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Romanprojekt: Update-Strang Juni

Erst Ende Juni hatte ich einige Stunden Zeit und Muße, mich gedanklich mit meinem Roman näher zu befassen. Neben einem prallgefüllten beruflichen Alltag ist das Leben dazwischengekommen. Trotzdem habe ich in dieser wenigen Zeit einige große Sprünge mit meinem Roman gemacht. Einmal mehr bestätigt sich, dass das Vorgehen mit dem Outline (Details hier) für mich ideal ist – und zwar auf mehreren Ebenen.

Mein nächstes Ziel war es ja, den Beginn und das Ende näher zu durchdenken. Das hatte ich im Mai-Update auch schon angekündigt:

Nächsten Monat erzähle ich mehr darüber, warum ich beim Ausarbeiten der konkreten Szenen mit dem Buchbeginn und mit dem Ende zuerst anfange und warum es so wichtig für mich ist, diese gleichzeitig zu durchdenken.

Anfang und Ende

Bei mir ist es ja so, dass ich einen klaren Rhythmus und Szenenaufbau für das Konzipieren festgelegt habe. Erste Aufgabe für mich war es nun, den Bucheinstieg und das Ende zu skizzieren. „Skizzieren“ ist das wichtige Wort an der Sache. Ich weiß, dass viele so ein Outline scheuen, weil sie denken, das schränke ihre Kreativität ein. Dem ist nicht so. Einen Roman vorab zu konzipieren schützt einfach davor, wild drauflos zu schreiben. Wie nützlich das ist – zumindest für mich -, sehe ich schon jetzt in den Anfangsüberlegungen ganz deutlich.

Die große Kunst für uns AutorInnen ist ja etwas, das man später nicht mehr sieht: die Auswahl. Wir treffen ständig viele Entscheidungen und lassen viele Möglichkeiten außen vor. Das ist die eigentliche Kunst, ganz egal, um welche Textart es sich handelt.

Anfang und Ende haben natürlich eine besondere Bedeutung. Das kennen wir alle auch, wenn wir lesen. Interessiert und packt uns ein Buch? Bleiben wir dran? Fiebern wir dem Ende entgegen … und gleichzeitig doch nicht, weil ein Buch so toll ist, dass es immer weitergehen sollte? Und: Sind wir mit dem Ende zufrieden … oder enttäuscht?

Anfang und Ende sollen aber idealerweise auch einen direkten Bezug haben. Ich habe über die Jahre viele Ratgeber über das Drehbuch- und einige übers Romaneschreiben gelesen, und da ich englischsprachige Bücher hier sehr viel lebendiger und nützlicher fand, bin ich öfter über den Begriff „to bookend“ gestolpert. Das ist auch ein sehr schöner bildlicher Vergleich: Anfang und Ende einer Geschichte bilden sozusagen einen klaren Rahmen. Das kann so weit gehen, dass sich ein Element oder eine Symbolik in irgendeiner Form am Ende spiegelt oder dass das Buch mit der gleichen Person beginnt und endet – oder eine Aussage sich an beiden Enden findet. Mir gefällt alles, was schlau konstruiert, aber nur unterschwellig wirkt, weil so etwas eine Geschichte straffer zusammenhält und runder macht. Außerdem ist man als AutorIn viel mehr gefordert, weil es immer um mehrere Aspekte geht und sich oft komplexere Elemente unsichtbar – aber fühlbar – durchziehen.

Beim ersten groben Skizzieren der Geschichte habe ich den Fokus auf eine verheiratete Frau gelegt mit einem erwachsenen Sohn, der aus dem Gefängnis kommt. Darum wollte ich zunächst das Buch mit dieser Frau auch einrahmen: es beginnt mit ihr, es endet mit ihr (das ist stark vereinfacht, denn da spielen jede Menge weiterer Überlegungen eine Rolle, aber ich will ja nicht vorab alles verraten). Ich weiß, was prinzipiell am Ende passiert, die Detailüberlegungen zu den End-Szenen mache ich erst am Schluss. Der Anfang muss aber natürlich schon sehr konkret überlegt sein.

