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Mai, 2010:

“Kill your darlings!”

Heute möchte ich Ihnen einen Grundsatz weitergeben, den ich vor einigen Jahren in einem Buch über das Drehbuchschreiben gelesen habe (leider weiß ich nicht mehr, in welchem es war): Kill your darlings!

Das Prinzip ist einfach: Sei bereit, die Idee, die Formulierung oder die Passage, die Dir besonders am Herzen liegt, loszulassen. Das heißt nicht zwingend, dass sie auch komplett “gekillt” wird, aber es heißt, dass Sie sie grundsätzlich zur Diskussion stellen.

Mir hat dieser Tipp nicht nur eingeleuchtet, was das Schreiben von Filmen oder auch Büchern angeht, sondern es ist auch genauso wertvoll für das Schreiben im Businesskontext: ob für einen Artikel, einen Werbetext oder auch Korrespondenz.

Ich merke das immer, wenn Kunden an einem dieser Lieblinge festhalten und beim Überarbeiten ihres Werkes dadurch eine quälende Version nach der anderen produzieren, weil sie um etwas schon Vorhandenes herumarbeiten.

Doch manchmal ist genau das, was man am Allerbesten findet, die Sackgasse für den Text.

Zum Beispiel:

  • Ihnen ist eine tolle Überschrift eingefallen. Sie ist knackig und knallt richtig rein. Beim Schreiben merken Sie, dass Sie dieser Überschrift nicht wirklich gerecht werden. Aber sie ist doch so toll! Die muss bleiben.
  • Sie schreiben eine Auftragsarbeit mit vorgegebenem Thema. Jetzt ist Ihnen mitten im Text ein tolles Beispiel eingefallen. Das Beispiel ist aber viel zu lange und nimmt zu viel Platz ein. Den Umfang überschreiten dürfen Sie nicht. Aber genau an diesem Beispiel kürzen? Niemals! Also muss ich wohl am Rest nochmal ran …
  • Ihnen ist für den Abschluss Ihres Textes ein perfekter Gag eingefallen. Genau so soll der Text unbedingt enden! Leider fällt Ihnen partout keine sinnvolle Überleitung ein. Aber das ist der Gag des Jahrhunderts, also muss der genau so wie er ist, dort stehen bleiben.

Wann es bei einem Text hakt und Sie gleichzeitig merken, dass Sie in eine bestimmte Sache Ihres Textes total verliebt sind, sollte ein Alarmglöckchen angehen! Natürlich ist es toll, wenn Sie sich in Ihre Einfälle regelrecht verlieben und selbstverständlich sollen Sie Ihre guten Ideen auch wertschätzen … und beschützen. Aber nicht um jeden Preis! Denn hier leidet schnell der gesamte Text oder aber das Schreiben dauert und dauert und daaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaauert.

Seien Sie immer bereit, Ihre Lieblinge umzubringen. Und vertrauen Sie darauf: Wo diese guten Ideen herkamen, gibt es noch mehr.

Reden können Sie gut, aber schreiben …?!

Es gibt ja die einen, die sich total wohlfühlen mit dem Schreiben und beim Formulieren so richtig in ihrem Element sind. Und es gibt die anderen, die einfach stärker mündlich sind.

Je stärker man im Gespräch oder Vortrag ist, desto frustrierender ist es, dass das, was man sagen möchte, einfach nicht richtig aufs Papier – oder den Bildschirm – will. Entweder es ist eine elende Quälerei und nichts geht voran oder man starrt auf das, was man geschrieben hat, und alles klingt falsch und entspricht einem so gar nicht.

Zunächst die gute Nachricht: Wer gut sprechen kann, kann (prinzipiell) auch gut schreiben.
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Echte Dialoge: Seinfeld

Zur Zeit schaue ich mir die ersten zwei Staffeln von Seinfeld an, einer enorm populären amerikanischen Sitcom, die von 1989 bis 1998 im dortigen Fernsehen lief.

Warum erzähle ich Ihnen das? Weil mich die Qualität der sehr echten Dialoge anspringt – und zwar in jeder Folge. Dabei geht’s gar nicht um Wortwitz oder ob die Episoden selbst lustig sind. Was total hervorsticht sind die Gespräche: denn hier schaffen es die Drehbuchschreiber mit jedem Dialog ganz genau das wahre Leben zu treffen.
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Schreibe jeden Satz so …

Schreibe jeden Satz so, dass man neugierig auf den nächsten wird.

