Interview mit Buchautorin Ulrike Bergmann

| 2 Kommentare

ulrikebergmannMutmacherin Ulrike Bergmann ist mehrfache Buchautorin und war so nett, einige Fragen für Sie zu beantworten.

„Mit Leichtigkeit zum Ziel“, das kürzlich erschienen ist, ist schon dein viertes Buch. Warum schreibst du so gerne Bücher? Und: Warum lagen zwischen dem letzten Buch und dem jetzigen über zehn Jahre?

Zum Schreiben bin ich 1990 durch einen Kurzgeschichten-Workshop im Haus Buchenried gekommen. Anschließend habe ich beim Workshop-Leiter Jürgen vom Scheidt zwei Jahre in einer Gruppe ein Wochenende im Monat geschrieben.

Das Schreiben hat mir damals in gewisser Weise das Leben gerettet, denn es war ein wichtiger Ausgleich in einer Zeit großer Orientierungslosigkeit.

Als ich zwei Jahre später aus dem Unternehmen ausschied, entdeckte ich während der Vorbereitung auf die Selbständigkeit die „Morgenseiten“ von Julia Cameron: sortieren, Kopf entlasten, Ideen spinnen. Sieben Jahre lang schrieb ich täglich diese drei Seiten. 🙂

Bereits gegen Ende des Kurses „Die Kunst der Kurzgeschichte“ stand in einem Cluster (eine Art Mindmap): 1997 veröffentliche ich mein erstes Buch. So kam es dann auch: Im Frühjahr 1997 wurde ich in einem Workshop von einer Lektorin angesprochen, ob ich Interesse hätte, ein Buch zu schreiben. Da hatte ich meinen prophetischen Satz längst vergessen … Diesem ersten Buch „Erfolgsteams. Der ungewöhnliche Weg, Ziele zu erreichen“, das im Frühjahr 1998 erschien, folgten im 2-Jahres-Rhythmus zwei weitere Bücher: „Erfolgreich als Einzelunternehmer. Von der Idee zum Ziel“ und „Start frei zur Kooperation. Wie Sie die richtigen Geschäftspartner finden und erfolgreich zusammenarbeiten.“ Alle drei Bücher sind heute nicht mehr im Handel, sondern nur noch antiquarisch erhältlich.

Kurz vor der Veröffentlichung des Kooperationsbuches gab es große Veränderungen im Verlag. Der Bereich, in dem dieses Buch erschien, wurde dicht gemacht und so fand das Buch nicht die gewünschte und erhoffte Resonanz. Und ich hatte erst mal die Nase voll. Seither habe ich noch zwei Anläufe – 2005 und 2011 – gemacht, denn so ganz ohne war es auch nichts. In beiden Fällen hatte ich einen Autorenvertrag und beide Male passten unterschiedliche Faktoren nicht, so dass es zu keiner Veröffentlichung kam. Daher hat es schließlich elf Jahre gedauert, bis jetzt mein viertes Buch auf dem Markt ist.

Da du auch sonst viel veröffentlichst, unter anderen in deinem Mutmacher-Magazin seit langem bloggst: Wo sind für dich die größten Unterschiede beim Schreiben, wenn es um kleine Artikel geht und wenn du ein Buch schreibst?

Ein Buch braucht ein übergeordnetes Thema, das je nach Art über einen Umfang von 100 bis 200 Seiten „trägt“ und den Leser bei der Stange hält. Blogbeiträge und Artikel hingegen leben vom Fokus auf einen Ausschnitt. „Plankton“ – wie Du es so treffend bezeichnest.

Das schließt nicht aus, dass aus Blogbeiträgen oder einer Artikelsammlung ein gutes Buch entsteht. Es ist nur eine völlig andere Art, an ein Thema heranzugehen. Ein Buch erfordert eine andere Struktur und einen breiteren Blickwinkel.

Was fällt dir am Buch-Entstehungsprozess sehr leicht, was schwer? Vielleicht gibt es auch was, das du am liebsten hast und was du total furchtbar findest?

Mir fällt es sehr leicht, eine schlüssige Gliederung für ein Buch zu liefern. Selbst wenn ich darüber hinaus noch keine Vorstellung vom Inhalt habe. Dabei hilft mir meine Fähigkeit, logisch-strukturiert zu denken, die ich im (nicht sonderlich geliebten) Jura-Studium erworben habe.

Das Schreiben selber ist teils leicht, teils mühsam und herausfordernd. Das kommt auch darauf an, unter welchen Rahmenbedingungen ein Buch entsteht. Mein erstes Buch habe ich – dank einer kleinen Erbschaft – an einem Stück geschrieben. Ich konnte über zwei, drei Monate voll eintauchen und alles drehte sich um dieses eine Thema. Alle anderen Bücher entstanden „im laufenden Betrieb“, also parallel zum normalen Business. Das bedeutet, immer wieder neu ins Thema bzw. das jeweilige Kapitel einzusteigen.

Generell schwierig finde ich die „Einsamkeit des Schreibens“ – ich entwickle Ideen am besten im Austausch mit anderen. Daher wäre meine Idealvorstellung eine zeitlich befristete „Autoren-Kommune“.

Wie leicht oder schwer war es für dich, deine Buchideen jeweils bei einem Verlag unterzubringen?

Das war immer einfach.

