Warum es nicht schlimm ist, wenn jemand Ihren Newsletter abbestellt

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aboabbestellen

… oder Ihnen auf Social Media entfolgt.

Drückt jemand den Abmelde-Button, hat das ja immer was von Ablehnung:

  • Was hab ich getan?
  • Mag da jemand meine Texte nicht mehr – oder kann vielleicht sogar mich nicht mehr leiden?

Das ist natürlich eine totale Über-Reaktion. Wir nehmen, wie so oft, die Dinge zu persönlich. Es gibt sehr viele Gründe, warum jemand Ihren Newsletter abbestellt:

„Ich komme nicht mehr nach!“

Das kennen wir doch alle selbst, dass es einfach viel zu viel zu lesen gibt. Als NewsletterversenderIn bekommen Sie bestimmt ebenfalls öfter E-Mails, wo Abonnenten richtiggehend bedauern, dass sie abbestellen „müssen“, weil sie, wenn sie ehrlich zu sich sind, einfach nicht mehr nachkommen.

„Ich lese lieber woanders.“

Mittlerweile haben wir eine große Alternative von Kanälen, auf denen wir Beiträge verfolgen können. Die einen lesen lieber direkt im Blog oder via Feedreader. Viele bevorzugen die Updates auf Facebook & Co. Und es gibt nach wie vor die Fans von E-Mail-Newslettern. Nicht alle mögen alles. Darum ist es eine gute Idee, mehrere Wege zu Ihren Inhalten bereitzuhalten.

„Ich bin von der Informationsflut überwältigt.“

Alle Newsletter, die echten Nutzen bieten, bringen zwar Inspiration, Anregungen und konkrete Tipps, aber das ist gleichzeitig immer mit To-Dos verknüpft. Je nach Thema erkennt man als LeserIn echten Handlungsbedarf oder man hat Lust, sich zu verbessern, Neues auszuprobieren und und und. Doch das kann zu viel werden! Manchmal ist man momentan nicht in der Lage, noch mehr aufzunehmen. Gerade, wer viel über ein bestimmtes Thema liest, ist irgendwann einfach satt … oder richtiggehend übersättigt.

„Ich habe neue Prioritäten.“

Unsere LeserInnen sind Lebensabschnittsgefährten. Mit manchen verbringt man einen längeren Zeitraum, andere sind kurzlebiger und es gibt die, die nach der ersten Kennenlernphase schnell wieder tschüss sagen. Dazu kommt, dass sich thematisch neue Prioritäten auftun können. Um Platz, Muße, Energie für Neues zu haben, heißt es, sich von etwas zu verabschieden – sogar, wenn es etwas Gutes ist.

 

➡ In erster Linie ist entscheidend, welche Vorlieben und Gewohnheiten der einzelne Leser hat. Hier gibt es eine kleine Follower-Typologie, die das für andere Plattformen näher beschreibt.

 

Und wenn es doch mit Ihnen zu tun hat?

Natürlich gibt es durchaus Abmeldungen, die mit Ihren Texten oder Ihnen zu tun haben. Besonders, wenn es Ihren Newsletter schon lange gibt:

„Das Thema ist für mich nicht mehr so aktuell.“

Gerade businessbezogene Newsletter haben thematisch ein Verfallsdatum, was das Bedürfnis der LeserInnen angeht. Wenn jemand einen Gründernewsletter herausgibt, dann wachsen die LeserInnen aus der Gründungsphase raus. Oder Sie haben einen Achtsamkeitsnewsletter und durch Ihre guten Tipps bringen Sie einige LeserInnen dazu, dass sie „genug“ achtsam sind, so dass sie ab einem gewissen Zeitpunkt Ihre Anregungen nicht mehr brauchen. – Oder man hatte den Vorsatz, sich mit etwas auseinanderzusetzen – zum Beispiel das Schreiben zu verbessern -, merkt aber, dass es einem doch nicht so wichtig ist [oder mit zu viel Arbeit verbunden].

