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Unkraut rupfen: Checkliste für bessere Texte

Texte sind selten im ersten Wurf sofort perfekt. Darum ist das Überarbeiten so wichtig. Bei dem Wort muss man allerdings schon stöhnen, denn das klingt schon so mühselig … Also beschränken wir uns doch einfach mal aufs Unkrautrupfen.

Die folgenden 7 „Unkraut“-Punkte sind meistens unnötig:

  • Sie lesen sich holprig.
  • Sie erschweren das Verstehen.
  • Sie verwässern die Inhalte.

Mit dieser Checkliste können Sie Ihre Texte schnell überprüfen und auf jeden Fall schon mal von Unkraut befreien:

1. Wo gibt es eine Häufung?

Unkraut wächst oft ganz besonders gut. Darum können Sie es im Text sofort an einer Anhäufung erkennen, zum Beispiel:

– zu viele Hauptwörter in einem Satz
– zu viele außergewöhnliche Schreibweisen (z. B. ent-täuscht)
– zu viele Anführungsstriche
– zu viele Formatierungsbetonungen, z. B. dauernd Fettdruck
zu viel Ich
Und-Befall

Achtung! Dazu zählen auch zu viele Aufzählungspunkte. Wenn Sie eine Gliederung planen, etwa einige Argumente aufzählen, dann machen Sie keine Endlosliste, sondern beschränken Sie sich lieber auf drei oder fünf wirklich gute Punkte.

2. Was klingt zu gleich?

Beim Schreiben merkt man oft nicht, wenn man sich ähnlich ausdrückt. Beim Lesen aber schon! Halten Sie Ausschau danach:

… ob sie das gleiche Wort kurz hintereinander erneut verwenden
… ob ein ähnlich klingendes Wort zu nahe dran ist (das lässt das Gehirn stolpern)
… ob sich eine Redewendung à la „Hand und Fuß“ wiederholt

Wir haben nicht nur alle einen begrenzten aktiven Wortschatz, sondern meistens auch Lieblingsbegriffe, die wir inflationär verwenden.

Nutzen Sie Synonym-Seiten wie wortschatz.uni-leipzig.de, um Alternativen zu finden und gleichzeitig Ihren Wortschatz zu erweitern.

3. Was steht eigentlich schon da?

Genau wie wir beim Reden schnell ins Plappern kommen, tun wir das auch beim Schreiben. Darum hat jeder Entwurf – auch der von Profis – enormes Weiter-auf-den-Punkt-bring-Potenzial.

Das laute Lesen, auf das wir gleich nochmal kommen, ist wirklich unschätzbar beim Verbessern eines Textes. Denn wenn Sie laut lesen, bekommen Sie die Inhalte deutlicher auf die Ohren und erkennen:

Gedankenschleifen

Etwas öfter zu sagen, macht die Aussagekraft nicht stärker, sondern schwächt sie. Wenn Sie den Eindruck haben, dass Sie etwas durch Wiederholungen betonen müssen, ist das ein Indiz, dass die Inhalte oder die geplante Aussage generell noch zu schwach sind. Also lieber nochmal ran und die Aussagekraft vom Inhalt und den Formulierungen verstärken, anstatt auf Wiederholungen zu setzen.

4. Wo geht mir die Luft aus?

Stellen Sie sich vor, Sie hätten ein Gartenbeet, das nur 10 Zentimeter breit ist, aber 2 km lang. Das wäre ganz schön mühselig. Von mangelndem Durchblick ganz zu schweigen.

Bei Texten ist es auch so. Sie wissen, worauf ich hinaus will: Machen Sie umständlich langen Sätzen den Garaus!

Jaja, das ist einer dieser selbstverständlichen Klassiker, die jeder kennt. Aber wenn es so selbstverständlich wäre, gäbe es diese Endlossätze nicht! Also seien Sie sich nicht zu gut, danach in eigenen Texten Ausschau zu halten. Es trifft die Besten. 😉

5. Mehr Ernte aus kleinerem Beet.

Ganz unabhängig vom Unkraut breiten sich Inhalte aus. Sie müssen auch zurückgeschnitten werden.

Wie können Sie Ihren Text dichter machen?

Durch das Unkrautrupfen befreien Sie Ihren Text bereits wunderbar. Aber belassen Sie es nicht dabei. Fragen Sie sich auch:

➡ Wie kann ich Absätze straffen?
➡ Wie kann ich etwas kürzer ausdrücken, ohne an Inhalten einzubüßen?

siehe auch:
Zehn Verwässerungsfallen
Je kürzer, desto dichter

6. Aber das ist ja gar kein Unkraut!

So manches Unkraut sieht auf den ersten Blick nicht schädlich aus. Für Ihren Text heißt das, dass sich möglicherweise Inhalte darin befinden, die an sich wichtig sind, die aber hier in diesem Text nichts zu suchen haben!

… zum Beispiel, weil Sie mit einem Nebensatz die Tür zu einem riesigen neuen Thema aufstoßen, dem Sie in diesem Text nicht gerecht werden können. Wenn Sie den Verweis trotzdem drinlassen, schicken Sie den Leser auf ein neues Gleis: Sie lenken vom eigentlichen Text-Inhalt ab und enttäuschen ihn zudem, weil sie das andere Thema nur kurz anreißen.

7. Und jetzt noch den Boden auflockern.

Der Text ist vom Unkraut befreit? Sehr gut, dann sorgen Sie dafür, dass die Inhalte richtig gut ankommen können:

7 x Kohlensäure für schale Texte
10 Formatierungen, die Ihren Text unlesbar machen