Der Anfang

Ich habe in meinem Buch momentan acht wichtige Charaktere. Kann sein, dass sich im Laufe des Konzipierens da noch mal was verändert. Wie gesagt: Es ist nichts in Stein gemeißelt, und als AutorIn muss man auch immer offen genug bleiben, um eine bessere Idee zu erkennen. So habe ich beispielsweise beim letzten Mal schon erzählt, dass ich einen meiner Hauptcharaktere kurzerhand zum Sohn eines anderen gemacht und dadurch meine Grundidee komplett geändert habe. Alle meine acht Charaktere haben eine spezifische Rolle und stehen in vorab durchdachten, vielschichtigen Beziehungen zueinander (bzw. werden im Laufe der Geschichte entsprechend miteinander zu tun bekommen).

Im wesentlichen geht es mir aber um drei Frauen, die im Mittelpunkt stehen werden. Nun hat besonders der Beginn immer eine große Bedeutung, denn er soll die Leser in das Buch hineinziehen, gleichzeitig muss man bestimmte Fakten, Stimmungen und Emotionen transportieren (Exposition).

Meine Ausgangsidee war es, die ersten sechs Szenen, also mein Eingangskapitel in der Familie des Gefängnis-Sohnes stattfinden zu lassen. Ich habe dann alle möglichen Ansätze überlegt, was ich tun möchte, um die Personen vor- und die Dynamik der Leute darzustellen. Außerdem muss ich an dieser Stelle bereits meine Leser ein wenig übers Ohr hauen … Doch nichts davon hat sich in meinem Kopf richtig angefühlt.

Was ich Ihnen immer wieder sage, ist, dass es enorm wichtig ist, sich als AutorIn kennenzulernen. Ich weiß von mir, dass ich, wenn ich wo nicht richtig weiterkomme, die Struktur überprüfen muss. Wenn ich bei etwas hake, dann ist es in 99 % der Fälle ein strukturelles Problem. Da ich das weiß, beiße ich mich nicht in eine Idee fest, um sie irgendwie hinzubiegen, sondern ich bleibe offen und verändere das Grundprinzip. In diesem Fall habe ich die Idee losgelassen, das Buch mit dieser einen Familie zu beginnen.

Da ich das Grundprinzip der Geschichte sehr deutlich kenne, weiß, worauf ich hinaus möchte und was die Leute an bedeutenden Stellen tun werden, bin ich auch in der Lage, von vornherein zu überlegen, wie ich die Charaktere anlege.

Ich habe also meine ursprüngliche Idee, den Beginn in diese Familie zu verlegen, verworfen und mir gedacht: Wie kann ich meine drei Hauptdarstellerinnen – und möglichst viel über sie und ihrem Leben – schon in die ersten sechs Szenen packen?

Sofort habe ich gemerkt, dass diese Offenheit mir sehr viel mehr bringt:

  • Ich bekomme viel mehr Dynamik in den Romanbeginn.
  • Dadurch, dass ich für den Beginn nur sechs Szenen habe, denke ich straffer: So habe ich eine tolle Idee bekommen, wie ich fast alle meine Hauptcharaktere ganz natürlich miteinander in Verbindung bringe (auch wenn nicht alle schon zu Beginn miteinander zu tun haben).
  • Da gleich viel mehr passiert, habe ich auch eines meiner Anfängerprobleme schneller in den Griff bekommen: Ich denke viel mehr daran, meine Charaktere in eine Situation zu versetzen, die ZEIGT, wie sie sind, anstatt in Beschreibungen zu denken. Das ist das „Show don’t tell“: anstatt also zum Beispiel zu sagen, dass ein Charakter total unsicher ist und keine eigene Meinung hat, ist es viel schöner, die Leser erleben zu lassen, wie die Person ist.

Den Mehrwert einzelner Szenen erhöhen

Ein höherer Mehrwert geht ja immer, ganz unabhängig von der Textart. Auch beim Roman ist das so. Ein grobes Beispiel: Ich habe eine unsichere Frau dabei. Erst wollte ich sie in ihrer neuen Arbeit zeigen und von dieser Warte erzählen, wie sie und ihre Lebenssituation so ist. Doch das wäre mehr das „Erzählen, wie wer ist“. Dann habe ich gedacht, ich schreibe eine Szene in ihrer eigenen Wohnung, wo man erkennt, wie ihr Mann mit ihr umgeht und wie sie zu ihrem Sohn steht (beide sind natürlich auch sehr wichtig für die weitere Geschichte).

