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10 verbreitete Schreibmacken

Heute widme ich mich typischen Schreibmacken: Formulierungen oder Angewohnheiten, die wir einfach so drin haben. Genau wie jeder von uns einen bestimmten aktiven Wortschatz und Sprachmuster hat, gilt das natürlich auch für unsere Schreibe. Das ist gut, weil es idealerweise unseren eigenen Stil ausdrückt. Aber es führt natürlich auch zu unerwünschten Mustern. Zehn weit verbreitete dieser Schreibmacken habe ich hier für Sie zusammengefasst.

Wundern Sie sich nicht, dass ich auf manche immer mal wieder zu sprechen komme. Es sind nicht umsonst unausrottbare Klassiker, die in vielen Texten immer wieder auftauchen.

Vielleicht finden Sie nur eine oder zwei, wahrscheinlich ist es jedoch, dass mehrere in Kombination auftreten. Auch ich erkenne so einige bei mir wieder: Ich habe immer ein Lieblingswort der Saison, das ich exzessiv benutze, ohne dass es mir auffällt. Bei einem meiner Bücher ist die Lektorin verrückt geworden, weil ich andauernd „konkret“ geschrieben habe, dabei hatte ich vor Abgabe schon 50 % davon getilgt. Haha! Auch Klammern und Anführungsstriche nutze ich gerne … und lösche sie auch oft genug wieder, wenn es zu viele werden.

Und genau das ist der Clou:

Wer seine Macken und Angewohnheiten gut genug kennt, kann sie direkt beim Schreiben, spätestens aber beim Überarbeiten, zielgerichtet ausmerzen.

Nehmen Sie jetzt einen Stift zur Hand!

Drucken Sie sich die folgende Liste aus und gehen Sie sie Punkt für Punkt durch:

  • Haken Sie ab, was Sie nicht tun – und freuen Sie sich darüber.
  • Behalten Sie die kleinen Macken, die auf Sie zutreffen, künftig im Auge.

Das Gute ist: Wenn Sie konsequent daran arbeiten, zum Beispiel künftig die Hauptwörter wann immer es geht in Verben verwanden, trainieren Sie sich um und denken bald in lebendigen Verben-Sätzen!

1. Einseitigkeit

Einseitigkeit kann heißen: Sie haben einen zu engen aktiven Wortschatz, sagen beispielsweise zu allem „ärgern“ anstatt zu differenzieren, ob Sie genervt, wütend, irritiert, enttäuscht oder aggressiv sind.

Es kann das schon angesprochene Lieblingswort sein oder eine bestimmte Formulierung. Ich hatte eine Phase, wo ich ständig „ich selbst“ oder „ich persönlich“ geschrieben habe, anstatt einfach nur „ich“.

Einseitigkeit kann sich aber auch auf den Gesamtaufbau Ihrer Texte beziehen. Besonders, wenn Sie bloggen, fällt es auf, wenn Texte im immer gleichen Schema daherkommen.

2. Klammerepidemie.

Es ist durchaus hilfreich, wenn man Zusatzinformationen (wie Beispiele oder eine nähere Erklärung) gibt, aber es ist total schwierig zu lesen (und zu verstehen!), wenn die Einschübe in Klammern zu oft kommen. Meistens kann man Klammern übrigens einfach weglassen und den Zusatz nach einem Komma oder Doppelpunkt nennen (oder ganz einfach auf den Einschub ganz verzichten!).

Das gilt natürlich auch für Gliederungen:

Mein Angebot:
– Schreibkurse (Texten Sie Ihre Website!, Blogwoche, …)
– Coachings (Buchkonzepte, Textcoaching, Buchbegleitung …)
– Texten (Unternehmensdarstellungen, Artikel …)

Die Klammern brauchts gar nicht:

Mein Angebot:
– Schreibkurse: Texten Sie Ihre Website!, Blogwoche, …
– Coachings: Buchkonzepte, Textcoaching, Buchbegleitung …
– Texten: Unternehmensdarstellungen, Artikel …

3. Anführungsstriche

In Anführungsstriche setzt man gerne auch einzelne Wörter. Nicht immer ist das nötig. Wenn Sie merken, dass Ihre Texte von in Anführungsstrichen gesetzten Wörtern nur so wimmeln, dann prüfen Sie immer: Kann ich sie weglassen oder die Aussage anders formulieren?

