Jeder von uns hat ja einen anderen aktiven Wortschatz. Und innerhalb dieses begrenzten aktiven Wortschatzes finden sich Standardwörter. Manche sind Dauerbrenner, manche simple Angewohnheit und für andere haben wir uns schlichtweg noch nie die Mühe gemacht, einen Ersatz zu finden.
Dazu kommt, dass Sie mehr oder weniger von Ihrer Umwelt beeinflusst sind. Ich beispielsweise habe immer wieder ein Wort oder einen Spruch der Saison, und zwar völlig unkontrolliert.
Plötzlich sage ich 1-2 Monate zu allem „Großartig!“ oder „Unfassbar!“ … und dann ist die Phase wieder vorbei.
Unser Wortschatz bestimmt aber natürlich auch unsere Texte.
Standardwörter kommen demnach öfter vor. Darum ist es ganz schlau, sich mal der eigenen Standards bewusst zu werden – und damit zu spielen:
um sie zu ersetzen und damit Ihren aktiven Wortschatz zu erweitern.
Hier habe ich übrigens wahnsinnig viel von den Lektoren meiner diversen Bücher gelernt und bin oft total geplättet, wie elegant oder pointiert ein Satz wurde, wenn die jeweilige Lektorin ein Wort verwendet hat, das in meinem aktiven Wortschatz nicht präsent war.
um das, was Sie ausdrücken möchten, noch konkreter auszudrücken.
Mein liebstes Beispiel dazu ist das Wort „ärgern“. Wenn Sie sich über etwas ärgern, was ist es denn genau? Sind Sie genervt, wütend, zornig, aggressiv oder einfach nur irritiert? Welches Wort trifft das, was Sie ausdrücken möchten, am genauesten?
um Ihre Texte abwechslungsreicher zu gestalten.
Gerade, wenn Sie häufig schreiben und eine Stammleserschaft haben, ist es wichtig, nicht immer die gleiche Kost vorzusetzen. Das kann nach einiger Zeit eintönig werden. Aber auch bei einmaligen langen Texten, etwa einem Buch, kann es schnell anstrengend werden. Sie kennen das von Vorträgen: Wenn der Redner ständig „äh“ sagt oder sich andauernd räuspert, kann man irgendwann nicht anders, als nur noch darauf zu achten. Bei Texten, in denen immer die gleichen Wörter vorkommen, ist es ähnlich.
Übrigens: Manche Standards können Sie auch einfach streichen. Ich habe zur Zeit beispielsweise die Macke „Ich persönlich“ zu schreiben, obwohl „Ich“ völlig reicht. Nicht immer merke ich es, aber wenn, dann lösche ich es … und hoffe, dass die Phase schnell wieder vorbeigeht.




“Ich persönlich…”
“Ich persönlich…” ist ja schonmal doppeltgemoppelt. So wie die von manchen Menschen genutzte Wortwahl “auf-oktroyieren”. “Oktroyieren” sagt ja schon, daß “auf-gedrängt”, “auf-gezwungen” wurde.
Eine zeitlang habe ich die Redewendung “Ich, aus meiner Sicht, denke…” Das ist vergleichbar mit “Ich persönlich…” Es ist ja schon klar, daß ich etwas aus meiner Sicht kritisiere, moniere oder anmerke, wenn es von mir kommt und ich nicht auf andere Quellen verweise. Doppeltgemoppelt. Überflüssig.
Wenn sich aber etwas im eigenen Sprachgebrauch verselbständigt hat, merkt man selbst es gar nicht so ohne weiteres.
Einige Zeit habe ich gesprochene Sätze mit “Hat ein Mann am Schalter gestanden…” oder “Hat ein Kunde gesagt…” begonnen. Mir war das soooo gar nicht klar, daß ich im Prinzip meine Sätze oder Kurzinformationen an andere mittendrin begonnen habe. Bei einer prüfenden Rückschau habe ich festgestellt, daß diese zeitweilige Art zu sprechen mit dem Beginn des Formulierens von Informationen in Twitter einher ging…
… ganz genau Norbert! Wie lustig solche Angewohnheiten doch sind – und wie sie sich oft einschleichen, ohne dass man es merkt!
Das mit der Twitterdenke ist extrem lustig. Twittern ist sowieso ein sehr gutes Schreibtraining: Man kommt so richtig rein in diese begrenzten Kurznachrichten und es ist eine besondere Herausforderung, wirklich kurz und knapp, schlau oder unterhaltend etwas zu formulieren und nicht zu langweilen.
Viele Grüße
Gitte