Es ist keine Überraschung, dass mein Romanprojekt die letzten zwei Monate komplett unbeachtet blieb. Ich hatte schlichtweg keine Zeit und vor allem keinen Kopf dafür. Jetzt, wo ich die erste Woche wieder etwas herunterfahren kann, ist erstmal ausatmen dran, um den Übergang in den normalen Alltag wieder herzustellen.
Auch wenn ich diesen Monat kein Update zu bieten habe, will ich über das Problem des Nicht-Dranbleibens schreiben, das sicherlich viele von Ihnen kennen. Erst recht, wenn Sie bestimmte Schreibziele unter dem Motto „Wenn ich mal Zeit habe …“ immer wieder verschieben.
Ich habe für mich ja die Methode des „Outlining“ gewählt, das heißt, bevor ich mit dem Schreiben des geplanten Romanes loslege, konzipiere ich intensiv. Ich kenne meine Charaktere, ich weiß, wo ich beginne und habe klare Vorstellungen vom Ende. Und ich habe die wesentlichen Plotpoints, also Vorkommnisse und Wendungen festgelegt.
Auch, wenn ich durch diese Methode schneller wieder hineinkomme, gilt für mich, was für alle gilt, auch diejenigen, die direkt drauflosschreiben: Ist man mit dem Kopf – und dem Herz – nicht in der Geschichte, tut man sich schwer.
- Man weiß dann nicht mehr, was vorher war.
- Man kann sich schlecht richtig einfühlen in die Charaktere und deren Welt (was wichtig ist, damit man nicht als AutorIn nur von außen konstruiert, denn das merken die Leser).
- Dadurch holpern die Ideen, was als nächstes passiert … und auch das Schreiben.
Wenn Sie viel schreiben, haben Sie einen großen Vorteil: Sie wissen, wie Sie ticken. Ich weiß zum Beispiel, dass ich erst so richtig ins Schreiben eintauche und wie ein Wasserfall schreibe, wenn ich ganz genau weiß, was ich möchte und meinen Kopf richtig schön drumherum gewickelt habe.
Wenn Sie bisher aber das Schreiben vor sich herschieben und immer mal hie und da ein bisschen was machen, ist es schwierig, auf einen grünen Zweig zu kommen. Darum bleibt für so viele, die wenig schreiben, der Traum des eigenen Buches so vage. Man kommt nie richtig rein, lernt nicht, in Fluss zu kommen und tut sich vor allen Dingen schwer, seine Texte richtig einzuschätzen.
Kontinuität ist daher immer eine gute Idee. Für mich heißt das, dass ich mich ab jetzt wieder regelmäßig mit meinen Charakteren befasse, um den persönlichen Bezug nicht zu verlieren, sondern zu intensivieren. Denn auch, wenn ich nicht explizit am Roman weiterarbeite, nützt es mir als Autorin, meine Charaktere richtig gut zu kennen. Das Backstoryschreiben ist, wie gesagt, nicht meins. Also nähere ich mich anders an.
Fangen Sie klein an!
Für alle, die ganz frisch mit dem Schreiben anfangen, heißt es, kleine Brötchen zu backen. Nicht gleich ein ganzes Buch anzufangen, sondern sich erstmal an kleineren Texten auszuprobieren.
Das ist sowieso ein klassischer Fehler – auch in anderen Bereichen: sich zu übernehmen. Dann gibt man entweder frustriert auf oder dümpelt mit schlechter Form vor sich hin.
Kurioserweise ist das Schreiben etwas, das viele von sich als „müsste ich können“ verlangen. Was meinen Sie, wie oft ich in Workshops höre „Mist! Ich kann das nicht so gut wie du!“ oder „Wieso fällt mir das nicht ein?“ – Hallo??? Ich schreibe bereits mein ganzes Leben intensiv und seit über zehn Jahren täglich. Natürlich habe ich damit einen enormen Vorsprung, was Erfahrung, Schreibroutine … und Übung! … angeht.
Genau das, was ich Ihnen hier wieder mal ans Herz lege.
Und mir auch, denn der Roman ist mein Neuland.
So, und jetzt bin ich gespannt, welche Fortschritte es bei den LeserInnen-Projekten gab. Anja ist ja konsequent dran … Stefanie? … auch Neuzugänge sind herzlich eingeladen, hier monatlich über ihre Fortschritte – oder den gelegentlichen Stillstand – zu berichten.

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