anfangen

Die Schreibphasen näher erklärt: 2. Konzipieren

Natürlich – das Planktonthema, das in einer Arbeitstitel-Überschrift konkretisiert wird, ist bereits der erste Schritt der Konzeption:

Wir haben da schon den Umfang im Blick [in unserem Beispiel für diese Woche 1-2 Seiten] und die vorläufige Überschrift hat ein einziges Ziel:

Mit möglichst viel Aussagekraft dein Plankton-Thema so zuspitzen, dass DU ganz genau weißt, worauf dein Text rauswill.

Gestern haben Katharina und Zamyat kommentiert, und ich bin mal so frei, zwei Beispiele rauszugreifen, damit ich die Wichtigkeit der Plankton-Arbeitstitel-Überschrift noch mal näher erklären kann.

Katharina formulierte ihr Thema so:

“So schnell wie möglich viele neue Klienten”: Warum es (fast immer) Zeit braucht online Kunden zu gewinnen und Sie deshalb noch heute mit dem Aufbau Ihrer (Online-)Reputation starten sollten

Das KLINGT klein und klar, doch das ist es gar nicht! Katharina hat das sogar schnell gemerkt: „Jetzt wollte ich dir gerade formulieren worum es mir geht und dabei merke ich schon, dass ich darüber noch mal genau nachdenken muss.“ Ein klareres Zeichen, dass das Planktonthema noch nicht wirklich konkretisiert ist, gibt es gar nicht! Hier ist entweder die Richtung nicht klar beziehungsweise es stecken viel mehr einzelne Aspekte drin, und darum kann Katharina gerade nicht erkennen, worum es geht.

Ebenso bei Zamyat: „Faule Ziegen am Weg“ ist ein Ideensprungbrett, aber kein klar festgelegtes Plankton-Thema, wie Zamyat gleich selbst dazusagt: „Wobei mir bei vielen noch gar nicht so klar ist, wo es hingeht.“

Genau das ist der erste eigene Stolperstein, den man sich beim Schreiben in den Weg legt. Gerade, wenn man eher zum Drauflosschreiben neigt, ist das konkrete Plankton-Thema, das UNS SELBST SELBST GENAU SAGT, WORAUF DER TEXT RAUSLÄUFT, das Allerwichtigste!

❗ Vor dem Schreiben kommt die Auswahl.

Nur, wenn ich genau weiß, worauf ich rauswill, kann ich gezielt die entsprechenden Informationen aus meinem Kopf holen + richtig viel Nutzen reinpacken.

Der Startpunkt ist immer die glasklare, aussagekräftige Plankton-Arbeitstitel-Überschrift. Dann wird bei Katharinas Thema zum Beispiel sowas hier:

  • Was ist eigentlich eine Online-Reputation und wie baut man sie auf?

oder

  • Meine Website/mein Blog steht. Jetzt schwemmts mir die Kunden nur so rein! – Immer langsam mit den jungen Pferden! Vor dem Auftrag steht das Bekanntmachen.

oder

  • X Gründe, warum es Zeit braucht, um übers Netz Kunden zu gewinnen

Schon wüsste Katharina bei jedem dieser einzelnen Themen genau, worum es geht. Sie braucht dann also nicht bei der Konzeption erst mal rumschwimmen [wobei die Konzeption ein wertvolles Sicherheitsnetz ist, sowas vor dem Schreiben zu merken].

Bei eher spontanen SchreiberInnen wie Zamyat, die lieber gleich loslegen, ist diese wirklich konkrete, aussageklare Arbeitstitel-Überschrift noch wichtiger! Gerade diejenigen unter Ihnen, die ganz viele Ideen haben und hier noch was und da fällt mir noch was ein, profitieren von einem Gartenzaun ums Thema. Das ist keine Einschränkung, sondern es fokussiert + sorgt dafür, dass ein Text wirklich klar auf der Spur bleibt.

Nehmen wir Zamyats Beispiele von gestern. Das Einzige, was sie braucht, ist, dass sie mit ihren Ideensprungbrettern von gestern JETZT ein konkretes Plankton-Arbeitstitel-Überschriften-Themen-Brainstorming macht. Sich also überlegt: „Hey, was könnte ich mit den faulen Ziegen am Weg machen?“

Da steht dann vielleicht sowas:

  • Faule Ziegen am Weg. Warum es für die Kreativität förderlich ist, sich einfach mal mitten am Tag die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen.
  • 3 Produktivitätsideen, die mir eingefallen sind, als ich eben diese faulen Ziegen auf meinem Spazierweg gesehen habe.
  • Faule Ziegen am Weg. Wer immer nur passiv rumsteht, kommt nicht voran. So bringen Sie Bewegung in Ihre Trainingsbuchungen.

Sofort wüsste Zamyat mit ihrer In-eine-vorläufige-Überschrift gepackten Idee, worüber sie genau schreiben will. Und hat trotzdem noch total freie Hand, wie-wo-was sie das tut!

