Gefasst sein auf: Leser-Reaktionen

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Sie können sich das tollste Thema aussuchen, eine klare Zielgruppe vor Augen haben und das, was Sie vermitteln möchten, versiert beschreiben. Tatsache ist: Ihre Leserschaft ist so individuell wie Schneeflocken. Naja, okay, nicht ganz so unterschiedlich wie Schneeflocken, denn es gibt durchaus Standards, in die man Lesergedanken und –reaktionen grob einordnen kann. Führen Sie sich immer vor Augen, wie verschieden Ihre Leserschaft ist, denn nur dann:

  • können Sie Ihren Text möglichst treffend für die meisten Leser anlegen,
  • stellen Sie einigermaßen sicher, dass Ihre Botschaft so ankommt, wie Sie möchten,
  • wundert Sie nichts mehr. Das ist besonders wichtig, wenn Sie im Internet veröffentlichen, wo Ihre LeserInnen direkt reagieren können.

Es ist aber nicht nur fürs Bloggen etc. relevant. Denn auch, wenn Sie wenig oder gar keine direkten Kommentare bekommen, können Sie sicher sein, dass Ihre Leser ganz unterschiedliche Reaktionen zeigen:

Zustimmung

Idealerweise treffen Sie mit Ihrem Text ins Schwarze: Dann fühlen sich Leser erkannt, angesprochen, bestärkt, bestätigt oder motiviert, aktiv zu werden:

  • „Sie sprechen mir aus dem Herzen!“
  • „Genau das sage ich auch immer!“
  • „Das ist, als ob Sie nur für mich geschrieben hätten!“

Das Größte, was Sie erreichen können, ist der Aha-Effekt. Den können Sie fördern durch besonders greifbare Beispiele, Elemente der Selbstreflexion oder Übungen. Denn je weniger allgemein ein Text ist, desto näher am Leser sind Sie. Aha-Effekte entstehen immer dann, wenn jemand FÜR SICH oder seine Situation eine bahnbrechende Erkenntnis hat.

Doch Zustimmung reicht noch weiter: Auch von Leuten, die sich nicht unmittelbar „getroffen“ fühlen, sondern die ähnlicher Ansicht sind oder im selben Bereich arbeiten, kommt oft Bestätigung.

Stellen Sie sich vor, jemand liest Ihren Text und nickt: Ja, da hat der Autor recht, das finde ich auch/das habe ich so auch schon erlebt.

Wenn jemand kommentiert – ob auf einer Website, per E-Mail oder per Telefon – kommt es auch oft dazu, dass Leser Ihnen beipflichten und Ihren Text ergänzen: durch eine eigene Erfahrung, eine weiterführende Information oder einen Tipp. Das ist natürlich großartig, weil Sie damit den Beleg haben, dass Ihr Text etwas auslöst und weil Ihre Leser aktiv mithelfen, den Text zu erweitern.

Widerspruch

Prinzipiell ist es gut, sich über Widerspruch zu freuen. Denn das bedeutet, dass sich Ihre Leser mit Ihrem Text näher beschäftigt haben und dass Sie damit etwas bewegt haben. Haben Sie bitte nie Angst vor Widerspruch! Gerade, wenn Sie Ihren Texten einen eigenen Stempel aufdrücken, sich durch Stil und klare Standpunkte auszeichnen, kollidiert das schon mal mit den Ansichten anderer. Das ist gut so. Denn wir unterschreiben ja auch nicht 1:1 alles, was andere so sagen.

Idealerweise ist der Widerspruch sachlich: Leser hinterfragen eine Aussage oder den gesamten Text auf konstruktive Weise, begründen den Widerspruch und regen eine Diskussion an. Gerade auf Websites sind rege Diskussionen zu einem Text oft eine großartige Bereicherung für alle.

Manchmal kommt ein Widerspruch auch im Gewand der Zustimmung daher: „Das finde ich auch …“/“Sie haben recht, dass …“ – aber sofort danach wird klar, dass das nur rhetorisch gemeint ist und der Leser alles andere als zustimmt.

