7 Bären, die wir uns in puncto Kreativität aufbinden

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baerenaufbinden

Wie ich die Sache sehe und warum sich meiner Ansicht nach viele selbst im Weg stehen, wenn sie mit diesen Bären nicht aufräumen.

originell

Stimmt. Trotzdem ist das für mich ein selbst aufgebundener Bär, denn „originell sein“ wird mir viel zu oft in einem künstlerischen Licht gesehen. Gerade von Leuten, die von Haus aus etwas nüchterner und im positiven Sinne routiniert an ihre Themen rangehen.

Die denken dann gerne mal, dass es bei Kreativität darum geht, bunter und unkonventioneller zu sein. Sich noch nie Dagewesenes auszudenken.

Ich persönlich mag viel lieber die Bedeutung „einfallsreich“.

Denn darum geht’s: Den in uns allen vorhandenen Einfallsreichtum

  • zu entdecken
  • anzuregen
  • zu nutzen
  • und zu erweitern.

Dann wird’s automatisch deins – und damit originell. Ich sehe Kreativität ganz praktisch:

wasistkreativitaet_gittehaerter

… eines meiner allerersten Videos, damals noch für unternehmenskick.de, ging ums Unperfektsein:

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binnichtkreativ

Dieser Bär kastelt dich ein. Du setzt dir durch dieses absolute Statement sofort einen Schlusspunkt. Mal abgesehen davon, dass es gar nicht stimmen kann.

Du bist einfallsreich, auch wenn du es bisher nicht in dem Maß nutzt, wie deine eigene Definition von „kreativ“ so aussieht.

Hier liegt der Hund im Bären begraben:

Schreib gleich mal genau auf, was DU unter Kreativität verstehst, aber keine nüchterne Definition und keine Schlagwörter, sondern mit einem angefangenen Satz:

Wenn ich kreativ(er) wäre …

… ja, was dann? Wie würdest du dann „sein“, wie würde sich dein Schreiben oder deine Arbeit ändern, was würdest du dann tun, wie würde sich die Kreativität zeigen?

Kreativer zu werden ist eine Fähigkeit wie jede andere auch. Anstatt dir zu erzählen, dass du was nicht bist oder nicht kannst, frag dich, was es denn ist, das du gerne sein/können möchtest – und zwar so konkret wie möglich. Denn dann kennst du die Schraube, an der du ansetzen kannst.

stellschraube

chaoten

Früher war ich einige Zeit in der Werbebranche tätig, und da ist mir regelmäßig das Gehirn geplatzt, wenn mir das Klischee von den kreativen Chaoten präsentiert wurde. Gerne mal wie eine Tugend vor sich hergetragen.

Dieser Bär ist für beide Lager ein Problem:

Wenn du dich als kreativ, ABER chaotisch siehst, begrenzt du dich erneut, wenn das als Grund oder schöne Ausrede dient, wirr zu denken und/oder schludrig zu arbeiten. Darunter leiden nämlich die besten Einfälle auf vielfältige Weise. Bei Selbstständigen kann es sogar ein Hemmschuh für Produktivität, Image und Aufträge werden.

Bist du aufgeräumt und klar, kombinierst „kreatives Chaos“ miteinander, dann rückt Kreativität entweder außerhalb des Erreichbaren. Oder es ist sogar höchst unattraktiv, kreativer zu werden.

Chaotisch zu sein ist weder was Gutes, noch ist es die Voraussetzung für Kreativität. Ich persönlich finde es viel schöner umzudeuteln: Die wertvolle Qualität, die dahintersteckt, ist ja das Zulassen. Offen sein für das, was da grad kommt. Querdenken zu dürfen, ohne gleich zu zensieren. Einfälle als Sprungbrett für andere Dinge zu nutzen. Wie viel kreativer werden selbst die Kreativsten, wenn sie diese Fähigkeiten noch gezielter einsetzen!

