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Mai, 2010:

Mitteilungsdrang?

In einem Blogbeitrag vom Februar ging es darum, dass das Schreiben erst dann so richtig fließt, wenn Sie etwas zu sagen haben. Gehen wir doch nochmal eine Ebene höher: Wie sieht es mit Ihrem Mitteilungsdrang aus?

Schreiben kann eine reine Aufgabe sein. Man kann schreiben, ohne sich dafür riesig zu begeistern – und es muss nicht mal eine Quälerei sein. Sie kennen das von anderen Tätigkeiten. Denken Sie an Ihren Haushalt: Vielleicht bügeln Sie nicht sonderlich gerne, aber Sie bügeln gut und es macht Ihnen auch nichts weiter aus.

Oder Joggen. Ich bin einige Jahre gelaufen und war dadurch fit genug, eine ganze Stunde durchzuhalten. Aber so wirklich gefallen hat es mir nie, ich hatte auch keinen Spaß oder Drang oder irgendwelche Hochgefühle.

Andere Leute aber schon. Ich kenne Menschen, die liebendgerne bügeln, und viele Leute springen voller Begeisterung in ihre Laufschuhe und sind voll in ihrem Element.

Mit dem Schreiben ist es ganz genauso. Nur kommt mit dem Mitteilungsdrang ein weiteres wichtiges Element hinzu.
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Veröffentlichen? Trauen Sie sich!

Wissen Sie, wie ich zum Veröffentlichen gekommen bin?

Vor zehn Jahren gab es noch CompuServe: einen damals populären Internetanbieter, der unter anderem ganz wunderbare Foren hatte (ich vermisse sie heute noch). Ich wollte damals für unser ganz frisches Unternehmen so ein Forum für Business & Karriere übernehmen.

Ich sitze also  mit dem zuständigen CompuServe-Mitarbeiter beim Italiener und erzähle ihm meine Ideen. Findet er toll, stimmt er zu … aber da gäbe es noch eine Sache: Es ist für alle Forenbetreiber ein Muss, für die CompuServe-Website Content zu liefern, das heißt jede Woche einen brandneuen Artikel zu liefern. Ob das geht?

Gesagt habe ich: „Klar! Das ist überhaupt kein Problem!“

Gedacht habe ich: „Uhoh … ich habe noch nie im Leben einen Artikel geschrieben, geschweige denn jede Woche … und dann auch noch gleich veröffentlichen?“

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Gar nicht so leicht: Übungen und Anweisungen glasklar beschreiben

Kürzlich hatte ich schon mal über Übungen geschrieben. Übungen sind ja die Gelegenheit, Ihren Leser einen unmittelbaren Nutzen zu verschaffen und sie sofort ins Tun zu bringen.

Und auch sonst gibt es oft Anleitungen:

  • eine Gebrauchsanleitung
  • Aufbauanleitungen
  • die Lösung für ein Problem (z. B. ein Software-Tipp)
  • eine Anweisung (z. B. bei Ärzten: Das Verhalten nach einer Operation).

Diese Beschreibungen haben es wirklich in sich!

Aus Autorensicht: Als Fachkraft auf einem Gebiet, sind einem viele Informationen und Zusammenhänge selbstverständlich: man vergisst wichtige Details oder findet sie zu banal, um sie zu erwähnen (“Das ist ja eh klar!”).

Aus Lesersicht: Hat man bereits Ahnung von der Thematik, kann das als Leser helfen, aber auch schaden, denn vielleicht gibt es eine ähnliche Vorgehensweise, die das falsche Bild hervorruft.

Je unsicherer man ist, desto mehr Fragen kommen aus Lesersicht auf.

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Dinge, die Sie nicht tun sollten: Artikel schreiben gegen Anzeigenkauf

„Juhuuuu! Eine Zeitschrift will unbedingt einen Artikel von mir drucken! … Ich muss nur eine Anzeige kaufen.“

Finger weg!
Wenn Zeitschriften Ihnen dieses Angebot machen, dann wollen sie nur eins: den Anzeigenverkauf ankurbeln.

Lassen Sie das! Es gibt genug Redaktionen, die einen guten Artikel gerne drucken. Und das, je nach Publikation, entweder gegen ganz normales Honorar oder gegen einen Autoren-Kasten, in dem Sie etwas Werbung für sich machen können.

Oder Sie entscheiden sich, einen Artikel zu verschenken, weil er in einer Publikation erscheint, die genau Ihre Zielgruppe trifft. Aber lassen Sie sich nicht mit solchen Anzeigekauf-Deals ködern, sondern gehen Sie dafür lieber vierzigmal Eis essen. Da haben Sie mehr davon!

