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10 verbreitete Schreibmacken

Letzte Woche habe ich in der Himbeerwerft über Automatismen und Macken geschrieben. Da lag der Gedanke nahe, mich auch typischen Schreibmacken zu widmen: Formulierungen oder Angewohnheiten, die wir einfach so drin haben.

Genau wie jeder von uns einen bestimmten aktiven Wortschatz und Sprachmuster hat, gilt das natürlich auch für unsere Schreibe. Das ist gut, weil es idealerweise unseren eigenen Stil ausdrückt.

Aber es führt natürlich auch zu unerwünschten Mustern. Zehn weit verbreitete dieser Schreibmacken habe ich hier für Sie zusammengefasst. Wundern Sie sich nicht, dass ich auf manche immer mal wieder zu sprechen komme. Es sind nicht umsonst unausrottbare Klassiker, die in vielen Texten immer wieder auftauchen.

Vielleicht finden Sie nur eine oder zwei, wahrscheinlich ist es jedoch, dass mehrere in Kombination auftreten. Auch ich erkenne so einige bei mir wieder: Ich habe immer ein Lieblingswort der Saison, das ich exzessiv benutze, ohne dass es mir auffällt. Bei einem meiner Bücher ist die Lektorin verrückt geworden, weil ich andauernd “konkret” geschrieben habe, dabei hatte ich vor Abgabe schon 50 % davon getilgt. Haha! Auch Klammern und Anführungsstriche nutze ich gerne … und lösche sie auch oft genug wieder, wenn es zu viele werden.

Und genau das ist der Clou: Wer seine Macken und Angewohnheiten gut genug kennt, kann sie direkt beim Schreiben, spätestens aber beim Überarbeiten, zielgerichtet ausmerzen.

Nehmen Sie jetzt einen Stift zur Hand!

Drucken Sie sich die folgende Liste aus und gehen Sie sie Punkt für Punkt durch:

  • Haken Sie ab, was Sie nicht tun – und freuen Sie sich darüber.
  • Behalten Sie die kleinen Macken, die auf Sie zutreffen, künftig im Auge.

Das Gute ist: Wenn Sie konsequent daran arbeiten, zum Beispiel künftig die Hauptwörter wann immer es geht in Verben verwanden, trainieren Sie sich um und denken bald in lebendigen Verben-Sätzen!

:arrow: 1. Einseitigkeit.
Einseitigkeit kann heißen: Sie haben einen zu engen aktiven Wortschatz, sagen beispielsweise zu allem “ärgern” anstatt zu differenzieren, ob Sie genervt, wütend, irritiert, enttäuscht oder aggressiv sind.

Es kann das schon angesprochene Lieblingswort sein oder eine bestimmte Formulierung. Ich hatte eine Phase, wo ich ständig “ich selbst” oder “ich persönlich” geschrieben habe, anstatt einfach nur “ich”.

Einseitigkeit kann sich aber auch auf den Gesamtaufbau Ihrer Texte beziehen. Besonders, wenn Sie bloggen, fällt es auf, wenn Texte im immer gleichen Schema daherkommen.

:arrow: 2. Klammerepidemie.
Es ist durchaus hilfreich, wenn man Zusatzinformationen (wie Beispiele oder eine nähere Erklärung) gibt, aber es ist total schwierig zu lesen (und zu verstehen!), wenn die Einschübe in Klammern zu oft kommen. Meistens kann man Klammern übrigens einfach weglassen und den Zusatz nach einem Komma oder Doppelpunkt nennen (oder ganz einfach auf den Einschub ganz verzichten!).

Das gilt natürlich auch für Gliederungen:

Mein Angebot:
- Schreibkurse (Texten Sie Ihre Website!, Blogwoche, …)
- Coachings (Buchkonzepte, Textcoaching, Buchbegleitung …)
- Texten (Unternehmensdarstellungen, Artikel …)

Die Klammern brauchts gar nicht:

Mein Angebot:
- Schreibkurse: Texten Sie Ihre Website!, Blogwoche, …
- Coachings: Buchkonzepte, Textcoaching, Buchbegleitung …
- Texten: Unternehmensdarstellungen, Artikel …

3. Anführungsstriche.
In Anführungsstriche setzt man gerne auch einzelne Wörter. Nicht immer ist das nötig. Wenn Sie merken, dass Ihre Texte von in Anführungsstrichen gesetzten Wörtern nur so wimmeln, dann prüfen Sie immer: Kann ich sie weglassen oder die Aussage anders formulieren?

4. Hauptwörterstil.
Die Demonstration dieses Stils ist eine besondere Schwierigkeit für mich, weil mein Gehirn die Angewohnheit hat, in einfacheren Strukturen zu denken. Darum will mir keine richtige Illustrierung der Umständlichkeit durch Substantive gelingen. :-)

Na, Sie wissen, was ich meine – und vielleicht arbeiten Sie sogar in einer dieser Branchen, in der es üblich ist, sich so gestelzt und umständlich auszudrücken. Dann fällt es Ihnen anfänglich ähnlich schwer, in Verben zu denken. Das Gute ist: Unser Gehirn lernt schnell.

