Zur Zeit lese ich das Buch „Freakonomics“ und ein Kapitel davon heißt „Was haben Schullehrer mit Sumoringern gemeinsam?“. Das hat mich zu einer coolen Schreibübung inspiriert, mit der wir viel Spaß haben werden.
Ich habe unten fünf alternative Fragen für Sie vorbereitet. Dabei habe ich völlig willkürlich zwei Begriffe miteinander in Zusammenhang gesetzt.
Finden Sie einen schlüssigen Zusammenhang. Der kann überraschend sein, lehrreich, lustig … es sollte nur ein nachvollziehbarer Zusammenhang sein.
Der Zusammenhang kann eine Parallele sein. Im zitierten Buchkapitel beispielsweise geht es um Schummeleien. Der Autor bringt konkrete Fälle, wo amerikanische Lehrer im großen Stil bei staatlichen Tests gemogelt haben und setzt sie ins Verhältnis zu ähnlichen Betrugsfällen im japanischen Sumo-Sport
Der Zusammenhang kann also ein Verhalten sein. Er kann aber auch ein geschichtlicher sein oder ein Werkzeug oder eine Person oder irgendeine List, die Sie sich ausdenken, und die eine überraschende Wendung bereit hält.
So geht’s:
- Suchen Sie sich eine Frage aus, überlegen, erfinden oder recherchieren Sie. Haben Sie Spaß damit und schreiben dann einen oder mehrere Absätze Text dazu, um den Zusammenhang auszuführen. Also nicht nur hinschreiben „Der Zusammenhang ist x.“ Das wäre ja langweilig und wir sind hier ja in einem Schreib-Blog.
- Wirklich gut wird es, wenn Sie sich so richtig Mühe geben, tatsächlich einen Zusammenhang zu finden – eben einen, wo man nicht denkt: Na, das ist aber jetzt an den Haaren herbeigezogen.
- Wenn Sie Lust haben, machen Sie öfter mit – mit der gleichen Frage oder mit anderen.
Hier sind die Fragen:
Was haben Käsebrötchen mit Cheerleadern zu tun?
Was haben Autowerkstätten mit Eisdielen gemeinsam?
Welche Parallelen gibt es zwischen Pinguinen und Grundschülern?
Was ist eine Gemeinsamkeit von Duellen und Hochzeiten?
Was haben Toiletten mit Maulwürfen zu tun?
Haha. Los geht’s!




Ich versuch’s mal:
Was haben Toiletten mit Maulwürfen zu tun?
Neulich fiel mir in einer Zeitschrift ein Reisebericht über „meine“ Stadt in die Hände. Enthusiastisch ließ sich ein Redakteur über die Schönheiten von Schlosspark, Uferpromenade und historischer Altstadt aus, empfahl Restaurants und Hotels. Mit zustimmendem Nicken und insgeheim stolzgeschwellter Brust las ich, dass man sich kein idyllischeres Ziel für eine Wochenendreise vorstellen könnte als ebendieses. Genau! Meine Rede.
Die Fotos taten das ihre, die Stadt ins beste Licht zu rücken. Plötzlich allerdings stutzte ich und sah zweimal hin. Die Schlossparkwiese war abgebildet, grün, gepflegt, mit blühenden Rosenrabatten. Und ohne Maulwurfshügel! Dabei wusste ich ganz genau, dass sie derzeit geradezu umgepflügt wird von einer ganzen Armee dieser Wühltiere, gegen die das städtische Grünflächenamt offenbar machtlos ist. Auf dem Foto – keine Spur davon. Dass das Bild aktuell sein musste, erkannte man allerdings an dem soeben erst gepflanzten Jungbäumchen am rechten Bildrand. Die Maulwurfshügel waren wegretuschiert worden, weil sie das idyllische, tourismusmarketingtaugliche Bild störten.
Einmal aufmerksam geworden, nahm ich die restlichen Fotos näher in Augenschein. Und plötzlich fiel mir an lauter kleine Details auf, wie man die Wirklichkeit „verbessert“ hatte. Das – zugegebenermaßen nicht dekorative – Toilettenhäuschen am Marktplatz: Verschwunden. Die Obdachlosen an ihrem Stammplatz vor der Brücke: Weg. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf? Dieses kleine Erlebnis hat mir die Augen geöffnet für die Möglichkeiten von Marketing und Werbung, eine schönere, eine makellosere, eine verkäuflichere Scheinwelt zu erschaffen.
