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Wann ist zu kurz zu kurz und zu lang zu lang?

Darauf hätten Sie jetzt gerne eine Antwort, gell? Tatsache ist: Das lässt sich so nicht fix bestimmen. In erster Linie kommt es auf Aussagekraft und „Nutzendichte“ an – und das natürlich aus Sicht Ihrer Leser.

Bei Unternehmenstexten fällt es mir ganz oft auf, dass es an Aussagekraft mangelt, sowohl was die Selbstdarstellung angeht als auch, was die Leistungsbeschreibungen betrifft.

In den meisten Fällen ist der Grund dafür übrigens, dass die Anbieter sich selbst nicht klar genug darüber sind, wie ihr Angebot genau aussieht, welche Zielgruppe sie erreichen wollen, in welcher Situation die Zielgruppe steckt und und und – Wenn Sie für Auftraggeber texten, kennen Sie das: Dann heißt es erstmal alle wesentlichen Informationen aus Ihrem Kunden herauszukitzeln, bevor Sie etwas formulieren können.

Aber zurück zum Umfang: Wenn Ihre Texte echten Nutzen bieten, dann können sie aus Sicht eines Lesers (beziehungsweise potenziellen Kunden) nicht lange genug sein. Überlegen Sie selbst: bevor Sie jemanden beauftragen, möchten Sie gerne möglichst viele Fragen beantwortet haben. Dabei interessiert Sie – natürlich! – am meisten, was Sie selbst davon haben, wie etwas abläuft, wer hinter dem Angebot steckt, was Sie bezahlen müssten.

Insofern ist „zu kurz zu kurz“, wenn Sie von Haus aus kaum Informationen liefern. Das ist oft bei Webtexten problematisch, wenn man der Fehlannahme aufsitzt, dass Texte im Netz eh nicht gelesen werden oder wenn man einen Grafiker hat, der, weil er es schön findet, dem Unternehmen nur Zweizeiler erlaubt, weil sonst sein hübsches Design nicht mehr wirkt (unglaublich, und doch passiert es nicht selten, dass Kunden mir sagen, ihr Designer diktiere so die „erlaubten“ Inhalte).

Zu lang ist dann zu lang, wenn:

  • Es nicht relevant ist.
  • Zu viel geplappert wird.
  • Ein Teilaspekt zu ausgiebig ausgewalzt wird (und womöglich gar nicht für jeden aus der angestrebten Zielgruppe interessant/zutreffend ist).
  • Zu sehr aus der Ich-Perspektive des Anbieters getextet ist.
  • Texte nicht lesefreundlich und gut strukturiert aufgeteilt sind, so dass sie auch beim schnellen Drüberlesen gut erfasst werden. Dazu gehört auch die Unsitte, Texte auf Papier in 9 oder 10 Punkt zu schreiben, damit man mehr Inhalte auf eine Seite quetschen kann.
  • Im Internet erforderlich ist, dass ein Leser x-mal weiterblättert (das kennen Sie von vielen Online-Angeboten großer Verlage, die auf diese Weise ihre Klickzahlen künstlich in die Höhe treiben).
  • Und schließlich ist zu lange auch zu lange, wenn Sie langatmig und sperrig formulieren.

Wenn wir das Beispiel von Seminarausschreibungen nehmen, dann kann ich Ihnen aus eigener Erfahrung sagen, dass ausführliche Ausschreibungen sehr viel besser funktionieren, als kurze. Das ist, wie gesagt, auch kein Wunder: Denn aus Kundenperspektive können Sie nie zu viel erfahren, bevor Sie Geld für etwas ausgeben.

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