Ich habe einige Kunden, die lieber spontan sind und alle davon machen mit einem klaren (selbstgewählten) Gartenzaun um ihr Thema + einer guten Konzeption mit ihren Artikeln wahre Punktlandungen. Wenn sie jedoch schwammig ins Blaue starten, heißt es in der Regel „zurück auf Los“ oder es kommt ein Okay-Text raus. Und den wollen wir nicht haben: Denn Okay-Texte lesen sich ganz nett, bringen aber nicht viel.

Jetzt aber zur Konzeptionsphase:

Heute nehme ich eines meiner Themen von gestern:

X Dinge, die ich über mich gelernt habe, wenns um Kooperationen mit anderen Selbstständigen geht.

Ich weiß aufgrund dieser aussagekräftigen Arbeitstitel-Überschrift genau, worum es in dem Text gehen soll. Also kann ich ganz gezielt mein Wissen, meine Meinung und meine Erfahrung aus dem Kopf holen.

Bevor wir uns anschauen, was das Vorausdenken des Textes alles bringt, müssen wir über vier zentrale Dinge sprechen.

  • Die Zeit
  • Den Selbstgesprächmodus
  • Die Übersicht
  • Die Vollständigkeit

zeitbegrenzen

Ein normaler, kurzer Blogartikel von 1-2 Seiten zu einem Thema, in dem Sie sattelfest sind, kann ganz flott aus Ihnen rauskommen. Wenn Sie bisher total lange beim Schreiben brauchen, dann vertrauen Sie auf Ihren Kopf + Ihren Erfassungsschatz. Und lassen Sie sich intensiv auf meine Schreibphasen ein. Denn die sind dazu da, dass es schneller und immer noch schneller geht.

Für die Konzeption, auf Basis Ihres aussagekräftig formulierten Plankton-Themas empfehle ich ca. eine Viertelstunde. Mit Eieruhr! Die Konzeption ist das Auswählen der Inhalte, und wenn das Thema wirklich klar und klein ist, geht das ganz geradlinig vom Kopf aufs Papier, wie Sie gleich sehen werden. – Was natürlich auch eine Übungssache ist:

 

selbstgespraechmodus

In der Konzeptionsphase wird nicht formuliert oder verbessert oder verkünstelt oder gestelzt oder oder oder. Sie reden mit sich selbst. Aussagekraft ist Trumpf! – Die Konzeption ist UNSER EIGENES ARBEITSPAPIER. Wir werden uns darüber klar, was wir genau mit dem Text bezwecken, fokussieren uns und bekommen das Thema selbst richtig zu packen. So können wir die Inhalte eingrenzen + Mehrwert reinpacken.

 

uebersichtlich

… manche machen das automatisch, doch ganz oft sehe ich bei der Konzeption:

  • Bleiwüste: Die Konzeption ist eine aussagekräftige, klare Übersicht zu allem, was wir mit dem Text bezwecken und welche Inhalte wir dafür brauchen. Darum muss das auch vom Layout her für uns übersichtlich sein. Ausschweifende Fließtextballungen, bei denen man sich total neu reinlesen muss, bringen es nicht.
  • wildes Brainstorming: Da liegt also das hoffentlich glasklare, aussagekräftige Planktonthema vor einem, und dann ignorieren das einige und schreiben wilde Stichpunkte auf, was ihnen zum groben Thema dazu alles einfällt. – Da bringt natürlich gar nichts. Wir fangen ja gerade deshalb mit dem konkreten In-Überschrift-und-Arbeitstitel-gedachten-Plankton-Thema an, damit wir unser Wissen GEZIELT + MAL EBEN aus dem Kopf holen können.
  • Durcheinander: Die Konzeption ist dafür da, dass wir unter anderem sehen, wo Schwerpunkte sind; wir Inhalte gewichten können; sich eine Struktur herausbildet. Wer also seine Gedanken wild mischt und dann ein sprunghaftes Sammelsurium vor sich hat, kann damit nicht sinnvoll weiterarbeiten.

Keine Sorge: Im Beispiel unten wird schnell klar, dass das alles viel einfacher ist. Man muss sich nur vor Augen halten, wofür die Konzeption überhaupt da ist. Sie DIENT UNS, den Text vor dem Schreiben vorauszudenken.

 

vollstaendig

Die Konzeption ist nur dann sinnvoll, wenn sie komplett den Text vorausdenkt. Denn dann können wir den Entwurf, der anschließend folgt, in Rekordzeit mal eben aus uns rausfließen lassen. Und zwar so, dass auch die letzte Phase vor dem Veröffentlichen, das Feintuning, wirklich nur ein Polieren ist.

Ich erwähne das, weil ich es immer wieder sehe, dass manche völlig nichtssagende Allgemeinsätze als „Konzeption“ hinschreiben – und dann doch wieder ins Blaue losschreiben. Natürlich nicht absichtlich, doch das ist natürlich dann Zeitverschwendung. Hier gibt’s Beispiele, was gar nichts bringt.

