Jede/r von uns ist routiniert im Sprechen und Schreiben. Routine ist in dem Fall gut und schlecht. Gut ist, dass wir unseren Stil haben, und der sich idealerweise auch im Schreiben zeigt. Wenn Sie schreiben, wie Sie sprechen, kann das sogar dazu führen, dass man Ihre Texte auf Anhieb erkennt. Genau, wie manche Sänger eine ganz eigene Stimme haben, gilt das auch für den Schreibstil.
Doch auch, wenn Sie keinen so stark ausgeprägten eigenen Stil haben, schreiben Sie vieles so routiniert, dass Sie gleich vorgehen. Das ist gut, weil man dadurch schneller wird, sich mehr auf den Inhalt konzentrieren kann und ein gewisses Eingefahrensein auch den Vorteil hat, dass man flüssiger vorankommt.
Der Nachteil ist, dass Sie einseitig werden könnten.
Sie fordern sich zu wenig heraus, trainieren Ihre Schreib- und Formuliermuskeln zu wenig.
Vor allen Dingen aber besteht die Gefahr, dass Texte immer gleich klingen. Besonders, wenn Sie viel schreiben, ist das ein Problem. Denn die Schreibfreude flaut ab, wenn alles „immer irgendwie gleich klingt“. Und auch das Lesevergnügen sackt irgendwann ab.
Bei manchen eingefahrenen Routinen kann es schlimmstenfalls passieren, dass Sie auch Ihre Themen zu einseitig betrachten. Dann bleiben Inhalte schnell an der Oberfläche, bieten also weniger Nutzen und Sie haben irgendwann das Gefühl, dass jetzt alles gesagt ist.
Die gute Nachricht ist, dass hier tatsächlich wieder mal der Satz „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“ stimmt. Denn wenn Sie Ihre typischen Muster kennen, dann können Sie sie auch gezielt durchbrechen und aufschütteln, wie ich das hier anhand der Selbstständigkeit schon mal beschrieben habe: Betten machen
Die immer gleichen Wörter
Zur Zeit frage ich Sie hier im Blog Welche Wörter nutzen Sie am meisten?
Das ist nicht nur eine Spielerei, sondern es geht direkt zum Kern der Sache: Wir können nur vielseitig schreiben, wenn wir einen breiten Wortschatz haben. Die deutsche Sprache bietet jede Menge an Wörtern. Nicht nur Synonyme, sondern vor allen Dingen die Nuancen werden oft zu wenig beachtet. Das ist bei uns allen so! Der aktive Wortschatz ist immer nur ein Bruchteil unseres passiven Wortschatzes.
Jede/r hat zudem Favoritenwörter, die man inflationär nutzt. Oft wechseln diese auch, denn je nachdem, in welchem Umfeld wir sind, was wir so lesen und auch wie wir drauf sind, prägen diese Lieblingswörter. Ich musste gestern sehr lachen, als ich meine fünf derzeit häufigsten Wörter bestimmt habe, denn mir war gar nicht klar, dass ich gerade ganz offenbar meine enthusiastische Phase habe.
Da Wörter auch nicht alleine auftreten, prägen solche Lieblingswörter natürlich auch Formulierungen und können sogar Ihren Blick auf Themen beeinflussen. Sich immer mal der aktuellen „Top 5“ der oft benutzten Wörter und Formulierungen klar zu werden, ist der erste Schritt, gewohnte Trampelpfade zu verlassen.
Sobald Sie Ihre fünf inflationären Wörter identifiziert haben, fallen Ihnen diese sehr viel deutlicher auf, wenn Sie sie beim Sprechen oder Schreiben nutzen. Nur, wenn einem etwas auffällt, kann man es auch ändern. Nebenbei können Sie so auch Sprechmacken ausmerzen, denn Sie werden sich auch bewusst, wenn Sie ein Wort so oft sagen, dass es anderen (vielleicht sogar negativ) auffällt.
Nutzen Sie Ihre Top 5, um daran zu üben:
- Erweitern Sie Ihren Wortschatz. Schauen Sie sich mal an, welche Synonyme es gibt. Zum Beispiel auf wortschatz.uni-leipzig.de
- Finden Sie ein Wort, das sehr viel nuancenreicher wiedergibt, was Sie sagen möchten. Vielleicht ertappen Sie sich dabei alles mit „toll“ zu bezeichnen oder – mein Lieblingsbeispiel – Sie „ärgern“ sich über alles. Was meinen Sie genau? Welches Wort vermittelt die gemeinte Intensität am besten?
