„Nochmal darüber schlafen“ sagen wir, wenn wir uns etwas durch den Kopf gehen lassen möchten – oder einfach, wenn wir noch etwas Zeit für eine Entscheidung brauchen.
Was ich beim Schreiben immer wieder merke, ist, dass es vorteilhaft ist, Texte nicht zwingend in einem Sitz fertigzumachen. Ich coache und schreibe ja sehr viel für meine Kunden: ob Seminarausschreibungen, Artikel oder Bücher und vor allen Dingen Webtexte. In der Regel kann ich recht schnell einen Text erfassen, mir einfallen lassen oder optimieren.
Doch manchmal merkt man, dass an einem Text etwas noch nicht stimmt, dass es „irgendwie“ besser geht – oder es gilt, von Haus aus eine neue, schlauere Struktur zu erfinden.
In diesen Fällen mache ich konsequent nur einen Teil der Arbeit: Alles, was sicher bleibt, und von dem ich schon weiß, dass es da nicht mehr so viel zu machen gilt. Doch die größeren Fragen, etwa wenn ich merke, dass die Grundstruktur noch nicht passt oder wenn ich weiß, dass ein Text einfach noch nicht stimmt, ich aber noch nicht genau sagen kann, WAS und WARUM es noch nicht stimmt, die pflanze ich mir immer erst in den Kopf.
Wenn es um einen Webtext geht, mache ich mir beispielsweise schon das Skelett, indem ich in einer Datei die Navigation (soweit sie schon steht) und die Unterrubriken, die es geben wird, eingebe. Dann schreibe ich alle Texte fertig, die schon rund sind. Anschließend mache ich mir ganz konzentriert Gedanken über den noch fehlenden Teil. Oft habe ich eine Auswahl an Material von meinen Kunden, telefonische Aussagen oder die bisherige Website. All das führe ich mir nun nochmal geballt zu Gemüte.
Dann kommt der Break. Manchmal nur ein paar Stunden, oft aber auch ein Tag. Das hat sich enorm bewährt: irgendwie läuft es im Hintergrund weiter und wenn ich mich wieder dransetze, habe ich die Lösung – oder konnte es auf wenige gute Optionen eingrenzen. Gerade die Selbstdarstellung steht und fällt mit einer klaren Struktur.
Der Clou ist aber: Nicht nur einfach weglegen, sondern sich vorher intensiv mit dem beschäftigen, das noch unklar ist. Gibt es viele Informationen und noch keine – oder keine gute – Struktur, dann unbedingt alles Material einfach nochmal lesen. Das gilt natürlich auch für alle Ihre eigenen Ideen, Brainstormings und was Sie sonst schon zu dem Thema veröffentlicht haben.
Probieren Sie es aus! Oder machen Sie das ohnehin auch schon?




Hallo,
ja, ich habe es als die berühmte “24-Stunden-Probe” von meinem belletristisch schreibenden Lebenspartner kennengelernt – und wann immer ich in meiner täglichen Arbeit für meine Kunden die Zeit finde, wende ich sie an. Manchmal bleibt nur wenig Zeit, dann versuche ich zumindest die Mittagspause “dazwischen” zu legen. Das Unterbewusstsein braucht wohl einfach etwas Freiheit zwischendurch.
Auch wenn ich den “Trick” schon lange anwende – man kann ihn gar nicht oft genug verbreiten. Vielen, gerade denen, die sich “mit dem Schreiben schwer tun” haben noch nie davon gehört und sind immer angenehm überrascht.
Hallo Frau Schultz,
ah: “24-Stunden-Probe”, ein guter Begriff. Und ganz wichtig auch Ihr Hinweis, zumindest die Mittagspause dazwischenzulegen. Ich denke auch: unterbewusst passiert da einfach eine Menge … bzw. kann passieren, wenn wir es lassen.
Besonders, wenn man nicht so oft schreibt oder sich schwer tut, kommt auch manchmal der Druck hinzu, den man sich selbst macht. Dann soll was unbedingt fertig werden oder man möchte es hinter sich bringen und bleibt dann ERST RECHT nonstop dran. Es stimmt: man muss sich manchmal erst dran gewöhnen, dass es durch solche Pausen dann gerade leichter und unterm Strich auch schneller geht.
Viele Grüße
Gitte Härter