typische Fehler

Gewichten – diesmal vom Layout her

Was ich gleich sage, bietet fürs Schreiben ganz viele Möglichkeiten. Ich habe mich trotzdem entschieden, es schwerpunktmäßig aus dem Layout-Blickwinkel zu betrachten. Keine Sorge: Ich geh auf die weiteren Vorteile auch kurz ein.

Ich spreche ja immer wieder den Umfang an. Das liegt daran, dass sich das PlanktonThema + die Inhalte nur realistisch auswählen lassen, wenn man weiß, wie viel Platz man hat.

Wer das noch nicht oder nicht mehr genau auf dem Schirm hat, bitte gucken:

Und hier [auch schauen, wenn Sie kein Buch schreiben wollen, da hab ich ausführlich erklärt, wie der Umfang die AUSWAHL verändert]:

Nun gibt es für Artikel oder einzelne Passagen immer auch die Möglichkeit, von vornherein das Layout zu bestimmen – und dann erst zu überlegen, wie man einen geplanten Inhalt überhaupt aufziehen will.

Das ist gut, um …
… das Layout immer mal aufzulockern + vielseitiger zu gestalten.
… sich selbst zu fordern, das Wichtigste auf den Punkt zu bringen.
… und um gleich wichtige Inhalte auch gleich zu gewichten, was die Textmenge angeht.

Ein Beispiel:

Das hier ist eine Seite aus meinen Workshopunterlagen [Es ist absichtlich so klein: Denn es geht mir darum, dass Sie aufs Layout achten und nicht auf die Inhalte].

beispiel_layoutgewichten

Hier wusste ich:

  • Ich will eine Übersicht auf einer einzigen Seite unterbringen, in der ich die typischen Schwachstellen und Probleme von Interviews aufliste.
  • Ich will die Seite schön übersichtlich haben, und mir gefallen so riesige Nummerierungen gut. :mrgreen:

Darum habe ich erst mal die Seite gelayoutet. In dem Fall setzt mir das Layout also klare Grenzen. Nicht zu verwechseln mit „Design unterjocht Inhalte“. Ich empfehle nicht, wie das oft gemacht wird, dass das Design diktiert, wo Text zu stehen hat und wie viel es sein darf.

 

Natürlich überlege ich mir vorher, was ich ungefähr sagen will, also etwa wie viele Punkte es gibt. Und ich weiß, dass dieses Layout hier für meine inhaltlichen Ziele völlig ausreicht. Auch wenn ich zu jedem der Punkte zwei und mehr Seiten schreiben könnte. Genau darum geht es doch:

❗ Die Kunst beim Schreiben ist die Auswahl!

Ich wusste: Okay, Gitte, du hast jetzt deine 7 Punkte + du hast für jeden dieser Punkte fünf Zeilen. Nun heißt es  verdichten! Ich will diese fünf Zeilen ja gehaltvoll füllen. Was muss rein, damit meine WorkshopteilnehmerInnen das Wesentliche mitnehmen?

Warum bringt es das noch?

Abgesehen davon, dass es hübsch ist …

… zwingen Sie sich, richtig klar zu fokussieren, was das Wichtige an dem Punkt ist. Das ist übrigens ganz besonders gut zum Üben für alle, die gerne mal nach allen Seiten ausbrechen:

… Sie können damit üben, vom Umfang her zu denken. Die meisten schreiben ja doch gerne drauf los. Ich sehe in meinen Workshops immer wieder, dass da jemand sagenwirmal einen 7 Tipps für-Artikel konzipiert. Vorbildlich den Umfang festlegt, auf beispielsweise 2 Seiten. Alles ist total realistisch, und dann geht das Schreiben los:

Ups, die Einleitung ist etwas länger geraten. Oha, jetzt bin ich erst beim dritten Tipp und hab schon eineinviertel Seiten. Jetzt werden entweder Tipp 4-7 ganz schnell abgefrühstückt, fallen also deutlich kürzer aus als die ersten Tipps. Oder aber es wird flott auf 5 Tipps  runtergestrichen – und auf die letzten beiden verzichtet.

Mich trifft dann immer der Schlag, weil ich ja mit meinen WorkshopteilnehmerInnen etappenweise vorgehe und es erst ans Schreiben geht, wenn die Konzeption perfekt ist. Sprich: Alle Inhalte sind vorher festgelegt, so richtig Lesernutzen reingepackt.

Das ist natürlich ein Drama, wenn dann plötzlich ein Drittel weggestrichen wird, weil der Platz „ausgeht“! Der geht nämlich gar nicht aus. Das war nur das Drauflosschreiben ohne Blick auf den Gesamtumfang.

Wenn Ihnen das bekannt vorkommt, dann üben Sie mal mit dieser Form. Machen Sie ruhig testweise größere Passagen. Zum Beispiel „3 wichtige Faktoren, um …“ oder sowas. So haben Sie ein wenig mehr Platz pro Punkt. Denn in Eigenregie tut man sich nicht immer leicht, zu unterscheiden, was jetzt wirklich gehaltvoll ist und was nicht. Je knapper desto meistens zu oberflächlich am Anfang.

… und schließlich stellen Sie sicher, dass gleich wichtige Informationen auch gleich wichtig wirken. Wenn Sie sich das Beispiel mit den „7 Tipps für“ vorstellen, bei dem einige Tipps total viel Text enthalten, dann entsteht ganz automatisch der Eindruck:

Das muss wichtiger sein, da steht mehr. Oder: Die anderen Tipps sind trivialer, da steht so wenig.

Nicht immer muss wirklich die gleiche Textmenge dastehen. Natürlich kommt es vor, dass man zu einem Tipp ein wenig mehr schreibt oder einen Gedankenschlenker wichtig findet. Prinzipiell ist es ein gutes Geländer für sich selbst, darauf zu achten, möglichst gleichmäßig zu gewichten.

Dafür ist ein schönes Beispiel die Typologie: Wann immer Sie ein Format wählen, bei dem Leser eine Auswertung bekommen – zum Beispiel „Welcher Typ bin ich“? – ist es natürlich richtig gemein, wenn ein anderer Typ viel mehr Informationen über sich bekommt, als ich bei meinem Typ. Darum sage ich meinen Kunden immer: Überleg dir, welche Informationen du für die Auswertung brauchst und dann leg fest, wie viele Zeilen du jeweils hast, damit du es wirklich gleichmäßig bestückst.

Wohlgemerkt: Nicht einfach Textmenge, sondern gehaltvolle Textmenge!

 

PS: Bitte das mit dem Layout hier nicht verwechseln mit „Ich mach permanent beim Schreiben schon meine Überschriften bunt, probiere Aufzählungspünktchen durch und wähle Bildchen aus“. 😉 Bei normalen Texten immer erst das Schreiben erledigen und in der Feintuning-Phase hübsch machen. Sonst täuscht einen nämlich das Layout gerne mal selbst über mangelnden Inhalt weg.