Aber natürlich gibt es – wie in Gesprächen – auch unsachliche Zeitgenossen. Es kann sein, dass man etwas anders interpretiert oder, wie wir gleich noch sehen, Ihnen etwas in den Mund legt. Manchmal kommt Widerspruch auch beleidigend daher: „Das ist der totale Quatsch …“, „Sie sind aber auch weltfremd, was?!“

Nachgefragt

„Sprache ist die Quelle aller Missverständnisse“, steht in Der kleine Prinz.

Geschriebenes ist oft noch missverständlicher. Zum einen, weil wir in unseren Köpfen jede Menge Zusatzinformationen haben, die WIR mit einer Aussage verknüpfen: bestimmte Erfahrungen, was wir meinen, was alles noch damit zusammenhängt, worauf es bei einer Sache besonders ankommt, welche Konsequenzen es gibt und und und.

Zum anderen aber, weil jeder Mensch nach seiner eigenen Persönlichkeit, Situation und Erfahrung versteht. Darum ist eine typische Reaktion, mit der Sie rechnen können, das „Hä?“

Das Hä? bedeutet entweder, dass Leser etwas nicht oder falsch verstehen, ohne dass Sie das erfahren. Es kann aber auch sein, dass Sie direkt gefragt werden:

  • „Meinen Sie damit …?“
  • „Wie geht das genau …?“
  • „Soll das heißen, dass …?“

… oder Sie einfach die Bitte bekommen, es noch mal näher zu erklären bzw. auf einen bestimmten Teilaspekt näher einzugehen.

Falsch verstanden: Eigeninterpretation

Nicht alle Leser fragen erst einmal nach, wie etwas gemeint ist, sondern viele gehen auch einfach davon aus, dass das, wie sie etwas verstanden haben, auch gemeint war. Das ist prinzipiell natürlich ganz normal – das tun wir ja auch.

Allerdings können Sie sich schon mal darauf gefasst machen, dass Sie mit einer ganzen Bandbreite an Missverständnissen zu tun haben werden, wenn Sie Texte veröffentlichen:

➡ Es wird Ihnen etwas in den Mund gelegt. Teilweise etwas, das Sie nicht gesagt haben und das 99 von 100 Lesern auch nicht so verstehen, wie diese eine Ausnahme.

➡ Es kann sein, dass Sie küchenpsychologisch diagnostiziert werden. Dass Sie zum Beispiel einen Beitrag über Konfliktlösung schreiben und ein Leser sagt: „Ganz offensichtlich sind Sie selbst konfliktscheu, sonst würden Sie einfach mal auf den Tisch hauen.“

Wie beim Widerspruch und bei der Nachfrage ist die Eigeninterpretation für Autoren dann schwierig, wenn sie unsachlich geäußert wird. Aber auch, wenn Sie diese Reaktionen nicht mitbekommen: Tatsache ist, dass jeder Ihrer Texte ganz unterschiedlich verstanden wird und Ihre Leser IMMER auch interpretieren – und oft das, was Sie sagen wollten, völlig anders ankommt, als Sie es gemeint haben. Darum ist es so wichtig, möglichst Klartext zu formulieren. So können Sie am meisten sicherstellen, dass das, was und wie Sie sagen wollen, zu einem großen Teil auch ankommt.

Schärferer Gegenwind

Gegenwind ist nicht per se unsachlich, aber er ist den meisten AutorInnen sehr unangenehm. Gegenwind kann bedeuten

  • jemand protestiert (heftiger)
  • Sie fühlen sich, als ob Ihnen eine Aussage im Mund herumgedreht wird
  • Sie werden gezielt angegriffen: inhaltlich oder wegen eines Stilmittels
  • jemand geht unter der Gürtellinie: würdigt sie herab oder stellt Ihre Kompetenz infrage

Oft hat Gegenwind damit zu tun, dass Sie einen wunden Punkt bei Lesern treffen. Viele Menschen kommen zum Beispiel mit Kritik nicht klar. Wenn Sie also beispielsweise einen Text schreiben, wo Sie die „XX typischen Fehler auf Websites“ oder „Gründe, warum viele Beziehungen scheitern“ veröffentlichen, dann kann der noch so konstruktiv gemeint sein. Ein Teil Ihrer Leser fühlt sich auf die Füße getreten.