„Der Nutzen ist für mich nicht mehr groß genug.“

Wir lesen bei anderen mit, weil wir irgendeine Art von Mehrwert daraus ziehen.

Als LeserIn prüft man: „Bringts das noch für mich?“ Sie sehen schon an den anderen Gründen, dass die immer daraus hinauslaufen. Doch es kann natürlich auch sein, dass Ihre Texte als nicht nützlich genug empfunden werden. Das ist völlig normal, zumal der Wissensstand und die Bedürfnisse unserer Leser variieren.

Darum ist es schon immer wichtig, Ihren Newsletter ausgewogen zu planen, nicht zu einseitig zu werden und Ihre Texte auf umsetzbaren Nutzen abzuklopfen:

Substanz
A bissl was geht immer! – Mehr Lesernutzen
Lesernutzen: kleinere Brötchen backen

„Mir gefällt die Richtung nicht.“

Und schließlich verändern Sie sich. Vielleicht machen Sie inhaltlich eine Wende oder Ihr Schreibstil verändert sich oder Sie bringen ein neues Format rein. Oder Sie haben das Design Ihres Newsletters oder der Website geändert. Nicht alle Ihre Leser finden das gut, und so bringt auch das hin und wieder ganz natürlichen Schwund.

 

Denken Sie immer umgekehrt: Sie bestellen ja auch Newsletter ab oder entfolgen Leuten auf Social Media – aus ganz vielfältigen Gründen!

Es geht um die Qualität, nicht um Quantität.

Natürlich ist ein großer Verteiler eine schöne Sache, aber es ist Unfug, zu sehr nach großen Zahlen zu schielen. Für uns Selbstständige ist nämlich nicht relevant, wie hoch die Abo-Zahl ist, sondern relevant ist, ob/was der Newsletter zu unserem Business beiträgt. Denn dafür schreiben wir ihn!

abozahlungleichleser

Sie können 20.000 Newsletter-Abonnenten haben und trotzdem kann der Newsletter der Kollegin, der nur 123 Abonnenten hat, ihr viel mehr bringen. Gleiches gilt für Follower.

Ich bin ja bei Twitter. Immer, wenn mir jemand folgt, schaue ich mir den Account genau an. Weil ich neugierig bin und entscheide, ob die Updates für mich interessant sind [ich zum Beispiel kann nur ca. 100 Leuten folgen, weil ich wirklich alles lese, was meine Timeline schreibt, was nicht bedeutet, dass viele Accounts nicht für sich gesehen interessant sind]. Gleichzeitig kann ich die Accounts blockieren, die ganz offensichtlich überhaupt nicht an meinen Updates interessiert sind. So ist meine Followerzahl kleiner als sie eigentlich wäre, aber ich blähe sie nicht künstlich auf mit Robotern, Spammern und sonstigen Pseudo-Abonnenten.

abonnenten

Viel wichtiger als möglichst viele Abonnenten sind qualitative LeserInnen, die an Ihren Inhalten – und Leistungen – ehrlich interessiert sind.

Wenn also jemand, aus welchen Gründen auch immer, entscheidet, dass er/sie Ihren Newsletter gerade nicht oder nie mehr lesen will, ist es viel besser für Sie, dass dieser LeserIn das offen sagt, sich also direkt abmeldet, anstatt als Verteilerleiche Ihre Abozahlen aufzublähen.

Seien Sie also dankbar. 🙂

Von so einem klaren Schnitt haben Sie viel mehr als von den vielen LeserInnen, die Ihren Newsletter ungelesen in den Papierkorb klicken oder Sie gleich automatisch in den Spamordner laufen lassen, weil sie einfach den letzten Schritt des Abmeldens nicht machen.