- Verwenden Sie mal wieder Begriffe, die Sie so gar nicht nutzen: Verlieben Sie sich – in neue Wörter
Wenn Sie in einem Beruf arbeiten, der einen völlig anderen Stil erfordert, dann lohnt es sich, die Top 5 auch für diesen Bereich zu machen. Ich habe zum Beispiel meine Ausbildung beim Rechtsanwalt gemacht, und Juristen haben einen sehr eigenen Stil. Ich habe zwei Jahre gebraucht, bis ich mir die einschlägigen Begriffe abgewöhnt habe. Und das geht nicht nur mir so: Immer wieder habe ich Kunden, die sagen „Mensch, ich kann gar nicht mehr normal schreiben, weil ich so diesen Berichts- oder Kanzleistil drauf habe.“ Das Gute ist, dass man in jedem Bereich die Möglichkeit hat, seinen Wortschatz zu erweitern und frischen Wind reinzubringen. Sogar im Einklang mit dem vorherrschenden Stil!
Bei den interaktive Aktionen gibt es auch zahlreiche, bei denen Synonyme gefragt sind. Blättern Sie sich einfach mal durch und ergänzen Sie die schon vorhandenen Ideen, wenn Sie Lust haben, ein paar Wortkapriolen zu schlagen.
Weitere spielerische Variationen, Ihren aktiven Wortschatz aufzumöbeln:
- Der Synonym-Dreisprung
- Scrabble (trainiert außerdem die Rechtschreibung)
- Wörter würfeln
Ihre Sprach- und Schreibmuster
Natürlich ist der Wortschatz nur das eine. Wir haben immer auch typische Gerüste: Das können Arbeitsgerüste sein, also wenn Sie in einer Versicherung arbeiten und die Briefe, die Sie schreiben, dem immer gleichen Aufbau folgen. Es können aber auch Sprachmuster sein, die sich beim Schreiben zeigen.
Wer viel in eingeschobenen Nebensätzen spricht, denkt automatisch so. Das wirkt sich natürlich auch auf Ihre Satzkonstruktionen aus. Oder Sie reden, wie ich, viel in Aufzählungen. Dann finden sich im Schreiben oft Aufzählungen.
Auch der Satzbau ist meistens ähnlich, hier ein Beispiel: Versierter formulieren
Kleiner Tipp: Machen Sie einfach mal die Überschrift reißerischer, bevor Sie mit dem Schreiben beginnen. Das bedeutet nicht, dass sie reißerisch bleibt. Es ist erst einmal ein Hilfsmittel, aus dem üblichen Trott rauszukommen. Je schwungvoller, überraschender und mutiger eine Überschrift ist, desto mehr verspricht sie und gibt gleichzeitig einen lebendigeren Ton vor. Das gibt auch dem Schreiben einen ganz anderen Kick.
Weg vom üblichen Aufbau
Schließlich kann es auch sein, dass Sie vom grundsätzlichen Aufbau Ihrer Texte immer gleich bleiben. Das ist für Vielschreiber – zum Beispiel, wenn Sie bloggen – oft ein großes Thema. Irgendwann geht einem die Luft (und Lust) aus, weil sich alles wiederholt.
Ich schreibe ja seit über zehn Jahren praktisch nonstop Artikel und Tipps, und halte das für mich auch spannend, indem ich mir immer wieder neue Formen überlege:
- Beipackzettel Akquise
- Passt der Schuh? – Oder drückt das Business?
- Arbeit und Leben unter einen Hut bringen. Was für ein Hut ist das denn?
Oder ich frage mich: Wie kannst du das verpacken, ohne groß rumzureden?
Das sind nur einige Beispiele zur Inspiration. Schauen Sie sich Ihre typischen Text-Formen an, und dann machen Sie es einfach mal anders.
Vielleicht schreiben Sie bisher immer eher sachliche Texte, wo sie den Leuten sagen, was warum wichtig ist und das eher theoretisch aufziehen. Dann kann es schon reichen, einfach mal zu sagen: Heute mache ich mal einen „XX Tipps/Gründe …“-Artikel draus
Weitere Artikel-Form-Beispiele:
Der frische Wind startet mit dem Durchbrechen alter Muster. Lüften Sie durch!

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