formulieren

Lass deine Inhalte atmen

„Weniger ist mehr“ gilt auch beim Schreiben. Nein, ich fang nicht schon wieder mit dem Plankton an. 😉 Oder doch, ein bisschen schon: Denn wenn du von Haus aus ein zu großes Thema wählst oder beim Lesernutzen zu große Brötchen backst, batzelst du zu viel Inhalt rein – und das geht immer schief.

➡ Neu hier? Du findest Plankton-Lesestoff in den Schreib-Basics.

Heute geht’s mir allerdings darum, wie Ihr Eure Texte so aufbaut und gestaltet. Denn selbst, wenn Ihr inhaltlich und vom Nutzen her total fokussiert seid, passiert es immer noch schnell, dass man es den Lesern schwer macht, zu verstehen. Dann kommen deine Texte leider gar nicht so zur Geltung, wie sie könnten. Erst recht nicht, weil Online-Leser meistens nicht so arg aufmerksam dabei sind.

Diese wesentlichen Dinge merke ich immer wieder bei meinen Kunden an:

Mach die Hauptüberschrift nicht zu lange

Du weißt, ich bin ein Verfechter der vorläufigen Arbeitstitel-Überschrift: Warum die Überschrift erst einmal für dich da ist. Doch wenn du den Entwurf fertig hast und dich ans Feintuning machst, muss die Hauptüberschrift kürzer werden. Und möglichst aussagekräftig, denn sie ist besonders relevant für Google & Co. Mal ab bgesehen davon, dass es gut ist, wenn deine Leser das Richtige erwarten.

Also „keep it klar + simple“!

PS: Die Displays sind mittlerweile pipiklein: Da wird eine lange Überschrift schnell mal mehrere Zeilen lang.

Denk an Zwischenüberschriften!

Bei fast jedem Workshopteilnehmer vermisse ich Zwischenüberschriften. Dabei sind die extrem wichtig für Eure Texte:

  • Es sieht sauberer aus! Deine Website oder Blog soll ja auch „ein Gesicht“ haben. Sind Seiten viel zu voll, ist es mühselig und wirkt anstrengend. Da hat man oft schon keine Lust mehr zum Lesen. Sind Seiten durch zerfledderte Einzelsätze gefüllt, sieht das sehr unsorgfältig aus und das Hirn hats echt schwer, zu folgen.
  • Zwischenüberschriften strukturieren den Text klar und bieten dem Auge wichtige Anhaltspunkte. Das erhöht den Lesespaß, die Aufmerksamkeit und das Verstehen.
  • Ihr tut Euch viel leichter beim Schreiben! Wenn Ihr zudem Eure Texte vorausdenkt, bevor Ihr das erste Wort schreibt, habt Ihr sogar den Luxus, dass Ihr den Entwurf durcheinander schreiben könnt. Das beschleunigt alles und erlaubt es, sogar in kurzen Zeitoasen mal schnell absatzweise einen Text fertigzuschreiben.
  • Gerade schnelle Leser können einen Text rasch überfliegen. Außerdem sieht man, was noch so kommt und bleibt eher aufmerksam hängen, wenn es interessiert.
  • Mit Suchmaschinenoptimierung befasse ich mich nicht näher, doch die Zwischenüberschriften sind offenbar ebenso relevant, wie gut die Seite aufgefunden wird.

Vorsicht: Zusammenwurschten!

Gehen wir mal runter auf Absatz- und Satz-Ebene. Hier beobachte ich ganz oft, dass mehrere Informationen oder Argumente zusammengeworfen werden.

Das ist echt ein Problem, wenn die einzelnen Informationen für sich betrachtet wichtig sind. Hier bist du als Fachkraft gefordert: Ist so eine Aneinanderreihung gerade okay, weil es um die gleiche Sache geht? Oder sind das eigentlich bedeutende Einzelpunkte, die jeder für sich eine wertvolle Botschaft sind?

