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Wie der Rahmen das Schreiben verändert

Zur Zeit schreibe ich ja an einem neuen Buch: ein 222-Tipp-Buch – Thema ist noch geheim. Bei diesem Buch gibt es die Besonderheit, dass ich mit einer festen Layout-Vorlage schreibe.

Dazu muss ich erklären: Normalerweise bekommen Sie bei einem Buch einen Umfang vor – anhand der Seitenzahl wird die maximale Zeichenzahl inklusive Leerzeichen vorgegeben. Und dann schreiben Sie Ihr Buch fröhlich vor sich hin und behalten einfach den Umfang im Auge.

Manchmal ist es aber so, dass Verlage gleich eine Formatvorlage mitgeben. In meiner Bücherschreibkarriere ist das bisher nur dreimal passiert. Es ist eher selten.

Der Vorteil einer solchen Formatvorlage ist, dass man schon beim Schreiben ganz genau sieht, wie viel Platz man hat, ob eine Seite noch gefüllt oder etwas gekürzt werden sollte, damit die Umbrüche sauber sind, ob Kapitel auf der richtigen Seite enden (sofern das Layout das erfordert). Es ist ganz schön, weil das Manuskript schon fast „echt“ aussieht. Und es ist sinnvoll, weil im Lektorat und beim Setzen weniger Arbeit entsteht.

Ich merke allerdings einmal mehr, wie unterschiedlich sich das Schreiben anfühlt … und wie sich auch das Denken verändert, wenn die Rahmenbedingungen strenger sind.

In dem Moment, wo ich in einem festen Format denken muss, wo ich immer vor Augen habe „Huch, da ist die Seite schon fast voll“ oder ich andauernd stoppen muss, um Schriften zu ändern oder Kästen einzufügen … in diesem Moment werden meine normalen Gedankengänge und auch der Schreibfluss unterbrochen.

Das ist nicht nur schlecht. Es erfordert nur ganz andere Schreibqualitäten und eine neue Denke, die den nun anders verlaufenden Schreibfluss fördert.

Sie kennen das auch von kleineren Texten, wenn Sie nur wenige Zeichen zur Verfügung haben oder beispielsweise eine Seminarausschreibung in ein festes Format einpassen müssen. Vorteil bei kleineren Texten ist es, dass man ungeachtet des Formates erstmal drauflosschreiben und dann das Wichtigste rausnehmen, kürzen etc. kann. Bei einem Buch ist das nicht möglich, es wäre doppelte und dreifache Arbeit.

Warum ich das erzähle? Weil es eine dieser Geschichten ist, die man als AutorIn immer auch im Auge haben sollte: Ist es vielleicht sogar gut für Sie, wenn Sie sich vorher Rahmenbedingungen und Formate vorgeben? Manche Leute tun sich leichter, wenn der fixe Rahmen steht.

Bei Texten zur gleichen Thematik ist es sogar sinnvoll, zum Beispiel wenn Sie ein „ABC für …“ schreiben oder wenn Sie Informationen für Kunden schreiben, wie beispielsweise ein Gerät funktioniert. Wann immer ein festes Muster besteht, findet man sich auch als Leser besser zurecht.

Es kann das Schreiben beschleunigen, denn mit etwas Übung bekommen Sie den Dreh für ein festes Format „raus“.

Und für alle die, wie ich, lieber ungestört drauflosschreiben ist es eine gute Sache, sich nicht auf dem Gewohnten auszuruhen. Schreibfähigkeiten gewinnen durch Abwechslung und unterschiedliche Bedingungen. Sie machen flexibler. Und verbreitern Ihr Können.

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4 Kommentare

  1. Maria sagt:

    Hallo Gitte,

    das mit den festen Formaten finde ich inzwischen sogar richtig gut. Als ich das eingerichtet habe, habe ich echt sehr sehr sehr oft gef…..schimpft, weil es ziemlich aufwendig ist. Ich habe für meine Masterarbeit genaue Vorlage erhalten, mit Maßen, Schriftgrösse, Rändern, Zitierweise etc. Und jetzt? Jetzt finde ich es richtig bequem. Denn das Inhaltsverzeichnis kann ich per Knopfdruck aktualisieren, die Abbildungen werden automatisch durchnumeriert und kann zum schluss ein Verzeichnis abrufen, automatische Titelnumerierung, Textformatierung und vieles mehr.

    Nach meiner Eingewöhnungsphase gebe ich echt zu, dass ich es eht gut finde.

    Herzliche Grüße
    Maria

  2. Birgit sagt:

    Kleiner Tipp für alle, die auf eine bestimmte Zeichenzahl “hinschreiben” müssen: Das kostenlose Programm WriteMonkey ist da bestens für geeignet und zeigt den Fortschritt unten in Prozent und auch mit einem Fortschrittsbalken an. Ich schreibe gerade mein drittes Buch im Verlagsauftrag mit diesem Programm und es ist durch die Exportfunktion nach Word genau das, was ich zum ablenkungsfreien Schreiben brauche.

  3. Ich gebe zu, mir fehlt der Vergleich zum Schreiben ohne vorgegebenen Rahmen. Aber ich fand es sehr praktisch, dass ich für mein erstes Buch eine Vorlage vom Verlag bekommen habe. So hatte ich immer genau im Blick, wie viele Seiten ich schon gefüllt hatte. Auch mit Inhaltsverzeichnis und Register ging das locker von der Hand, da ich das dann fast per Knopfdruck erstellen konnte.

  4. Gitte Härter sagt:

    Hallo Maria, Birgit und Martina,

    herzlichen Dank für die Ergänzungen und Tipps (von WriteMonkey hatte ich kürzlich schonmal wo lobend gelesen)!

    Viele Grüße
    Gitte

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