Jetzt habe ich sie in ihr Elternhaus zum Kaffeetrinken gesetzt, wo sie ihre Eltern um Hilfe bittet. Auf diese Weise kann ich sehr viel mehr zeigen, wie sie ist, sich verhält, warum sie so ist, wie sie ist. Außerdem lasse ich den Ehemann anrufen und habe die Dimension von dieser Seite dann obendrauf. Auch das natürlich jetzt nur ganz grob erzählt, weil ich nicht alles vorab verraten möchte, aber man kann schon sehen, dass das Versetzen einer Person in eine andere Umgebung oder mit anderen Charakteren sehr viel mehr Möglichkeiten bietet.

Szenen müssen einen Nutzen haben

Beim Durchdenken solcher Szenen geht es immer einerseits um ein „Was könnte logisch in der Geschichte passieren?“, aber unterliegend geht es hauptsächlich darum, welche Funktion eine Szene hat.

Ich habe beispielsweise zu Beginn eine kleine Szene, wo die unsichere Mutter ihren kleinen Sohn auf dem Spielplatz zu sich ruft. Dort wollte ich kurz zeigen, wie der Sohn mit der Mutter umspringt – nicht mal er nimmt sie ernst! Er hat von seinem Vater und den Großeltern abgeschaut und verhält sich seiner Mutter gegenüber auch unmöglich. Dann habe ich gemerkt, dass ich den Sohn nicht ruppig und respektlos brauche, sondern süß und unschuldig, weil das ein besserer Gegenpol für den Rest der Geschichte ist. Jetzt könnte ich sagen: „Dann ändere ich einfach den Verlauf der Szene und den Dialog, wo die Mutter den Sohn zu sich ruft. Jetzt folgt er und ist total nett mit ihr.“ Doch diese Szene brauche ich gar nicht! Ich habe schon etabliert, wie unsicher die Mutter ist. Ich habe eine andere Szene mit dem Sohn eingeplant, die zeigt, wie der Sohn drauf ist. Die Interaktion mit der Mutter ergibt sich später sowieso. Anstatt also diese Szene anders anzulegen, haue ich sie raus.

Oder: Ich hatte mit der Mutter des Kriminellen verschiedene Eingangsszenen, wo ich etablieren wollte, dass sie sehr gläubig ist und zu ihrem Sohn hält. Dafür hatte ich einige ganz schöne Ideen an verschiedenen Stellen. Dann habe ich überlegt:

  • Wie ist denn diese Frau?
  • Was möchte ich im weiteren Verlauf von ihr?

Da ich die Hauptstellen meiner Geschichte durchdacht habe, weiß ich, dass diese ältere, brave, gottesfürchtige Frau später beim Beseitigen einer Leiche helfen soll (und Schlimmeres!). Das machen brave, ältere, gläubige Frauen aber normalerweise nicht mal eben. :mrgreen: Also habe ich überlegt: Wie kann ich eine Szene anlegen, dass von Anfang an klar wird, wie methodisch und nüchtern die Frau vorgeht, wenn sie für ihre Familie in Krisenmodus geht? Jetzt lernen meine Leser die Frau und ihre Überzeugungen nicht einfach kennen, sondern sie erleben sie schon beim ersten Mal in einem Moment, wo sie so methodisch und praktisch vorgeht. Genau das sind solche Details, die man als AutorIn von vornherein einbauen kann, um einen Charakter von Haus aus komplexer zu machen und den glaubwürdigen Fortgang der Geschichte sicherzustellen.

Im Juni habe ich also geschafft:

:arrow: meine sechs ersten Szenen richtig rund anzulegen, meine Hauptdarsteller und wichtige Grundeigenschaften/-dynamik in den Beziehungen konkret genug zu skizziert

:arrow: den Anfang mit dem Ende rund anzulegen: jede Hauptdarstellerin bekommt eine Ausgangsszene, das Grundprinzip, was diese Szene jeweils aussagt, ist mir bereits klar, um darauf dann auch hinschreiben zu können

Meine nächste Aufgabe ist der erste große Teil: drei Kapitel à 9 Unterkapitel. Ich weiß, was in der allerletzten Szene passieren muss und kann darauf hinarbeiten. Dennoch habe ich natürlich einen Heidenrespekt, denn jetzt ist es fast ein Drittel des Buches, das durchdacht werden möchte. Das ist ein deutlich größeres Unterfangen als die bisherigen sechs Eingangsszenen, und die fand ich schon sportlich.

