schreibnudel.de Rotating Header Image

Gewusst wie: Karamellpudding

Als ich noch meinen Fernseher hatte, habe ich einmal ein Segment in irgendeinem dieser Magazine gesehen, wo zwei Köche bei irgendwelchen Leuten geklingelt haben, um dort zu kochen. Der Clou: sie haben aus dem, was sich aktuell an Lebensmitteln vorfand, ein mehrgängiges Mittagsmenü gezaubert.

Im Durchschnittshaushalt mag das nicht schwierig sein, weil viele Leute immer jede Menge zu Hause haben, aber wenn man bei mir klingelt, kann es schon mal vorkommen, dass sich gerade mal Milch im Kühlschrank findet.

Wenn ich als Nichtkoch in so eine Küche käme, würde ich zum Beispiel sehen: Milch und Zucker. Super. Da kann man Zuckermilch machen. :-P

Wenn aber jemand weiß, was er tut, sieht er: Oooooh, Milch und Zucker gibt es auch, da kann ich ja einen leckeren Karamellpudding draus machen!

Beim Schreiben ist es ganz ähnlich, allerdings mit dem Vorteil, dass wir immer genügend Wörter bei der Hand haben. Mit Wörtern können Sie eine Glosse oder Trauerrede, eine hippen Spruch oder eine seriöse Bankbroschüre, einen Splatterfilm oder eine Herzschmerzgeschichte schreiben. Es genügt allerdings nicht, das zu wissen, sondern man muss es auch können. Womit wir wieder beim Karamellpudding sind.

Selbst wenn Sie wissen, dass Milch und Zucker die Hauptbestandteile eines leckeren Karamellpuddings sind und selbst wenn Sie ein Rezept haben, nach dem Sie vorgehen können, kann das Ganze dennoch misslingen. Wenn Sie den Zucker karamellisieren und etwas zu lange in der Pfanne lassen, wird er vom schönen satten Goldbraun sehr schnell zu dunkel – und dann schmeckt er bitter.

Die Moral vom Karamell ist:

:arrow: Sie haben sehr viel mehr Schreibfähigkeiten (und –variationen) zur Verfügung, als Ihnen bewusst ist.

:arrow: Sie haben immer ein sehr breites Vokabular zur Hand, das Sie durch Wortschatztraining (siehe auch hier und hier) oder Wörterbücher (z. B. Wortschatz Uni Leipzig) stetig erweitern können.

:arrow: Die ganze Palette des Schreibens ausnutzen – und damit im Schreiben  immer versierter werden – können Sie nur, wenn Sie sich selbst auch fordern, indem Sie Ihre Texte variieren, Neues ausprobieren, Bücher lesen oder Kurse besuchen. Die geübten Köche unter Ihnen wissen: Wer weiß, was man tun KANN, wer also mehr Übung und Wissen hat, der kann improvisieren und Lebensmittel schlau + überraschend kombinieren. Wer diesen Wissens- und Erfahrungsschatz nicht hat, sieht nur Zuckermilch.

:arrow: Sie können Ihre Texte vom einfachen Bericht, mit dem Sie an Ihre Leser „hinreden“ zu einem Erlebnis machen: je intensiver Ihre Leser sich angesprochen fühlen und mitten im Text sind, desto mehr sind sie gepackt. Bei Tipptexten werden dadurch echte Aha-Effekte möglich. Genau wie beim Karamellpudding, bei dem Sie ebenfalls Farbe und Geschmack durch die Zubereitung regulieren, liegt es in Ihrer Macht, die Intensität Ihrer Texte zu regulieren.

Dieser Adventskalender der Schreibtipps funktioniert so:

BlogleserInnen geben mir ein Hauptwort vor, das überhaupt nichts mit Schreiben zu tun hat. Ich muss es schaffen, einen schlüssigen Schreibtipp draus zu machen. Wenn Sie, wie von Dagmar vorgeschlagen, Ihren eigenen Tipp zum “Wort des Tages” ergänzen möchten: Nur zu!

Der “Karamellpudding” ist von Silke.

Tweet this

Ein Kommentar

  1. Taklara sagt:

    Toll, was man aus einem bisschen Milch und Zucker (oder ein paar Wörtern, einem Stift und Papier) so alles machen kann.
    Schöner und sogar aufbauender Schreibtipp.

Ihre Meinung?

Bitte nutzen Sie Ihren Realnamen (Vor- und Zuname oder nur den Vornamen).
Firmen-, Produktnamen, Webadressen im Namensfeld und sonstige Werbung lösche ich.
Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert.*

*

© Gitte Härter · Dietersheimer Straße 19 · 80805 München
Tel. 089 36107847 · info@schreibnudel.de · Impressum · Datenschutzerklärung

Nutzung meiner Texte nur nach vorheriger schriftlicher Erlaubnis!

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de