Korrespondenz/Marketing

Bitte empfehlen Sie mich nicht weiter!

Das ist die Geschichte davon, wie genial ein Newsletter samt Blog sein kann und wie sehr es sich lohnt, so richtig persönlich mit seinen LeserInnen zu reden.

Und es ist die Geschichte davon, wie absurd es erscheint, darum zu bitten, nicht weiterzuempfehlen, aber auch wie logisch Ihnen das gleich vorkommen wird.

Seit Beginn meiner Selbstständigkeit, also seit fünfzehn Jahren, schreibe ich für meine Zielgruppe. Einige werden so zu Kunden (das ist ja der Plan!), viele lesen einfach schon lange Jahre mit. 2008 habe ich mit dem Bloggen angefangen. So ein Blog gibt einem die ultimative Freiheit – in meinem Fall: die Sau rauszulassen. Und obwohl ich immer schon locker geschrieben habe, hat das Bloggen die Schleusen noch viel weiter geöffnet.

Je persönlicher ich im Newsletter und in Blogbeiträgen wurde, desto mehr bin ich mit vielen meiner LeserInnen zusammengewachsen. Seit Jahren bekomme ich unzählige E-Mails, wo drinsteht „Gitte, darf ich Sie duzen, Sie sind mir schon so vertraut“ und alle Nase lang kommt ein Kommentar, der mir zeigt, wie aufmerksam Sie lesen – und was Sie sich alles merken!

  • Neukunden sagen „ich hoffe, ich bin nett genug ;-)“, weil sie gelesen habe, dass ich nur mit netten Menschen arbeite,
  • in meinem Buchenriedkurs sind fast immer nur Leute, die aus dem Internet kommen (und oft stundenlang anreisen!), die wissen, dass mir Pünktlichkeit wichtig ist,
  • nach Workshopanmeldungen kommt oft die Mail „ich überweise sofort“, weil ich erzählt habe, dass es mich nervt, wenn ich meinem Geld hinterherlaufen muss,
  • es kommen zahlreiche Tipps gegen zu laute Laubbläser, von der Jeans fallenden Knöpfe und ich bekomme aufmunternde Mails, wenn was schiefgelaufen ist,
  • und hin und wieder werde ich auch von Neukunden liebevoll zu etwas veräppelt. :mrgreen:

Natürlich: Meine LeserInnen kennen die Schreib-Basics, die ich immer wieder erwähne. Sie sind vertraut mit dem Plankton und sie haben zumindest schon von anderen mitbekommen, dass man bei mir ganz schön ins Schwitzen kommt, es aber immer auch lustig zugeht.

„Ja, aber warum nicht em-pfehhhh-len???“

Ich bin die glücklichste Selbstständige auf der ganzen Welt: Denn ich habe ganz ganz viele, oft langjährige Stammkunden – und alle meine „Newbies“ in Workshops oder Coachings sind total lustige, vertraute Leute.

  • Sie wissen, was sie erwartet. Wie ich drauf bin. Und oft schon, wie ich vorgehe.
  • Sie wissen, dass ich mich voll reinhänge, aber niemandem den Arsch nachtrage.
  • Und da sie meine Art gut finden, ist schon gesichert, dass wir auf einer Wellenlänge sind. Was für mich total genial ist, weil ich es mit fleißigen, lustigen Leuten zu tun habe – denn auch, wenn jeder Mensch anders ist, diesen Kern haben alle meine Kunden.

… bis auf die, die über Empfehlungen kommen und noch nie auf meiner Website waren.

Das war für mich eine kuriose Erkenntnis. Aber es ist eigentlich ganz logisch:

Der normale Kunde da draußen sucht „Dienstleister X“. – „Kennst du jemanden in puncto schreiben?“ – „Ja! Die Gitte! Hier ist ihre Mailadresse und Telefonnummer.“

Die einen wollen was, das ich überhaupt nicht [oder schon lange nicht mehr] mache: Ich schreibe einen Krimi/ein Kinderbuch/eine Autobiographie … Ich suche jemanden, der Briefe lektoriert. … Ich brauche jemanden, der eine Pressemitteilung für mich schreibt … korrigieren Sie meine Bewerbung … können Sie meine Doktorarbeit optimieren?

Dann sind das auch ganz normale distanzierte Leute. Hier bin ich mir meines Luxus natürlich total bewusst: Ich bins schlicht nicht mehr gewöhnt, dass ich so business-distanzierte Kontakte habe oder gar mich als Dienstleister anbieten sollte. Nicht, dass ich das jemals gemacht hätte, aber alleine diese Erwartungen erst mal richtigzustellen, mag ich gar nicht mehr haben.

Nicht, dass die meisten Menschen nicht auch nett und unkompliziert drauf sind. Aber ich merke, dass es für beide Seiten so viel einfacher ist, wenn sie über meine Website kommen und nicht über eine zugesteckte Telefonnummer.

Darum meine merkwürdige Bitte:

Ich freue mich tierisch, wenn Sie meine Website weitergeben, wenn Sie auf Social Media aufs Blog verweisen oder den Newsletter so toll finden, dass Sie ihn empfehlen. Aber bitte geben Sie niemandem auf Stichwort „schreiben“ einfach meine Mailadresse.

Und:

Ist es nicht großartig, was für eine starke gemeinsame Bindung durch so ein Blog entstehen kann? Aber nur, wenn man sich auch zeigt.

Holldrio!