Wie läuft es mit Euren Projekten?

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6 Kommentare

  1. Stefanie sagt:

    Liebe Gitte

    Ist hier wohl schon etwas Sommerferien-Stimmung, dass man von den diversen Romanprojekten nichts hört?

    Vor ca. 2 Wochen hatte ich einen Schubs nötig – irgendwie gefiel mir gar nichts vom letzthin Geschriebenen, ich habe gelöscht und verworfen. – Spontaner Entschluss: Ortswechsel! Da meine Arbeitszeiten flexibel sind und die Kinder dem Nest entflogen, war es möglich, diesem Wunsch nachzugeben. Im Berner Jura (etwa eine Stunde Autofahrt von uns) machte ich eine versteckte, günstige kleine Pension ausfindig und buchte mir für 1 1/2 Tage ein Zimmer, also eine Übernachtung. Da meine Romanheldin für eine gewisse Zeit im Jura Unterschlupf findet, passte das natürlich bestens. Die Landschaft ist wild- romantisch. Pferden weiden zwischen hohen alten Tannen, deren Zweige bis auf den Boden herunterhängen. Waldstücke, wo man schier im Moos versinkt, bizarre Wurzeln, Duft nach Pilzen und Moder und blitzschnelle Eichhörnchen, die in den Baumkronen verschwinden.
    In dieser Abgeschiedenheit konnte ich mein Konzept nochmals überarbeiten. Langweilige Szenen habe ich rausgeschmissen, Dialoge gekürzt und mir eine Schlussszene ausgedacht.

    Jetzt bin ich wieder neu motiviert.

    Dir und allen anderen Schreibern wünsche ich fröhliche und erholsame Sommertage.
    Herzlich

    Stefanie

  2. Anja sagt:

    Hallo Gitte, hallo Stefanie, ein liebes Hallo an alle Mitschreiber,

    :-) oh, ist es schön, hier zu stöbern und von Euren Fortschritten zu lesen! Ich wünsche Euch fröhliche Schreibstunden und ein Vorankommen, das sich rundherum gut anfühlt.

    Bei mir gibt es seit einigen Wochen gefühlten Stillstand. Familiengeschichten gesellten sich zu meinen normalen Aufgaben und ich hüpfe atemlos mittendrin herum und komme kaum noch zum Schreiben. Am Anfang hatte ich immer noch tapfer mein Notizbuch dabei, aber es gab nur Frust, jeden Abend festzustellen, dass tagsüber keine ruhige Minute und kein ruhiger Winkel zum Schreiben gewesen war. Im Moment schreibe ich fast nur noch im Tagebuch, das sich aus geheimnisvollen Gründen mehr und mehr in ein Planungsinstrument verwandelt hat. ;-)

    Bis Mitte August muss ich noch durchhalten, dann kann ich langsam in mein normales Leben zurückkehren und dem Schreiben wieder Raum geben. Ich freue mich schon riesig darauf.

    Ich staune – trotz Chaos ging es in Minischritten mit meinem Buch weiter. Ich hänge jetzt zwischen Kapitel 37 und 38. Eine Szene in Nummer 37 klingt noch steif und hölzern und lässt mich nicht los, obwohl Kapitel 38 schon fertig ausgedruckt zum Überarbeiten bereitliegt.

    Bei der verholzten Stelle geht es um das Lesen. Ich habe mir Unterstützung geholt und bin in dem Bändchen “Lesehunger” von Hanns-Josef Ortheil fündig geworden. Nach so viel vergnügtem Lesen und Mitdenken über das Lesen sollte mir meine Leseszene in der nächsten Schreibinsel gut von der Hand gehen. :-)

    Viele liebe und herzliche Grüße aus dem Chaos
    Anja

  3. Stefanie sagt:

    Liebe Anja, liebe Gitte und alle andern MitschreiberInnen

    Freue mich, wieder etwas von Dir, Anja, zu hören. Ich hatte das Gefühl, dass Dich irgendetwas vom Schreiben abhält… schliesslich meldest Du Dich ja immer so zuverlässig. Wow, schon 38 Kapitel! Da steckt soviel Arbeit, Fantasie und Disziplin dahinter! Von soviel Wachstum und Fortschritt kann ich momentan nur träumen, da ich ja etliches rausgeschmissen habe. So arbeite ich vorläufig also rückwärts :-) .

