Da haben Sie den Salat: Gründe für langweilige Texte

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einschlaeferndManchmal sind Texte einfach schnarchnasig. Spätestens, wenn Leser nur lauwarm oder gar nicht reagieren, merkt mans. Oft ist einem aber auch schon beim Schreiben bewusst, dass ein Text irgendwie blutleer ist. Das Gemeine: Man verliert dann auch selbst schnell die Lust (und wenn es öfter vorkommt, redet man sich ein, dass man einfach nicht schreiben kann).


Das Thema „langweilige Texte“ ist gleichzeitig der beste Beweis, dass – und inwiefern – schreiben erlernbar ist. Denn hier kommt eindeutig das Handwerk zum Tragen. Doch was heißt das überhaupt: Ein Text ist langweilig?

Ein Langeweile-Grund ist, dass es weder Botschaft noch Ziel gibt: Der Text läuft auf nichts richtig hinaus, er plätschert so dahin. Der Autor hat weder eine klare Message, noch führt der Text irgendwohin. Am schlimmsten wird es, wenn man als AutorIn versucht, nach allen Seiten offen (unangreifbar?) zu bleiben und sich durch ein Thema durchlaviert.

Übrigens ist für VielschreiberInnen auch die Fachroutine oft Stolperstein. Wenn man schon zum Hundertsten Mal dieselben Informationen gegeben hat. Ich habe zum Beispiel früher viele Bewerbungstipps geschrieben und war irgendwann an einem Punkt, wo das Thema für mich nicht mehr spannend war. Also habe ich eine Weile weitergemacht. Die Texte waren immer noch nützlich, aber ich habe sie schon augenrollend geschrieben. Dann kam der Punkt, wo ich das Gefühl hatte „Wenn ich noch ein Mal erklären muss, wie ein guter Lebenslauf ausschaut, bekomme ich einen Schreikrampf!“ – Da war dann das Maß voll. :mrgreen:

Manchmal sind Sie in einem Thema etabliert, es ist vielleicht das Kernthema Ihres Business, aber wenn es Ihnen selbst über ist, dann hören Sie auf, Grundlagentipps zu geben und machen Sie sich Ihr Thema selbst wieder spannend, indem Sie Teilbereiche aufgreifen oder Ihre bisherigen Tipps über Bord werfen und sich aufregendere ausdenken.

Ein zweiter Langeweile-Aspekt: Es gibt zwar Botschaft und Ziel, aber beide jucken Ihre Leser nicht. Jetzt kommt es drauf an: Wird wenigstens teilweise Interesse geweckt oder geht einem der Inhalt, wie man so schön sagt, regelrecht am Arsch vorbei? Ich drücke das absichtlich so deutlich aus. Sie kennen dieses komplette Gleichgültigkeitsgefühl bestimmt selbst, zum Beispiel wenn Sie ein Buch lesen oder einen Film ansehen und es Ihnen völlig egal ist, was da vor sich geht.

Gründe und Lösungen dafür finden Sie hier:

Besonders das gute alte Plankton-Thema ist wichtig: So richtig relevant werden Texte für Ihre Leser dann, wenn sie konkret werden. Zu große Themen arten in oberflächliche Grundlageninformationen und den üblichen Tipps aus. Klar heruntergebrochene Themen, die Sie in die Tiefe besprechen, sind viel aufregender und nützlicher für Ihre Leser.

Anstatt also zum x-ten Mal allgemein über „So gehen Sie mit Peinlichkeiten in Präsentationen um“, schreiben Sie doch Klartext: Was ist, wenn Sie in einer Präsentation rülpsen, stottern oder mittendrin dringend aufs Klo müssen? JETZT wird es konkret. Übrigens haben davor viele Autoren Angst, denn jetzt heißt es auch konkret zu sagen „Mach dies und jenes“ und nicht einfach „solche Bedürfnisse sind menschlich, schämen Sie sich nicht, sondern bleiben Sie souverän“.

Zum dritten ist da die Eintönigkeit: Ein Text liest sich flach. Das basiert oft auf Wortwahl und Textaufbau, besonders wenn sich vieles wiederholt. Es kommt aber auch vom gefürchteten Frauenzeitschriftenniveau: Sie schreiben so oberflächlich, dass der Leser ein „Ächz, schon wieder“-„Kenn ich doch alles schon“-Gefühl hat.