 

ideenproduzieren

Dieser Bär ist mein persönliches Stachelschwein. Haha, das ist mir eben eingefallen und ich lach mich grad kaputt.

Was ich meine: So eine Haltung piekst mich auf verschiedene Weise an, und zwar nicht auf gute Art!

Ich finde es auch schön, immer nur Ideen auszuspucken. Brainstormen, Hirngespinsten und und und. Doch alle Kreativität bringt nicht viel, wenn man dabei die Umsetzung außer acht lässt.

Denn das führt dazu, dass …

  • gute Ideen schwach umgesetzt werden und damit hinter ihren Möglichkeiten bleiben.
  • Ideen vorschnell verworfen werden oder nach kurzer Umsetzungsphase in der Schublade verschwinden.
  • die eine oder andere Idee nicht machbar ist, weil tatsächliche Gegebenheiten nicht berücksichtigt werden.

Kreativ zu sein bezieht sich nicht nur auf die Ideenphase. Einfallsreichtum ist ganz praktischer Natur.

Nicht jede Idee wird umgesetzt, doch Kreativität, die chronisch in der Ideen-haben-Phase steckenbleibt, ist nicht besonders viel wert.

Außer du wirst fürs Ideenhaben bezahlt und hast absolut nichts mit der Umsetzung zu tun. Ich kenne keinen einzigen Beruf, wo das der Fall ist! Selbst wenn die Dienstleistung aus Ideenlieferung besteht, müssen Ideen machbar sein und schlüssig präsentiert werden – und da sind wir schon im Reich der Umsetzung.

 

brauchtzeit

Dieser Bär ist ein Gorilla. Denn wenn du ihm aufsitzt, blockierst du alles.

Ideen zu haben ist weder an Zeitpunkte geknüpft, noch müssen gute Ideen besonders lange dauern. Sie sind nicht mal von bestimmten Rahmenbedingungen abhängig.

Ja, jeder hat eigene Vorlieben und Voraussetzungen, die sich bewährt haben. Wir haben bestimmte Rituale oder Vorgehensweisen.

Vielleicht ist es dir lieber, wenn du dir einen halben Tag freinehmen und dich mit großem Papier und bunten Stiften im Wohnzimmer ausbreiten kannst. Vielleicht hast du für dich entdeckt, dass du gerne im Café sitzt und die Ideen da besser strömen. Vielleicht hast du die besten Ideen beim Joggen.

Worauf ich hinauswill ist was anderes: Kreativität selbst braucht keine Zeit. Also lass dir keinen Zeit-Bären aufbinden, sondern betrachte es mal so rum.

Ich bin einfallsreich.
Meinen Einfallsreichtum kann ich prinzipiell jederzeit anzapfen.

Damit schenkst du dir unglaubliche Freiheiten. Denn dann ist Kreativität eben nicht was, das über dich kommt oder in das du zwingend viel Zeit stecken musst, sondern etwas, das du jederzeit aktivieren kannst.

Womit wir bei den nächsten beiden Bären sind:

 

knopfdruck

Für viele hat das Schreiben mit Kreativität zu tun – das geht oft schon bei der Idee für einen Blogartikel los. Oder du möchtest vielseitiger rangehen, mal was anderes machen.

Ein riesiges Thema ist natürlich alles, was unmittelbar mit deiner Selbstdarstellung zu tun hat: Die Website, ein Firmenname, ein peppiger Vortrag, ein besonders cleveres Angebot, eine pfiffige Idee für einen Kunden … in jeder Selbstständigkeit gibt es zahlreiche Aufgaben, für die wir mehr oder weniger kreativ sein müssen, können, sollten.

In diesem Fall geht es nicht, ständig auf die küssende Muse zu warten.

