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Überarbeiten längerer Texte (2)

Zur Zeit stelle ich ja gerade mein neues Buch fertig. Der erste Entwurf ist vollendet und aktuell steht Überarbeiten an. Wie hier beschrieben heißt “überarbeiten” zunächst mal alles, was ich bisher geschrieben habe, durchzulesen. Das ist bei einem Buch natürlich ziemlich viel.

Egal, ob Sie ein Buch oder einen anderen langen Text, zum Beispiel eine Gebrauchsanweisung oder einen Selbstlernkurs schreiben: Es ist natürlich immer wichtig, das Endprodukt insgesamt zu beurteilen bevor Sie es fertigstellen. Gerade bei umfassenden Texten arbeitet man ja immer an einzelnen Abschnitten oder Kapiteln. Doch insgesamt muss die Schlüssigkeit natürlich da sein, es fällt einem erst im insgesamten Lesen auf, wo es Wiederholungen oder Überschneidungen gibt, wann ein Querverweis nötig ist und wo einfach die Struktur noch nicht so stimmig ist.

Ein ganz typisches Problem bei langen Texten ist es, dass Dinge, die zusammengehören, auseinandergerissen sind. Etwas muss in Kapitel 2 erwähnt werden, kommt aber nochmal in Kapitel 7 vor. Die einzelnen Aspekte sind zwar jeweils korrekt eingeordnet, die Struktur stimmt, aber erst beim gesamten Betrachten fällt auf, dass es für die Leser sehr viel schlauer ist, diese beiden Punkte zusammenzubringen. Das kann bedeuten, dass man aufeinander verweist, aber manchmal stellt sich raus, dass es effektiver (für die Leser!) ist, wenn das Inhaltsverzeichnis doch noch mal umgestellt wird. Das kann zu größeren Bauarbeiten führen.

Solche Dinge fallen einem nicht auf, wenn man immer nur abschnittsweise an einem langen Text arbeitet.

Ich hatte in dem oben verlinkten Artikel beschrieben:

Ich lese immer erst einmal alles einfach so durch und lasse den Text auf mich wirken. Das ist praktisch die Leserperspektive: Ist alles für mich schlüssig, passt die Reihenfolge, kapiere ich Statements und Übungen, lese ich es gerne und habe Lust, dranzubleiben?

Wenn ich Notizen mache, achte ich noch nicht auf Korrekturen, auch wenn ich Fehler, die mir ins Auge springen, nebenbei kurz anzeichne. Das Wichtige sind Anmerkungen wie:

Sie sehen, ich schreibe ganz spontan hin, was mir in dem Moment in den Sinn kommt. Ein „Hä?“ zeigt mir, dass ich selbst da etwas ganz und gar nicht verständlich finde. Manchmal schreibe ich auch „Hahaha“ daneben, wenn ich unabsichtlich lustig war oder totalen Schmarrn geschrieben habe. Das ist zur eigenen Erheiterung und macht das Überarbeiten auch viel spaßiger und lebendiger für mich selbst.

Am meisten nutze ich „form.“ (= Formulierung ändern) oder eben „anders“ und „straffen“, „weiter vor“, manchmal auch „steht das schon wo?“, wenn mir etwas bekannt vorkommt, ich aber nicht weiß, ob ich es tatsächlich schon hatte oder mich einfach nur daran erinnere.

Erst nach diesem Durchgang mit all diesen Anweisungen an mich selbst mache ich mich ans eigentliche Überarbeiten. Meine Erfahrung ist, dass ich auf diese Weise sehr viel mehr sehe, was Struktur und Inhalte angeht und das Leseerlebnis aus Sicht meiner Leser ganz anders mitbekomme. Es schafft mehr Distanz zum eigenen Text, als wenn man direkt mit Autorenaugen drin rumwurschtelt.

Außerdem ist das der Teil des Überarbeitens, der besonders wichtig und noch immer schöpferisch ist. Der (für mich) öde Teil des Korrekturlesens kommt später. Leider mehrmals, weil das Buch ja dann auch aus dem Lektorat zurückkommt und gesetzt … aber das erzähle ich Ihnen dann wieder anhand des praktischen Beispiels, wenn das Buch in diese nächsten Phasen geht.

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