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“Ihr Kind ist ein Arschloch!” – Vom Umgang mit Kritik

Schluck! – Sowas hört niemand gerne. Dabei müssen wir AutorInnen das aushalten können: Wann immer Sie eigene Texte veröffentlichen, geben Sie etwas von sich nach draußen, ob es ein kleiner Blogbeitrag für Ihre ersten fünf Leser ist oder ein Buch, an dem Sie fast ein Jahr lang gearbeitet haben. Geht Ihr Baby raus in die Welt, bilden sich andere Leute Meinungen.

Und seit es das Internet gibt, bekommen Sie diese Meinungen ungefiltert mit. Das ist eine schöne Sache, wenn es Lob und Zuspruch gibt oder wenn sich Ihre Leser konstruktiv-kritisch damit auseinandersetzen. Doch es kann jederzeit auch sein, dass Sie es mit unfairer Kritik oder harschen Bewertungen zu tun bekommen.

  • Dann ruft Sie jemand an und beschimpft Sie (ist mir bisher nur einmal passiert).
  • Sie bekommen maßregelnde Schimpfmails, die Ihnen erklären, wie die Welt wirklich läuft.
  • Es wird auf Internetseiten verkündet, wie schlecht Ihr Text ist und jeder kann es lesen.
  • Da werden Ihre Beiträge per „Daumen runter“ oder „1 von 5 Punkten“ bewertet („Wenn es Null Punkte gäbe, würde ich Null geben!“).

Wie das immer so ist mit schlechten Bewertungen: Gerade diese sind oft nicht sonderlich konstruktiv formuliert und manchmal sind sie regelrecht unfair, weil Ihnen die Worte im Mund umgedreht werden oder etwas behauptet wird, das gar nicht dasteht.

Und jetzt?

1. Das gehört dazu

Sie können einiges dafür tun, dass ein Text richtig verstanden wird und nicht unnötig polarisiert. Wenn Sie zudem über Dinge schreiben, bei denen Sie sich wirklich auskennen, konkret werden und in die Tiefe gehen sowie nicht auf Ihre Leser runterschreiben, dann haben Sie erst einmal alles dafür getan, dass sie nicht aufgrund von Missverständnissen Gegenwind bekommen.

2. Begrüßen Sie Feedback – aber schauen Sie differenziert hin!

Generell ist es eine tolle Sache, dass wir als Autoren unmittelbarer Leserfeedback bekommen. Blogs sind ein schönes Beispiel. Schauen Sie sich hier auf schreibnudel.de die Kommentare an: Was für hilfreiche Ergänzungen, interessante Erfahrungen und ergänzende Meinungen meine LeserInnen posten!

Wie in persönlichen Gesprächen gilt für Kritik natürlich: am besten kann man sie annehmen, wenn sie konstruktiv gemeint und ebenso formuliert ist.

Doch auch wenn dies nicht so ist: In Polterkritik steckt immer irgendein Inhalt. Und es lohnt sich, diesen Inhalt für sich zu prüfen, also hinter den Tonfall zu schauen und wahrzunehmen:

➡ Worum geht es dem Leser hier? Was steckt an Inhalten drin?

Ich habe auf amazon einige sehr schlechte Kritiken zu Büchern bekommen. Klar freue ich mich nicht darüber! Vor allen Dingen nicht, wenn ich sie als grob oder unfair empfinde, muss ich schwer schlucken oder rege mich im ersten Moment auf. Doch ich bemühe mich immer, den Kern zu prüfen: Steckt etwas darin, das ich brauchen kann?

Bei meinem Kundenakquise-Pocket zum Beispiel wird mir immer mal vorgeworfen, dass es zu oberflächlich und zu einsteigermäßig ist. Das kann ich nachvollziehen: es ist ein Einsteigerbuch und ein Pocketbuch hat natürlich nur begrenzten Platz. Dass es manchem Leser zu oberflächlich ist, ist ganz normal.

Dann gibt es Serienverreißer, die glauben, eine „Buchkritik“ müsse immer aus schlimmster Kritik bestehen: je krasser man ein Werk vernichtet, desto besser fürs Ego. Sowas ist nicht schön, aber das muss man auch nicht sonderlich ernst nehmen. Haben Sie außerdem keine Sorge: Andere Leser bilden sich ihr Urteil entsprechend, denn Pöbelkritik wird sehr leicht als solche erkannt.

Und natürlich gibt es Trolle, die nur provozieren und pöbeln wollen. Ich bin seit vielen Jahren im Internet aktiv und hatte bisher nur ein einziges Mal eine Blogleserin, die immer nur vorbeigekommen ist, um in den Kommentaren ein Häufchen zu machen. Einige Male bin ich konstruktiv darauf eingegangen und als es zu viel wurde, habe ich sie direkt darauf angesprochen, dass es hier wohl nur um das Provozieren geht und ich darauf keine Lust habe. Seitdem ist Ruhe.