—
Oh oh, das ist jetzt unverhofft medien- und konsumkritisch geworden! Im Übrigen aber frei erfunden: von Stadt bis Maulwurfsproblem im Schlosspark.
Ich bin gespannt auf weitere Texte!
Sabine
Toll, Sabine! Ich bin total beeindruckt, vor allen Dingen, weil es Dir wirklich geglaubt habe – und gleichzeitig gedacht habe: Was? Das kann ja jetzt nicht sein.
Super gemacht.
Ich freue mich auch – und werde natürlich auch selbst dieser Tage was beisteuern. Muss nur auch erst denken, wo Zusammenhänge sein könnten.
Einen schönen Abend
Gitte
Und gleich noch ein (frei zusammenfantasierter) Zusammenhang, diesmal als Zeitungsartikel:
Halwe Hahn und Funkenmariechen als Globalisierungsopfer?
Kölner Unternehmerverband legt Konzeptpapier zur Förderung internationaler Wirtschaftsbeziehungen vor
Global agierende Großunternehmen verlagern ihre Europazentralen nach Köln, die Stadt gewinnt weltweit Renommee als Wirtschaftsstandort, und die Kölner sprechen Englisch so eloquent wie Deutsch: So sieht das Bild der Zukunft aus, das der Verband Kölner Unternehmer gestern in einer Pressekonferenz in leuchtenden Farben ausmalte. Vorgestellt wurde ein Konzept, mit dem Köln fit gemacht werden soll für die globalisierte Wirtschafts- und Arbeitswelt. “Immer wieder bekommen wir mit, dass ausländische Geschäftspartner sich befremdet zeigen von lokalen Sitten und Gebräuchen. Wer in der Kneipe einen Halwen Hahn bestellt, in der Annahme, es handele sich um ein Grillhähnchen, der fühlt sich beim Anblick eines einfachen Käsebrötchens leicht betrogen. Wir befürchten, dass solche Erlebnisse dazu führen, dass die Geschäfte anderswo gemacht werden”, erklärte die Pressesprecherin des Vereins, Dr. Mary Pfriemel.
Diesem Problem soll vor allem mit einer Aufklärungskampagne begegnet werden. “Wir möchten darauf hinwirken, dass Gastronomen künftig ein Käsebrötchen auch als Käsebrötchen bezeichnen. Im nächsten Schritt können wir uns sogar vorstellen, ganz zum international bekannten und beliebten cheese sandwich überzugehen”, so Pfriemel weiter. Die Tanzmariechen sollten sich in “Carnival Cheerleading Squad” umbenennen und künftig auf den Dreispitz verzichten. Der Verein hat bereits zu Spenden aufgerufen, um alle Tanzgarden mit Cheerleader-Pompons auszustatten. “Auf diese Art und Weise bieten wir gerade amerikanischen Geschäftsleuten ein bekanntes und vertrautes Bild. Sie sollen sich hier zu Hause fühlen.”
Der Verein Kölsche Kultur hat bereits seinen Widerstand gegen die Pläne angekündigt.
HAHAHAHA, unfassbar! Hiermit überreiche ich Dir einen Phantasiepokal. Was für ein geniales Beispiel, da so einen logisch ausgearbeiteten Zusammenhang herzustellen. Sehr elegant!
Danke
)
Schicke Spieleinladung. Ich nehme gern an.
Welche Parallelen gibt es zwischen Pinguinen und Grundschülern?
Der Außenstehende könnte bei der Beobachtung der beiden Gattungen – in typischer Situation – jeweils eine Gruppe sehen, die in einem tendenziell untergeordneten Verhältnis zu einer Einzelperson stehen. In Wirklichkeit sind aber Tierpfleger und Lehrer Dienstleister, die im besten Falle ein nützliches Angebot zur Entwicklung ihrer Schützlinge machen.
Thematisch ableiten ließe sich auch die Frage, ob aus der Gruppenuniformität der Pinguine bei trotzdem beobachtbarer Individualität nicht für Schüler eine Schuluniform eine gute Idee sein könnte.
Soviel aus Berlin, wo es Freude gemacht hat, diesen Schlenker weg von einer todo-Liste zu machen.