Wann immer Menschen etwas nicht hören wollen oder sich angepinkelt fühlen, reagieren viele im Affekt grob. Erst recht, wenn eine Reaktion schriftlich – und anonym – erfolgen kann.

Sie können durch die Wahl des Themas und dadurch, wie Sie etwas (be)schreiben, regulieren, wie stark der Gegenwind ist. Manche Autoren mögen es, die Stimmung aufzuheizen, um Reaktionen zu fördern. Oder schauen Sie sich die vielen „Skandalbücher“ an, die regelmäßig durch gezielte Provokationen – eben durch den Gegenwind – konsequent in den Medien bleiben und dadurch auf den Bestsellerlisten landen.

Hören Sie auch: Ist es gut, zu polarisieren? (MP3)
… und zum Lesen:  “Ihr Kind ist ein Arschloch!” – Vom Umgang mit Kritik

Unerwarteter linker Haken

Manchmal ist man sich als AutorIn keiner Schuld bewusst: Man schreibt einen, wie man findet, „harmlosen“ oder sogar positiven Text. Sie sind vielleicht sogar stolz drauf, dass Ihnen so ein nützliches Meisterwerk geglückt ist und dann werden Sie abrupt abgewatscht!

Die Gründe sind entweder, dass jemand etwas missversteht oder eine ganz andere Sicht der Dinge (oder: der Welt) hat als Sie. Oder dass Sie irgendeine Formulierung oder ein Stilmittel nutzen, das jemandem gegen den Strich geht. Vielleicht haben Sie irgendwo den Ausspruch „Mein Gott!“ verwendet und finden sich nun in einer religiösen Diskussion wieder. Oder Sie schreiben darüber, dass Sie selbst keine Kinder haben möchten und werden des Kinderhasses bezichtigt. Vielleicht setzen Sie sich mit dem Thema Mobbing auseinander und regen Leute an, ihr eigenes Verhalten zu reflektieren, was manche Leser damit gleichsetzen, dass Sie ihnen die Schuld zuschieben wollen.

Der „linke Haken“ ist nicht einfach ein Missverständnis, sondern etwas, das Sie nicht kommen sehen, weil es um einen Nebenschauplatz geht oder weil etwas, das Sie aus Ihrer Sicht explizit klargestellt haben, ignoriert wird.

Manchmal haben Sie es auch mit einem Troll zu tun, der einfach gerne stichelt und aufwiegelt. Trolle gibt es nicht nur auf Websites, sondern auch per E-Mail (und natürlich in Gesprächen).

Irgendwas Unzusammenhängendes

Schließlich gibt es noch die Reaktion, dass Leser öffentlich etwas sagen, das überraschenderweise überhaupt nichts mit Ihrem Text zu tun hat.

In Blogs ist das manchmal ein Zeichen auf Pseudokommentare, die nur links hinterlegen möchten. Wenn also ein Kommentar deplatziert scheint oder total allgemein und nichtssagend ist, schauen Sie sich den Namen und die Website des Kommentierenden näher an. Besonders wenn diese Person öfter bei Ihnen im Blog unzusammenhängende, kurze Statements einstellt. Das ist oft einer der Ausnahmegründe, zum Löschknopf zu greifen.

Reaktionen sind vielfältig. Wir können beim Schreiben viel dafür tun, dass sich Missverständnisse in Grenzen halten, dass sich unsere Leser erkannt fühlen und gerne lesen („Tun Sie dieses, lassen Sie jenes“ – willkommener Klartext oder Befehlston?).

Dennoch werden wir immer eine Vielfalt ganz unterschiedlicher Reaktionen bei unseren Lesern auslösen – in den Köpfen und an uns gerichtet.

Es liegt an Ihnen, damit konstruktiv umzugehen. Denn Schreiben ist nie eine Einbahnstraße.

