Das kennen Sie auch: Manchmal hat man nur ganz wenig Platz zur Verfügung. Vielleicht möchten Sie Ihr Unternehmen in einer Datenbank eintragen, einen sehr kurzen Text über ein Produkt schreiben oder in drei Absätzen auf Ihrer Website über sich erzählen.
Viele solcher Texte sind nicht sonderlich gut, denn meistens verschenken sie Möglichkeiten.
- Wichtiger Platz wird verschenkt (durch umständliche Formulierungen oder Offensichtliches).
- Es klingt zu gewöhnlich, zu beliebig und zeigt zu wenig Profil.
- Wichtige Informationen bleiben außen vor.
- Der kurze Text “macht nicht an”, macht also weder neugierig, noch animiert er den Leser etwas zu tun (z. B. ein Seminar zu buchen, einen Vortrag zu besuchen oder eine Anfrage zu schicken).
Wenn Sie wenig Text haben, ist es besonders wichtig, nicht sofort ins Reine zu schreiben, vor allen Dingen nicht gleichzeitig Zeichen zu zählen. Denn dann macht man sich verrückt, dass „schon 200 Zeichen verbraucht sind und nur noch 300 übrig sind“, obwohl das, was bisher dasteht, oft gar nicht das Wesentliche ist.
Fangen Sie also immer mit viel Text an. Das heißt entweder:
Listen Sie alle wichtigen Stichworte oder Aussagen untereinander auf, die für den Text prinzipiell wichtig sind. Was wollen Sie sagen? Was sind Argumente aus Lesersicht? Was ist Ihr Ziel? – Was muss rein, um diese Fragen zu beantworten?
Oder: Schreiben Sie eine spontane Lang-Fassung. Schreiben Sie so viel bis Sie Ihrer Meinung nach alles gesagt haben.
Erst dann machen Sie sich daran, einen ersten Entwurf für den tatsächlichen Kurztext zu schreiben. Denn erst jetzt können Sie die Essenz herausholen.
Und diesen Entwurf überarbeiten Sie dann – wie immer – nochmal gründlich, besonders was das Wegstreichen von unnötigen Wörtern, „Blabla“ und das Straffen angeht.




Moin, Gitte!
Vor einigen Jahren sollte ich einen kurzen Vortrag halten, der nicht länger als 15 Minuten dauern, aber das Wesentliche beinhalten sollte. Das Thema war komplex. Doch irgendwann hatte ich das Geschriebene so gestutzt und umformuliert, daß alles auf den Punkt gebracht und enthalten war. Der geneigte Zuhörer konnte zufrieden sein.
Ich habe den Vortrag dann mit der Stoppuhr zu Hause vorgetragen: Dauer: 17,5 Minuten. Auch nach zwei weiteren Stoppuhr-Durchgängen kam ich auf den selben Wert. Nanu?
Also noch einmal ran an den Kurzvortrag. Beim fünften Lesen bermerkte ich dann, woher die überzähligen 2,5 Minuten kamen: Ich hatte eine mehr oder minder lustige Einleitung formuliert, die im zweiten Satz mit den Worten begann: “Auch wenn dies nicht direkt zum Thema gehört…”
Nachdem ich die Einleitung gekürzt und die nicht direkt zum Thema gehörenen Ausführungen gestrichen hatte, kam ich auf einen Stoppuhrwert von 14,5 Minuten unter häuslichen Bedingungen.
Als Märchenerzähler bin ich gehalten, die Märchen möglichst wortgetreu zu erzählen.
Es schleichen sich auch bei viel Routine gerne die Wörter und, dann, ein.
Füllwörter.
In einer Schulklasse habe ich mit den Schülern erzählen geübt. Alle waren erstaunt über die Masse an Füllwörtern, die sie so ganz unbemerkt benutzen.
Spitzenreiter war das Wort …eigentlich…
@Norbert
Haha, das ist ja lustig! Und es passiert gar nicht so selten, dass wir uns selbst schon dessen bewusst sind. Wie bei Dir sogar so, dass es da schon STEHT (“Auch wenn dies nicht direkt zum Thema gehört…”), oder aber, dass man es schon irgendwie weiß. Ich erlebe es oft, dass meine Kunden das, was ich als “Das ist noch nicht rund” oder “Das ist unnötiges ‘Gelaber’”, vorher schon im Blick hatten.
@Amos
Ja, Füllwörter sind auch so eine Sache, die unnötig Zeichen wegnehmen. Gerade solche Füllwörter sind nicht bewusst. Ich habe es selbst auch wieder kürzlich gemerkt, als ich mit Audios rumprobiert habe. Im normalen Gespräch merken wir weitaus weniger unsere Sprachmuster (oder die des Gegenübers), außer sie sind überdeutlich.