Warum im Kopf irgendwie immer alles besser ist

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imkopfheurekaIch finde meine Sachen meistens ziemlich gut, zumindest das, was ich nach außen gebe. Nicht alles ist supergut, aber okay. Doch was Sie nicht wissen, ist, dass ich im Kopf viel genialer bin.

Da bin ich superoberkreativ, extraspannend, ultraclever.

Da bin ich wahnsinnig witzig und überrasche mich mit den besten Ideen auf der ganzen Welt, die noch niemand vor mir hatte!

Leider bekommen Sie diese Genialität nicht zu sehen. Denn vieles bleibt in meinem Kopf und das, was rauskommt, ist dann „in echt“ auf einmal gar nicht mehr so genial.

Was ist da los?

1. Im Kopf skizzieren wir erst mal nur

Wenn wir neue Ideen haben oder uns was Tolles ausdenken, das wir machen könnten, dann machen wir erst mal eine ganz grobe Skizze: Wir haben eine grobe Vorstellung von einer wahnsinnig cleveren Buchidee oder von einem scharfzüngigen Leserbrief, uns fällt die großartigste Produktidee des Jahrhunderts ein … Ein Kühlschrank, der den Boden wischt und mit mir Walzer tanzt!

In diesem Stadium müssen wir uns um nichts kümmern. Wir phantasieren ein Prinzip oder ein Ergebnis. Details und Umsetzung spielen noch keine Rolle. Es gibt noch keinen Boden der Tatsachen.

2. Wir denken nur und tun nichts.

Ich weiß nicht, wie das bei Ihnen ist, aber bei mir bleiben viele Sachen im Kopf so viel besser, weil ich gar nichts damit tue. Natürlich nicht nur, wenn es ums Schreiben geht.

Unzählige Male hatte ich zum Beispiel großartige Ideen für Geschenke: „Aaah, dieser tolle Ansprechpartner wechselt die Firma, dem schicke ich ein geniales Abschiedspaket mit diesem und jenem“ oder „zum runden Geburtstag mache ich aufwändig ein Geschenk selbst, ich weiß auch schon genau, was“. Toller Plan! Freudige Aufregung. – Am Ende bliebs bei der Dankes-Postkarte und dem Kaufgeschenk.

3. Wir machen von vornherein Abstriche.

Manchmal ist es die schiere Masse an Ideen. Oder der volle Alltag, in dem auch diese eine super Idee keinen Platz mehr zu haben scheint.

Dann passiert oft was Gemeines: Es kommt zum faulen Kompromiss. Der Plan im Kopf, der so gut war, ist nur noch ein lauwarmer Abklatsch, weil er so schneller fertig wird oder besser zu bewältigen ist. Oder aber, weil es nicht anders ging. Womit wir beim nächsten Grund wären.

4. Wir wollen, aber können nicht.

Muss man sich nicht um die Umsetzung kümmern, merkt man oft nicht, dass man eine Sache noch gar nicht kann. Ich kann Ihnen jederzeit mein Traumhaus aufmalen – hier ein Balkon, da ein offener Kamin, so soll die Küche aussehen. Aber wirklich planen könnte ich es nicht. Da fehlt mir schlichtweg das Fachwissen dazu. – Beim Hausbau wissen wir natürlich um diese fachlichen Grenzen, doch was ist mit den Vorhaben, wo einem das eigene Unvermögen nicht bewusst ist?

Wenn wir eine tolle Vision haben, zum Beispiel für unser Firmenlogo und es vor unserem geistigen Auge genial ist, aber wenn wir im Grafikprogramm rumdoktern nur mittelmäßiger Quark rauskommt? Passt man jetzt nicht auf, gibt man sich mit einem schlechten Ergebnis zufrieden – oder findet es sogar subjektiv ganz gut – obwohl es weit weg von der genialen Idee ist. Nur weil wir nicht (genug) wissen oder es nicht können.

Klar, das ist einer der schwierigsten Punkte, weil man nicht immer die eigene Leistung auch einigermaßen objektiv beurteilen kann oder schlichtweg lieber mit Abstrichen lebt, als sich eine neue Fähigkeit anzueignen oder jemanden um Unterstützung zu bitten.

5. Wir wollen „eigentlich“ gar nicht tun.

Tja, manchmal heißt es Hand aufs Herz. Etwas haben oder können wollen, eine Sache „vielleicht irgendwann mal tun oder erreichen“, das ist manchmal einfach nur so ein Gedanke.

Die Qualität ist unterschiedlich: Ein halbherziges Vorhaben à la „Ich sollte/könne mal“ oder jemand vermittelt einem das Gefühl, dass man könnte/sollte/müsste.