Hallo Herr Pankrath,
das freut mich, dass Sie Spaß hatten – und sich der Pinguine und Grundschüler angenommen haben.
Jetzt wollte ich natürlich nicht nachstehen und habe etwas gegoogelt und DANK WIKIPEDIA unfassbarerweise eine erstaunlich naheliegende Verbindung von Duellen und Hochzeiten gefunden.
—
Bestimmt haben Sie schon vom Fehdehandschuh gehört: Dieser wurde dem Gegner ins Gesicht geschlagen, um ihn zu einem Ehrenduell herauszufordern.
Im 15. – 18. Jahrhundert gab es die so genannte „Handschuhehe“ oder auch Stellvertreterhochzeit. Die Handschuhehe war eine Hochzeitszeremonie in Abwesenheit des Bräutigams. Um die Trauung zu vollziehen, konnte ein Stellvertreter auftreten. Das war entweder ein bevollmächtigter, ein Ehevormund, ein Bote oder ein Diplomat. Der Handschuh wurde überreicht, um den Botenauftrag zu bekräftigen.
Hochzeiten wurden damals häufig als politische Allianz zwischen herrschenden Familien geschlossen. Da dies oft über sehr weite Entfernungen geschah, konnten Braut und Bräutigam nicht so schnell zusammenkommen. Wollte man den tatsächlichen Akt der Hochzeit – und damit die politische Allianz – schneller auf den Weg bringen, kam es zu so einer Stellvertreterhochzeit.
Kaum ein Produkt, kaum eine Dienstleistung ist zu jeder Zeit des Jahres gleichermaßen gefragt. Im Gegenteil: in den meisten Branchen kennt man mehr oder weniger starke saisonale Schwankungen. Dass Hotels während der Schulferien besser ausgelastet sind als außerhalb, oder dass Rosen zum Valentinstag besonders stark nachgefragt werden, kann man sich leicht zusammenreimen. Auch die Eisdiele, die im Sommer brummt, und die über die Wintermonate geschlossen wird, kennt wohl jeder. Aber auch in anderen Branchen gibt es saisonale Schwankungen. Autowerkstätten zum Beispiel verzeichnen regelmäßig Auftragsspitzen im Frühjahr und im Herbst, wenn die Reifen gewechselt und die Autos winter- bzw. sommerfit gemacht werden müssen. Die Fixkosten allerdings kennen solche Schwankungen nicht. Die Miete für das Ladenlokal, die Gehälter der Angestellten: sie wollen auch in auftragsschwachen Monaten bezahlt werden. Grund genug also für Unternehmer, sich ein paar Gedanken zu machen, wie die mauen Monate mit spannenden Ideen zu Umsatzbringern gemacht werden könnten.
Uähhhh… watt ein Blah

Aus dem Ärmel und völlig unredigiert, aber ich wollte doch auch dabei sein
Dankeschön an Gitte für die tolle Idee!
Schöner Text, Angela! – Ich find das total spannend, weil wir hier schon komplett andere Herangehensweisen/Stile haben … zusätzlich natürlich zum Überraschungseffekt des Zusammenhangs.
Toll! Ich denke auch zwischendrin immer mal nach, doch so einfach ist das gar nicht. Da wird uns bestimmt dieser Tage noch was einfallen mit vereinten Kräften.
Hallo, Gitte!
Hier ein eher sachlicher Vergleich:
- Was haben Autowerkstätten mit Eisdielen gemeinsam?
Es gibt etwa 4.000 Eisdielen und weit über 6.000 Autowerkstätten in Deutschland. Die meisten dieser Betriebe sind inhabergeführte Familienunternehmen.
In beiden Dienstleistungsbereichen befinden sich die Eigentümer und Angestellten im ständigen Kundenkontakt. Sie müssen sich immer wieder auf das Neue beweisen. Und Sie sind in fast ähnlicher Weise beide abhängig von saisonalen Schwankungen und dem Wetter.
Im Sommer werden andere, frischer anmutende Eiskreationen angeboten als gleich zu Beginn des Frühlings. Während Zitrone eventuell doch mehr in die sonnige Zeit des Sommers hineinpasst, lässt sich der Frühling vielleicht gut mit einer Karamell-Schokoladen-Mischung versüßen. Kaum sind die Sonne und etwas Wärme da, werden die Kunden die Eisdielen stark besuchen. Bei Regen und wiederkehrenden Temperaturen, die eher an den vergangenen Winter als an den bevorstehenden Sommer erinnern, werden wohl viele Plätze und Eissorten ungenutzt bleiben.