Entstehung eines Artikels (2)

Am Freitag habe ich Ihnen gezeigt, wie ich vorgehe, wenn ich eine Idee für einen Artikel habe. Hier ist nun der fertige Artikel: Was Seilspringen mit der Selbstständigkeit zu tun hat

Sie sehen, dass ich fast bei meinen ursprünglichen Zwischenüberschriften geblieben bin. Da der Artikel schon etwas lang war, habe ich mich etwas eingeschränkt.

Besonders wichtig ist aber, dass Sie sehen, dass ich zwar meine Analogie des Seilspringens durch den Artikel ziehe – jedoch dann immer selbst dazu sage, was das für den Leser jetzt bedeutet.

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Entstehung eines Artikels

Rechts sehen Sie, wie ich vorgehe, wenn ich einen Artikel schreibe. Das ist übrigens ein – für mich – ganz typisches Beispiel, ob das nun ein kurzer Tipp-Text für unsere Website, ein längerer Artikel oder auch ein Buch ist.

Zuerst werde ich mir über das Thema klar oder beginne mit einer Ausgangsidee. Oft schreibe ich die Ausgangsidee direkt in den Einstieg, aber manchmal überspringe ich den Beginn auch und steige direkt irgendwo weiter unten ein.

Das Wichtigste für mich ist jedoch, dass ich immerimmerimmer Zwischenüberschriften mache, es also immer vor dem Schreiben eine klare Struktur für den geplanten Text gibt. So stelle ich nicht nur sicher, dass ich auf Kurs bleibe, sondern – noch viel wichtiger – das Schreiben selbst geht irre schnell:

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Stilmittel: Umgangssprachlich schreiben

Was punktuell sehr witzig ist und einen Text richtig beleben kann, ist das buchstäbliche Schreiben-wie-man-spricht:

  • Geduhuld!
  • Das geht alles so laaaaaaaaaaangsam.
  • NEEEEEIIIIIIIIIINNNNN!
  • Können Sie mal bitte zu-hö-ren.
  • Schon meakwüadig.

Natürlich immer nur dann verwenden, wenn es sinnvoll für den Text ist, und immer nur in kleinen Dosen , sonst wirkt es zu gewollt und wird anstrengend für die Leser.

Vorsicht! Aufmerksamkeitskidnapper!

Sie wissen ja: Jeder von uns labert. (Das kann ich übrigens nicht oft genug betonen, denn alleine der Laber-Detektor verbessert Ihre Texte sofort!).

Schwieriger zu erkennen sind die kleinen Aufmerksamkeitskidnapper, die eigentlich kein “Gelaber” sind, gleichzeitig aber doch: denn sie sind für den Punkt, den Sie machen möchten, nicht nötig.

Ein Aufmerksamkeitskidnapper ist eine Stelle in Ihrem Text, bei der Ihre Leser sagen: “Hä?” – … und zwar nicht auf gute Weise. Sprich: Der Lesefluss ist unterbrochen, weil man als Leser etwas nicht versteht, verwirrt wird oder auf eine andere Gedankenbahn geschubst wird.

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Buchtipp: Gewissensfragen

Momentan lese ich „Gewissensfragen. Streitfälle der Alltagsmoral.“ Vielleicht kennen Sie die gleichnamige Kolumne von Rainer Erlinger aus dem SZ Magazin. Leser schicken Fragen ein, zum Beispiel, ob man die Toilettenartikel im Hotel einfach mitnehmen darf, weil man sie mitbezahlt, ob man Müll, der einem in den Radlkorb geworfen wurde, „weiter“ auf die Straße werfen darf oder ob es bedenklich ist, einen sehr alten, geerbten Pelz zu tragen, obwohl man gegen Pelze ist.

Ich empfehle Ihnen das Buch hier aber aus Schreib-Gesichtspunkten: Herr Erlinger hat nämlich für die Antworten nur sehr, sehr wenig Platz zur Verfügung. Und den nutzt er nicht nur inhaltlich sehr dicht, sondern schafft es auch, seine Kolumnen immer sehr unterschiedlich und unterhaltsam zu formulieren. Das erkennt man in dieser gesammelten Variante umso besser.

Damit gehen Ihnen nie die Themen aus!

Vorhin bin ich in der aktuellen Schreibwerkstatt nach weiteren Tipps gefragt worden, wie man an Themen-Ideen kommt. Eine gute Anregung für einen Blogbeitrag (danke, Christine).

Sie wissen ja: Das Wichtigste ist es, ein Plankton-Thema zu wählen. Denn auf diese Weise zersplittert jedes Ihrer großen Fachthemen in unzählige Unterthemen: die Ideen gehen nie aus, sondern führen sogar zu immer weiteren Themen.

Hier ganz viele Starterkabel für Ihre Ideen:

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