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Vorsicht: Oberlehrer!

Immer wieder mal schaue ich mir andere Blogs an, die ich dann auf meinen Seiten weiterempfehlen kann. Es gibt so viele tolle Blogs da draußen, von denen man einfach nichts weiß (wenn Sie schöne Schreibblogs kennen oder eins haben, dann nur zu: verraten Sie uns die Adresse in den Kommentaren). Nun ist mir vor einiger Zeit ein Blog aufgefallen, das immer ganz interessante Themen hat. Mal geht es um Rechtschreibung, mal geht es ums Schreiben allgemein. Doch immer, wenn ich einen Beitrag lese, komme ich mir danach blöd vor.

Das ist doch ein interessanter Effekt, der ganz bestimmt nicht beabsichtigt ist.

Und doch passiert sowas schneller als man denkt. Ich schließe auch nicht aus, dass sich immer mal jemand schlecht fühlt, wenn er von mir einen Artikel liest. Besonders, wenn ich die Artikel auf meiner früheren Website lese, die ich vor einigen Jahren geschrieben habe, rolle ich oft mit den Augen.

Warum hinterlässt dieses Blog so einen Nachgeschmack?

Das habe ich jetzt mal näher analysiert. Denn es ist ja außergewöhnlich, wenn man bei jedem Artikel ein ungutes Gefühl hat. Zu meinem Erstaunen habe ich festgestellt, dass es gar kein Klugscheißern ist. In diesem Fall liegt es einfach daran, dass die Artikel so kurz und knapp sind und der Leser konsequent nicht angesprochen wird, dass ein Oberlehrergefühl entsteht. Es bleibt nämlich nur übrig: Das ist falsch und das ist falsch und so ist es richtig.

Oberlehrer-Alarm entsteht außerdem:

  • wenn Sie Formulierungen nutzen wie „Denk mal drüber nach!“
  • wenn Sie Themen, die Ihren Lesern Schwierigkeiten machen, trivialisieren
  • wenn Sie sarkastisch sind oder sich über andere lustig machen
  • wenn Sie sich zu verkünstelt ausdrücken, also besonders gewählt, besonders komplizierte Wörter, z. B. Fremdwörter oder Fachjargon
  • wenn Sie Lösungen als zu simpel wegreden, besonders wenn es um persönliche Themen Ihrer Leser geht („Abnehmen? Seien Sie einfach konsequent!“, „Um Karriere zu machen brauchen Sie nur die richtige Einstellung!“, „Sagen Sie sich, dass Sie eine glückliche Beziehung verdient haben, dann klappt es auch.“)

An all diesen Beispielen sieht man schon, dass es um den Zusammenhang geht. Wenn der zitierte Blogger mich als Leser wahrnimmt, mich direkt anspricht, dann erreicht mich eine ganz andere Gesamtwirkung. Plötzlich ist der Mensch so nett, mich zu informieren, mir wertvolle Tipps zu geben.

Auch die weiteren Oberlehrer-Alarm-Faktoren leben vom Zusammenhang. Natürlich ist es eine gute Sache, unsere Leser zum Nachdenken anzuregen, natürlich dürfen wir witzig sein oder einen Fachbegriff verwenden. Und auch die Prinzipien, die hinter den einfachen Lösungen stehen, stimmen.

Den Unterschied macht

Das Reden MIT Ihren Lesern. Das bezieht sich nicht nur auf die Sie- oder Du-Ansprache, sondern heißt auch: Ich gebe was von mir preis, ich versetze mich in die unterschiedlichen Situationen meiner Leser.

Ein Plauderton schützt Sie auch davor, zu distanziert und gestelzt zu klingen. Denn wenn Sie mit Ihren Lesern sprechen, sind Ihre Formulierungen normaler. Ich zum Beispiel rede oft laut, wenn ich schreibe. Wie auch genau in diesem Moment.

Die Tiefe: Zusammenhänge schaffen; unbekannte Wörter einfach nebenbei erklären (Leser lernen gerne Neues!); nicht nur sagen „Mach einfach“, sondern auch weiteren Input geben, WIE man das machen kann … zumindest ein paar ausgewählte Anregungen oder einen Hinweis auf ein gutes Buch oder durch die Bloglandschaft googeln und auf weitere tolle Artikel verweisen, die genau zu Ihrem Thema weiterführende Anregungen geben.

Hier spielt wieder das Plankton eine große Rolle. Denn je größer Sie Ihr Thema wählen, desto mehr kommen Sie ins Schwimmen, alles Mögliche unterzubringen.

 

3 Kommentare

  1. Gitte Härter sagt

    … natürlich hat sowas schlechtestenfalls noch weitere Konsequenzen: Ich mag dieses Blog zum Beispiel nicht verlinken – weder einzelne Beiträge, noch in der Blogroll -, weil es mir nicht angenehm ist, dort zu lesen.

  2. Oh ja, Gitte – das ist mir auch schon passiert, und bei solchen Blogs lese ich dann auch nicht mehr weiter. Ich will mich ja nicht noch mies fühlen, wenn ich was lernen möchte. Echt blöd, weil der Autor oder die Autorin das sicher nicht beabsichtigt hat. Hast Du das schon mal mitgeteilt, wie es Dir beim Lesen geht? Es würde mich interessieren, ob und wenn ja welches Feedback da kommt.

    Viele Grüße,
    Doris

  3. Gitte Härter sagt

    Hallo Doris,

    bitte entschuldige, die verzögerte Antwort, zur Zeit bin ich im Workshop“sturm“ und auch gerade wieder auf dem Sprung …

    Ja, das ist so eine Sache: Auf der einen Seite wäre so ein Feedback sehr wichtig, auf der anderen Seite ist es immer mit Arbeit verbunden. Ich bin so durch meine verschiedenen Webprojekte derart zusätzlich zum normalen Alltag eingebunden, dass ich so ein Feedback wirklich nur an Leute gebe, die ich kenne.

    E-Mail schreiben, genau erklären, warum das so ankommt – dann mit der Antwort beschäftigt zu sein, die mindestens noch mal eine Reaktion erfordert. Dazu kommt, dass ich früher öfter so Sachen gemacht habe und dann mit patzigen Antworten konfrontiert war (viele Leute können überhaupt nicht mit Kritik umgehen, auch wenn sie noch so konstruktiv und vorsichtig formuliert ist).

    Und bei meiner Arbeit käme noch „der Verdacht“ hinzu, dass es eine Akquisetaktik von mir sein könnte: Aha, jetzt sagt sie mir nur, dass was an der Schreibe nicht okay ist, weil sie ihre Leistungen verkaufen will.

    Das ist alles ein unerfreuliches MEHR an Dingen, die ich mir nicht antun will für jemanden Fremden.

    Viele Grüße
    Gitte

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