Blog + Newsletter, Zeit + Aufwand

Gastbeiträge, Interviews, Blogparaden … was bringts?

Gestern kamen wir auf Twitter so nebenbei auf Blogparaden-Beiträge. Ich fasse das mal etwas weiter: Gastbeiträge, Interviews etc. – also all die vielen Themen, zu denen man was beitragen könnte.

Nun ist es für uns Selbstständige ja nicht so, dass wir dringend auf eine Alternative zum Däumchendrehen warten, sondern meistens haben wir was anderes zu tun. Wenn es nicht gerade die gut gefüllte To-do-Liste ist, könnten wir akquirieren oder die Buchhaltung machen oder unser Business sonstwie vorantreiben …

Die erste Frage ist also ganz nüchtern:

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Beides steht natürlich im Zusammenhang, doch bevor wir uns den Aufwand anschauen [den wir beim Schreiben maßgeblich selbst mitbestimmen!] ist die Frage: Was bringts?

Ein Text, auch wenn er superschnell geht, bedeutet einerseits Aufwand beim Schreiben. Er bringt andererseits den bisherigen Zeitplan ins Rutschen. Und er bedeutet irgendwas für unser Image. Denn was wir im Internet so von uns geben, bleibt stehen. Es ist auch relevant, wo was steht. Denn für uns Selbstständige hat es je nachdem, wie das Umfeld aussieht, weitere Konsequenzen für unser Business. So nützt es Ihnen gar nichts, wenn Sie einen Text platzieren, der gerne gelesen wird, aber lauter Ich hab da mal ne Frage-Mails provoziert oder es kommen willige Kunden, die Sie gar nicht haben möchten.

Ein Text kann zwei Dinge bringen – Geld und Spaß.

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Nun ist Geld im weiteren Sinne gemeint, denn selten wird man für Texte im Netz bezahlt. Gerade Interviews, Gastbeiträge, Blogparaden & Co. werden als Marketingeinsatz gewertet. Und das ist auch richtig so! Denn Marketing soll unterm Strich ja was bringen, und wenn man das Richtige richtig macht, zahlt sich das durchaus in barer Münze aus, nämlich irgendwann in Aufträgen.

Manchmal dauert es etwas länger. Und oft gibt es verschiedene Ecken, die erst einmal angedotzt werden, bis am Ende was Lukrativeres bei rausschaut.

Das heißt aber nicht, dass jeder Text im Netz was bringt. Da wir alle eher knapp mit Zeit ausgestattet sind, ist es also wichtig, die WAHRSCHEINLICHKEIT zu prüfen, dass ein Text sich für uns lohnt.

Eine ganz simple Überlegung zum Aufwand ist es, WO man mitmacht. Für eine Blogparade, deren Thema fürs eigene Blog genau passt – oder entsprechend zurechtgebogen wird – hat man gleichzeitig einen eigenen Blogartikel erledigt, den man sowieso geschrieben hätte.

Übrigens: Wenn Sie total viel Zeit haben, weil Ihre Auftragsbücher gerade leer sind, dann ist es die schlechteste Variante, die Zeit mit Gastbeiträgen & Co. zu füllen. Denn dann heißt es, das Angebot zu überprüfen und wenn damit alles stimmt, die Zeit mit Akquirieren zu verbringen, anstatt im stillen Kämmerlein einen Blogparadentext nach dem anderen zu schreiben [auch wenn sich das nach Arbeit und Marketing anfühlt].

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass was rausspringt?

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Erster Maßstab fürs Abwägen, ob ein Text nicht nur spaßig ist, sondern als Marketingaktion taugt, ist:

Hat die andere Website eine erwiesene hohe Leserschaft, also einen viel höheren Bekanntheitsgrad? Wie relevant ist die Leserschaft für Ihr Business (= Ihre Zielgruppe)?

Klar: Beides kann jede Menge bringen. Wenn die Website, die Sie um einen Gastbeitrag bittet, total gut besucht ist, wird sie besser in Such-Ergebnissen gelistet als Ihre vielleicht noch unbekannte eigene Seite.

Doch das muss nicht heißen, dass beides gleichzeitig erfüllt sein muss. Wenn die anfragende Website nicht megagroß ist, aber dafür zu 100 % Ihre Zielgruppe bedient UND wenn Sie Ihre Leistungen auf einem Weg anbieten, den die Leser nutzen können, ist auch hier eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass ein guter Beitrag zu Aufträgen führt.

Was heißt jetzt „auf einem Weg anbietet, den die Leser nutzen können“? Ganz einfach: Wenn ich in Hintertupfing sitze und nur persönliche Beratungen anbiete, dann nützt es mir nicht so viel, wenn ich einen Gastbeitrag auf einer riesigen Website mache. Biete ich meine Beratungen aber auch per Skype oder E-Mail an, ist also für Auftraggeber egal, wo ich sitze, sieht die Wahrscheinlichkeit-dass-es-was-bringt anders aus.

Und ja: Es gibt da noch den Effekt, dass man sich als Experte etabliert. Aber das wird gerne mal zu einem Freischein, der jede Aktion irgendwie legitimiert. Denn im Internet „erreicht man ja die ganze Welt“.

Es ist schon wichtig, unsere Marketingmaßnahmen gezielt auszuwählen.

Womit wir beim Aufwand sind. Denn auch der kann sich natürlich relativieren …

Wie lange brauchen Sie?

