Früher, als ich noch Bewerbungsgespräche geführt habe, saß mir immer mal ein Kandidat gegenüber, der im ersten Interview Sachen sagte wie: “Wer sind denn genau unsere Kunden?” oder “Wie ist denn unsere Strategie in puncto Internet?”
Unsere?
Eben bekomme ich eine E-Mail von einer mir völlig unbekannten Plattform, die will, dass ich einen link auf sie setze. Nach dem üblichen Seriengeschwätz kommt diese Grußformel:
Herzlichen Dank im Voraus für Ihre Zusage und Ihre Mitarbeit.
Lustig.

Mitmachen!


Übergriffig empfinde ich das.
Bewerbungsanschreiben sind dafür eine unerschöpfliche Quelle, weil “selbstbewußte” Formulierungen oft in (Un-) Ratgebern empfohlen werden. Ob en Bewerber der Richtige ist, werd´ICH ihm dann schon sagen …
Andererseits finde ich es manches Mal sehr schwierig, die Balance zwischen diesem Übergriffigen und dem üblichen “Ich würde mich freuen, wenn …” ausdrucksmässig hinzubekommen.
Ich glaube, ich überprüfe meinen letzten Brief lieber noch ´mal …
Danke für die Anregung!
Andrea S. Nolte
Unangenehmes Vorspreschen find ich nicht nur übergriffig, sondern ziemlich arrogant. Seitdem ich aktiver auf Xing bin, erhalte ich sehr viele Kontaktanfragen. Darunter sind dann auch Menschen, die mir Probleme andichten und meinen, dass sie diese dann auch hervorragend lösen können
Hä, wer hat denn da ein Problem?!? Ich weiß immer noch am Besten, wo bei mir der Schuh drückt und suche dann selber die passenden Wege und Unterstützer aus!
@ Andrea S. Nolte: Wenn ich ein Kundenbrief, -E-Mail schreibe, dann ende ich mit einem netten Gruß und beispielweise mit “Ich freue mich, wenn ich Sie tatkräftig unterstützen kann.” Ist auch wirklich so gemeint von mir, weil mir wirklich etwas an dem neuen Kunden liegt und ich mich auf die Zusammenarbeit freue.
Floskeln wie: “Nur durch meine Unterstützung können Sie xy wirklich erreichen” oder “Wann wollen wir unseren ersten Termin machen” sollte man sich wirklich sparen.
Herzliche Grüße
Volkert Brammer
@Andrea
Das stimmt! Mich schüttelt es auch oft, was so in manchen Ratgebern steht. Früher habe ich ja auch Bewerbungscoachings gemacht, und da waren die Leute oft ganz entsetzt – und erleichtert -, als ich ihnen sagte, wie ungut viele Dinge wirken. “Aber das habe ich aus diesem einen Buch”/”Das hat mir der letzte Coach so gesagt!”
@Volkert
Haha, ich habe sehr über das “Probleme andichten” gelacht und auch über das “Wann wollen wir unseren ersten Termin machen”. An beiden Beispielen sieht man auch wieder, welche Rolle das Timing spielt! Da schließt sich wieder der Kreis zum Bewerbungsbeispiel. Ich habe den Leuten immer gesagt: “Fragt doch nicht gleich als erste Frage im Interview, wieviel Geld es gibt! Soweit ist es da doch noch lange nicht! – Ihr fragt doch auch nicht jemandem beim ersten Date zum Auftakt “Willst du eigentlich Kinder?”