4. Hauptwörterstil

Die Demonstration dieses Stils ist eine besondere Schwierigkeit für mich, weil mein Gehirn die Angewohnheit hat, in einfacheren Strukturen zu denken. Darum will mir keine richtige Illustrierung der Umständlichkeit durch Substantive gelingen. 🙂

Na, Sie wissen, was ich meine – und vielleicht arbeiten Sie sogar in einer dieser Branchen, in der es üblich ist, sich so gestelzt und umständlich auszudrücken. Dann fällt es Ihnen anfänglich ähnlich schwer, in Verben zu denken. Das Gute ist: Unser Gehirn lernt schnell.

Übrigens finden sich Hauptwörterballungen besonders gerne in üblichen Floskeln:

  • Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
  • Bei Bestellung ist die Angabe der Kundennummer wichtig.

5. Passiv

Inhalte werden durch Passivkonstruktionen schlecht verstanden und klingen zudem distanziert. Darum sollte das Passiv auf jeden Fall vermieden werden.

6. Eingeschobene Nebensätze

Wenn Sie, was oft passiert, immer wieder einen Gedankengang einschieben, der Ihnen gerade einfällt, bevor Sie zum eigentlichen Hauptsatz zurückkehren, wird es tierisch schwierig zu verstehen, was Sie überhaupt sagen möchten. Leider laufen Sie Gefahr, was sehr unerfreulich wäre, dass man Sie als unstrukturiert oder verwirrend wahrnimmt, denn jeder Text reflektiert natürlich immer auch auf den Verfasser, was besonders bei Businesstexten nachteilig sein kann.

7. Standpunkt vermeiden

Eine sehr große Schreibmacke ist es auch, besonders neutral zu formulieren. Denn dann wimmelt es von Floskeln wie „Das heißt nicht, sondern …“, „Bitte verstehen Sie mich richtig …“, „Man könnte sagen, dass – es gilt aber auch zu bedenken, dass …“

Achten Sie auf ständige Absicherungen und Neutralisierungsversuche! Das stört gewaltig. Lesen Sie dazu auch: „Tun Sie dieses, lassen Sie jenes“ – willkommener Klartext oder Befehlston?

8. Den gleichen Punkt mehrmals machen

Nicht nur beim Sprechen wiederholt man manchmal etwas in etwas anderen Worten, das passiert auch beim Schreiben.

Besonders bei Tipptexten sehe ich oft, dass eine Einleitung kommt, dann Beispiele, dann eine Begründung, warum man etwas tun sollte, dann nochmal die Begründung. Leider ist dann oft schon der Text zu Ende und die eigentlichen guten Tipps WIE man das denn jetzt tun soll, sind unter den Tisch gefallen.

Und warum? Weil der Autor gedacht hat „Oh, mein Text ist ja jetzt schon richtig lang. Den lass ich so!“ Dass aber Dreiviertel des Textes die Hinführung war, in der der gleiche Punkt wieder und wieder eingehämmert wurde, sieht er nicht.

9. Gedankenschleifen

Sie schreiben etwas, sind im Gedankengang – und Text – bereits weiter und kommen dann auf etwas eben schon Gesagtes zurück. Details mit konkreten Beispielen hier.

10. Zu viel ICH

Dazu gibt es schon einen ausführlichen Artikel: Ich, ich, ich, ich, ich, ich, ich

… und denken Sie dran: Das sind sehr weit verbreitete Kleinigkeiten. Seien Sie also nicht schockiert, wenn Sie eine ganze Menge bei sich wiedererkennen. Sie lesen ja meinen Newsletter, um konkrete Tipps dafür zu bekommen, wie Sie künftig noch besser schreiben.