Beim ersten Buch wurde ich gefragt. Das zweite entstand im gleichen Verlag durch einen Vorschlag von mir. Da wussten sie schon, was ich liefere, auch wenn mir das Thema – Selbständigkeit – zunächst nicht zugetraut wurde. Daher sollte es zunächst ein Gemeinschaftsprojekt mit einer im Thema sehr erfahrenen Co-Autorin werden. Allerdings stellte sich bald heraus, dass die Chemie zwischen uns und die Vorstellungen, die jede von den Inhalten hatte, überhaupt nicht zusammenpassten. Es endete damit, dass jede einen eigenen Ratgeber schrieb. Meiner schaffte es immerhin in zwei Auflagen. 🙂

Grundsätzlich habe ich erlebt: wenn Thema und Person zusammenpassen, geht die Verlagssuche leicht. Wer sich die Suche und die Verhandlungen nicht zutraut, kann auch mit einer Agentur arbeiten – aus meiner Sicht und ein wenig eigene Erfahrungen mit einem der nicht veröffentlichten Bücher eine gute Lösung.

Du bist ja auch selbstständig und schreibst so ein Buch sozusagen nebenher. Wie organisierst du deinen Schreibprozess? Wie lange brauchst du für ein Buch?

Bei mir muss ein Buch schnell vom Tisch sein. Ich kann mir nur schwer vorstellen, ein halbes Jahr oder länger daran zu schreiben. Dies bezieht sich nur aufs Schreiben selber, ohne die Vorbereitungszeit, die noch dazu kommt, bei mir jedoch eher nebenbei läuft. Da sammle ich alles, was mir zum Thema über den Weg läuft.

Beim aktuellen Buch lief es so ab:

Den August hatte ich mir von anderen größeren Aufgaben weitgehend frei gehalten. In dem Monat ist in Bayern wegen der Ferien ohnehin weniger los. Ich bin sogar eine Woche in ein Ferienhaus abgetaucht, wo ich die Rohfassung erstellte. Diese gab ich anschließend einer Freundin zum Lesen, die auch meine ideale Leserin ist – und startete nach ihrem Feedback noch einmal von vorne. Auch so etwas kommt vor, selbst wenn man Schreib-Profi ist. 😉

Um den dadurch auf den Kopf gestellten Zeitplan einzuhalten, habe ich anschließend etwa sechs Wochen jeden Vormittag 2-3 Stunden am Buch geschrieben und Beratungstermine auf die Nachmittage gelegt. Geholfen hat auch, dass ich mir schon seit einigen Jahren eine Woche pro Monat für größere Projekte und konzeptionelle Arbeit freihalte. Dadurch war es mir möglich, den vereinbarten Abgabetermin für das Manuskript einzuhalten.

Was haben dir deine Buchveröffentlichungen bisher für dein Business gebracht?

Mit dem ersten Buch habe ich sehr schnell meinen Bekanntheitsgrad gesteigert. Hier hatte ich eine große Presseresonanz und auch einige Fernsehauftritte. Das zweite Buch hat mir die Türen in die Gründerberatung und zur IHK geöffnet – heute ist dieser Bereich mein wichtigstes und auch liebstes Standbein. Das dritte Buch schließlich war inhaltlich einmalig, da es das Thema Kooperation für die Solo-Unternehmen zum Inhalt hatte, wirtschaftlich jedoch ein Flop, zumindest für den Verlag.

Mit dem neuen Buch zeige ich mich wieder mehr in der Öffentlichkeit. Ich möchte Menschen damit Mut machen, ihre Vorstellungen von einem sinnerfüllten Leben ernst zu nehmen und ihnen zu zeigen, wie sie dafür ihren eigenen Weg finden und gehen. Das ist schon seit vielen Jahren mein Anliegen und meine Erfahrungen und Vorgehensweisen habe ich darin gebündelt. So wurde es – wie es eine Leserin ausdrückt – zu einem „umfassendes Werk gespickt mit einem riesigen Strauß an Lebenserfahrung, der mich auf meinem Lebensweg voranbringt“. Ein schönes Kompliment und Bestätigung, dass mir gelungen ist, was ich mir vorgenommen hatte. 🙂

Allerdings stelle ich auch fest, dass die Buchvermarktung heute anders läuft als noch vor zehn Jahren. Bücher müssen heute viel stärker und klarer positioniert werden, damit sie von den Medien wahrgenommen werden. Das erfordert vom Autor einen hohen eigenen zeitlichen und finanziellen Einsatz – zumindest solange man noch ein „no name“ in der Öffentlichkeit ist. Zudem öffnet ein Buch Türen, die andernfalls verschlossen bleiben. Und schon dafür lohnt sich der Aufwand.

***

➡ Lesen Sie auch in Ulrikes Blog: Buch-Träume? 5 Fragen, die Sie sich stellen sollten

***

 

bergmann-buch

Mit Leichtigkeit zum Ziel
Mutig dem eigenen Weg folgen

Ulrike Bergmann

C.H. Beck
Buch bei amazon.de anschauen/bestellen

 

 

Autor: Gitte Härter

Ich bin x-fache Buch-Autorin, Schreibcoach + Schmarrnproduzentin. Mein Zeichen-Blog ist hier: himbeerwerft.de

2 Kommentare

  1. Pingback: Buch-Träume? 5 Fragen, die Sie sich stellen sollten | Mutmacher-Magazin

  2. Liebe Ulrike, bin heute auf Dein neuestes Buch gestoßen und finde es großartig – Gratuliere!!!
    Da mein Buch „Signale des Körpers“ Wie Sie besser leben, wenn Sie Ihrer inneren Stimme vertrauen, seit drei Monate am Markt ist und sehr erfolgreich wurde, interessiert mich natürlich Deine Erfahrung.
    Vielleicht können wir uns auch wieder mehr vernetzen unser Telefoncoaching hat mir damals den ersten Kick in meinen Wiedereinstieg gegeben. Danke!
    Liebe Grüße Claudia

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.