Mag sein, dass der Gedanke ungewohnt für dich ist, dass du auf Knopfdruck einfallsreich sein kannst. Möglicherweise hast du keine Ahnung, wie du deine Kreativität spontan anzapfen kannst. Das ist eine Frage des Ausprobierens, des Handwerks (es gibt vielerlei Werkzeuge und sinnvolle Enstehungsprozesse). Doch es stimmt nicht, dass du nicht dazu in der Lage bist.

Ein ganz simples Vorgehen, das du sofort jederzeit einsetzen kannst, hab ich schon mal angesprochen:

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erzwingen

Ich höre schon ein scharfes Einatmen von einigen von Euch. Gleich kommt „Aber Gitte, du sagst doch selbst oft, dass es nicht mit der Brechstange geht“.

Yep. Sag ich. Mein ich auch so.

Doch denkt mal bitte kurz mit mir von der anderen Seite: Wie viele von Euch sagen „ich brauche den Druck einer auslaufenden Deadline“? Manchmal schieben wir Aufgaben bewusst so lange raus, bis uns nichts mehr übrig bleibt.

Das kenne ich selbst, bin allerdings kein Verfechter davon. Ich weiß, dass ich mich, wenns eng wird, immer darauf verlassen kann, dass mir was Gutes einfällt und dass ich Termine einhalte. Nicht immer ist das dann ein angenehmes Arbeiten. Und nicht immer kommen die besten Idee dabei raus – manchmal schon.

Standardmäßig unter Druck zu geraten ist allerdings eher hinderlich:

  • Einerseits stellen fehlende Pufferzeiten immer ein Problem dar – lass mal was dazwischen kommen!
  • Andererseits verfallen wir unter Zeitnot verstärkt in unsere Denkroutinen. Unser Hirn ist da ganz praktisch veranlagt.

Hier schließt sich jetzt der Kreis zu den beiden andern Zeit-Aspekten. Trainiere deinen Einfallsreichtum und schaff dir nützliche Werkzeuge drauf. Dann musst du nichts erzwingen, bist aber in der Lage, jederzeit den Hahn aufzudrehen. Je vielseitiger du im Alltag trainierst, desto schneller geht das dann auch.

Ich bin überzeugt: Jeder kann kreativ sein.

Kreativität ist eine Denke, die du durch Offenheit, Unperfektion und Handwerk entdecken und ausbilden kannst.

Die wichtigste Zutat bist du.

Wahre Kreativität heißt, dass du dich einbringst + deine Ideen deinen Stempel tragen.

Da kommt man spielerisch hin. Nicht umsonst liebe ich das Bild mit dem Misthaufen – auf vielerlei Ebenen.

misthaufen2

Was denkst du darüber?

 

Autor: Gitte Härter

Ich bin x-fache Buch-Autorin, Schreibcoach + Schmarrnproduzentin. Mein Zeichen-Blog ist hier: himbeerwerft.de

11 Kommentare

  1. Ich liebe Deine Sprache! Einfach frisch, frech, ansteckend! Wahre Kreativität! Lach mich oft fast kaputt – danke dafür!

    • … herzichen Dank, Franziska, über dein schönes Lob. Ich freue mich sehr darüber – und dass du schon so lange mitliest. 🙂

  2. Liebe Gitte

    Vielen Dank für diesen erfrischenden Artikel mit den vielen erfrischenden Formulierungen.

    Gelacht habe ich an der Stelle, an der dir regelmäßig das Gehirn geplatzt ist. (Wobei ich dein persönliches Stachelschwein auch sehr charmant finde).

