Das Schöne bei eigenen Texten ist, dass Sie völlig frei bestimmen können, wie Sie mit Ihren Lesern sprechen.
Wenn Sie für jemanden veröffentlichen, kann es hier natürlich feste Vorgaben geben, zum Beispiel mögen manche Redaktionen oder Verlage keine direkte Leser-Ansprache.
Wir gehen jetzt aber mal davon aus, dass es sich um Texte für Ihre Website, Ihren Newsletter oder Ihr Blog handelt, Sie also selbst entscheiden können.
Sie/du: Ihre Leser direkt anzusprechen, ist meiner Meinung nach ein großer Vorteil, denn Sie können dadurch noch unmittelbarer mit Ihnen in Kontakt treten. Wenn Sie es schaffen, über Ihre Texte so richtig mit Ihren Lesern zu reden, manchmal vielleicht sogar zu plaudern, dann liest sich das nicht nur flüssiger, sondern man fühlt sich auch gemeint.
Das Du ist dabei aber etwas tricky – besonders im Businessbereich. Auch wenn das Internet ein Duz-Medium ist und dadurch beispielsweise in vielen Blogs und auch auf manchen Websites das Du üblich ist, so heißt es natürlich dennoch zu unterscheiden, wofür Sie Ihre Online-Aktivitäten nutzen. Mich irritiert es beispielsweise, wenn mich jemand einfach mal so gleich duzt – und Bücher, die durchgehend mit Du geschrieben sind, kann ich gar nicht lesen.
Das geht anderen Lesern auch so. Insofern ist es immer wichtig, dass Sie bei der Wahl der Anrede beachten:
- Wie will ICH (mein Unternehmen) wirken? Entspricht mir beispielsweise das Du?
- Wie könnte eine Anrede bei meinen Lesern ankommen? Filtere ich mir dadurch Leser möglicherweise weg?
Mit dem Du ist es übrigens schriftlich genauso wie im Gespräch: Sie können auch per Sie ganz persönlich und locker mit den Leuten reden.
wir: Das Wir – und “uns” – ist auch so eine Sache. Meine Empfehlung: Setzen Sie es wie Salz ein. Immer mal eine Prise. Sonst wirkt es schnell wie das Krankenschwester-Wir (“Wie geht’s uns denn heute?”), und das törnt eher ab.
Achten Sie bei “uns” und “wir” bitte auch immer auf den Kontext. Es ist beispielsweise total in Ordnung mal zu sagen “Wir Selbstständige tun dieses und jenes” oder “Wir Menschen denken oft …”, aber die Wir-Form birgt auch folgende Gefahren:
- Eine Verbrüderung mit dem Leser wird erzwungen: ein ständiges “wir” und “uns” ist einfach viel zu viel.
- Der Leser fühlt sich in eine bestimmte Richtung manipuliert, etwa wenn in der Wir-Form bestimmte Meinungen festgelegt werden.
- Es regt sich Widerstand aufgrund von Verallgemeinerungen: zum Beispiel, wenn es heißt “Wir Frauen sind nunmal emotionaler” oder “Wir Männer lieben schnelle Autos”.
ich: Leser lieben es, wie schon mal gesagt, etwas mitzuerleben oder eine Anekdote oder Charakterzug des Autoren zu erfahren. Darum ist das Ich durchaus eine schöne Sache. ABER: Es ist wichtig, dass Sie nicht beim Ich bleiben, sondern immer überleiten:
- Was heißt das denn jetzt für mich als Leser?
- Wie ist die Relevanz über dieses Geschehnis oder diese Einzelmeinung hinaus?
Die Ausnahme ist natürlich, wenn Ihr Text lediglich ein Erlebnis wiedergibt.




Guten Tag Gitte Härter,
einen sonnigen Tag und gute Laune wünsche ich allen Autoren und Autorinnen.
Es ist wichtig, persönlich anzusprechen: Zum einen um Interesse zu wecken und wachzuhalten, zum Anderen um nicht so leicht abzuschweifen. Wenn ich konzentriert und ansprechend formuliere und schreibe, dann ist die Chance größer auf ein geneigtes Augenpaar zu treffen, als wenn es ver”wir”t wird.
Gut zu lesende Sätze, im verständlicher Sprache, die den Inhalt knapp und wenn machbar mit Humor auf den Punkt bringen – so lese ich Texte auch am liebsten.
Netter Gruss von hier
von
Horst R.