Korrespondenz/Marketing

7 Anzeichen dafür, dass Internetbewertungen selbst geschrieben sind

Das Internet ist voll von Besprechungen: ob Testimonials auf Unternehmenswebsites oder den zahlreichen Bewertungsplattformen, wo mittlerweile alle nur erdenklichen Firmen, Produkte und Leistungen besprochen werden. Viele dieser Bewertungen sind Fakes.

Immer wieder gibt es kleine Skandälchen wie vor einigen Jahren auf der amerikanischen amazon-Website, wo für einige Stunden die Klarnamen von Rezensenten sichtbar waren und herauskam, dass zahlreiche Autoren reihenweise ihre eigenen Bücher hochgelobt und die von Konkurrenzprodukten runtergeschrieben haben. Oder vor einigen Monaten die Besprechung eines Elektronikproduktes, die der Geschäftsführer der Firma selbst geschrieben hatte. Leider hatte er ein Häkchen falsch gesetzt, so dass sein Pseudonym mit seinem echten Namen verknüpft war.

Doch solche Fehler braucht es gar nicht. Es gibt einige Anzeichen, die darauf hindeuten, dass man es mit „einem Fake“ zu tun hat. Besonders wenn mehrere davon gleichzeitig präsent sind, können Sie fast wetten, dass die Besprechung unecht ist.

1. Viele Bewertungen auf einen Haufen

Die meisten Internetnutzer sind passive Leser. Darum gibt es nur einen Bruchteil von Menschen, die aktiv mitmischen. Und darum ist eine zeitliche Anhäufung von Besprechungen immer suspekt. Das sieht man auf Restaurantportalen, wenn es bei Neueröffnung eines Lokals plötzlich positive Bewertungen hagelt oder bei Büchern, wenn in den ersten paar Wochen nach Erscheinungstermin ewig viele Besprechungen veröffentlicht werden.

Klar sind das manchmal mobilisierte Freunde und Bekannte, doch das gibt natürlich ein schräges Bild, denn da wird oft nicht das Unternehmen/Produkt besprochen, sondern die Sympathie für den Menschen dahinter.

2. Die Lobeshymne

Ich habe früher Bewerbungsunterlagen geprüft und konnte den Leuten immer auf den Kopf zusagen, wenn ein Zeugnis selbst geschrieben war. Der Grund: Die Lobeshymne. Und damit meine ich wirklich HYMNE. Wenn Besprechungen völlig übertrieben super sind und eine Firma oder ein Produkt in den Himmel gelobt wird, riecht es immer nach Eigenlob. Darum ist es bei sehr übertriebenen Kundenreferenzen manchmal angesagt, das Überlob etwas zu entschärfen.

3. So redet kein Mensch!

Die Wortwahl entlarvt meistens. Das „erlesene Sortiment“, Umschreibungen wie „Die versierte Autorin“ … alles, was der Normalo nicht sagen würde, was gestellt oder hochgestochen klingt, ist meistens unecht.

4. Der PR-Rundumschlag

Hier findet man nicht nur unnatürliche Wortwahl, sondern die Besprechung ähnelt einer kompletten Pressemeldung. Unternehmen werden detailliert mit allen Leistungen oder weiteren Produkten besprochen, die Firmeninhaber werden – oft in der dritten Person – mit ihrem guten Charakter oder gesamten Profil geschildert.

5. Der Absender bespricht ausschließlich eine bestimmte Person/Unternehmen oder Produkte.

Machen Sie sich mal den Spaß und klicken auf amazon auf das Profil einzelner Rezensenten. Besonders wenn es eine Besprechungsballung gibt, bei der die Rezensenten besonders neutrale Namen à la „Susanne Müller“, „Friedrich Körner“ haben (viele wollen ihrer Rezension durch Klarnamen eine Extra Portion Glaubwürdigkeit verleihen).

Sie werden erstaunt sein, wie oft es Leute gibt, die nur ein einziges Produkt besprochen haben. Das alleine muss natürlich noch nichts heißen! Doch wenn jemand ausschließlich ein-Rezensions-Leute hat, die unkritisch nur loben, dann ist ein Fake nicht weit.

6. Undifferenziert, ungenau, unkritisch.

Je weniger konkret eine Besprechung ist, je allgemeiner gehalten und vage, desto mehr deutet es darauf hin, dass sich der Verfasser gar nicht wirklich damit befasst hat. Abgesehen vom Lobeshymnen- und PR-Charakter ist ein Mangel an konkreten Aussagen auch oft ein Hinweis auf Besprechungsprofis. Ja, auch das ist natürlich mittlerweile eine Leistung geworden: PR-Spezialisten möbeln für Auftraggeber (angeblich) deren Reputation auf.

7. Gleicher Stil

Schließlich kann man bei Besprechungen zum selben Unternehmen/Produkt oft Leute mit gleicher Handschrift sehen. Lesen Sie mal genau hin! Das Schreiben ist oft genauso eigen wie das individuelle Sprachmuster. So kann man oft sehr ähnliche Sprachmuster in Besprechungen erkennen.

 

Natürlich muss man eins dazusagen: Manche Leute glauben, eine Besprechung muss wie eine PR-Meldung klingen. Wenn Sie also mehrere dieser Punkte in eigenen Bewertungen für andere wiedererkannt haben, dann ist das ein guter Hinweis für Sie, wie eine gut gemeinte Besprechung unabsichtlich in die Hose gehen kann.

Echte Besprechungen sind natürlich und nicht gestelzt, sie sind idealerweise differenziert. Auch wenn Sie etwas über den grünen Klee loben, was Sie natürlich jederzeit dürfen, geht es darum, normal zu bleiben, konkret zu werden (Was genau finde ich so toll daran?) und nicht zu übertreiben.

Und wenn Sie versucht sind, Bewertungen für Ihr Unternehmen oder Ihre Produkte selbst zu schreiben: Lassen Sie es! Bitten Sie lieber Ihre Kunden aktiv darum, ihre ehrliche – selbst formulierte – Meinung auf bestimmten Plattformen zu hinterlassen. Das machen die meisten sehr gerne, auch wenn sie es aus eigenem Antrieb nicht getan hätten.