    Herzlich,

    Barbara

  3. Pingback: Federführend liest… im Februar: 7 bärige Kreativitätskiller und -ausreden « Federführend Media

  4. Hallo Gitte,

    ich finde Deine Definition von Kreativität total befreiend. Sobald ich denke „ich muss jetzt kreativ sein“, kriege ich Schnappatmung und bin blockiert. 😉 Ich vergesse da ganz schnell, dass ich das Handwerk doch eigentlich beherrsche und weiß, wie es geht. Allein schon das Wort „Kreativität“ wirkt manchmal einschüchternd, weil die anderen immer die Bombenideen haben (meint man), man selber aber nicht. Die Herangehensweise des Reinsteigerns ist super und tatsächlich helfen mir Selbstgespräch oft sehr gut, in den Fluss zu kommen und eine Aufgabenstellung für mich richtig klar zu kriegen.
    Wie immer DANKE für Deine tollen Tipps und die erfrischende Art, in der Du sie präsentierst.
    Viele Grüße,
    Doris

    • Hallo Doris,

      oh ja, je nachdem, was man da für sich reininterpretiert und wie hoch die Latten dann werden, gibts Schnappatmung. 😉

      Mir gefällt bei sowas ja immer das Bild „abschütteln wie ein Hund“ – also wirklich bildlich und dann zum Beispiel mit dem Reinsteigern weiter. Schön, dass das bei dir auch so gut klappt.

      Viele Grüße
      Gitte

  5. Liebe Gitte, der Artikel hat mir aus dem Herzen gesprochen – mich nervt es auch sehr wenn das Wort „kreativ“ dumm gebraucht wird. Dazu habe ich vor einiger Zeit einen Blogartikel geschrieben.
    http://blog.konkolits.at/2015/06/kreativ-was-heisst-das-eigentlich/

    Liebe Grüße H.

  6. Fein, da kann ich nur bei allen Punkten zustimmen, da ich sie auch schon oft geschrieben oder in meinen Seminaren zu Kreativitätstechniken genauso gesagt habe.
    Für mich bedeutet Kreativtität auch, etwas Neues zu denken und zu wagen, aus Gewohnheiten ausbrechen ( das ist zumindest eine wichtige Voraussetzung), auch bekannte Dinge mal neu und anders zu kombinieren etc.

    Wo ich mir ganz sicher bin: jeder ist kreativ. Auch im Sinne von schöpferisch. Viele meinen in Seminaren erst mal, dass sie es nicht sind, weil sie auch eine merkwürdige Vorstellung von Kreativität haben. Nicht jeder wird Picasso. Aber alle haben im Alltag kreative Ideen, kreieren neue Rezepte oder wie man etwas repariert. Das war mir vor allem auch bei den Beduinen in der Sahara aufgefallen, da kam mir der Begriff „Alltagskreativität“. Die konnten aus nichts etwas machen. Aus Schafkötteln, einem Busch und einem Burnus wurde ein Schatten gebaut etc.

    Jede Mutter mit Kindern ist ständig kreativ, muss improvisieren und erfinden.
    usw.

    Es stimmt, dass man auf Knopfdruck kreativ sein kann: in vielen Berufen gehört es eben zum alltäglichen Job- und die Kreativitätstechniken, die ich kenne, helfen dabei sehr. Sie geben einen Anstoß und eine Stutktur, an der man sich entlang handeln kann und helfen, aus den stinknormalen Denkgewohnheiten rauszukommen und tatsächlich in neue Richtungen zu denken.

    Der Punkt ist eher, dass viele sich blockieren, indem sie eben von sich selbst sagen (und denken), dass sie nicht kreativ sind. Und sich nicht erlauben, „verrückte“ ungewohnte Gedanken zu haben. Das wird uns in der Schule ausgetrieben und als Erwachsene müssen es die meisten wieder lernen. Das ist eigentlich mein Hauptübungspunkt in den Seminaren, dass die Teilnehmer wieder den Spaß am rumspinnen entwickeln und es sich erlauben. Und dann erleben: Hoppla, ich bin ja doch kreativ!

    Wenn wir nicht alle Kreativität in uns hätten, würden meine Seminare zur kreativen Ideenfindung ja auch keinen Sinn machen :-). Aber so geht es nur darum, sie wieder hervorzulocken und sie aufblühen und leben zu lassen.

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