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“Kill your darlings!”

Heute möchte ich Ihnen einen Grundsatz weitergeben, den ich vor einigen Jahren in einem Buch über das Drehbuchschreiben gelesen habe (leider weiß ich nicht mehr, in welchem es war): Kill your darlings!

Das Prinzip ist einfach: Sei bereit, die Idee, die Formulierung oder die Passage, die Dir besonders am Herzen liegt, loszulassen. Das heißt nicht zwingend, dass sie auch komplett “gekillt” wird, aber es heißt, dass Sie sie grundsätzlich zur Diskussion stellen.

Mir hat dieser Tipp nicht nur eingeleuchtet, was das Schreiben von Filmen oder auch Büchern angeht, sondern es ist auch genauso wertvoll für das Schreiben im Businesskontext: ob für einen Artikel, einen Werbetext oder auch Korrespondenz.

Ich merke das immer, wenn Kunden an einem dieser Lieblinge festhalten und beim Überarbeiten ihres Werkes dadurch eine quälende Version nach der anderen produzieren, weil sie um etwas schon Vorhandenes herumarbeiten.

Doch manchmal ist genau das, was man am Allerbesten findet, die Sackgasse für den Text.

Zum Beispiel:

  • Ihnen ist eine tolle Überschrift eingefallen. Sie ist knackig und knallt richtig rein. Beim Schreiben merken Sie, dass Sie dieser Überschrift nicht wirklich gerecht werden. Aber sie ist doch so toll! Die muss bleiben.
  • Sie schreiben eine Auftragsarbeit mit vorgegebenem Thema. Jetzt ist Ihnen mitten im Text ein tolles Beispiel eingefallen. Das Beispiel ist aber viel zu lange und nimmt zu viel Platz ein. Den Umfang überschreiten dürfen Sie nicht. Aber genau an diesem Beispiel kürzen? Niemals! Also muss ich wohl am Rest nochmal ran …
  • Ihnen ist für den Abschluss Ihres Textes ein perfekter Gag eingefallen. Genau so soll der Text unbedingt enden! Leider fällt Ihnen partout keine sinnvolle Überleitung ein. Aber das ist der Gag des Jahrhunderts, also muss der genau so wie er ist, dort stehen bleiben.

Wann es bei einem Text hakt und Sie gleichzeitig merken, dass Sie in eine bestimmte Sache Ihres Textes total verliebt sind, sollte ein Alarmglöckchen angehen! Natürlich ist es toll, wenn Sie sich in Ihre Einfälle regelrecht verlieben und selbstverständlich sollen Sie Ihre guten Ideen auch wertschätzen … und beschützen. Aber nicht um jeden Preis! Denn hier leidet schnell der gesamte Text oder aber das Schreiben dauert und dauert und daaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaauert.

Seien Sie immer bereit, Ihre Lieblinge umzubringen. Und vertrauen Sie darauf: Wo diese guten Ideen herkamen, gibt es noch mehr.

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7 Kommentare

  1. Norbert aus Hamburg sagt:

    Hallo, Gitte!

    Ist “Kill Your Darlings!” nicht ein Ausspruch von Billy Wilder (Regisseur, Filmproduzent und Drehbuchautor) ?

    Herzliche Grüße
    Norbert

  2. Gitte Härter sagt:

    Hallo Norbert,

    könnte sein. Ich kenne den Spruch wie gesagt aus einem Drehbuchschreibe-Buch, da wurde nicht explizit eine Quelle genannt, sondern das Prinzip geschildert. Aber danke für den Hinweis!

    Viele Grüße
    Gitte

  3. Britta sagt:

    Kill your darlings… klingt nicht gerade leicht. Aber manchmal ist es so wie mit alten Freunden – eigentlich weiß man, dass es Zeit für einen Abschied ist, aber man findet den Mut für den letzten Schritt nicht. Diejenigen, die es gewagt haben, wissen, wie viele tolle neue Freunde, Erfahrungen und vor allem auch Sätze, Artikel und Geschichten warten. Also: wetzt die Messer, holt die Gifte aus dem Schrank oder sucht nach der Löschtaste!

  4. Gitte Härter sagt:

    … ja Britta, besonders das ist so gar nicht leicht. Umso wichtiger, sich dessen bewusst zu werden, dass auch beim Schreiben Liebe manchmal blind macht. ;-)

    Danke für die mutmachende Verstärkung!

  5. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von t.. k. erwähnt. t.. k. sagte: Kill your darlings! In diesem Sinne …http://bit.ly/dfbYJK [...]

  6. Patrick sagt:

    Hey,
    das Prinzip welches du beschreibst ist in Masen Abu Dakns Buch für Songwriting ebenfalls erwähnt. Und meint eigentlich nicht nur, dass man sein Darling einfach killen soll. Es meint, dass man manchmal seine beste Idee fallen lassen muss um den Rest aufzuwerten. Das funktioniert beim Songwriting wie auch beim Drehbuchschrieb. Manche Dinge sind einfach zu gut, als dass man sie in einem wichtigen Kontext stehen lassen kann ohne den Kontext fade oder blass aussehen zu lassen.

    Patrick

  7. Gitte Härter sagt:

    Hallo Patrick,

    danke für die Ergänzung (der Tipp oben ist auch nur angeteasert – der vollständige Newsletter-Text dazu ist nicht im Blog veröffdentlicht):

    >>Es meint, dass man manchmal seine beste Idee fallen lassen muss um den Rest aufzuwerten.

    Das stimmt.
    Und manche Super-Idee kommt an anderer Stelle noch besser zur Geltung.
    So manches Mal macht das Loslassen der Idee auch Raum für eine noch genialere Idee. Endlose Möglichkeiten sozusagen.

    Schreibst Du Lieder?

    Viele Grüße
    Gitte

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