Das Gute und das Schlechte am Schreiben ist, dass Sie relativ einfach Eindruck schinden können. Wenn Sie es geschickt machen, kommt das gut an. Wenn Sie übertreiben, zu viel Lärm um Nichts machen oder wenn man auf 10 km Entfernung erkennt, dass Sie nicht einhalten, was Sie versprechen, geht es in die Hose.
Schickimicki-Texte der unguten Art kommen besonders häufig vor in Unternehmensberichten und Werbekonzepten. Ein erstes Warnzeichen ist Plakatives:
- eine zu große Schriftart
- lauter Hervorhebungen
- auffällige Wörter (Anglizismen, Fachjargon, Werbegeplapper)
- nur wenige Wörter auf einer A 4-Seite, aber dafür 100 Seiten
Wenn ich diese Aufmachung sehe, fangen meine Augen automatisch an zu rollen. Tatsächlich habe ich leider bisher immer Recht behalten: inhaltlich war da nicht viel geboten.
Laufen Sie also bitte nicht Gefahr, Ihre Texte künstlich aufzublähen. Das ist für Sie als AutorIn nämlich auch gefährlich, denn man lullt sich durch die Optik selbst ein. Lieber schreiben Sie in normalem Fließtext auf einer einzigen Seite, was Sie im Kern sagen möchten – und wenn das Hand und Fuß hat, sorgen Sie für ein ansprechendes und praktisches, knackiges Layout.
Eine für mich immer wieder amüsante Variante von Schickimicki sind Überschriften. In einem meiner Bücher gibt es beispielsweise einen kleinen, ansich unscheinbaren Tipp-Kasten, in dem ich kurz und knapp folgende – durchaus richtige! – Allerweltstipps gebe: in schwierigen Situationen erstmal tief durchatmen, sich auf sich selbst fokussieren und dann an der Hand nehmen. Details tun gerade nichts zur Sache.
Ich staunte nicht schlecht, als ich das Buch zum Korrekturlesen zurückbekam. Denn jetzt befand sich über dem Kasten folgende Überschrift: „Gegen Stress: der magische Dreischritt“.
HAHAHAHA!
Magischer Dreischritt!
Bei sowas komme ich aus dem Schmunzeln nicht mehr heraus (… abgesehen davon, dass die ganze Welt annimmt, ich hätte diese drei Grundlagentipps selbst „magischer Dreischritt“ getauft.)
Für Sie heißt das: Hauen Sie ruhig hin und wieder gezielt auf die Pauke. Nutzen Sie Ihre Formulierungskünste dazu, Ihre Texte schön aufzupolieren und wichtig klingen zu lassen. Aber achten Sie immer darauf, dass das im Einklang mit dem Inhalt geschieht: nicht aufblähen – nichts versprechen, was Sie nicht liefern können – und bitte nie so maßlos übertreiben, dass Ihre Leser Sie nicht ernst nehmen.
Dieser Adventskalender der Schreibtipps funktioniert so:
BlogleserInnen geben mir ein Hauptwort vor, das überhaupt nichts mit Schreiben zu tun hat. Ich muss es schaffen, einen schlüssigen Schreibtipp draus zu machen. Wenn Sie, wie von Dagmar vorgeschlagen, Ihren eigenen Tipp zum “Wort des Tages” ergänzen möchten: Nur zu!
Das heutige Wort ist von Jürgen.




Oh, ja. Gerade das mit den gewollt-kreativen Überschriften ist so eine Sache. Da entstehen dann Inhaltsverzeichnisse, mit denen die Leserin und der Leser so gar nichts anfangen können. Dabei ist das gerade bei Sachbüchern die erste Orientierung, ob das Buch das enthält, was ich suche.
Klasse, was Du aus “meinem” Wort wieder gemacht hast, liebe Gitte. Eigentlich schade, dass diese Aktion am 24. endet
Alles Liebe,
Jürgen