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  • Haben Sie zum Thema schon alle relevanten Inhalte im Hirnkasterl, brauchen sie also nur kurz rauszuziehen?
  • Betreiben Sie Rechercheaufwand, um erst mal zu schauen, was andere zum Thema geschrieben haben oder irgendwelche Studien u. Ä. rauszusuchen?
  • Wie schnell sind Sie sonst so beim Schreiben? Erst recht, wenn es um Beiträge geht, die woanders erscheinen?

Hier ergibt sich „eigentlich“ schon ein glasklarer Filter:

Bei allen Themen, wo Sie keine Idee haben oder das Gefühl, nicht genug von sich aus zu wissen: Finger weg! Ganz offenbar sind Sie nicht sattelfest genug im Thema.

Wenn Sie an einzelnen Texte mehrere Stunden sitzen oder gar tagelang feilen, dann liegts am Schreiben oder an Ihren Befürchtungen:

  • Die Angst vor Leser-Reaktionen, vor allem vor Kritik: hier, hier und hier

Klar: Auch Schreibroutine macht schneller. In Kürze fasse ich unterm neuen Navigationspunkt „Basics“ meine Empfehlungen für einen zackigen, klugen Schreibprozess zusammen.

Was ist mit Spaß?

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Hey, ich arbeite ja nach dem Lustprinzip – und bei mir rennen Sie mit „es macht aber Spaaaaaß“ offene Türen ein. Aber dennoch sind wir als UnternehmerInnen immer gefordert, unsere Zeit im Blick zu behalten. Wir können nicht immer nur machen, was uns Spaß macht.

Wenn Sie also wunderbar ausgelastet sind UND zudem noch Zeit haben, für andere Websites was zu schreiben oder für Interviews bereit sind, ist das toll! Wenn Sie aber ein Zeitproblem in irgendeine Richtung haben oder eben ein Auslastungsloch, dann ist diese Art des Marketings gerade nicht die beste Priorität.

Nun haben wir aber nicht immer gleich Not in irgendeiner Form, und trotzdem stellt sich die Frage: Bringt es mir was, wenn ich dieses Interview oder bei der Blogparade hier mitmache (oder sogar selbst eine initiiere)?

Also fragen Sie sich doch mal: Was meinen Sie mit „Spaß“ überhaupt?

  • Piekst Sie das Thema an, weil da unbedingt was rauswill; weil Sie was völlig anders sehen; weil Sie einen unkonventionelleren Ansatz haben; oder weil Sie es als Vehikel nutzen, Ihre Schreibe mal ganz anders zu üben?
  • Wie leicht oder schwer wird die Umsetzung werden? Es ist ein Unterschied, ob Sie voller Gaudi mal eben in zwanzig Minuten einen Text aus dem Ärmel schütteln oder ob Sie erst mal eine Stunde Telefon-Interview machen, das dann aufgeschrieben wird und noch mehrmals hin- und hergeht, um es in Form zu bringen. Selbst, wenn das noch so spaßig ist: Es steht nicht mehr im Verhältnis zum Aufwand.
  • Eine weitere Frage ist, welchen weiteren Aufwärtstrend diese Spaßaktion für Sie bringt. Wenn was schnell geht und grad den Tag auflockert: super. Wenn Sie auf lockere Art, Ihren Fuß in ein cooles neues Thema strecken (aus dem sich eine neue Geschäftsidee rauskristallisiert) oder die Gelegenheit ergibt, eines Ihrer Fachthemen mal völlig neu zu betrachten … sowas ist ein zusätzlicher Spaß-Nutzen-Rattenschwanz.

Abwägen, aber streng!

Wenn Sie schon viele Beiträge für andere geschrieben haben, wissen Sie, dass die wenigsten wirklich merklich was bringen. Vieles ist vom Aufwand wesentlich höher gewesen oder ist vom Effekt her verblasst.

Es liegt in der Natur der Sache, dass man gerade als Veröffentlichungsanfänger viel zu sehr den Effekt eines Textes überschätzt. Da hilft es natürlich nicht, dass andere Websites gerne mal kräftig übertreiben, wie hoch der Werbeeffekt sein wird.

Schreiben ist in erster Linie mit Zeit verbunden.

  • Erste Priorität hat Ihr Business: Alles, was aktuell an Kunden und Aufträgen ansteht. Wer gerne mal mit Deadlines in Konflikt gerät, muss sich meist gerade bei solchen Sonderprojekten stärker zügeln. Gut, wenn man das weiß, dann können Sie sich künftig schneller den Mund zuhalten, bevor Sie „ja“ schreien.
  • Zweite Priorität hat schon wieder Ihr Business! Will heißen: Schreiberisches Marketing ist immer von der mittel- bis langfristigen Sorte. Wer also dringend JETZT Aufwind für sein Business braucht, ist mit direkteren Kundengewinnungsmaßnahmen tausend Mal besser bedient als damit, sich mit Gastbeiträgen einen Namen zu machen.
  • Und dann gelten die Aufwand + „Was bringts mir?“-Fragen von oben. Wenn Sie das konkretisieren, können Sie sehen, ob es den Aufwand lohnt oder ob Sie Ihre Zeit doch besser in eigene Ideen investieren oder lieber in Ruhe ein Käffchen trinken gehen, anstatt sich noch einen Text in die To-Do-Liste zu pressen.

Gerade, wenn Sie total interessiert und rührig auf Social Media sind, heißt es zu filtern. Keine Sorge: Es bleiben immer noch genug Gelegenheiten, sich wo einzubringen. Muss ja nicht alles gleichzeitig sein.