Autor: Gitte Härter

Ich bin x-fache Buch-Autorin, Schreibcoach + Schmarrnproduzentin. Meine Business-Zentrale mit Unterhaltungsblog ist hier: himbeerwerft.de

9 Kommentare

  1. Liebe Gitte,

    sehr schöner Artikel, der bei mir gerade einige Fragezeichen zu diesem Thema beantwortet hat. Ich hatte nämlich auch unlängst einen „linken Haken“ auf einen meiner Blogartikel.

    Es ging kurzgefasst um die Frage „Leben Sie Ihre Berufung“ und ich hatte mich mit dem Begriff Beruf, also zu etwas berufen sein und dem gängigen Begriff Job geäussert und ermuntert, die eigene Berufung zu finden und zu erleben.

    Darauf bekam ich einen sehr unsachlichen Kommentar von einem, natürlich anonymen Leser, der mir meine Kompetenz komplett absprach („sowas schreibe ich in 5 Minuten runter“) und mich übelst anging, dass ich „aufhören solle, die Leute mit pseudopsychologischem Zeug zu verblöden und lieber mal meine eigene Berufung finden möge“. Rumms, das saß!

    Obwohl ich natürlich weiß, dass da jemand, vielleicht ein Troll, seinen persönlichen Feldzug gegen Leute wie mich fährt. Erst mal durchatmen und dann die Frage, was hat das jetzt mit mir zu tun? Muss ich darauf reagieren?

    Ich hab in mich reingefühlt und beschlossen, das tangiert mich nicht und ich muss das auch nicht beantworten. Auf dieser Ebene kommuniziere ich nicht. Ich werde es später einfach löschen. Das ganz ohne Groll und ich hatte es schon fast vergessen als ich eben deinen Artikel gelesen habe.

    Der hat mir noch mal ganz gut gezeigt wie so etwas zusammen hängt. Dir also ein DANKE!

    alles Liebe
    Barbara

  2. Hallo Gitte,

    zwischen zwei Dringend-Schreibaufträgen gerade hier herein gehuscht und kurz anlesen wollend – hängen bleibend. Und diesen Beitrag verlinkt zu zwei Bekannten. Und einige Verbalrambos (keine Trolle) und andere Beitragsarten wieder erkannt samt Aha-Effekten.
    ´Manchmal hilft Tief durchatmen, aber nicht immer.

    Grüße
    Silke

  3. Liebe Gitte,

    ich musste gerade so schmunzeln. Ich habe gestern ein Seminar „Schluss mit der Angst!“ für Pferdebesitzer in eine Xing-Gruppe gestellt. Er hat bereits 8 Antworten und es wird kontrovers diskutiert, warum sich Leute, die „keine Ahnung von Pferden haben“ sich eben ein solches zulegen. Dann gibt es noch ein paar Kinnhaken, die wie du so schön sagst, meine Kompetenz infrage stellen. Jetzt bin ich gerade am Grübeln, was ich darauf antworte. Du hast ja mal nach Wünschen für deine Rubriken gefragt. Vielleicht wäre das mal ein nettes Thema, wie man mit diversen Reaktionen auf seine Artikel umgeht?

    Grüße aus Magdeburg,
    Anne

    (P.S. für diejenigen, die es interessiert, unter Webseite hab ich diesmal den Link zu der erwähnten Xing Disskussion gestellt)

  4. Hallo Ihr 3,

    dankeschön für Eure Erfahrungen + Weiterverschicken. 🙂

    Ja, die Verbalrambos und linken Haken haben es besonders in sich.

    @Barbara
    Ich habe den Kommentar vorgestern bei dir im Blog gelesen, und das ist so ein typisches Beispiel, wo beim Kommentator Frust mitschwingt. Das eigentlich Interessante daran ist das „Wo steht denn, wie ich meine Berufung finde/realisiere“ (oder so ähnlich).