 

Was beinhaltet eine vollständige Konzeption?

konzeptionsinhalte

Die Nase in dem Bild erinnert daran, dass sämtliche Text-Kriterien jetzt wirklich vor die Nase kommen! Ich fall immer fast vom Stuhl, wie viele Workshop-TeilnehmerInnen ihr Konzept OHNE ihre Plankton-Arbeitstitel-Überschrift machen – und gerne mal den Umfang völlig verdrängen. Entsprechend unfokussiert fällts dann leider oft aus. In der Konzeptionsphase haben wir eine konzentrierte Zeitspanne, eben ca. eine Viertelstunde, oft geht es sogar schneller. Also lasst uns unserem Gehirn helfen, wirklich fokussiert vorzugehen!

Wenn der Artikel nicht fürs eigene Blog ist, dann bitte in der Konzeption auch aufnehmen, wo der Artikel erscheinen soll. Schreibe ich einen Text darüber, „Wie wichtig es ist, seine Bedürfnisse ernst zu nehmen und sie zu äußern“ fallen meine Überlegungen dazu völlig anders aus, wenn das in einem Blog über Work-Life-Balance erscheint oder in einem Konflikte-Blog. Auch die Zielgruppe kann pro Artikel variieren [sogar im eigenen Blog].

Jetzt mein Beispiel, natürlich im Selbstgesprächmodus:


X Dinge, die ich über mich gelernt habe, wenns um Kooperationen mit anderen Selbstständigen geht.

Ich schreibe einen 1-2seitigen Blogartikel für EinzelunternehmerInnen, besonders für alle, die noch relativ am Anfang stehen. Denn da wird gern der Effekt von Kooperation unterschätzt + zu wenig hinterfragt.

Was ist mein Ziel/meine Motivation? Ich habe viel über mich selbst gelernt, wenn es um Zusammenarbeit geht und will meine Leser anregen, wählerischer abzuklopfen, ob und mit wem sie kooperieren.

Was soll der Leser wissen, können oder tun?

  • Der Leser soll viel öfter mehr nachfragen. Es werden oft zu schwammige, unhaltbare Versprechungen + Karotten vor die Nase gehängt, gerade bei Kooperationen, bei denen der Vorteil auf der anderen Seite liegt.
  • Er überprüft, welche Art der Kooperationen für ihn angenehm sind. Das heißt, dass manchmal Kooperationen besser sind, wenn es Einmal-Aktionen oder „lose“ Kooperationen sind, als großartige enge Absprachen oder längerfristige Hochzeiten.
  • Er macht sich über Unkompliziertheit Gedanken. Denn viele Kooperationen bedeuten Mehraufwand, unnötige Arbeit, Generve, was das berühmte Bauchgefühl oft schon meldet.

 

Das wars für diesen Text schon. Ich habe mir im Vorfeld überlegt:

  • Was sind das für Dinge, die ich gelernt habe? … und bin auf drei wichtige gekommen. Das hätten auch mehr sein können, doch für mich ist das der Kern. Wichtig ist, dass ich mich an meine Plankton-Überschrift halte, also nicht abdrifte, was allgemein bei Kooperationen wichtig ist.
  • Ich habe mir jeden Punkt gleich FÜR MICH konkreter mit Leben gefüllt, damit ich weiß, worum es mir geht + ich den Nutzen für die Leser auch gleich klarer mache.

Drandenken: Wir suchen deshalb ein kleines Plankton-Thema, damit wir in die Tiefe gehen können! Wer jetzt in der Konzeption einen Hefeteig draus macht und doch wieder alles Mögliche reindrückt, für den war alles umsonst.

Ist alles fertig, dann zeigt sich entweder schon klar die Text-Struktur oder Sie können jetzt, also vor dem Schreiben, die Gewichtung von Inhalten bestimmen.

Eine vollständige Konzeption …

… lässt die Vorarbeiten des Schreibens an der richtigen Stelle: VOR dem Schreiben! Das ist gleichzeitig ein Sicherheitsnetz, denn hier siehst du auf einen Blick, wenn dein Thema doch noch zu groß ist oder du versucht bist, viel zu viel reinzupacken.

… sorgt dafür, dass du zielgerichtet dein Wissen + Erfahrungen aus dem Kopf holst und so richtig viel Nutzen reinpacken kannst.

… beschleunigt das Schreiben, weil bei einer kompletten Konzeption die Struktur sichtbar wird und sämtliche Inhalte schon dastehen. Jetzt kannst du den ersten Entwurf richtig flott runterhacken – quick & dirty. Darum geht es morgen.

Alle Teile dieser Artikelreihe:

Schreibphase 1: Plankton
Schreibphase 2: Konzipieren + Ziegen fordern mehr Mehrwert!
Schreibphase 3: Entwurf quick & dirty
Schreibphase 4: Abstand
Schreibphase 5: Feintuning