    Auch bei mir gehts ab Mitte August wieder gesitteter und strukturierter zu. Ich schätze aber die langsamere, verträumte Sommerzeit sehr, die halbe Welt ist in den Ferien und die andere Hälfte nimmt es eh gemütlicher mit Schwimmbad, Velofahren und grillieren.

    Liebe Gitte, ich hoffe für Dich, dass Dein Stress auch nicht mehr zulange anhält… wobei ich allerdings den Verdacht nicht ganz loswerde, dass Du ihn GENIESSEST und Du Dich ohne ihn vielleicht gar langweilen würdest?! Naja, wenn Du jetzt so viel herumhetzen musst, darfst Du Deine Schreibstube bestimmt mal ins Cafe verlegen und Dir dazu einen leckeren Eisbecher gönnen – erstens kommen die Kalorien gar nicht dazu sich bei Dir anzusiedeln und zweitens hast Du Dir eine Belohnung wirklich verdient!

    Freundliche Grüsse aus dem verregneten Seeland
    Stefanie

  4. Gitte Härter sagt:

    Hallo Anja und Stefanie,

    schön, Eure Fortschritte zu lesen. Es ist faszinierend, wie die Dinge wachsen … und wenn man es schafft, trotz Turbulenzen und vollem Alltag zumindest ein bisserl dranzubleiben, geht das auch in kleinen Schritten.

    Bei mir wird es für den Juli-Update-Strang (den ich Ende des Monats einstelle) leider kein Update geben. Denn die momentane extreme Zeitnot ist leider kein “lalala, ich hab grad einfach etwas viel zu tun”, sondern ich hatte in der engen Familie einen medizinischen Notfall, der noch nicht ausgestanden ist. Dadurch bin ich extrem in die Bredouille mit laufenden Terminen und Projekten (+ dem Abgabetermin mit dem neuen Buch) geraten. Von der Daueranspannung ganz zu schweigen.

    Viele Grüße
    Gitte

  5. Anja sagt:

    Hallo Gitte, hallo Stefanie,

    bei mir hat sich die Lage etwas entspannt und ich genieße es heute, mir den Nachmittag selbst einteilen zu können. Ganz Entwarnung gibt es noch nicht. In den turbulenten Wochen ist mir einiges um die Ohren geflogen. Nächste Woche muss ich erst einmal gründlich sichten und mir einen Überblick verschaffen. Aber nun zuallererst ein herzliches Dankeschön für Eure lieben Grüße und Wünsche!

    @ Stefanie

    Ja, ich war auch froh, dass ich mich zwischendurch wenigstens kurz melden konnte. Ich finde es immer furchtbar, wenn die Tage so überfüllt sind, dass keine Kraft mehr für Dinge bleibt, die zwar nicht oberwichtigdringend, aber mir eben doch wichtig sind. Und ich erlebe es oft, dass ich stiller und stiller werde und schließlich ganz verstumme, wenn es mich im Alltag zu sehr durchwirbelt. Das einfache Lesen klappt immer noch, aber das Schreiben schrumpft ganz schnell auf die akuten Vorgänge.

    Ich bin schon gespannt, wie es bei Dir weiterging. Das “Rückwärtsschreiben” gehört ja zum Texten immer mit dazu. Bei einem Schreibtraining hatten wir das einmal ausgiebig geübt: Text in die Tasten klimpern, auf ein Drittel schrumpfen, dann wieder ausbauen, noch einmal auf ein Drittel schrumpfen und wieder ausbauen. Es war interessant, wie die Texte Schritt für Schritt an Tiefe gewannen – und die Übung hat allen Mut gemacht, beim Überarbeiten künftig großzügiger zu werden.

    @ Gitte

    Inzwischen hast Du Dein Buch geschafft und eingereicht, habe ich gerade gelesen. Einen herzlichen Glückwunsch auch von mir! Ich bin schon gespannt, werde mich aber wohl noch ein Weilchen gedulden müssen … Es ist lustig – irgendwie habe ich eine Zeitverschiebung: Für mich ist das 30-Minuten-Buch das neue. Meine Buchhändlerin ruft mir immer schon von weitem zu, dass mein Buch mit dem frechen Titel noch nicht dabei war. Dabei hast Du schon längst ein neues neues Buch fertig!

