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Können Sie den ersten Absatz streichen?

Ich glaube, ich habe es schon mal wo erwähnt: Bei meinen Texten – besonders auch, wenn ich neue Buchkapitel schreibe – kann ich in der Regel den ersten Absatz direkt nach der Überschrift ersatzlos streichen. Das ist meistens ein wenig Gelaber, um ins Thema zu führen.

Genau wie bei Filmen, wo es empfehlenswert ist, so spät wie möglich in eine Szene einzusteigen (weil es das Erzähltempo erhöht und eine Szene in der Regel sehr viel spannender macht, als wenn man großartig hinführt), tut es Texten oft sehr gut, etwas straffer erzählt zu werden. Auch für die Aufmerksamkeit Ihrer Leser ist es gut, wenn diese direkt ins Thema eintauchen.

Natürlich heißt das nicht abrupt und emotionslos zu sein. Gerade zu Beginn findet sich meistens eine gut gemeinte Hinführung, die aber gar nicht nötig ist – zumindest nicht in dieser Form.

Interessanterweise habe ich in letzter Zeit einmal aufgepasst, wie es sich bei anderen Autoren verhält. Häufig ist es ganz genauso!

Lesen Sie doch mal Texte – Ihre eigenen und fremde – so: Wie wäre es, wenn der erste Absatz weg wäre? Sie werden erstaunt sein, wie oft die Hinführung vollkommen unnötig ist und wie gut der Text funktioniert, wenn der “Vorspann” weg (oder gestrafft) ist.

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2 Kommentare

  1. Bernd Klaus Achter sagt:

    S.g. Frau Schreibnudel. Ich sttreiche meist den letzten und oftmals auch den vorletzten Absatz, weil bei meinen Texten jene mit dem meisten blabla sind.
    Der erste Absatz hat ja – zumindest nach meiner Auffassung des Verfassens eines Textes mit mehr als 20 Jahren Erfahrung – die Aufgabe der Verdichtung.
    Analog zum Medium Film, das sie ja als Vergleich anbringen – der Establishing Shot.
    Ich habe meine journalistische Laufbahn bei einem (österreichischen) Wirtschaftspressedienst begonnen, wo mein damaliger Mentor mir diese Verdichtung “beigebracht” hat.
    Wie auch immer, da wird es die unterschiedlichsten Wege geben. Mein Ansatz: der erste Absatz ist der “Establishing Shot” eines Textes.
    Liebe Grüße aus Wien

  2. Gitte Härter sagt:

    Hallo Herr Achter,

    bitte entschuldigen Sie, dass ich mich erst heute melde: zur Zeit stecke ich mitten in der Arbeit an meinem neuen Buch und die Zeit läuft mir ein bisserl schneller davon, als ich mir das wünsche.

    Ah: interessant, dass bei Ihnen eher der letzte/vorletzte Absatz vom Blabla betroffen sind. Es ist immer wichtig, so die eigenen “Schreibmacken” zu kennen und so zielgerichtet drauf zuzustechen. Der Schluss ist ja nochmal so eine Sache, wo dann ein wenig Nachspann den Effekt kaputtmacht.

    Da ist die Filmanalogie wirklich in allen Aspekten sehr treffend: Denn auch da ist es enorm wichtig, an der richtigen Stelle aufzuhören.

    Der erste Absatz kann ja sehr viele Qualitäten und Funktionen haben. Die Verdichtung, also so richtig verdichtet, ist – wie ich finde – eine besonders hohe Kunst. Besonders Journalisten sind da, denke ich, von Haus aus geübter, weil geforderter. Erst recht bei einem Pressedienst. Eine gute Schule!

    Ihr Hinweis auf den “Establishing Shot” hat mich auch noch auf das Prinzip des Vorspannes gebracht. Da sieht man in vielen Filmen und im Fernsehen auch sehr gut, ob ein Vorspann nur dahinplätschert (wie auch bei vielen Texten) oder ob jemand den Vorspann bereits für die Handlung nutzt (respektive den Text).

    Viele Grüße ins schöne Wien
    Gitte

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