Lesernutzen

A bissl was geht immer! – Mehr Lesernutzen

Gehen Sie immer davon aus, dass Ihr Text noch nützlicher werden kann. Ganz egal, ob es ein Werbetext, ein informativer Artikel oder ein Tipp-Text ist – und unabhängig von der Textmenge: Je kürzer, desto dichter

Oft steckt der Nutzen in den Details: Eine der wichtigsten Gewohnheiten, die Sie für das Schreiben – und fürs Leben – brauchen können

Schauen Sie sich den folgenden Absatz an:

Niemand ist frei von Vorurteilen und Klischeedenken – und so gibt jeder von uns immer mal welche von sich. Doch das kann Ihnen schaden! Es kann sein, dass andere die Nase rümpfen und Abstand halten. Und es kann passieren, dass Sie oberflächlich oder unselbstständig rüberkommen, obwohl Sie das gar nicht sind.

Dabei spielt es keine Rolle, ob es nur als Scherz gemeint war oder nicht.

Klingt ganz gut, oder? Und doch ist es nicht so richtig greifbar. Wenn Sie viel schreiben, dann wissen Sie zudem, dass Leser Dinge oft anders interpretieren. Es ist für uns Autoren also immer besser, wenn wir das, was wir rüberbringen möchten, möglichst eindeutig beschreiben. Also geben wir diesem Absatz doch noch einige Details:

Niemand ist frei von Vorurteilen und Klischeedenken – und so gibt jeder von uns immer mal welche von sich. Doch das kann Ihnen schaden! Es kann sein, dass andere die Nase rümpfen und Abstand halten. Und es kann passieren, dass Sie oberflächlich oder unselbstständig rüberkommen, obwohl Sie das gar nicht sind.

In unsere Umgangssprache haben sich beispielsweise viele Sprüche eingeschlichen, die aus reiner Gewohnheit genutzt werden („Ich bin eben blond!“). Darin enthaltene Klischees werden gar nicht mehr bemerkt oder aber man nutzt sie absichtlich, um Scherze zu machen, entsprechende Bemerkungen vorwegzunehmen oder um etwas herunterzuspielen.

Doch Vorsicht: Es kann zu sehr unschönen Konsequenzen kommen, wenn man derlei Sprüche nutzt oder fröhlich in Gelächter einstimmt, wenn jemand anderer damit ankommt:

– man wertet sich selbst ab
– persönliche Grenzen werden überschritten
– es ist nachteilig für eine größere Gruppe
– man wirkt taktlos/verletztend

Dabei spielt es keine Rolle, ob es nur als Scherz gemeint war oder nicht.

Das ist schon viel besser, vor allen Dingen, weil jetzt die unschönen Konsequenzen konkretisiert werden. Dem Leser wird deutlich, dass Klischees ihm auf vielfältige Weise schaden können. Noch nützlicher wird diese Passage aber, wenn es weitere Beispiele für typische Sprüche gibt. Denn dann setzen Sie Ihre Leser auf eine breitere Gedankenspur, im Alltag aufmerksam zu werden, wenn sie solche Sprüche hören oder selbst nutzen:

Niemand ist frei von Vorurteilen und Klischeedenken – und so gibt jeder von uns immer mal welche von sich. Doch das kann Ihnen schaden! Es kann sein, dass andere die Nase rümpfen und Abstand halten. Und es kann passieren, dass Sie oberflächlich oder unselbstständig rüberkommen, obwohl Sie das gar nicht sind.

In unsere Umgangssprache haben sich beispielsweise viele Sprüche eingeschlichen, die aus reiner Gewohnheit genutzt werden. Möglicherweise darin enthaltene Klischees werden gar nicht mehr bemerkt oder aber man nutzt sie absichtlich, um Scherze zu machen, entsprechende Bemerkungen vorwegzunehmen oder um etwas herunterzuspielen.