Übrigens finden sich Hauptwörterballungen besonders gerne in üblichen Floskeln:

  • Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
  • Bei Bestellung ist die Angabe der Kundennummer wichtig.


5. Passiv.

Inhalte werden durch Passivkonstruktionen schlecht verstanden und klingen zudem distanziert. Darum sollte das Passiv auf jeden Fall vermieden werden.

6. Eingeschobene Nebensätze.
Wenn Sie, was oft passiert, immer wieder einen Gedankengang einschieben, der Ihnen gerade einfällt, bevor Sie zum eigentlichen Hauptsatz zurückkehren, wird es tierisch schwierig zu verstehen, was Sie überhaupt sagen möchten. Leider laufen Sie Gefahr, was sehr unerfreulich wäre, dass man Sie als unstrukturiert oder verwirrend wahrnimmt, denn jeder Text reflektiert natürlich immer auch auf den Verfasser, was besonders bei Businesstexten nachteilig sein kann.

7. Standpunkt vermeiden.
Eine sehr große Schreibmacke ist es auch, besonders neutral zu formulieren. Denn dann wimmelt es von Floskeln wie “Das heißt nicht, sondern …”, “Bitte verstehen Sie mich richtig …”, “Man könnte sagen, dass – es gilt aber auch zu bedenken, dass …”

Achten Sie auf ständige Absicherungen und Neutralisierungsversuche! Das stört gewaltig. Lesen Sie dazu auch: „Tun Sie dieses, lassen Sie jenes“ – willkommener Klartext oder Befehlston?

8. Den gleichen Punkt mehrmals machen.
Nicht nur beim Sprechen wiederholt man manchmal etwas in etwas anderen Worten, das passiert auch beim Schreiben.

Besonders bei Tipptexten sehe ich oft, dass eine Einleitung kommt, dann Beispiele, dann eine Begründung, warum man etwas tun sollte, dann nochmal die Begründung. Leider ist dann oft schon der Text zu Ende und die eigentlichen guten Tipps WIE man das denn jetzt tun soll, sind unter den Tisch gefallen.

Und warum? Weil der Autor gedacht hat “Oh, mein Text ist ja jetzt schon richtig lang. Den lass ich so!” Dass aber Dreiviertel des Textes die Hinführung war, in der der gleiche Punkt wieder und wieder eingehämmert wurde, sieht er nicht.

Gleiches gilt für: Rennen Sie keine offenen Türen ein

9. Gedankenschleifen.
Sie schreiben etwas, sind im Gedankengang – und Text – bereits weiter und kommen dann auf etwas eben schon Gesagtes zurück. Details mit konkreten Beispielen hier.

10. Zu viel ICH.
Dazu gibt es schon einen ausführlichen Artikel: Ich, ich, ich, ich, ich, ich, ich

… und denken Sie dran: Das sind sehr weit verbreitete Kleinigkeiten. Seien Sie also nicht schockiert, wenn Sie eine ganze Menge bei sich wiedererkennen. Sie lesen ja meinen Newsletter, um konkrete Tipps dafür zu bekommen, wie Sie künftig noch besser schreiben.

Welche weiteren Angewohnheiten haben Sie?

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10 Kommentare

  1. Hallo,
    seit 1980 bin ich freiberuflicher Autor und halte mich für professionell – trotzdem finde ich bei Ihnen immer wieder Neues oder entdecke Vergessenes. Deshalb ein von Herzen kommendes Dankeschön. In meinem Blog buecherdidi.blogspot.com bringe ich in den nächsten Tagen einen Hinweis auf Ihre Seite an.
    Weiterhin viel Erfolg wünscht Dieter Walter

  2. Jan sagt:

    Hi,

    vielen Dank für Ihre netten Tipps.

    Dennoch muss ich einen Punkt machen, sorry. Ok, getan.

    Hier ist meine Frage: Hätte es nicht Sinn gemacht, die Punkte 8 und 9 zusammenzufassen, obwohl “Sinn machen” in 1976 noch nicht im Duden stand? Dann hätte 10. “Last, but not least: Anglizismen” heißen können.

    So weit ich es erinnere, kann man nämlich auf Deutsch nur in Wettbewerben Punkte machen, in Reden oder Schriftstücken führt man sie hingegen an und kommt später auf sie zurück.

    Allerdings haben Anglizismen die Schwierigkeit, dass man sie schneller in der deutschen Bedeutung realisiert, als in der englischen.

    Naja, wie immer, haben Sie einen guten Tag!

    Nothing for un-good! ;)

    Jan

  3. Gitte Härter sagt:

    @Dieter Walter
    Dankeschön, das freut mich sehr!