    Das ist so ähnlich wie ich kürzlich mal geschrieben habe: Manche Themen treffen Leute sehr – gerade die, die mit dem eigenen Leben, aktiver Gestaltung, Persönlichkeitsentwicklung etc. zu tun haben. Unsere Leser sind ja immer total unterschiedlich, und ich glaube, wir kennen es auch, dass man manchmal den Eindruck hat, dass Texte zu simpel dargestellt werden. Da sage ich zum Beispiel zu jemandem „Wenn du schon seit Jahren unglücklich in der Ehe bist, wieso bleibst lässt du dich nicht scheiden?“ Das kann dann – zu Recht – bei einigen Leserinnen übelst ankommen: die einen fühlen sich, als ob sie nun auch noch die Schuld haben oder ich Ihnen unterstelle, schwach zu sein (oder Schlimmeres). Viele sagen: „Du hast leicht reden. Ich habe Kinder, ein Haus, finanzielle Abhängigkeit … da geht man nicht einfach, nur weil man unzufrieden ist.“

    Gleiches mit Jobthemen: da spielen Umstände, aktuelle Situation, vielleicht schon langer Frust, tatsächlich schwierige Faktoren wie eine Region mit kaum Möglichkeiten oder Arbeitsplätzen oder nicht geeigneter Qualifikation oder kein Zutrauen oder Können für einen Umstieg oder oder oder eine Rolle. So klingt dann ein eigentlich gut gemeinter Aufruf à la „Verharre nicht, sorge für dein Glück, lebe deine Berufung“ manchmal wie blanker Hohn oder trifft wie eine Faust das Frustzentrum.

    Mir ist bei der Gelegenheit auch eine Situation eingefallen, die ich mal am Telefon hatte, als ich noch Vertriebsleiterin war: ein Kunde hat einen Fehler gemacht und hat große Schwierigkeiten mit seinem Kunden bekommen. Daraufhin hat er seinen Frust an meinem Mitarbeiter abgelassen. Das Ganze ist eskaliert und zu mir gekommen. Ich habe ihm dann erklärt, worin der Fehler lag und war total sachlich (und im Recht! Es war nicht unser Fehler). Im Laufe des Telefongesprächs ist er immer saurer und ausfallender geworden. Als ich das ansprach, sagte er ganz frustriert: „Sie helfen mir ja nicht!“

    Da wurde mir erst klar, worum es hier eigentlich ging. SIE HELFEN MIR JA NICHT! Recht hatte er.

    Das Gemeine ist, dass man bei so einer harten Reaktion natürlich oft nicht erkennt, worum es geht – und selbst wenn, natürlich die Motivation, da sachlich zu reagieren oder sogar zu helfen, erst recht in den Kellern geht („wenn der mir so kommt!“).

    Da hilft dann Silke durchatmen auch. Ich übrigens fluche manches Mal wie ein Rohrspatz oder schimpfe laut meinen Bildschirm an, bevor ich durchatme oder mir erstmal ein Käffchen mache. Danach bin ich dann oft erst in der Lage, hinter solche Angriffe zu schauen.

    @Anne
    Ich kann als nicht XING-Mitglied die Diskussion zwar nicht sehen, aber so wie du es schilderst, ist es ein Paradebeispiel für unerwartete linke Haken! Da stellt man ein „harmloses“ Seminar ein und dann sowas!

    >>Vielleicht wäre das mal ein nettes Thema, wie man mit diversen Reaktionen auf seine Artikel umgeht?

    Ja, das ist eine gute Idee, Anne! Das interessiert sicher viele. Allerdings ist es komplexer. Ich schau mal, ich glaube, ich habe da vielleicht sogar noch was aus meinem Internetbuch. Ist auf jeden Fall notiert.

    Ein schönes Wochenende allen!
    Gitte

  5. Hallo zusammen,

    ich habe gerade erst die Kommentare zu Gittes Beitrag gelesen, den ich auch sehr erhellend fand. Ich blogge ja nicht wirklich viel, aber mir ist es auch schon passiert, dass ich mich plötzlich in einer Grundsatzdiskussion wieder gefunden habe, um die es aber in meinem Artikel überhaupt nicht ging. Ich finde es oft komisch, wie die Leute auf ihre Antworten kommen, denn die reagieren gar nicht auf das, was eigentlich im Artikel steht, sondern auf was ganz anderes. Naja, kommt vielleicht von zu viel Multitasking oder eben der Tatsache, dass bei ihnen Knöpfe gedrückt werden, um die es dem Autor primär gar nicht geht. Ich habe also auch erst mal durchgeatmet … und dann eine sachliche Antwort geschrieben, auf die kein Feedback mehr kam. Auch gut.