William Faulkner

(vorschlagen von Leserin Beatrice)

Interaktiv: Spielen Sie mit! Jahaaaa: eine sehr coole Schreibübung mit hohem Spaßfaktor

Zur Zeit lese ich das Buch „Freakonomics“ und ein Kapitel davon heißt „Was haben Schullehrer mit Sumoringern gemeinsam?“. Das hat mich zu einer coolen Schreibübung inspiriert, mit der wir viel Spaß haben werden.

Ich habe unten fünf alternative Fragen für Sie vorbereitet. Dabei habe ich völlig willkürlich zwei Begriffe miteinander in Zusammenhang gesetzt.

Finden Sie einen schlüssigen Zusammenhang. Der kann überraschend sein, lehrreich, lustig … es sollte nur ein nachvollziehbarer Zusammenhang sein.

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“Ist mein Text gut genug?”

Die Frage ist doch: Woran merken Sie überhaupt, dass Ihr Text gut genug ist? Was ist Ihr Maßstab?

Besonders, wenn Sie überkritisch sind und Geschriebenes nicht so recht aus der Hand geben können, lohnt es sich, vorher einen Maßstab dafür festzulegen.

Sie könnten sich eine kleine Checkliste machen. Kriterien können beispielsweise sein:

  • Habe ich mein Thema konsequent verfolgt – oder bin ich abgedriftet? Ist mir vielleicht das Thema mittendrin weggekippt?
  • Verfolge ich mit meinem Text meine persönlichen Ziele?
  • Habe ich die Perspektive meiner Leserschaft eingenommen? Sind Begriffe und Aufbau verständlich und aus dem Alltag meiner Leser, also so richtig praxisnah?
  • Liest sich der Text flüssig? Habe ich alles “Gelaber” gestrichen? Tipp: Unbedingt laut lesen!
  • Hält mein Text, was die Überschrift und der Einstieg versprechen?
  • Ist das Verhältnis Hinführung, Beispiele und Nutzen (= für meine Leser wichtige Informationen oder/und Tipps) ausgewogen? Erstrebenswert ist eine hohe Nutzendichte. Habe ich ein klar umrissenes, konkretes Thema gewählt, so dass ich in die Tiefe gehen kann und nicht zu oberflächlich bleibe?
  • Ist der Aufbau logisch oder
    … haben sich Gedankenschleifen eingeschlichen?
    springe ich inhaltlich zu sehr hin und her?
  • Sind Tipps eindeutig beschrieben? Kann man meinen Handlungsanweisungen wirklich folgen – auch als kompletter Laie oder, wenn ich an Fachpublikum schreibe, an eine nicht so versierte Fachkraft?
  • Ist mein Text persönlich? Spreche ich mit meinen Lesern oder berichte ich nur?
  • Wenn es sich um einen Marketingtext handelt: Sage ich klar und deutlich, was ich möchte? Gibt es einen so genannten “Call to Action”, also eine Aufforderung, etwas zu tun?

Das sind natürlich nur Beispiele. Wenn Sie sich an diese Checkliste hier halten, stellen Sie bereits sicher, dass Ihr Text auf jeden Fall gut ist!

Lesen Sie andere Texte mal genauer

Ich bin ein sehr ungeduldiger Mensch, wenn ich warten muss. Da ich viel mit der U-Bahn fahre, passiert es mir oft, dass die Bahn gerade eben gefahren ist und ich dann zeeeehn Minuten blöd auf dem Bahnsteig rumsitzen muss. Grrrrr. Manchmal aber freue ich mich. Es gibt sogar den Fall, wo ich die Treppe runtergehe und denke „Hoffentlich kommt die U-Bahn nicht gleich!“ Das ist immer dann, wenn ich ein besonders spannendes Buch dabei habe.

Nun habe ich so gut wie immer ein Buch in der Tasche, aber nur die wenigsten lösen es aus, dass ich jede Minute nutze, um unbedingt weiterzulesen. Bestimmt geht es Ihnen auch oft so!

Das kann Ihnen natürlich auch enorm für Ihr eigenes Schreiben nützen.
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Serien-Buchschreiber

Hui, das ging schnell. Letzten Mittwoch meldet sich einer meiner Verlage mit einem neuen Thema, das zu mir passen könnte. Find ich auch. Gleich Konzept gemacht. Bisschen gewartet. Und jetzt sprechen wir gerade „Vertrag“. Wie toll! Das heißt: Heuer noch zwei Bücher schreiben und im Frühjahr und Herbst 2011 freuen.

(Themen werden noch nicht verraten … aber sie sind beide sehr spannend!)

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