Doch Vorsicht: Es kann zu sehr unschönen Konsequenzen kommen, wenn man derlei Sprüche nutzt oder fröhlich in Gelächter einstimmt, wenn jemand anderer damit ankommt:

o man wertet sich ab
„Ich bin eben blond.“

o persönliche Grenzen werden überschritten
„Na, der hat wohl heute Nacht nicht rangedurft?“

o es ist nachteilig für eine größere Gruppe
„Frauen und Technik.“, „Typisch Mann! Haben halt immer nur das Eine im Kopf.“

o man wirkt taktlos/verletztend
„Alzheimer lässt grüßen.“

Dabei spielt es keine Rolle, ob es nur als Scherz gemeint war oder nicht.

Das gilt besonders auch für Übungen

Praktische Übungen erhöhen den Lesernutzen. Aber Vorsicht: Gar nicht so leicht: Übungen und Anweisungen glasklar beschreiben

Auch hierzu ein Beispiel:

Spüren Sie Ihre Vorurteile auf
Sehen Sie Ihrem eigenen Klischeedenken ins Auge. Machen Sie sich einmal in Ruhe Gedanken und schreiben Sie Ihre Vorurteile auf.

  • Ertappen Sie sich im Alltag dabei, wenn sich Pauschalaussagen oder -gedanken einschleichen.
  • Notieren Sie die Ihnen bewussten Vorurteile, also vorgefassten Meinungen, die Sie haben.

Das könnte man so machen. Aber es ist in dieser Form nicht sonderlich nützlich. Gerade bei Übungen ist es wichtig, Ihren LeserInnen besonders auf die Sprünge zu helfen: Wie genau ist die Übung gemeint? Was soll idealerweise an Ergebnissen herauskommen, damit Ihre Leser die Tragweite einer Übung entdecken und einen Aha-Effekt haben können?

Also machen wir diese Übung doch mal konkreter:


Spüren Sie Ihre Vorurteile auf

Sehen Sie Ihrem eigenen Klischeedenken ins Auge. Machen Sie sich einmal in Ruhe Gedanken und schreiben Sie Ihre Vorurteile auf.

Spontane Assoziationen.
Nehmen Sie sich Papier und Bleistift und notieren Sie Ihre spontanen Gedanken zu folgenden Begriffen: Ärzte, Rentner, Frauen, Männer, Reiche, Sozialhilfeempfänger, Italiener, Türken, Amerikaner, Deutsche im Urlaub, die Jugend von heute, Politiker, Bettler auf der Straße, Fotomodelle, Servicepersonal in Deutschland, Karrierefrauen, Alleinerziehende, spendensammelnde Hilfsdienste, Hausmänner, Prominente, sparsame Menschen. Das können positive und negative Gedanken sein!

Ertappen Sie sich im Alltag dabei, wenn sich Pauschalaussagen oder -gedanken einschleichen, z. B.:

  • im Wartezimmer des Arztes, wenn Sie besonders lang warten müssen
    „bestimmt nur, weil ich Kassenpatient bin“,
  • wenn Sie unfreundlich bedient werden
    „typisch Servicewüste Deutschland“,
  • wenn ein größeres Auto Sie überholt
    „die Bonzenautos müssen sich vordrängeln“
  • ein verspäteter Zug
    „typisch Bahn, die kriegen ja nichts auf die Reihe – aber immer teurer werden!“

Notieren Sie die Ihnen bewussten Vorurteile, also vorgefassten Meinungen, die Sie haben – wiederum positive und negative. Unterscheiden Sie dabei Gedanken und Urteile, die Sie haben, obwohl Sie sie „eigentlich“ nicht haben möchten, und solche, die Sie haben und zu denen Sie stehen.

Zum Beispiel: Raucher sind rücksichtlos, Ausländern kann man nicht trauen, von Geburt an reiche Leute sind lebensunfähig, alle Ärzte sind Idealisten, jede Frau hat Mutterinstinkte, Manager sind realitätsfremd, Bodybuilder haben nichts in der Birne, alle Schwarzen haben Musik im Blut, Akademiker sind schlauer, wenn man Dialekt spricht, gilt man als dumm.


 

Je konkreter Sie werden, …

… desto mehr Nutzen für Ihre Leser! Ganz nebenbei fordern Sie sich, weil Sie mehr in die Tiefe gehen.