    Was mir nur eben einfiel, Gitte, ist die umgekehrte Situation: Wie verhält man sich als Leser am besten, wenn der Autor einem irgendwie blöd auf einen Kommentar oder eine Frage kommt? 🙂 Weiß auch nicht, vielleicht bin ich momentan auch etwas überempfindlich, aber manchmal habe ich den Eindruck, manche Autoren halten ihre Leser für Trottel, die vom Tuten und Blasen keine Ahnung haben und antworten dann auch entsprechend auf Kommentare. Was mache ich denn dann als Leser, außer, diesen Blog oder was auch immer konsequent von meiner Liste zu streichen? Glaubst Du, es kann etwas bringen, das Thema zu verfolgen und zu versuchen, es mit dem Autor per Email (nicht über die Kommentare) zu klären? Ich habe schon Kommentarschlachten gesehen, bei denen ich mich unwillkürlich frage, ob die Leute eigentlich sonst nichts zu tun haben. Das ist oft das Problem beim Internet und beim geschriebenen Wort, dass Schriftliches anders aufgefasst werden kann als Gesagtes, weil die weiteren Dimensionen wie Tonfall, Gesichtsausdruck, Körpersprache, usw. fehlen. Deshalb schreibe ich auch nicht gern in Foren mit, weil es in den allermeisten Threads über kurz oder lang zu Schlammschlachten kommt.

    Jedenfalls möchte ich doch auch als Leser mit Respekt behandelt werden, wenn ich mir schon die Mühe mache und irgendwas kommentiere.

    Was meint Ihr dazu?

    Viele Grüße,
    Doris

  6. Hallo Doris,

    in so eine „Schlammschlacht“ bin ich mal in einem moderierten Thread (kein Blog) geraten. Da ging es um die Giftigkeit des Jakobskreuzkrauts und das man mittlerweile auf Pferdeweiden auf sein Vorkommen achten sollte (rausrupfen…). Mein eigentlich harmloser Kommentar dazu wurde von allen Mitschreibern bis auf einen Herrn auch so verstanden. Dann entwickelte sich ein haarsträubendes „Gespräch per Tastatur“ zwischen uns, in das sich auch andere einmengten, die ihm glaubten und die ersten Beiträge gar nicht mehr lasen. Problem: Er drehte mir das Wort im Munde um schreibendermaßen und verfälschte aber sowas von… . Irgendwann klinkte ich mich aus dem Thread aus und schrieb es auch dort hin. Guckte nach einigen Wochen wieder rein und konnte lesen, dass dieser Herr sich total darüber wunderte und mokierte (in mehreren Beiträgen), dass ich mich tatsächlich ausklinkte. Himmelhilf.

    Aber solche Fälle sind bei mir glücklicherweise bisher selten und dieser ziemlich extrem gewesen.

    Man weiß nie, was in den Köpfen anderer Schreiber vor sich geht und wo was wie landet.

    Viele Grüße
    Silke

  7. Hallo Doris, hallo Silke,

    dankeschön für die Ergänzungen und die interessanten Fragen. Ich habe gerade ein bisschen wenig Zeit, darum nur mal ganz kurz vorab ein paar Takte – ich werde dann irgendwann in naher Zukunft noch mal auf das Umgehen mit Kommentaren eingehen (was dann auch für die Reaktionen des Autoren gilt).