Wenn ja, dann rück die einzelnen Aspekte entsprechend deutlich ins Bewusstsein deiner Leser. Entweder, indem du sie einzeln wirken lässt:

Gewichten – diesmal vom Layout her
5 x Feintuning für Aufzählungen
Zehn Verwässerungsfallen

Oder aber, indem du auf Punkte verzichtest, die zwar dazu gehören, aber nicht so relevant sind wie andere. Wir Experten neigen dazu, gerne mal alles zu sagen, was wir wissen. Doch das muss nicht sein! Lass das Wichtigste ordentlich wirken.

Keine neuen Türen aufmachen.

Die „neuen Türen“ sind verwandt mit dem Zusammenwurschten, nur dass hier praktisch in einem Nebengedanken eine thematisch völlig neue Türe aufgemacht wird.

Sagen wir, jemand schreibt einen Text darüber, wie man seine Nervosität im Bewerbungsgespräch in den Griff bekommt. Ein Tipp ist, durch Mimik und Gestik ruhiger zu werden. Da fällt dem Autoren spontan eine Nebeninfo ein:

Gut geschulte Personaler achten übrigens sehr genau auf die Körpersprache.

Das ist eine neue Tür! Denn im aktuellen Text geht es darum, wie man sich selbst durch Körpersprache ruhig macht. Wer nun die Türe aufmacht zu „Achtung, Achtung, der Personaler beäugt deine Bewegungen wie ein Adler“, erreicht das Gegenteil: Jetzt ist der Bewerber verunsichert und will auf jeden Fall mehr wissen. Was genau wird da beobachtet? Leg ich mir vielleicht ein Ei, wenn ich die Anti-Nervös-Tipps hier beachte? Waaaah?!

Neue Türen nehmen deinen Texten die Aufmerksamkeit und wenn es nicht weitergeht, enttäuschen sie den Leser.

Überfrachten vs. Zerfasern

Das Überfrachten und Zerfasern gilt nicht nur für den gesamten Text, sondern auch für einzelne Passagen. Das Gute ist, dass man das schon beim Drüberschauen am Layout merkt: Ist da Bleiwüste oder wirkt der Text sehr fragmentiert?

Immer, wenn dein Text nach nichts ausschaut, ist es kontraproduktiv.

Übrigens fällt mir auch bei manchen Blogdesigns auf, dass das Design nicht immer besonders textfreundlich ist. Ich hab es bei meinen Blogs zum Beispiel öfter, dass ich manuell Absätze reinzwingen muss, weils mir beim Abspeichern öfter mal einen Abstand löscht. Dann sitzen Bild + Text oder Text auf Text viel zu nahe beeinander.

Überfrachten und Zerfasern gilt ebenso für einzelne Gedanken-Abschnitte. Ich sag das extra so, denn nicht immer geht es ja um einen einzigen Satz oder Absatz. Achte beim Feintuning immer drauf, wann du einen völlig neuen Gedanken oder etwas anderen inhaltlichen Aspekt beginnst.

Manchmal sind das übrigens einfach Gedankenschleifen, die du durch simples Umstellen aufräumen kannst. Lass immer zusammen, was zusammengehört!

Schließlich der gute alte Rat mit dem lauten Lesen: Gerade die überfrachteten Sätze erkennt man selbst sofort, wenn man sie sich auf die Ohren gibt. Das sind die Von-hinten-durch-die-Brust-ins-Auge-Formulierungen, die man „in echt“ sehr viel einfacher ausdrücken würde.

Nicht nur weiterlinken

Ein letzter wichtiger Punkt ist, dass du immer schaust, wie du auf frühere Artikel linkst. Es ist total gut, wenn du deine relevanten Blogschätze verlinkst. Das ist ein Mehrwert für alle, die zu einem bestimmten Thema direkt mehr wissen wollen.

Mitunter können Inhalte nicht wirken, weil ein Gedanke nicht vollständig ausgeführt ist. Da denken die Autoren: Steht ja alles im weiterführenden link. Das reicht aber nicht! Es sollte immer so sein, dass dein aktueller Text ohne die weiterführenden links verständlich ist. Weiterklicken ist ein KANN, aber sollte nie ein Muss sein.

 

Wir haben die schöne Chance, richtig viel dafür zu tun, dass unsere Botschaften ankommen. Verschenkt diese Möglichkeiten nicht!