher: Schreiben Sie den folgenden Absatz um.
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Stilmittel: Telegrammstil

Gerade habe ich auf unternehmenskick.de einen kleinen Blogbeitrag geschrieben, der das Stilmittel „Telegrammstil“ wunderbar demonstriert.

Die Hauptaussage meines Textes ist das Reklamationsmanagement – hier: der Anruf vom Firmeninhaber. Ich muss aber meine Leser erstmal up-to-date bringen, also die Vorgeschichte erzählen. Wenn ich hier lauter ganze Sätze mache, ist meine Hinführung im Verhältnis zur „Pointe“ viel zu langatmig.

Ich hatte hier schon einmal erwähnt, dass es hilfreich sein kann, beim Überarbeiten mit farbigen Textmarkern anzustreichen, was Hinführung, was konkreter Tipp etc. ist, weil man so die Gewichtung sieht und ob der Text in sich stimmig ist.

Mit dem Telegrammstil habe ich dieses Problem einer zu langen Hinführung gelöst und es bringt eine schöne Dynamik rein:

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Leser-Ansprache (Teil 1): Sie/du, wir, ich

Das Schöne bei eigenen Texten ist, dass Sie völlig frei bestimmen können, wie Sie mit Ihren Lesern sprechen.

Wenn Sie für jemanden veröffentlichen, kann es hier natürlich feste Vorgaben geben, zum Beispiel mögen manche Redaktionen oder Verlage keine direkte Leser-Ansprache.

Wir gehen jetzt aber mal davon aus, dass es sich um Texte für Ihre Website, Ihren Newsletter oder Ihr Blog handelt, Sie also selbst entscheiden können.

Sie/du: Ihre Leser direkt anzusprechen, ist meiner Meinung nach ein großer Vorteil, denn Sie können dadurch noch unmittelbarer mit Ihnen in Kontakt treten. Wenn Sie es schaffen, über Ihre Texte so richtig mit Ihren Lesern zu reden, manchmal vielleicht sogar zu plaudern, dann liest sich das nicht nur flüssiger, sondern man fühlt sich auch gemeint.

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Buchtipp: Writing Dialogue

Wenn Sie Roman- oder Film-Ambitionen haben, habe ich einen exzellenten Buchtipp für Sie: Writing Dialogue von Tom Chiarella. Gibt’s leider nur auf Englisch.

Hervorragende Übungen, einleuchtende Beispiele und nuancenreiche tolle Ideen für gute Dialoge!

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Gedankenschleifen killen

Wenn Sie einen Tipp-Text schreiben, passiert es oft im ersten Entwurf, dass Sie eine Gedankenschleife machen: Sie führen zum Thema hin, beginnen mit Tipps und oft kommt es dann zu einer oder mehreren „Schleifen“, das heißt, Sie kommen noch einmal auf etwas zurück, das Sie entweder schon gesagt haben oder das ein Nachsatz zu einem vorherigen Absatz ist.

Diese Gedankenschleifen kommen daher, dass Sie in Ihrem Hirnkasterl die richtigen Schubladen aufziehen, die Sie für Ihren Text brauchen – weil wir dazu verschiedene Schubladen brauchen, springen wir in unserem Kopf hin und her oder werden uns während des Schreibens weiterer Aspekte klar.
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