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Sie brainstormen falsch! (Teil 1)

Eines der besten Schreibwerkzeuge überhaupt ist das Brainstorming. Ob es darum geht, Themen zu finden, sie herunterzubrechen, verschiedene Blickwinkel zu finden … ob man einen tollen Firmennamen, einen Titel für einen Vortrag oder eine pfiffige Überschrift sucht … ob man eine Struktur für seinen Artikel oder Buch austüftelt; ob man einen Roman schreibt und nicht genau weiß, was seinem Helden zustoßen könnte … Das Brainstorming ist des Autors bester Freund, um Ideen zu generieren, sie zu kanalisieren und auszuwerten.

Zumindest theoretisch.

Die Praxis sieht anders aus! Da wird dann zwar oftmals geschwitzt und Zeug aufgeschrieben, aber die Ausbeute ist nicht immer besonders gut. Manche glauben, sie können „das“ einfach nicht, andere schreiben eine Vielzahl nichtssagender Schlagworte auf. Und am Ende sitzt man oft genauso ratlos davor, wie vorher. Entweder weil das Blatt betrüblich leer ist – oder weil man zwar eine Liste von Ideen hat, aber nichts damit anzufangen weiß.

Brainstorm. STORM!

Wir kennen alle das Wort – und die meisten kennen auch die typischen Regeln eines Brainstormings:

– möglichst viele Ideen finden
– nicht zensieren oder bewerten, alles zulassen, auch Unsinn
– auf schon gefundenen Ideen aufsetzen, also auch ähnliche Ideen notieren

Brainstorming kann man mit anderen machen oder für sich alleine. Sie können es in Form einer Liste, mit Haftzetteln oder als Mindmap machen … sind also relativ frei.

Nehmen wir aber den Begriff mal wörtlich:

Wir wollen einen GehirnSTURM.
Frischen Wind! Ideenhagel! Knisternde Geistesblitze!

Tatsächlich ist ein Sturm oft nicht zu sehen, sondern es herrschen ganz andere Wetterbedingungen:

Brainflaute

Sie sind bereit und willig. Aber nichts passiert. Gähnende Leere. Im Gehirn zirpen ein paar Grillen. Die Brainflaute wird meistens ausgelöst durch:

  • eine schwammige Aufgabenstellung.
  • die Tatsache, dass eine Sache noch gar nicht in der Ideenfindungsphase ist, weil eine Entscheidung noch aussteht oder wichtige Informationen fehlen.
  • Unwille und/oder Druck – „Keinen Kopf dafür haben“
  • die Überzeugung, dass man das nicht kann: „Das ist nichts für mich.“, „Ich bin nicht kreativ.“, „Ich muss die Dinge immer sofort durchdenken.“
  • das Reinsteigern in „Mir fällt nichts ein!“.

Die Brainflaute ist dreifach frustrierend: Erstens, weil man mit der aktuellen Fragestellung nicht weiterkommt. Zweitens, weil das weiße Blatt Papier der Beweis für die momentane Unfähigkeit nur zu deutlich zeigt. Und drittens, weil man keine Ideen hat, an denen man überhaupt ansetzen könnte.

Sie kann aber auch die Ruhe vor dem Sturm sein … 😉

Brainwolken

Sie haben ganz gut angefangen, aber bei jedem Einfall schieben sich Denkwolken vor die Ideenflut.

Brainwolken ziehen gerne auf, wenn:

  • man über jeden Einfall sofort nachdenkt: Welche Konsequenzen hätte das? Gefällt mir das? Ist das gut genug?
  • man sich in einer Tour zensiert: Das geht doch nicht!, Klingt das blöd!“, Sowas hatte ich ja schon und das hat auch nicht geklappt!
  • man die Einfälle nicht einfach auflistet und zur nächsten Idee übergeht, sondern versucht, etwas besonders hübsch zu formulieren und perfekt zu machen

Brainstormt man mit anderen gemeinsam, werden die Brainstorming-Regeln meistens streng beachtet oder irgendwer erinnert daran. Sind Sie mit sich alleine, fällt das oft unter den Tisch. Auch was man eigentlich weiß, wendet man oft nicht an!

Dazu kommt natürlich, dass die eigene Persönlichkeit eine Rolle spielt: Denn die erste Phase des Brainstormings lebt von „quick & dirty“, also einfach mal sammeln und stehen lassen können. Wenn Sie jemand sind, der einfach lieber alles sofort durchdenkt oder perfekt macht, dann ist diese erste Phase ganz schön schwierig!