    Ich hoffe, dass Ihr inzwischen aufatmen könnt und alle in der Familie sich von dem medizinischen Notfall ein wenig erholen konnten. Manchmal finde ich, dass die Zeit nach der akuten Phase noch schwieriger zu bewältigen ist. Einmal haben wir einen Onkel mitsamt seiner Mulle ein Vierteljahr lang wie ein Paket zwischen den Haushalten hin- und hergereicht, weil niemand die Kapazität hatte, ihn für die gesamte Zeit aufzunehmen. Als dann noch die gute Seele ausfiel, die sich um seine Blumen kümmerte, bin ich in ein wildfremdes Anwaltsbüro in seiner Nachbarschaft marschiert und habe gefragt, ob ich hier begrünen darf. Die Mitarbeiter sind tatsächlich zusammengerückt, haben ihr Büro für etliche Wochen in ein “Gewächshaus” verwandelt und die Blumen gerettet.

    Auch die vielen Arztbesuche sind oft schwer zu bewältigen. Ich habe schon Ärzte auf Knien angefleht, sich die Frequenz der Kontrollbesuche noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen. Viele Ärzte denken gar nicht, wie aufwendig es ist, einen Patienten in einen Kleinwagen zu verfrachten, eineinhalb Stunden in die Stadt zu zuckeln, zwei lange Stunden im Wartezimmer zu verbringen und nach fünf Minuten Visite die eineinhalb Stunden Rückfahrt zu bewältigen. Ein Tagesprogramm, das der Genesung selten förderlich ist.

    Ich drücke Euch fest die Daumen, dass alles gut klappt und sich prima entwickelt.

    Liebe Grüße von Anja -
    ich wandere noch in den Juli-Strang, ein wenig gibt es zu berichten

  6. Gitte Härter sagt:

    Hallo Anja,

    herzlichen Dank für die Glückwünsche! Ich bin auch sowas von froh, dass jetzt alles unter Dach und Fach ist – es war schon alles recht zusammengeschoben und zum Schluss hin eine rechte “Ochsentour” … gleichzeitig habe ich mit Leichtigkeit dran geschrieben und freue mich, dass ich das Buch mehrmals gezielt gelockert habe, bevor ich richtig losgelegt habe. So gesehen hat das Endergebnis enorm von den privaten Turbulenzen profitiert, weil ich sonst sicherlich etwas mehr im Routine-Fahrwasser geblieben wäre.

    Das mit der Zeitverschiebung geht mir auch so: Auch ich bin jetzt wieder aufs “alte neue Buch” zurückgeworfen, wo ich doch jetzt monatelang im ganz neuen war und das “neue” eigentlich schon lange abgehakt war. Man wird ganz blöd im Kopf. ;-)

    >>Manchmal finde ich, dass die Zeit nach der akuten Phase noch schwieriger zu bewältigen ist.

    Das finde ich allerdings auch. Klar ist der erste Schreck, die Sorge und Akutphase, die einige Wochen intensiv dauert, besonders belastend – zumal man da ja nicht normal unbeschwert arbeiten kann, selbst wenn man zu Hause am Schreibtisch sitzt.

    Aber das danach mit den Nach”wehen” und vor allem den ganzen liegengebliebenen Arbeiten, Terminen, Umschichtungen etc. Das war jetzt schon nochmal besonders heftig. In meinem Fall toi, toi, toi relativ unbeschwert, weil es meiner Angehörigen wirklich den Umständen entsprechend blendend geht. Zum Glück! Natürlich gibt es noch vieles, das nicht völlig okay ist und natürlich ist die Sorge noch nicht ganz weg, aber erstmal gab es keine großartigen Komplikationen oder Folgeschäden o. Ä. Das ist das Wichtigste!

    Was du über den Krankheitsfall deines Onkels erzählt, das Zusammenhalten und das ganz praktische – einfach in eine Anwaltskanzlei marschiert – finde ich sehr schön. Letztlich geht es immer darum, mit den Tatsachen umzugehen und zu improvisieren, was das Zeug hält. Irgendwie gehts ja immer!

    Auf wiederlesen
    Gitte

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