    @Jan
    Ja, 8 und 9 sind verwandt, aber nicht immer identisch: denn beim “gleichen Punkt mehrmals machen” (= ich bin ein Fan von Umgangssprache, oder auch anführen) geht es darum, das gleiche in ähnlichen Worten nochmal zu sagen. Die Gedankenschleife hingegen ist etwas, das sehr wohl dazu gehört, aber an falscher Stelle im Text plötzlich kommt. Oft ist es hier dann die einfache Lösung, das, was nachträglich erwähnt wird, nach oben zu ziehen. Sprich: die Struktur und Ordnung innerhalb des Textes herzustellen. Oder natürlich wegzulassen.

    Mit den Anglizismen, das ist auch so eine Sache. Denn die sind einfach so sehr in die deutsche Sprache eingezogen – auch schräg eingedeutscht von wegen Sinn machen etc., dass ich persönlich (hihi) sie nicht pauschal ablehne. Auch kommt es darauf an, für welche Zielgruppe man schreibt – zwanghaftes Eindeutschen kann da auch oft sehr anstrengend wirken.

    Einen schönen Nachmittag zusammen
    Gitte

  4. [...] Was es mit Schreibmacken auf sich hat Mittwoch, 2. November 2011Beim Schreiben können Sie einiges falsch machen und vieles richtig machen. Doch die zehn verbreitesten Schreibmacken sollten Sie auf jeden Fall vermeiden. Welche das sind erfahren Sie auf schreibnudel.de. [...]

  5. Yvonne Rubin sagt:

    Hallo Gitte,

    Gott sei Dank verwendest Du “konkret” immer noch oft. In den Zusammenhängen, in denen Du es nutzt, find ich es auch immer sehr passend, kann es fast nicht oft genug hören.

    Einige der Macken hab ich auch (immer noch). Hihi. Glücklicherweise sind diese schon mal bewusst. Nur was man erkannt hat, kann man ändern. Mein Partner und ich ziehen uns gerne mal gegenseitig auf, wenn wir merken, das wir wieder irgendwo neue “Wortlieblinge” aufgeschnappt haben. Er ist auch derjenige, der meine Bücher zuallerst liest und dann liebevoll den Rotstift ansetzt. Das ist sehr hilfreich, nämlich beim Abgewöhnen, was oft sinnvoll ist.

    Kontinuierliche und sinnvolle Wortschatzerweitung ist hingegen ganz in meinem Sinn. Ich versuche, jedes unbekannte Wort direkt zu erfragen oder aber nachzuschlagen, was ja dank moderner Kommunikationstechnik mit Flarate immer leichter wir.

    Danke für den sehr guten Artikel und herzlichen Gruß, Yvonne

  6. Gitte Härter sagt:

    Danke für das Lob.

    Konsequent den Wortschatz erweitern und auch spielerisch drauf auf Gewohnheiten aufmerksam zu machen, ist eine gute Sache!

    Und Du weißt ja: Du bist wahrscheinlich die einzige Person auf der Welt, die ich kenne, die makelloses Schriftdeutsch spricht. :-)

  7. Heike sagt:

    Ja, wir haben alle so unsere Macken – und mit der liebevollen Bezeichung lässt es sich auch leicht annehmen.
    Ich kenne das Problem mit den Lieblingswörtern gut und habe dafür eine praktikable Lösung gefunden: Mit der Funktion “suchen” lasse ich mir meine aktuellen Lieblingswörter markieren und kann dann entscheiden, wie viele davon drin bleiben dürfen. Dafür muss ich die Wörter natürlich erst als Lieblingswort identifizieren, wobei der Tipp eines Testlesers Gold wert ist.
    Das funktioniert auch mit Hauptwörtern: Die meisten Hauptwörter, die sich leicht durch Verben ersetzen lassen, haben eine Silbe wie “ung”, “heit”, “keit” im Gepäck. Nach der kann das Programm suchen.
    Und meine beliebten Klammereinschübe schreibe ich in Mails an besondere Freunde, die mich auch noch liebhaben, wenn ich schwer verständlich formuliere.

    Danke für die Zusammenstellung und mackenloses Schreiben
    Heike

  8. Gitte Härter sagt:

    Dankeschön für die Ergänzung mit der Suchfunktion der aktuellen Wortfavoriten, Heike.

    >>Und meine beliebten Klammereinschübe schreibe ich in Mails an besondere Freunde, die mich auch noch liebhaben, wenn ich schwer verständlich formuliere.

    Hihi …

    Letztlich ist die eine oder andere “Macke” ja auch der besondere Stil. Wie so oft ist es einfach eine Frage der MERKENS. Dann kann man immer noch bewusst entscheiden, ob man es genauso haben möchte – oder merkt eben, wenn eine Macke die Lesefreundlichkeit/-lust und Verständlichkeit behindert.

    Herzliche Grüße
    Gitte

  9. Xeon sagt:

    Vielen Dank für diese Liste. Der Eintrag war sehr interessant zu lesen und obendrein hilfreich.

  10. Gitte Härter sagt:

    … das freut mich, Xeon!

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