Fünf typische Eintönigkeitsauslöser

… sehen wir uns näher an:

1. Ausdruckslose Wörter:

Besonders schlimm sind die Universalwörter, die wir dauernd nutzen, zum Beispiel „machen“:

Seit über zehn Jahren mache ich Beratungen für meine Kunden. Immer öfter mache ich mir Gedanken, wie es weitergehen soll. Will ich diesen Beruf wirklich bis zur Rente machen? Wieder einmal stecke ich fest. Oh, schon zwölf Uhr! Mittagspause. Am besten erst Mal Abstand gewinnen und ein Spiegelei machen.

Jaaaa, das ist jetzt nur ein unsinniger Beispieltext, aber er illustriert sehr schön, wie schnell ein Universalwort jeden Text blutleer macht. Lassen wir mal die Sätze im Prinzip so stehen, aber vermeiden wir das dauernde „machen“:

Seit über zehn Jahren berate ich meine Kunden. Immer öfter überlege ich, wie es weitergehen soll! Will ich diesen Beruf wirklich bis zur Rente ausüben? Wieder einmal stecke ich fest. Oh, schon zwölf Uhr! Mittagspause. Am besten erst Mal Abstand gewinnen und ein Spiegelei brutzeln.

Der Clou ist, dass Sie Ihre Standardbegriffe austauschen. Das können solche Universalwörter sein, es können aber auch einfach Begriffe sein, die Sie am meisten nutzen. Wie man an diesem kurzen Beispiel erkennt, beleben nicht nur die kraftvolleren Wörter den Text, sondern auch die Formulierungen werden automatisch vielseitiger, weil man durch den Einsatz mancher Wörter den Satz einfach anders aufbauen muss. Und schon bringen Sie Abwechslung in Ihre Schreibe!

In der Wortschatz-Kategorie finden Sie zahlreiche Übungen, wie Sie spielerisch knalligere, treffendere und andere Wörter in Ihren aktiven Wortschatz aufnehmen können.

2. Gleicher Satzbau und ähnlicher Rhythmus.

Genauso, wie Wörter für Eintönigkeit sorgen können, kann natürlich der Satzbau langweilen (sogar, wenn die Wörter sehr lebendig sind!). Denken Sie an die Aufsätze in der Grundschule:

Dann war ich wütend und habe mein Fahrrad in die Ecke gepfeffert. Mein Bruder hat das Fahrrad aufgehoben und das Schutzblech geradegebogen. Er hat mich animiert, es noch mal zu probieren und nicht so schnell aufzugeben. Ich hatte aber keine Lust mehr und bin reingegangen.

Besonders, wenn man ein Erlebnis schildert – ob bei einer Erzählung oder in einem Businesstext -, ist es viel schöner, wenn man die Leser richtig miterleben lässt, was gerade passiert anstatt nur zu beschreiben. In einem früheren Workshop war meine Auftaktaufgabe immer: „Nimm eine total banale Sache, zum Beispiel wie du morgens den Kaffee machst, aber jetzt nimm mich als Leser sozusagen mit. Lass mich richtig miterleben, wie du den Kaffee machst!“ Manchmal kann das auch bedeuten, die Zeit zu ändern, zum Beispiel:

Wütend pfeffere ich das Fahrrad in die Ecke. Mein Bruder hebt es auf und biegt das Schutzblech gerade. „Komm, gib nicht gleich auf. Probiers gleich noch mal!“ Aber mir reichts für heute. Ich geh rein.

… natürlich kann man das auf vielfältige Art machen. Und genau das ist die tolle Nachricht: Beim Schreiben haben Sie derart viele Freiheiten und Gestaltungsmöglichkeiten, dass es weder Ihnen noch Ihren Lesern je langweilig werden muss.

3. Sie veröffentlichen viel – zum Beispiel in Ihrem Blog oder einem Newsletter, aber alle Texte sind nach „Schema F“ aufgebaut.

Achtung, aufgepasst! Es ist überhaupt nichts dagegen zu sagen, dass Texte nach gewissen Schablonen aufgebaut werden. Sie können sich sogar für eine einzige Artikel-Form entscheiden, zum Beispiel „XX Tipps/Dinge/Gründe/No-Nos/überraschende Kniffe … für …“ und nach demselben Muster am laufenden Band völlig unterschiedliche, vielseitige Texte produzieren.

