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Vertrauen Sie auf sich im ersten Entwurf!

„Schreibe den ersten Entwurf hinter der geschlossenen Türe und überarbeite mit der offenen Türe“, sagt Stephen King in seinem Buch „On Writing“ (Über das Schreiben) – und das kann ich nur unterstützen.

Oft kommen Leute zu mir, die mit ihren Texten gar nicht mehr weiterkommen. Sie haben sich festgefahren, weil sie

:arrow: zu viel recherchiert und bei anderen geschaut haben, „wie die das so machen“,

:arrow: es immer vorschnell von jemandem gegenlesen lassen, der dann mehr oder weniger hilfreiches Feedback gibt, was dazu führt, dass man andauernd etwas ändert und hundert fremde Ideen einzuarbeiten versucht – was letztlich Flickwerk gibt,

:arrow: ihren Text jetzt so sehr an anderen Quellen oder Feedback orientiert haben, dass er sich vielleicht sogar gut liest, aber die Leute sich überhaupt nicht mehr wohl damit fühlen, weil er ihnen nicht entspricht.

Manchmal kommen Kunden auch total stolz mit etwas an, bei dem ich dann das Gesicht verziehe, weil es viel zu glatt ist und man die Persönlichkeit dahinter gar nicht erkennt.

Vertrauen Sie auf sich! Schreiben Sie Ihren ersten Entwurf immer komplett fertig ohne nach rechts und links zu schauen. Sie können ja danach noch immer Feilen, überarbeiten und Sahnehäubchen draufsprühen – aber erst einmal soll der Text voll und ganz aus Ihnen selbst herauskommen dürfen!

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7 Kommentare

  1. Norbert aus Hamburg sagt:

    Hallo, Gitte!

    Wenn ich diesen Tipp von Dir lese, kommt mir in den Sinn, daß man seinen ersten Entwurf vielleicht besser sogar wie einen “kostbaren Schatz” an einem anderen Ort speichert und ausgedruckt ablegt, als man später die Überarbeitung vornimmt. So kann man im Zweifelsfalle immer wieder den Einstieg in die ursprünglichen Überlegungen bekommen, wenn man selbst – durch vielleicht zu viele fremde Einflüsse – seinen Text fast bis zur Unkenntlichkeit korrigiert hat.

    Herzliche Grüße
    Norbert

  2. Gitte Härter sagt:

    Hallo Norbert,

    ja, wenn man dazu neigt, alles zu verschlimmbessern, ist das auf jeden Fall sinnvoll :-) Noch besser ist es natürlich, sich gar nicht erst “von sich selbst” und von seinem Text so weit zu entfernen, dass man ihn bis zur Unkenntlichkeit korrigiert. Eben dazu dient auch der Hinweis, Entwürfe erstmal unbeeinflusst zu schreiben und auf sich selbst zu vertrauen.

    Denn wenn man von Haus aus viel zu sehr schaut, was andere machen, kann man ja erst gar nicht herausfinden, welche “eigene Stimme” man hat und man wird dann auch immer den eigenen Aussagen misstrauen.

    Bitte versteh mich richtig: Nicht jeder Entwurf ist auf Anhieb gut und manchmal schreibt man auch wirklich Quark oder “Nullinformationen”. Doch erst soll das immer komplett raus, dann kann man mit der Zeit auch ein Gespür dafür entwickeln, wie es – aus Lesersicht – besser funktioniert.

    Viele Grüße
    Gitte

  3. Maria sagt:

    Hallo Gitte,

    was Du hier schreibst ist für mich geradezu eine Riesenerleichterung. Ich arbeite gerade an meiner Masterthesis – gut hat mit Kreativität nicht wirklich viel zu tun.

    Es fällt mir auch echt sehr schwer dran zu bleiben, weil wissenschaftliches Arbeiten nicht so wirklich meine welt ist.

    Genauso habe ich es bisher gemacht: geschaut was andere schreiben, wie sie es tun und so weiter.

    Das ergebnis? Ich bin absolut verunsichert. Der Artikel kommt genau richtig. Das erleichtert mich sehr! Das heisst, ich schreibe jetzt meine Masterthesis runter und dann sehe ich weiter :)

    Super!

    Herzliche Grüsse
    Maria

  4. Norbert aus Hamburg sagt:

    Hallo, Gitte!

    Genau, das ist der Punkt. Am Wochenende hatte ich zwei längere Texte geschrieben.
    Text eins war gut, aber es fehlte hier und da noch etwas inhaltliche Tiefe. Das wurde mir beim zweiten Durchlesen Stunden später klar.
    Text zwei war irgendwie zur “Platitüdenmauschelplauderei” geworden. Das wurde mir schon beim ersten Durchlesen nach dem Schreiben klar… ;-) Hier muß ich noch einmal ran.

    Herzliche Grüße
    Norbert

    PS.: Ich weiß, ich weiß, “Platitüde” schreibt man neuerdings mit “tt”, also “Plattitüde”. Sieht aber komisch aus. Mir gefällt die ursprüngliche Anlehnung an das französische “Platitude” besser.

  5. Gitte Härter sagt:

    @Maria

    Das freut mich! Ja, schreib erst mal so wie Du denkst und dann schaust du. Sonst macht man nicht nur das Schreiben “quälerisch” und stockend, vor allen Dingen macht man sich selbst noch völlig verrückt, ganz unabhängig von der Schreiberei.

    Das mit dem wissenschaftlichen Arbeiten kann ich total nachvollziehen. Witzigerweise geht das auch umgekehrt. Wer es gewohnt ist, wissenschaftlich zu arbeiten, tut sich enorm schwer mit “herkömmlichen” Texten.

    Viel Erfolg beim Schreiben!

    @Norbert

    Haha, jetzt bist Du mir unheimlich mit der Platitüde! Ich habe nämlich gestern Abend “Plattitüde” von einer Lektorin zurückbekommen und gedacht: Nä, nä, nä … das kann ja jetzt wohl nicht sein – und hab zu meinem Entsetzen im Wörterbuch gesehen, dass es jetzt mit tt geschrieben wird. Ich plädiere auch für die Platitüde ;-)

  6. Norbert aus Hamburg sagt:

    Könnte man nicht beiden Seiten gerecht werden mit: “Plat(t)itüde” ? ;-)

    (“unheimlich” – So kann’s manchmal gehen, nicht wahr? :-) )

  7. Sabine sagt:

    Ich gehöre auch zu denen, die sich leicht im eigenen Textfluss hemmen lassen, nach links und rechts schauen und im Endeffekt nichts geschrieben bekommen. Zumindest dann, wenn es um größere Textmengen geht (ich mache gerade zum ersten Mal die Erfahrung, wie es ist, ein ganzes Buch zu schreiben). Was mir hilft, ist die Technik des “freewriting”: Ich stelle mir den Wecker auf eine halbe Stunde (oder auch kürzer, je nachdem), und dann schreibe ich drauflos, ohne auch nur einmal innezuhalten. Wenn mir nichts einfällt, schreibe ich wenigstens, dass mir nichts einfällt (aber das muss ich nur ganz selten). An Stellen, an denen ich mich sonst gerne in Recherchen verliere, mache ich nur eine Notiz, dass ich später noch mal was nachschlagen muss. Auf diese Art und Weise steht dann schon einmal ein erster Entwurf da, mit dem ich mich dann weiter beschäftigen kann. Mir hilft das ganz gut aus Schreibblockaden, die aus der Unsicherheit “Mache ich es gut genug?” entstehen.

    Herzliche Grüße, Sabine

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