Oder es ist ein richtiger Traum, an dem man sich freut, aber völlig zufrieden ist, diesen Traum – als Traum – zu haben. Als Möglichkeit. Als motivierendes „Irgendwann!“

Was hier nicht steht …

In meinem Kopf hätte ich hier noch ein paar supergeniale Tipps geschrieben, wie man das löst und gleichzeitig den Weltfrieden herstellt. Aber das schaffe ich gerade von der Zeit her nicht. 😉

Dafür fiel mir gerade noch ein verwandter Text ein: „Für andere kann ich’s!“

Geht es Ihnen auch manchmal so, dass im Kopf alles viel besser ist?
Gibt’s was zu ergänzen?

 

Autor: Gitte Härter

Ich bin x-fache Buch-Autorin, Schreibcoach + Schmarrnproduzentin. Meine Business-Zentrale mit Unterhaltungsblog ist hier: himbeerwerft.de

11 Kommentare

  1. Liebe Gitte,

    … das kommt mir ja sowas von „bekannt“ vor, als wär’s aus meinem Kopf!
    Ich finde allerdings, wenn man es wenigstens schon als solches erkennt und darüber schmunzeln 😉 kann, ein guter Ansatzpunkt zum Weitermachen …
    Einen schneefreien, aber sonnigen Gruß aus Thüringen
    Elfi

  2. *****
    (fünf Sterne)

    Wie mich das freut!
    Es gibt noch jemand, dem es so geht wie mir!
    Und es freut mich, dass du das so schön „aufgelistet“ hat.

    zu ergänzen (von meinem Gesichtspunkt)
    1. manche Ideen sind irgendwie zu „ausgeflipst“
    2. Manchmal fehlt mir der Mut
    ABER! da wird’s jetzt spannend:
    Ich habe mehr Mut als früher 🙂

    Liebe Grüße mit Dank!
    Maria

  3. Liebe Gitte,

    super, genial beschrieben !

    Viele Grüße
    Volkmar

  4. Hi Gitte,
    das ist wunderbar erfrischend.
    Skizzen bereichern bei mir auch so manche Blöcke und unterwegs vollgeschriebene Zettelchen. Manchmal wird mehr daraus, oft kann ich die Fülle gar nicht sortieren…
    Doch eins fehlt mir in Deiner Sammlung komplett: Allein das „Ideen spinnen“ bereichert mich ungemein – ganz unabhängig davon, was dann daraus erwächst ;o)
    …in diesem Sinne frohes „Spinnert-sein“!
    Silke

  5. liebe gitte,

    bei mir ist es hin + und wieder so, dass ich mir denke:
    für MICH ist es ja genial, aber ob meine kunden das auch so sehen?
    für mich war es da schon öfters hilfreich, vor allem geschäftsideen mit jemand anderem zu besprechen 🙂
    insgesamt hab ich aber auch sowas wie einen thinktank – da kommen alle genialen ideen hinein. eigentlich sind es postits, die nebem meinem schreibtisch mit ideen am regal kleben. solang ich sie super finde, bleiben sie da auch. und wenn sie wichtig genug sind, werden sie auch zum leben erweckt. sonst erwischt sie leider punkt 5 😉
    liebe grüße! sabine

  6. Da gibt es also noch jemanden, der im Kopf noch viel genialer ist. Und ich dachte, ich bin allein 🙂

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  9. Hallo Gitte,
    ja – das kommt oft vor. Speziell bei Dingen, die nicht eigentlich das eigene Metier betreffen (weil man glaubt etwas zu können, was man aber nicht wirklich kann).
    In der Architektur kommt noch ein weiterer Grund dazu : der finanzielle Aspekt.
    Da werden dann billigere Materialien genommen, dort und da was weggelassen, das Ganze dann insgesamt ein bisschen (!) kleiner usw.
    Das liegt dann aber meistens nicht am Architekten, sondern am Bauherrn.
    Beim Malen ist es mir voriges Jahr speziell bei einem Bild gelungen, dass es genauso wurde – wenn nicht besser- wie ich es im Kopf hatte. Ich hatte eine ganz genaue Vorstellung – und dann habe ich allein am Hintergrund 2 Monate gemalt – und es hat sich gelohnt!

  10. Hallo zusammen,

    ja, man ist da doch selten alleine („Geht also nicht nur mir so“). 😉

    Vielen Dank für die ergänzenden Facetten und Sichtweisen.

    Einen schönen Nachmittag weiterhin,
    Gitte
    (gerade etwas im Telegrammstil unterwegs)

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