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Woche 5: Angefangen!

Diese Woche habe ich – wie erwartet – fast keine Zeit für den Roman gehabt. Vor allem keinen Kopf. Zur Zeit läuft ja der Webtexte-Workshop. Dieser und mein ganz normaler Alltag mit diversen laufenden Kundenaufträgen plus dem Bloggen beschäftigt mich vollkommen und der Kopf ist voll auf meine Kunden fokussiert. Für den Roman ist da kein rechter Platz, was übrigens auch der Grund war, warum ich das Romanprojekt die letzten Jahre immer wieder vor mir hergeschoben habe. Aber so kommt man ja zu nichts, wenn man immer „wenn ich mal Zeit und den Kopf frei habe“ denkt.

Eigentlich wollte ich diese Woche meine Struktur und Szenen verfeinern. Da habe ich ja in den ersten Wochen wirklich gute Fortschritte gemacht. Da mir die Woche so davongelaufen ist, habe ich mir heute Vormittag einige Stunden Zeit genommen und mich direkt mal ans Schreiben des Anfangs gemacht. Huiuiui …

Das mit dem Schreiben ist aus zwei Gründen mein persönlicher Knackpunkt:

1. Der Anfang!

Das Buch soll ja richtig mit einem Knaller anfangen, so dass man direkt neugierig ist, weiterzulesen – aber es darf natürlich auch nicht zu viel von vornherein verraten. Hier habe ich ziemlich viel rumgetüftelt und bin ganz stolz, dass ich eine für mich perfekte Lösung gefunden habe. Ich mag ja im Vorfeld inhaltlich nichts verraten – aber es ist die ideale Mischung zwischen „Was? Ich will jetzt wissen, was da passiert ist“ und „Ich kann mir weder vorstellen, was genau da war und WER das war“.

Ich merke, dass mir mein Faible für amerikanische Serien enorm dabei hilft, spät in Szenen einzusteigen, schlau aufzubauen und nicht in die Expositionsfalle zu tappen: Dinge, die der Leser wissen muss, geschickt und „in Raten“ zu geben und nicht einfach zu erzählen. Das nervt bei schlecht geschriebenen Serien übrigens. Da sagt dann ein Kriminalfachmann zum anderen: „Übrigens, wenn wir das Glas hier mitnehmen können wir es auf Fingerabdrücke untersuchen und vielleicht den Täter finden.“ :shock:

2. Roman“isch“ schreiben

Das ist meine persönliche größte Herausforderung: Ich schreibe ja seit über zehn Jahren fast täglich. Aber ich musste bisher nie irgendwas großartig beschreiben oder eine bestimmte Stimmung oder Spannung erzeugen.

Auch das Zeigen und nicht einfach erzählen ist noch was, woran ich mich gewöhnen muss (was zu erwarten war).

Besonders spannend wird für mich auch, wie schnell/langsam ich einzelnen Passagen erzähle. Was muss sich schlüssig etwas länger aufbauen (ohne zu langweilen), was kann/darf/muss schneller passieren. Beim Durchsehen meiner Struktur neige ich dazu manche Dinge zu straffen – und denke dann: ach nee, warte mal … Insofern werde ich für nächste Woche mal das Fertigstellen des richtigen und kompletten Anfangs auf meinen Plan stellen. Also alle Bruchstücke und Ideen von heute früh mal so richtig in einen ersten Anfangsentwurf umsetzen. Aufregend.

Zum Glück funktioniert mein Scheiße-Detektor auch hier einwandfrei. Ich merke schnell, ob was gut, mittelmäßig oder schlecht ist.

Und auch wenn ich noch nicht wirklich einen richtigen Anfang zustande gebracht habe, so merke ich bei den verschiedenen Schreibanfängen und Ideen, dass ich auch hier in meinem Element bin. Natürlich: ein Roman ist eine völlig andere Sache als ein Ratgeber oder sonstige Tipp-Texte. Doch es zeigt sich einmal mehr, wie wunderbar man auf vorhandene Fähigkeiten aufbauen kann, auch wenn man sie etwas anders einsetzen muss beziehungsweise sich erstmal neue, etwas andere Fähigkeiten erwerben muss.