Ähnlich geht es den Autowerkstätten. In Zeiten, wenn die Reifenwechsel, die Inspektionen oder der TÜV durchgeführt werden müssen, werden sie starken Zulauf haben. Wahrscheinlich auch im Herbst, wenn Regen und herab gefallene Blätter sich zu einem rutschigen Fahrbahnbelag vereinigen. Hier werden wohl viele Fahrzeughalter Blechschäden zur Reparatur bringen. Aber auch der obligatorische Lichttest im Herbst wird vielen Werkstätten mehr Kunden als sonst bringen. Hingegen wird es in den Urlaubswochen wohl etwas ruhiger werden in den Werkstätten.
Die beiden Branchen leisten Handwerksarbeit für die Kunden. Die Qualität der Arbeit entscheidet darüber, ob der Kunde wiederkommt. Der Wettbewerb untereinander in den jeweiligen Branchen und Regionen lässt Betriebe aufblühen oder in die Pleite gehen. Die Betreiber der Autowerkstätten und Eisdielen haben es sprichwörtlich in der Hand, ob ihr Unternehmen eine Goldgrube wird und bleibt, oder ob es an Kundenarmut zu einer Grube der traurigen Art mutiert.
Ich hätte noch eine neue Textgattung anzubieten, den Inhalt bitte ich nicht allzu ernst zu nehmen
“Hast du auf dem Brötchen Käse,
brauchst du auch viel Majonäse”,
dachte sich die kleine Liz,
als sie in die Semmel biss.
Legte gleich danach eins drauf,
machte sich den Kühlschrank auf,
nahm sich raus die Marmelade.
“Um das Süße wär’s doch schade,
wenn ich es verkommen ließe”,
sprach’s und Liz verputzte diese
erdbeerige Schlemmerei
auf ‘ner Schüssel Milchreisbrei.
Es kam, wie es wohl kommen muss:
Sie aß aus Lust, aus Überdruss,
aus Langeweile, Einsamkeit,
und wurde um die Hüfte breit.
Was sie wohl heute tut? Wer weiß.
Mit ihrem wohlgenährten Steiß
und kugelrundem Bauchgewicht:
Cheerleaderin ist sie wohl nicht.
Cheerleader ist sie wohl nicht, aber ein gelungener Star in Ihrem Verbindungsversen.
Das ist der richtige Anfang für einen kühlen Frühlingsmorgen. Tolle Idee von Gitte, tolle Umsetzung von allen hier. Vielen Dank für den Assoziationsschub.
Amos
@Amos: Das finde ich aber auch!
@Angelika: Ich bin gestern hier auf die Knie gefallen und habe Dir gehuldigt – und auch jetzt muss ich wieder lachen und nicke bewundernd. Ein tolles Gedicht und ein weiteres Super-Beispiel wie facettenreich das Schreiben ist (und wie schwierig gutes Dichten. Übrigens hab ich noch mehr gelacht, weil meine nächste interaktive Aktion eh dichten sein sollte … aber daran tüftle ich noch. Ich sehe: Das fällt auf fruchtbaren Boden).
Das wird jetzt kurz, weil es schon so spät ist. Wahrscheinlich zu kurz!?
Was haben Toiletten mit Maulwürfen zu tun?
Beide haben einen Zugang zu unterirdischen Gängen.
Noch’n Gedicht.
Da gab’s mal nen Maulwurf aus Lauffen,
Der wollt’ eine Kloschüssel kaufen.
Was ihn dazu brachte?
Der Maulwurf, er dachte:
“Ein Klo wäre toll für die Haufen!”
HAHAHAHA, Silke, mit dieser sehr direkten Parallele hast Du mich am Mittwoch nachts nochmal schallend zum Lachen gebracht.
Ich habe kürzlich ein Buch zu Stand-up-Comedy gelesen, wo eine wichtige Schreibaufgabe genau solche Pointen sind. Vielleicht sollte ich sowas demnächst auch mal als interaktive Aktion ins Leben rufen …
Aber vorher steht wohl tatsächlich das Reimen ein. Angela: jetzt auch noch ein Limerick! Und was für einer
– Ich komm aus dem Lachen nimmer raus mit Euch. Danke!