Brainnebel

Der Nebel hat es in sich … denn der tritt meistens unbemerkt auf und versperrt während des Brainstormings die Sicht auf das Thema. Dann findet man zwar jede Menge Ideen, aber merkt nicht, dass einem das Thema weggekippt ist.

Bei Firmennamen oder Slogans passiert es zum Beispiel extrem oft, dass man sich auf Teilbereiche seines Business reduziert – und es nicht merkt!

Brainnebel verdichtet sich, wenn:

  • Sie Ihr Anliegen für das Brainstorming nicht konkretisiert haben.
  • Sie vom Hölzchen aufs Stöckchen kommen, sich also von Assoziationen und Ideen auf Nebenwege und Teilaspekte leiten lassen.
  • Sie lustige und unsinnige Ideen nicht nur zulassen, sondern vor lauter Spaß daran ausschließlich Schmarrn brainstormen.

Offen zu sein, in alle Richtungen zu denken und alles zuzulassen heißt nicht, dass die Aufgabenstellung nicht mehr gilt! Es ist während des Brainstormings wichtig, das Ziel im Auge zu behalten, damit Sie auch einen dafür nützlichen Ideenhagel produzieren.

Braintröpfeln

Bestimmt die Hälfte meiner Kunden und Workshopteilnehmer sagen etwas wie: „Boah, ist das schwer! Ich habe jetzt sooooo lange überlegt, aber habe nur fünf Einfälle“. Auch mit großem Willen und Zeitinvestition kommt nicht viel zustande:

Die Ideen tröpfeln nur, wenn:

  • man zu einseitig denkt.
  • zu selektiv aufschreibt.
  • zu halbherzig brainstormt, also gar keine Lust und Begeisterung dafür aufbringt.
  • zu früh aufhört. Die richtig guten Ideen kommen nicht am Anfang!

Manchmal sind übrigens Ideen sehr wohl geflossen, aber Kunden arbeiten mit einer strengen Sofortauswahl. Wenn ich dann sage „Das ist schon sehr dürftig und sieht gar nicht wie ein richtiges Brainstorming-Ergebnis aus“, kommt raus: „Das sind die brauchbaren Ideen!“ – Erst wenn ich mir alle Ergebnisse zeigen lasse, sehe ich die große Ausbeute … und die unter den Tisch gefallenen Perlen.

Brainstorming-Ergebnisse bieten jede Menge an Verwertungsmöglichkeiten. In Teil 3 erfahren Sie zahlreiche Tipps zum Goldschürfen und wie man mit der ersten Ausbeute klug weiterarbeitet, um richtig gute Ergebnisse zu bekommen.

Brainbö

Mitunter kommt während des Brainstormings ein starker Gedankenwind auf, der das Gehirn in eine einseitige Richtung drängt. Dann findet man nur gleichförmige Ideen, was den Blickwinkel auf das Thema, die Formulierungen und die Wirkung angeht.

Der Grund für eine Brainbö ist:

  • man setzt sich ein zu allgemeines Thema.
  • man bleibt im üblichen Trampelpfad der Gedanken und des persönlichen Stils.
  • man hakt sich an einer Idee fest – oft eine, die einem besonders pfiffig erscheint – und sucht nur noch Varianten dieser Idee.

Bei einem guten Ideen-Sturm weht ein heftiger Wind … aber in alle Richtungen! Dafür können Sie sorgen. Der positive Nebeneffekt: Sie machen sich vielseitiger und bekommen dadurch von Haus aus einen breiteren Blick.

Brainflut

Bei der Brainflut fließen die Ideen zwar wie blöd, manche kommen in eine richtige Sammelwut und hören gar nicht mehr auf mit dem Brainstormen. Doch das führt leider schnell dazu, dass man vor lauter Ideen keine Ergebnisse bekommt.

Zu Überschwemmungen kommt es, wenn:

  • man Spaß am kreativen Ideensammeln und Assoziieren hat.
  • man nie zur Auswertung übergeht (was auch vor dem Festlegen und der weiteren Umsetzung bewahrt).
  • man nicht weiß, was man mit der gefundenen Ideenliste denn jetzt machen soll.

Eine Brainflut kann auch entstehen, wenn man ein viel zu großes, schwammiges Ausgangsthema gewählt hat. Kurioserweise führt das gleichzeitig dazu, dass man weniger qualitativ gute Ideen findet.

Sie sehen: Ganz schön komplex, dieses Brainstorming!

Teil 2: Brainstorming: Wählen Sie die richtige Form
Teil 3: Auf zum Ideenhagel!
Teil 4: Die Ergebnisse verwerten