Was war bei Ihnen los diese Woche?

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3 Kommentare

  1. Anja sagt:

    Hallo Gitte,

    :-) der Schwung, mit dem Du über das Schreiben des Anfangs erzählst, färbt kräftig ab. Schon beim Lesen Deiner Schreiberlebnisse wandern meine Gedanken zu einem noch ungelösten Anfangsstolperstein meiner Geschichte: Mein Anfang ist zwar (meiner Meinung nach ;-) ) ein Knaller, verrät nicht zu viel und nicht zu wenig, führt aber auf ein Nebengleis. Das gefiel mir schon lange nicht mehr. Im Moment habe ich zwar einen Prolog davor geschoben, der auf das Hauptgleis der Geschichte führt, auch mit Knaller und Spannung, … aber ich ahne, dass es bald eine vollkommen neue Lösung geben wird, und lasse mich schon einmal von Deinem Anfangsschwung und Deinen Erkenntnissen anstecken.

    Als ersten Schritt habe ich den Arbeitstitel meiner Geschichte, der genau auf dieses Nebengleis führte, geändert. Der neue Arbeitstitel klingt nicht mehr so ausgefeilt, aber den Endtitel legt sowieso meist der Verlag fest. Für mich ist jetzt beim Schreiben wichtig, dass der Arbeitstitel schnurstracks auf das Hauptgleis zielt.

    Woche 5 hatte auch bei mir mit dem Erzähltempo zu tun. Während ich in Kapitel 6 zu viel Innenleben vermutete und mich auf diesen Punkt konzentrieren wollte, wurde ich von D-Zug-Donnern überrascht. Das Kapitel ratterte beim Lesen an mir vorbei wie Eisenbahnwaggons, in denen irgendwelche Einzelheiten versteckt sind, die zwar wesentlich, aber bei der rasanten Fahrt einfach nicht zu erkennen waren.

    Ich war froh, dass ich einen ganzen Schreibtag für das Überarbeiten hatte, und nahm Tempo aus dem Kapitel heraus, fuhr langsam und dicht an wesentliche Details heran, warf Ballast ab. Einige Ideen platzten am nächsten Morgen hinterher. Für sie habe ich mir ein wenig zusätzliche Zeit stibitzt und sie gleich eingebaut. Nun bin ich zufrieden mit dem Stand von Kapitel 6. :-)

    Das Kapitel der zweiten Woche, das ich mir auch ansehen wollte, wartete tatsächlich mit viel Innenleben auf. Mein Überarbeiten bestand trotzdem aus eher kleinen Änderungen und einem sanften Gleiten über den Text, um diese Stellen aufzulösen.

    In dieser Woche nehme ich mir Kapitel 7 vor, in dem sich die nächste Hauptperson, eine Art Zwillingsfigur zu meiner Heldin, vorstellt. An dem Kapitel habe ich schon viel gearbeitet. Wenn ich es jetzt wiedertreffe, möchte ich besonders darauf achten, ob ich mich nicht zu sehr mit meinem Fachwissen in den Vordergrund dränge. Die Versuchung ist gewaltig, aber ich kenne das Phänomen von anderen Büchern, wo man als Leser plötzlich das seltsame Gefühl hat, in ein Fachbuch geraten zu sein. Dieses Gefühl möchte ich meinen Lesern ersparen, so gut ich es vermag.

    Sollten Gedankensplitter oder -brocken zum Anfang meiner Geschichte vorbeikollern, werde ich sie hoffentlich bemerken und flexibel genug sein, um mit dem Überarbeiten auf den Anfang umschwenken zu können. ;-)

    Liebe Grüße
    Anja

  2. Florentine sagt:

    Hallo Gitte und Anja,

    danke nochmals für Euren Input bzgl. dem Thema Dranbleiben am Schreiben. Nachdem nun ein zweiter Mitarbeiter krank ist, bin ich noch länger mit der Krankheitsvertretung beschäftigt und muss noch mehr mit der Zeit jonglieren. Es hat mir gut getan, als Du, Gitte, geschrieben hast, dass es einfach auch Phasen gibt, wo es aufgrund der Arbeit einfach keine große Zeit zum Schreiben gibt. Das hat mir den Druck und das schlechte Gewissen etwas genommen. Ich denke dann immer, dass es trotzdem irgendwie klappen müsste und bin frustriert, wenn dem nicht so ist.