Wichtig: Ich kann es zum Beispiel nicht leiden, wenn jemand undifferenziert Kritik übt. Darum würde ich niemals „Daumen runter“-Buttons bei mir im Blog installieren. Wenn jemand was bescheuert findet, soll er es mir direkt sagen und er soll bitteschön dazu sagen, was er nicht gut findet. Dann kann ich es einordnen und daraus für das nächste Mal lernen. Was nützt denn ein Daumen runter? Fand derjenige das Thema blöd oder nicht richtig aufbereitet, hat ihm der Schreibstil nicht gefallen, ist er nicht derselben Meinung, war die Schriftgröße zu klein zum Lesen …?

3. Sie können offen damit umgehen.

Wann immer Sie Kritik direkt bekommen – persönlich, am Telefon, per E-Mail oder per Kommentar auf Ihrer eigenen Website – ist es natürlich wichtig, darauf einzugehen. Bleiben Sie auch bei negativer Kritik sachlich (also am besten nicht ad-hoc antworten!). Sagen Sie ruhig dazu, wenn eine Kritik Sie trifft oder Sie sie als unfair ansehen und warum das so ist.

Fragen Sie nach, wenn jemand etwas besonders harsch anprangert und ganz besonders, wenn jemand nur mit Allgemeinaussagen um sich wirft. Bringen Sie den Kritiker dazu, konkret zu werden, so können Sie auch auf ergiebige Weise antworten und es kann sich ein konstruktives Ergebnis entwickeln.

Doch unabhängig davon, ob Sie mit dem Kritiker auf einen grünen Zweig kommen: Die Weböffentlichkeit nimmt wahr, wie souverän und sachlich Sie auf Kritik reagieren.

Ist die Kritik auf einer anderen Website oder einer Plattform wie amazon.de können Sie in der Regel auch über die Kommentarfunktion reagieren. Überlegen Sie, ob Sie das tun möchten.

4. Kann ich schlechte Kritiken verbieten lassen?

In der Regel nicht. Das ist auch eine Kehrseite des Internets: Jeder kann über sie oder Ihre Produkte schreiben, was er will – erst recht, weil das oft anonym geschieht (was auch der Grund ist, dass sich so viele im Ton vergreifen). Websites mit Bewertungsfunktion halten sich in der Regel raus und sagen „unsere User können schreiben, was Sie wollen, schreiben Sie halt das Gegenteil dazu“. Na toll!

Werden Sie jedoch unbedingt aktiv, wenn etwas sachlich nicht stimmt und richtiggehend geschäftsschädigend ist!

Bei unserem Schlagfertigkeitsbuch hat ein Rezensent bei amazon einmal behauptet, wir würden im Buch ständig Werbung für unsere Schlagfertigkeitskurse machen. Das war völliger Unsinn: Wir haben nicht nur keine Eigenwerbung im Buch gemacht, sondern nie Schlagfertigkeitskurse gemacht! In diesem Fall bin ich aktiv geworden und habe die Rezension von amazon in dem Punkt ändern lassen.

Und als auf einer Bewertungsseite letztes Jahr jemand behauptet hat, unternehmenskick.de sei eine unseriöse Abzocker-Betrüger-Seite, bin ich auch an die Betreiber herangetreten und habe gesagt, das ist nicht nur eine falsche und unfaire Behauptung, sondern Rufschädigung.

5. … aber was ist, wenn ich mir Kritik zu meinen Texten zu sehr zu Herzen nehme?

Tja, was ich soll ich sagen: Als AutorIn brauchen Sie ein dickes Fell. 🙂 Und ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung sagen, dass man mit der Zeit immer besser lernt, damit umzugehen.

Gewöhnen Sie sich daran, dass Sie auch schlechtes Feedback bekommen werden.

Es ist nunmal auch eine Tatsache im Leben, dass nicht jeder alles gut findet. Genauso wenig wie Sie und ich alles gut finden.

  • Ich lache mich kaputt über einen Comedian, den Sie völlig unlustig finden.
  • Sie finden dafür ein Buch toll, das ich ab Seite 10 entnervt zuklappe.
  • Ich drehe Eminem auf und Sie halten sich augenrollend die Ohren zu.
  • Sie schwelgen in Lyrik, die mir überhaupt nichts gibt.

Wir müssen nicht alles mögen. Ergo: Andere müssen nicht alles von uns mögen!

Seien Sie also bloß keine beleidigte Leberwurst und bekommen Sie nicht gleich die Krise à la „Ich gebe das Schreiben auf, ich kann nichts!“

Halten Sie es wie jeder Künstler da draußen: Finden Sie Ihren Stil, seien Sie echt und damit ziehen Sie die Leute an, die genau das gut finden. Aber heischen Sie nicht danach, jedem alles rechtmachen zu wollen.

Nicht jeder muss das, was Sie schreiben, gut finden. Das wird auch nie so sein.

Wichtig: Verallgemeinern Sie Feedback nicht! Wenn einer, fünf oder zehn Leute Ihren Text nicht gut finden, dann heißt das nicht „Niemand mag meinen Text“, sondern dann heißt es DIESE eine, fünf oder zehn Person/en mögen den Text nicht. Vielleicht mögen auch 200 Leute einen Text nicht. So what! Und wenn die ganze Welt einen Text nicht mag, Sie ihn aber gut finden, ist alles paletti.