 

Autor: Gitte Härter

Ich bin x-fache Buch-Autorin, Schreibcoach + Schmarrnproduzentin. Meine Business-Zentrale mit Unterhaltungsblog ist hier: himbeerwerft.de

6 Kommentare

  1. Guter Artikel.

    Im Zuge meiner Zeitvereinfachung und meines Zeibaukasten-Systems fast alle Newsletter rausgeflogen. Umgestellt auf RSS Feed: ich habe direkt einen Überblick über alle neuen Artikel, kann frei wählen wann ich die Sachen lesen.

    Alle Newsletter ausser einen:
    Interessante Perlen werden in dem Newsletter reingeschrieben, die Links werden nur per Newsletter „veröffentlicht“, der Inhalt zu diesen Seiten ist nicht per Homepage auffindbar.
    Man „muss“ sich mit dem Newsletter auseinandersetzen. Ess macht einfach Spass ein wenig Schnitzeljagd zu betreiben. Vor allem sind die Artikel richtig gut, die als Fährte gelegt werden.

    • Tim, für mich wäre das ein Grund, den NL abzubestellen. Ich möchte es leicht haben und wissen: Wenn ich mal einen NL nicht öffne, kann ich immer noch auf der Website gucken. Trotzdem behalte ich den NL (zum Bespiel den von der Gitte), weil ich oftmals grad nicht auf der Website unterwegs war.

      LG Sylvia

  2. Es ist, wie du es schreibst.

    Den verrücktesten „Fall“ gabs mal vor ein paar Wochen bei mir: Eine meiner besten Kundinnen hatte sich vom NL abgemeldet. Das hat gesessen und einige seltsame Gedanken in meinem Kopf losgetreten. Später entdeckte ich per Zufall, dass sie mit einer anderen Adresse sehr wohl noch in meine, Verteiler war.

    Will sagen: Das Abmelden holt die unterschiedlichsten Programm in uns hoch, die wir noch so in uns haben …

    Liebe Grüße – falls ich JEMALS deinen NL abbestellen sollte, dann nur, weil ich den Nobelpreis bekommen und keine Zeit mehr zum Lesen habe! DAS wird der einzige Grund sein.

    Sylvia

  3. Hallo Gitte,

    im Zuge meines letzten „Büro Ausmistens“ habe ich alle abonnierten Newsletter radikal storniert. Mittlerweile folge ich allen mich wirklich interessierenden Blogs und Anbietern per RSS-Feed oder Twitter. Und fahre damit wunderbar, denn das Email-Postfach ist seitdem deutlich leerer und der „Lesen“-Ordner auch 😉 Schön, dass Du auch twitterst!

    Viele Grüße
    Silke

  4. Huhu Tim, Sylvia und Silke,

    das finde ich klasse, dass Ihr direkt Eure eigenen Erfahrungen ergänzt – auch mit Leonie habe ich auf Google+ interessant darüber geplaudert.

    Genau diese zwei Scheinen sinds: Einmal die Abbestellerei und wie man damit umgeht bzw. was es bei einem an Gedankendominos auslöst. Und dann vor allen Dingen auch, wie das Nutzerverhalten ist.

    Oft WEISS man ja von sich selbst genau, wie das so ist und warum man was macht, aber wenn man am Autorenende sitzt, beachtet man das oft nicht.

    Auch das, was Tim und Sylvia oben kurz ansprechen, ist nicht immer leicht – jetzt mal wieder umgedreht als AutorIn: Einerseits zu wissen, dass die Vorlieben von Lesern ganz unterschiedlich sind, und gleichzeitig eben nicht versuchen, es jedem recht machen zu wollen, sondern eben auch zu sagen „aber ICH finde Schnitzeljagd-Prinzip toll“ oder genau das Gegenteil oder ganz anders. So wirds einzigartig und bekommt mehr Profil.

    Man muss und soll und kann es nicht jedem recht machen.

    Und jetzt freuen wir uns auf die Feiertage und warten fingertrommelnd darauf, dass Sylvia den Nobelpreis gewinnt. :mrgreen:

    Holldrio!
    Gitte

  5. Pingback: Wie ein Newsletter NICHT sein sollte - midesign

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