Nachteilig ist es nur, wenn Sie auch in der Ausführung den immer gleichen Aufbau haben. Und da fällt mir jetzt ein früherer Sporttrainer ein. Der hat eine „Bauch-Beine-Po“-Stunde abgehalten, die – wie fast alle Stunden – aus den gleichen Standardübungen bestand. Das aber war nicht das Problem! Anfangs waren seine Stunden genial. Das Problem war, dass er jede einzelne Stunde identisch abgehalten hat. Es war schon fast eine Kunst. Man hätte ein Tonband mitlaufen lassen können und übereinander legen: Identisch! Das hat mich nach einiger Zeit genervt, danach aggressiv gemacht und schließlich konnte ich seine Stunden nicht mehr ertragen, weil alles so vorhersehbar und gleich ablief.

Genau so kommt auch bei Texten Langeweile zustande. Sorgen Sie nun wenigstens dafür, dass ein hoher Mehrwert drin ist, bleiben Ihre Leser dennoch bei der Stange. Aber wenn nicht mal das gewährleistet ist, verlieren gerade die Stammleser nach und nach das Interesse.

4. Zu langatmig.

Langatmigkeit hat ebenfalls viele Gesichter: Sie haben vielleicht eine endlos lange Hinführung zum Thema, anstatt endlich auf den Punkt zu kommen. Wenn es ganz schlimm läuft, verstehen Leser lange nicht, worauf Sie überhaupt hinaus wollen. Rätselraten führt aber zu Aufmerksamkeitsverlust, denn wenn unser Gehirn noch damit befasst ist, sich überhaupt zu orientieren, können wir das Gelesene nicht im Einzelnen aufnehmen.

Langatmigkeit kann sich auch in Bandwurmsätzen äußern. Die sind nicht nur schwerer verständlich, was unser Gehirn wiederum auf ein falsches Gleis bringt (Ich bin es, das Gehirn Ihrer Leser!), sondern sie nehmen einem Text auch Tempo. Mehrere kurze Sätze sind viel besser verständlich und bringen zudem Dynamik rein. Natürlich müssen wir hier auch gleich noch von Hauptwörtern und Verben reden. Endlossätze strotzen nämlich oft vor Hauptwörtern, was die ganze Chose noch kantiger macht:

Selbstmanagement ist keine triviale Angelegenheit, wie die vielen Methoden beweisen, die gerade in den letzten zwanzig Jahren in diesem steigenden Marktsegment veröffentlicht werden, ein Trend, der sicher auch in naher Zukunft – auch durch die Entwicklungen in der Telekommunikations- und Informationstechnologie – sicherlich weiter verschärfen wird.

Uäh … Texte, die aus solchen umständlichen Bandwurmsätzen bestehen, lesen sich langatmig und anstrengend.

Selbstmanagement ist alles andere als trivial! Obwohl in den letzten zwanzig Jahren unzählige Methoden veröffentlicht wurden, ist in diesem Segment kein Ende in Sicht. Erst recht, weil Telekommunikation und Internet unsere Welt immer weiter beschleunigen.

5. Keine Abwechslung, was Textelemente und Stilmittel angeht.

Nun könnten wir über Dramaturgie sprechen, also einen spannenden Textaufbau, der Ihre Leser lockt und zum Dranbleiben animiert. Aber bleiben wir bei einem ganz einfachen Basic: der Abwechslung im Text.

Es gibt so viele Stilmittel! Die hier genannten Beispiele, wie die Zeit zu wechseln oder wörtliche Rede einzubauen, deuten das bereits an. Doch Ihre Texte werden auch lebendiger durch Elemente wie Leitfragen, Übungen, Beispiele.

Auch Aufzählungen oder hervorgehobene Kästen mit zentralen Aussagen machen einen Text vielseitiger: 5 x Feintuning für Ihre Aufzählungen.

 

 

Autor: Gitte Härter

Ich bin x-fache Buch-Autorin, Schreibcoach + Schmarrnproduzentin. Meine Business-Zentrale mit Unterhaltungsblog ist hier: himbeerwerft.de

4 Kommentare

  1. Pingback: PR-Beiträge 03/2013: Facebook-Suche & Abmahnungen | kommunikationsABC.de

  2. Hallo Gitte, ich habe das Seminar gebucht, aber den Betrag noch nicht überwiesen und kann die Email mit den Daten nicht mehr finden. Könntest du mir das nochmal schicken?
    Danke!
    Liebe Grüße Herfriede

  3. Hallo Herfriede,

    ich habe meine Kollegin informiert, sie wird sich bei dir wegen Rechnungskopie melden.

    Solche Sachen, die sich um eine Buchung drehen, bitte am besten direkt per E-Mail machen und nicht über Blogkommentare. Danke.

    Viele Grüße
    Gitte

  4. Pingback: Was ist sinnvoll: Newsletter und Blog? - unternehmenskick.de

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