    Im wesentlichen ist es bei solchen schriftlichen Diskussionen wie bei Diskussionen „im echten Leben“:

    – manchmal redet man versehentlich aneinander vorbei und kann sich durch sachliches Erklären auf die gleiche Spur bringen

    – manchmal ist man einfach völlig anderer Meiung (und vertritt das mehr oder weniger vehement), hat es aber grundsätzlich mit jemandem zu tun, wo eine Diskussion sinnvoll ist, weil es ein „normales Gegenüber“ ist

    – es lohnt sich aber, genau das Gegenüber anzuschauen, denn es gibt Grundsatz-Anderer-Meinung-Seier, Auf-Biegen-und-Brechen-Recht-haben-Müsser, Stammtischparolengeschulte Dummschwätzer (ja, das ist jetzt nicht politisch korrekt, diese Spezies gibt es aber) und es gibt auch Leute, die wie oben schon geschrieben, mit Kritik oder dem, was sie dafür halten, so gar nicht umgehen können, dass sie um sich schlagen.

    Je nachdem, wie sich die genaue Situation darstellt, lohnt sich die Zeit und die Nerven – oder eben es ist besser, sich nicht in so einen Diskussionssumpf reinziehen zu lassen.

    Das heißt nicht, dass man sich einfach aus dem Staub macht. Frag dich am besten immer:

    – Habe ich in meiner Originalnachricht bereits alles klipp und klar gesagt, was gesagt werden sollte und will mich da jemand missverstehen oder provozieren? In diesem Fall würde ich den Mund halten, denn es steht alles schon da und die anderen Mitleser können das einordnen.

    – Wird durch den Kommentar oder eine weitere Diskussion klar, dass ich mich missverständlich ausgedrückt habe oder drückt der Kommentar das, was ich gesagt habe, in eine andere Richtung, die mir nicht gefällt (und ich fürchte, dass andere das jetzt auch so verstehen), dann würde ich einmal sachlich und freundlich darauf eingehen und klarstellen, was ich meine.

    Aber KEIN „Du sagst, ich finde, da hast du unrecht“, sondern immer auf deiner Seite bleiben und nicht absolut sprechen, da nimmt den Leuten die Angriffspunkte. Also lieber: „Meiner Erfahrung nach …“, „In meiner Praxis hat sich bewährt …“ oder noch einen anerkannten externen link anführen, aber nicht um aufzutrumpfen, sondern um noch einen externen „Beleg“ für eine Behauptung aufzuführen, wenn das sinnvoll ist, weil in der Diskussion lauter Laien ein „ich glaube aber“-Fass aufmachen.

    Eine E-Mail, um alles aufzudröseln oder zu klären, würde ich nicht machen, außer es gäbe einen Grund dafür, mich persönlich zu entschuldigen – wenn ich jemandem auf den Fuß getreten oder zu persönlich geworden bin. Doch auch das ist besser in den Kommentaren, weil dann die Mitleser auch sehen, dass man ein blödes Verhalten selbst bemerkt hat und sich entschuldigen kann.

    Beim Internet gilt einmal mehr: Willst du recht haben oder deine Ruhe? Darum würde ich meine Zeit immer nur dann für Diskussionen aufbringen, wenn insgesamt ein sachlicher Diskurs entsteht. Dann ist sowas spannend und alle haben was von unterschiedlichen Sichtweisen. Aber eine Schlammschlacht bringt doch gar nichts. Da gehen wir lieber Kaffeetrinken. 🙂

    Achtet einfach durchgehende auf eine sachliche, konstruktive Sprache in allen Beiträgen, dann schätzen die Mitleser (die meisten sind eh stille Beobachter) schon genau richtig ein, wer sich gut und konstruktiv verhält und wer Krawall macht. Das kommt auch an, ohne dass man alles ausdiskutiert.

    Viele Grüße
    Gitte

  8. Hallo Gitte,

    danke noch für Deinen ausführlichen Kommentar. Sachlich bleiben ist mit Sicherheit ganz, ganz wichtig, wie im richtigen Leben halt auch. 😉 Und trotzdem sind da Gefühle im Spiel, die bei aller Sachlichkeit oder auch Distanz durch das Internet nicht völlig verschwinden. Wie im richtigen Leben eben auch…

    Ich würde mich freuen, wenn wir das Thema bei Gelegenheit noch mal vertiefen könnten.

    Viele Grüße,
    Doris

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