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Romanprojekt: Update-Strang Juli

Wie ich in den Kommentaren zum Juni-Strang – wo es auch wieder spannende Updates zu Stefanies und Anjas Projekten gab – schon ankündigte, habe ich im Juli kein Update für meinen Roman, weil mein Leben zu turbulent war: Der Alltag und die neue Buchdeadline haben die letzten Wochen zu sehr gedrückt, um den Kopf frei zu haben für das weitere Konstruieren meiner Geschichte.

Statt eines Updates will ich ein bisschen über die Exposition (Wikipedia) reden: Bei der Exposition führt man den Leser in Charaktere, Leute, Zusammenhänge, Stimmungen … ein. Man stellt also beispielsweise Leute nicht einfach mit einer Beschreibung vor, wie sie aussehen oder wo sie gerade sind, sondern achtet darauf, gleich mehr über die Person preiszugeben.

In seinem Buch „Über das Schreiben“ (das ich im Original empfehle, wenn Sie Englisch lesen) schreibt Stephen King zum Beispiel, dass er bei irgendeinem seiner Bücher am Anfang einen Typen damit eingeführt hat, dass dieser einen Hund getreten hat. Daraufhin, so King, habe er so viele böse Post wie noch nie bekommen, was für eine Tierquälerei das sei! Noch nie hätten sich bis dahin derart viele Leute echauffiert und nie haben sich die Leute so schlimm geäußert, wenn „Menschen“ gestorben sind. Aber dieser getretene Hund brachte das Blut der Leser in Wallung … obwohl es ein erfundener Hund war, der nur dazu diente, die Fiesheit der Person zu illustrieren.

Meine Lieblingsexposition ist aus Emergency Room:

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Dr. Corday hat frisch im Krankenhaus angefangen. Sie steht mit ihrem Kollegen, Dr. Benton, beim Händedesinfizieren, als ein älterer, sehr kleiner Arzt hereinkommt, sich ihr als Dr. Breedlove vorstellt und auf einen Hocker steigt, um ans Waschbecken zu reichen.

Als sie ihren Namen nennt, fragt er: „Wie bitte?“

Sie wiederholt laut ihren Namen und sagt leise zu Benton: „Ich wusste, dass er alt ist, aber ich hatte keine Ahnung, dass er so klein ist.“

Dr. Breedlove bekommt das Murmeln mit: „Was haben Sie gesagt?“

Dr. Corday geht ganz nahe zu ihm hin und ruft ihm laut und deutlich ins Ohr: „Ich wusste, dass Sie alt sind, aber ich hatte keine Ahnung, dass Sie so klein sind!“

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Wunderbar! Ich hoffe, ich bekomme gerade diese normalen, eher unspektakulären Szenen so vielsagend hin.

Ist schon Sommerpause oder hat sich bei Euren Projekten etwas getan?

Oder möchten Sie neu mit einsteigen: Wir veröffentlichen monatlich Fortschritte, um stärker an unseren besonderen Schreibprojekten dranzubleiben.

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2 Kommentare

  1. Anja sagt:

    Hallo Gitte, ein liebes Hallo an alle Mitschreiber,

    gerade habe ich es schon ausgeplaudert: Bei mir ging es turbulent weiter und es gab kaum Lücken zum Schreiben. Einige winzige Schreibzeiten habe ich mir abgetrotzt und bin in Minischritten vorangetappelt. Diese Eintragungen stehen in meinem Schreibkalender für Juli und August:

    Ende Juli:
    - Eine wunderschöne Schreibzeit, in der ich die holzige Leseszene in Kapitel 37 in einem Rutsch lebendiger gestaltete und die Arbeit an Kapitel 37 beendete. Zusätzlich konnte ich Kapitel 38 auf dem Papierausdruck überarbeiten und die Überarbeitungen eintippen.

    Ein Monat Pause …

    Ende August:
    - Eine Schreibzeit, in der ich an den Dialogen der kommenden Kapitel 38 bis 44 gefeilt habe. Auslöser dieser für mich etwas untypischen Aktion war eindeutig die aktuelle Federwelt. In der “Textküche” ging es dieses Mal um Dialoge und ich habe wieder einmal gemerkt, wie wertvoll Beispiel-Lektorate für mich sind.

    - Eine zweite Schreibzeit, in der ich an Kapitel 38 weiterwerkelte. Zuerst kamen wieder “Staffelstäbe” zwischen den noch losen Szenen hinzu, dann feilte ich von vorn durch und blieb mitten in der zweiten Szene stecken.

    Inzwischen weiß ich, was mit der zweiten Szene nicht stimmte: Szene 1 ist ein Traum meiner Heldin und Szene 2 soll die Realität zeigen. Aber bisher zeige ich in der zweiten Szene nichts, sondern beschreibe, beschreibe, beschreibe … Das Ziel für die nächste Schreibzeit ist damit klar: Das Gesülze aus Szene 2 rauswerfen und in der Szene wirklich etwas zeigen. Nun freue ich mich schon auf die nächste Zeitinsel zum Schreiben.

    In den letzten Wochen haben sich auch Berge von Notizzetteln zu meinem Buch angehäuft und ich habe sie in einer Kiste gesammelt. Noch ist kein Schwung da, die Zettel durchzugehen und davon einzuarbeiten, was etwas taugt. So bleiben die Notizen vorerst in der Kiste.

    Liebe Grüße
    Anja

  2. Gitte Härter sagt:

    … wow, Anja, ich gratuliere dir zum Dranbleiben. Du bist, glaube ich die einzige, die seit Monaten konsequent weiterarbeitet. Finde ich super!

    Auch die schonungslose Selbstbeurteilung (“Das Gesülze aus Szene 2 rauswerfen”) gefällt mir immer gut, weil dieses direkte, unzimperliche mit der eigenen Arbeit – das natürlich auf einem sicheren Gefühl fußt – tut dem eigenen Schreiben immer gut.

    >>wie wertvoll Beispiel-Lektorate

    Ja, wenn das gut gemacht ist, kann man jede Menge lernen. Eben weil man das Prinzip dahinter versteht und nicht nur das, was am aktuellen Text gemacht wird.

    Darum liebe ich auch die Schreibworkshops so, wo man am eigenen Text arbeitet und Unterliegendes LERNT, anstatt nur “mal EINEN Text hinzuschreiben”.

    Ich habe leider bei mir ja gar nichts gemacht am Roman, aber ich mache in den nächsten Tagen einen August-Strang für Euch auf – und erzähle aus meiner Warte vom Dilemma des Kontaktverlustes. Das trifft ja viele, die so ein Buchprojekt nebenbei “immer mal machen wollten”, es aber dann doch immer nur punktuell anpacken, wieder liegen lassen, wieder punktuell anpacken …

    Viele Grüße
    Gitte

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