    Zum Thema Anfang. Der steht bei mir soweit.

    Ich habe am zweiten Kapitel gearbeitet (erste Schritte bei der Suche nach Zeitzeugen) und überlege nun, ob ich auch im Folgenden darüber berichten soll, wie das Leben in Paris zwischen den Zeitzeugen-Interviews (also mit Babysitting, Anschauen der Originalschauplätze etc. im Grunde also das Hin-und-Herwechseln zwischen den Erlebnissen mit den Zeitzeugen und der Zeit im Hier und Jetzt in Paris.) auch noch mit “verwursten” soll oder es lieber separat in einem kleinen vorangestellten oder nachgestellten Kaiptel zusammenfassen soll.

    Habe auch noch endlich einen Teil im Wohnzimmerregal als “Autorenecke” eingerichtet, dass ich sofort loslegen kann und nicht erst noch alle 7 Sachen zusammensuchen muss. Ist eben etwas blöd, wenn man kein eigenes Arbeitszimmer zu Hause hat und ich will ja nicht alles mit ins Büro schleppen.

    Diese Woche steht der geschichtliche Überblick an. Ist schwierig, da ich mich kurz halten will ohne jedoch nur Fakten runterzuschreiben. Vielleicht lege ich meinen Schwerpunkt ja auch auf die Personen, die bei der deutschen Besatzung von Frankreich eine wesentliche Rolle spielten und was aus ihnen nach dem Krieg geworden ist. Ich bin am Überlegen, ob ich das Kapitel in kurze Geschichtshäppchen untergliedere, so dass sich der Leser die Dinge rausfischen kann, die ihn interessieren.

    Ich wünsche Euch eine schreibfreudige Woche
    Grüße von Florentine

  3. Anja sagt:

    Hallo Florentine,

    :-) Dankeschön für Deine lieben Wünsche. Ich hoffe, Du hast/hattest eine gute Schreibwoche, trotz aller Belastungen von außen. Wenn es bei mir mit der Zeit schwierig wird, denke ich immer daran, dass man auch mit kleinen Schritten zum Ziel kommt. Nur, wenn man stehenbleibt, geht es nicht weiter …

    In dieser Woche musste ich an einige Menschen denken, die mit einer festen Schreibzeit klarkommen und in 30-Minuten- oder Stunden-Häppchen erfolgreich etliche Bücher geschrieben haben. Lass Dich also in Deinem Schreibrhythmus auf keinen Fall beirren. Er muss zu Dir und Deinem Alltag passen.

    Ich glaube, die Autorenecke ist ein wichtiger Schritt. Jetzt, wo unsere Kinder fast aus dem Haus sind, kann ich mit meinen Schreibunterlagen genüsslich in die Breite fließen … Aber ich erinnere mich noch genau an diese kleinen Ecken, die ich mir in viel zu engen Wohnungen abgeknapst hatte. Fast verschwörerisch habe ich “meiner Ecke” jedes Mal zugezwinkert, wenn ich daran vorbeikam. Deshalb von mir: Herzlichen Glückwunsch zu Deiner Autorenecke! :-)

    Gespannt bin ich, wie Deine Entscheidung zum Hin- und Herwechseln zwischen den Erlebnissen mit den Zeitzeugen und dem Alltag gefallen ist. Vielleicht ist aber auch noch etwas Raum bis zur endgültigen Entscheidung und Du kannst in Ruhe beobachten, wie es sich aus Deiner Geschichte ergibt. Ich staune beim Überarbeiten immer wieder, wie flexibel man ist und wie man ganze Teile noch hin- und herschieben kann.

    Wie durch Zufall haben wir beide in dieser Woche das Schreiben von Fakten auf dem Plan – zu Geschichtsfakten und Lebensthemenfakten. Dieses Zusammentreffen finde ich spannend. Über die Ergebnisse werden wir ja in der nächsten Woche berichten, ich habe ordentlich zu kämpfen gehabt.

    :-) Liebe Grüße und viel Freude beim Schreiben
    Anja

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